t plus 180

sechs monate zurück in deutschland (na gut, in einer woche)!!
vieles hat sich schon relativiert: ich laufe wieder auf der rechten (haha) seite des fußweges. ich freu mich nur noch einmal die woche ganz unvermittelt über die tolle klare frische luft. mir fällt erst auf, dass die deutschen fancy und schick sein müssen, wenn ich nicht-europäer sehe, die es nicht sind (nicht sein müssen).
die regnerischen tage setzen mir zwar noch nicht allzusehr zu (wir haben ja auch glück mit dem deutsche sommer dieses jahr!), aber die warmen sommertage genieße ich doch sehr bei stetig wachsender angst vor dem winter…
als größten entwicklungssprung nehme ich die freude durch die straßen zu laufen, egal wann, egal wo. die angst/beklemmung ist weg. 🙂

bin ich angekommen? klares „nein“. ich habe grundsätzlich das gefühl, vom einfinden so weit enfernt zu sein wie ein inder vom fkk.
es fällt extrem schwer, (s)einen platz zu finden. das lässt sich auch nicht wirklich herstellen mit geregeltem arbeitsleben und so. da fehlt einfach immer noch ein stück. ob das drüben im subkontinent geblieben ist oder auf dem weg zerbröselt, kann ich nicht sagen.

ein bisschen sorgen macht mir (unter anderem, die deutschen sorgen sich ja gern und da bin ich auch keine ausnahme) der wachsende abstand zu indien. jaa, gut, ich bin genau wegen diesem abstand zurück gekommen, aber nach den ersten wochen des notwendigen „abstand nehmens“ hätte ich doch mit mehr einbindung gerechnet. aber das ist eigentlich kaum der fall und ein urlaub für diesen winter im land und bei den freunden, der eigentlich fest eingeplant war, rückt im weiter weg.
was bleibt denn da am ende übrig frage ich mich? außer die lücke selbst, die mir immer noch, nach 6 monaten die verbindung zum hiersein in deutschland zumindest teilweise extrem erschwert.
so viele jahre müssen doch irgendwie auch einen abdruck hinterlassen. oder bin ich dafür vielleicht auch wieder zu ungeduldig? will schon wieder resultate sehen bevor der braten verdaut ist?

ich versuche mich dem nervigen grübeln zu entziehen, indem ich mich einfach auf einen neuen kontinent stürze! es gibt ja genug. hatte ud habe insgesamt 10 jahre mit der beschäftigung mit indien zu tun und wenn ich jetzt 10 jahre in südamerika investiere (wahrscheinlich eher 15, sind ja mehrere länder im spiel) dann bin ich schon ende 40 und hab dann vielleicht noch die kraft für afrika?
klingt ein bisschen größenwahnsinnig? finde ich gerade total logisch. und zumindest vorwärst orientiert.
ich erinnere mich jetzt auch so langsam, dass das verdammte grübeln und im eignen saft gesule einer der gründe war, warum es mich wegtriebt von hier. das „eigentlich-alles-notwendige-zur-verfügung-haben-aber-nichts-daraus-machen-können-weil-ständig-überreflektieren“ ist nichts wozu ich zurück zu kehren bereit bin. geht aber schon los langsam…. :/
das heisst nicht, dass ich zum grenzwertigen dasein im engergiefressenden mumbai zurück wollen würde…nein nein, aber es muss ja auch noch was anderes geben. nicht wahr?

drückt mir also die daumen freunde, dass ich dem deutschen fancy-ism nicht komplett verfalle, meine mitte wieder anständig definieren kann…und zwar in den nächsten 6 MOnaten bitte…und die welt da draußen weiter nach mir ruft.

winkend

anja

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exil-exilistin

ich bin nun (glaube ich, denn man ist ja immer nur beschränkt weise) lange genug im ausland, gern auch exil, um diese komischen eigenarten zu entwickeln. ich lerne mich selbst und auch andere menschen besser verstehen, doch doch.
aber ab und zu bin ich schon überrascht, was noch alles in mir steckt. der oktoberfest besuch war auf jeden fall ein meilenstein. mein „fifa-germany-shirt“ ein schock für einige freunde und meine schwester wäre sicherlich entsetzt darüber, wieviel nutella ich hier konsumiere.
all das trägt hier zum inneren gleichgewicht bei. das ist wohl so: stelle man sich das seelenleben als titanic vor….nun gut, vielleicht nicht so drastisch, aber als schwerfälliger dampfer. gerät dieser dampfer nun unter beschuss und wird so zu schlagseite getrieben (und das indien einem ordentlich schlagseite verschaffen kann ist nun wahrlich keine neuigkeit), versucht der kleine kapitän irgendwie wieder ins lot, ins gleichgewicht zu kommen. wenn die einseitige beschwerung nicht abzuwerfen ist, so muss es denn eben sein, dass noch ein gewicht auf die zweite seite gepackt wird. es kann sein, dass der arme kahn dann zum sinken verurteilt ist, aber immerhin stirbt die manschaft im lot!
was will die anya jetzt wieder mit so ner kryptischen formulierung, fragt sich nun mein geduldiger leser? 😉
ich will ein bisschen darüber philosphieren, wie sich auch die sicht auf meine landsmänner und frauen im ausland hier ändert. fakt ist, ich war von tag eins an kein freund der hippietouristen, wie sie sich gerade wieder vermehrt in colaba finden. auf dem weg nach goa, in batikshirt, badelatschen und sand im haar! brechreiz und wilde aggression lösen sie bei mir aus, gestern wie heute. (die frage bleibt: bin ich neidisch auf deren hemmungslosen urlaub oder einfach nur genervt, weil sie meinen alltag noch anstrengender machen)
aber auch sonst habe ich mich eher von landesgenossen fern gehalten, fällt mir jetzt auch wieder vermehrt auf. nicht ein einziges mal habe ich den deutschen stammtisch besucht. (aber kann den jemand WIRKLICH empfehlen? ) ja, ich stehe dazu, ich habe da vorurteile! was soll man denn aber auch denken, wenn die einladungen zum stammtisch immer in 5 sternehotels führen, auf dessen dächern man sich dann mit cocktail in einen pool setzen kann….?
dafür hatte ich ebenfalls noch nie etwas übrig und es sieht nicht so aus, als würde sich das in naher zukunft ändern…

trotzdem bin ich auch kein rügen (auf der suche nach einer einsamen deutschen insel fiel mir diese ein)!
davon können besonders meine praktikanten ein liedchen singen. ich hänge sehr wohl daran, zeit mit landesgenossen zu verbringen! (ein dank gleich mal an fabian, nela, hanna, julia und vroni!) genieße den tratsch und klatsch, das absondern von „DEN indern“! zumindest vorübergehend muss das sein. fürs seelengleichgewicht!
aber trotzdem erwische ich mich gelegentlich dabei, auf diese weise zeit mit menschen zu verbringen, mit denen ich in deutschland selbst wahrscheinlich a) nie in kontakt gekommen wäre und selbst wenn b) der person wahrscheinlich höchstens höfliche 5 minuten aufmerksam geschenkt hätte….
warum hängt man sich hier manchmal so an menschen, dinge und gegebenheiten, die nur deshalb im licht glänzen, weil das licht aus indien kommt? manchen menschen wird so ein besonderer glanz verliehen (mir auch, das merke ich immer wiedre) und ein geheimes band steht irgendwie dazwischen, dass eigentlich nur aus spinnweben besteht.
ist das nun gut oder schlecht? beschummel ich mich selbst zu eigenem seelenwohl oder deutet das auf die weitung eines beschränkten horizonts hin?
gibts da meinungen, erfahrungswerte?
in diesem sinne:

(ich finde das lied ganz schöne böse muss ich sagen, trotzdem: hat jmd den ganzen film gesehen?)

und da ich das nicht so stehen lassen kann, noch ein schönes video hintendran. schönes hamburg, ich winke! aach, dieser akzent…



abenteuer mumbai – surviving in the wild wild civilization (2)

akt zwei: the mess with the maid

eine soap. wirklich. mein leben ist eine never ending soap opera a la gzsz. nicht besonders attraktiv, aber irgendwie catchy. (vorausgesetzt, dass die serie, seit ich sie das letzte mal gesehen habe, nicht noch wesentlich übler geworden ist)
zur untermalung dieser vagen these und zur allgemeinen unterhalt also nun folgende episode (ein mehrteiler for sure).

nach meiner abreise aus mumbai ende letztes jahres hatte es einen wechsel der putzmaid gegeben. anlass war ein erfreulicher. die aktuelle maid (jaya) war erneut schwanger geworden. sie hatte es bisher nicht geschafft, ihrem ehemann nachwuchs zu schenken und schon eine fehlgeburt hinter sich. der druck in der familie muss wohl ein stetig wachsender sein.
als ich also wieder kam im juli hatten wir eine ersatzmaid, die sich aber nicht lang hielt. sehr unzuverlässig. dann kam im august laxmi ins haus.
ihre integration in den haushalt verlief dann ganz nach dem bewerten muster:
1. woche: super ambitious. sie ist ist pünktlich, sie putzt alles ordentlich, sie putzt ALLES (was man ihr aufgetragen hat) und sie schlunzt nich rum
2. woche: still ok
in dieser phase neige ich immer etwas zu euphorie ob der tatsache, dass da jemand seinen job anständig macht.
interessant wird es dann immer so ab der 3, 4 woche. auch in diesem fall ließ die qualität der zu erledigenden arbeit stetig zu wünschen übrig und besonders am wochenende wurden vereinbarte putzzeiten gerne weitreichend ignoriert. das ist also die phase, in der man herausfinden muss, ob die maid passt, während sie versucht herauszufinden, was sie sich herausnehmen kann. oft werden einem arbeitgeber am anfang versprechungen gemacht, die aufgrund anderer verpflichtungen eigentlich nicht zu halten sind, aber gut…
ich hasse diese phase und mache mir gern das leben damit schwer, dass ich weiterhin darauf beharre, dass man VOR antritt des jobs die konditionen bespricht und sie dann NACHER auch einhält! hier gilt aber auf unterschiedlichsten stufen: ich fang erstmal an und dann gucken wir mal, wieviel du zahlst. oder was ich tun werde. argh. gelegentlich nehmen so leute jobs an, die sie eigentlich gar nicht bereit sind zu tun….herrje, was für einige zeit und energieverschwendung!

während also unsere laxmi an glanz verlor, tauchte die ex auf, jaya. leider hat sie auch dieses baby durch eine fehlgeburt verloren und musst nun den „schaden“ durch wiederaufnehmen der arbeit gut machen. sie klingelte eines tages an der tür, zu aller überraschung und fragte nach, ob sie denn nun ihren job zurück haben könne.
da von einer reinen vorrübergehenden ersatztätigkeit nach so vielen wochen, monaten nicht mehr die rede sein konnte, wurde entschieden, dass wir erst einmal laxmi behalten wollten und die beiden das unter sich ausmachen sollten. in der absicht, sich aus dem problem herauszuhalten, stolperten wir so erst richtig hinein. und was nun folgte kann man nur noch als zickenkrieg bezeichnen. ein stiller zickenkrieg. denn wir bekamen die auswirkungen zwar direkt zu spüren (so hörte laxmi einfach auf, zur arbeit zu kommen), aber was zwischen den beiden gesprochen wurde, bekamen wir nur über dritte zu hören.
es hieß zuerst, dass jaya nun laxmi aufgesucht hätte, um ihr mitzuteilen, dass sie nun wieder für uns arbeiten werde und laxmi nicht länger zu kommen brauche. ich weiß nicht, wie der ton zur musik war, aber tatsache ist, dass laxmi (arme arme laxmi) zu eingeschüchtert war, um sich die nächsten tage bei uns blicken zu lassen. auf nachfragende anrufe reagierte sie mit lügen (ich bin krank) oder legte einfach auf und wurde erwischt (unten auf der treppe wartend). bei ihrem nächsten erscheinen sagten wir ihr dann, dass wir sie nicht feuern würden. das war ihre ausrede, warum sie nicht gekommen war. klasse idee, sie vor der kündigung zu drücken, in dem man nicht zu arbeit kommt oder?
in nächsten schrittauf dem weg zum maniacity war nun also jaya die böse, die durch fehlgeburt und druck der bösen gesellschaft zur erpresserischen bestie aufgestiegen war bis…..nunja, bis wir von einer weiteren maid erfuhren, was sich WIRKLICH zugetragen hatte. ja, jaya hätte mit laxmi gesprochen, letztere aber reagiert mit der bemerkung: ja, sie wollte eh aufhören, ist ihr zu nervig, aber sie will noch bis diwali bleiben und die premie abfassen, danach könne jaya den job zurück bekommen.

man KÖNNTE nun vermuten, das einfach beiden viel an ihrem job gelegen sei, nicht wahr? was tat also laxmi in den nächsten tagen und wochen? man konnte ihr von nun an dabei zu sehen, wie ihr arbeit jeden tag schlechter wurde. ab und zu kam sie einfach gar nicht (krank). am wochenende kam sie unangekündigt jedes mal einfach eine stunde später bis mir letztes wochenende, als sie dann endlich um 4.15pm klingelte, der kragen platzte.
ich ging also zu meiner mitbewohnerin, die demnächst auszieht und die die letzte entscheidung also mir überlässt, um sie zu bitten, laxmi am darauf folgenden tag eine letzte warnung zu geben. entweder sie macht den verdammten job oder eben nicht.
am nächsten morgen um halb acht wurde ich also geweckt durch schimpfgeschrei von zwei weiblichen stimmen. dieses mal mit meiner zustimmung. dem bericht hinterher war nicht viel zu entnehmen, denn natürlich redete sich die maid mit diversen ausreden aus der affäre. ist ja alles nicht wahr! nänänäää…
ich hab da schon echt die schnauze voll.
der ganz kinderscheiß.
ich fluche täglich in mich hinein, wenn ich die fr**** von dieser ***** schon sehe….

und um das ganze zu krönen, hörten wir heute noch von einer vierten involvierten maid, dass jaya gegenüber laxmi nocheinmal deutlich gemacht hat, dass sie dann am nächsten monat dort wieder arbeitet. a la: dann ziehst du aber mal fix leine schwester, alles klar?

ich glaub ich zieh die leine sehr bald, die reißleine.

mädels, der geduldsfaden der weißen frau ist abgebrannt. so watch it!!

to be continued…

anya

ich bin wirklich kein großer fan der 80er, aber in einem punkt fehlen sie mir gewaltig. diese geschichten erzählenden musikvideos…seufz. gone.


Is this bitching really necessary? (=ey!?!)

Oder nicht einfach nur eine verschwendung von ressourcen?
Da bin ich also nun wieder. In der mitte von indien, in der mitte des molochs, in der mitte der weiblichen kampfzone!
ich bin nie jemand gewesen, der in konfliktsituationen auf konfrontation ging. Gut, ich KANN sehr direkt sein, aber das ist wohl etwas anderes. Werde ich frontal angegriffen, neige ich zum geordneten rückzug, der gelegentlich in unordnung gerät. weil ich feige bin? Nein, weil ich im großen und ganzen als harmonischer mensch bin und ganz besonders zu hause auch einfach meine ruhe haben will. Zu hause auch noch kämpfen? Ist der kampf auf den straßen, in den büro’s nicht hart genug? Ist es zuviel verlangt, in den eigenen vier wänden verschont zu bleiben und kann man nicht solcherlei probleme (kleinigkeiten) nicht auch zivilisiert besprechen?
die antwort ist einfach und lautet: nein.
nach mittlerweile mehr als 10 jahren in wgs, in denen ich wahrhaftig einiges erlebt habe (höhepunkt war eine anzeige wegen verletzung der privatsphäre von einem mann, den ich auf 3 metern entfernung riechen konnte…laaange geschichte), steht für mich eigentlich schon länger fest, dass ich allein wohnen möchte, muss, will. Die einzige person auf dieser welt, mit der ich im moment bereit wäre, mein leben (sprich wohnung) zu teilen, ist meine schwester. (nun gut, vielleicht würde ich vorübergehend bei george clooney auch eine ausnahme machen, aber nur, wenn er die espressomaschine mitbringt! )
leider lässt sich das hier nicht verwirklichen. Auch verschiedenen gründen. Der größte und wie immer entscheidende faktor ist das verdammte geld! In mumbai eine wohnung zu mieten ist scheiße-teuer. Und ich meine: SCHEISSE teuer! Nachdem mein visum bereits daran gescheitert ist, dass ich nicht genug geld verdiene kann man sich vielleicht ausmalen, dass ich hier nicht im goldenen gral schwimme…
außerdem gibt es bei einer wohnung auch eine unmenge an papierkram und dinge zu beachten, die mich die nächsten monate busy keepen würde…keine lust dazu (und ehrlich auch keine nerven, so schon genug papierkram an der backe). Multipliziere man nun mit der tatsache, dass man ja als foreigner auch immer noch einen „sonderstatus“ hat….klar, ne?

Es war also bis jetzt einfach immer günstiger in wgs zu wohnen, die es zusehends auch gibt. sie wachsen nicht wie champingons zur erntezeit aus dem boden, aber es gibt sie.
ich dachte also, ich bin durch mit dem thema. Dachte…!
schon im letzten beitrag konnte man vielleicht etwas …unmut..über die aktuelle situation herauslesen. Dieser hat sich wie ein ekelhafter fusspilz (was hab ich denn heute mit pilzen?) weiter ausgebreitet und ich habe mittlerweile das gefühl, dass ich in diesem haushalt für jeden quadratmillimeter freiheit kämpfen muss. Ständig werde ich angefahren, dass meine nasse kurta zu dicht an einen pinken bra hänge oder einen gürtel unsachgemäß auf dem fussboden hinterlassen habe….
und dieser ton erst…..
und ehrlich, ich bin drauf und dran zu platzen. Aber tue ich das?
und ich bin wirklich niemand, der anderen menschen ihre macken nicht lässt, habe ich doch selbst genug, aber irgendwann reichts! Inzwischen weiß ich schon nicht mehr, ob mich diese aneinanderreihung von dämlichen anweisungen allein nervt oder ob es an dem ton liegt.
Nun ist das hier aber ein raubtierkäfig der besonderen art und mir ist auch nicht neu, dass man sich in dieser stadt durchsetzen muss oder man wird verschluckt von ihr. Und ich lerne dazu, wirklich! Ich lerne das zu tun, was ich schon immer verabscheut habe. Toll nicht!?
aber zu hause, zu hause will ich meine ruhe!! Und das ohne eine jungen nordindern jeden zweiten tag klar machen zu müssen, dass sie sich gefälligst am riemen reißen und mich in ruhe lassen soll mit ihrem gekeife!

Fazit: ich will nicht allein wohnen, aber ich muss mein eigenes recht behaupten und das sagt: leave me the hell alone!

hier kommt ein dampfablassvideo, was thematisch woanders hin geht, aber doch auch irgendwie passt. so vom flow her. 😉

anya


Geh doch weg und nerv jemand Anderen!

Wie sehr hab ich früher die Samstage gemocht! Seufz. Zu Zeiten, in denen ich nicht arbeiten musste am Samstag, versteht sich. Aufstehen, wenn man endlich wach geworden ist. Von allein! Lange ausgedehnte Dusche und dann ein noch längeres Frühstück, das in aller Ruhe und mit jeder Menge Lesestoff versehen ist. Man gönnt sich einen zweiten Kaffee und überlegt in aller Ruhe, wo man am heutigen Abend sein Bier zu sich zu nehmen gewillt ist und mit wem? Vielleicht später ins Kino oder Theater? All diese Überlegungen werden schwerfällig und ohne Zeitdruck im Kopf hin und her geschoben und die Betonung liegt dabei auf: RUHE!
Die Quintessenz dieses süßen Genusses des Samstag Vormittags liegt eben darin, dass Niemand etwas von einem will. Wenn Gesellschaft geduldet wird, dann nur, weil sie zu solchem Anlass dieselbe Trägheit zutage trägt wie man selbst. Jeder, der auch nur eine Woche mit mir zugebracht hat, weiß, dass es in meinem Leben keinen schlimmeren Fauxpas gibt, als mich vor dem ersten Kaffee anzusprechen!
Aber wir sind hier nicht zu Hause. Obwohl ich dieses vorübergehend als solches bezeichnen will, muss, sollte. Selbst nach mittlerweile etlichen zwischenmenschlichen Begegnungen, komme ich mir manchmal im eigenen Haus noch vor wie E.T. beim Versuch, eine Standleitung „nach Haaausee“ zu bekommen. Niemand scheint zu verstehen, was mir wichtig ist oder ist bereit, es einfach zu ignorieren. Und ich bin einfach schon zu lange mit mir selbst liiert, als dass ich bereit wäre, alles einfach hinzunehmen (heißt: mich ohne Murren anzupassen). Ich steuere also schon bald wieder auf einen Overkill zu. Besonders dann, wenn ich ständig belehrt werde, wie ich etwas zu tun habe. Versuche ich mich zu verteidigen, was in Englisch zusehends schwierig wird wenn ich emotional reagiere, wird der Ton immer lauter, heftiger und schriller. Genau das brauche ich Samstag früh: Jemand, der mir so richtig auf den Sack geht! Ich weiß, dass dieser Ton in vielen Fällen nicht so harsch gemeint ist, wie er für mein europäisches Ohr klingt. Er gehört zum täglichen Equipment jeder Frau in diesen Kreisen, die sich immer wieder verteidigen und positionieren muss. Gegenüber Maids, in der Familie, auf der Arbeit, im Shop… und das immer schön laut!
Ich war immer schon der Typ: sag mir klar und ruhig, was das Problem ist und wir reden darüber (ich bin wirklich die Letzte, die sich gegen Kritik ausspricht), aber SCHREI mich nicht an!!
In Mumbai wird man eigentlich nur angeschrien. Perfekt, was mache ich hier? Auf der Straße, weil‘s so laut ist. Im täglichen Umgang, um die Wichtigkeit einer sonst zur Bedeutungslosigkeit verkommenden Aussage zu unterstreichen. Und immer auch um zu zeigen: ich bin stark und nicht mit mir, ich behaupte meinen Platz. An einigen Punkten im Alltag habe ich bereits dazu gelernt. Zum Beispiel Im Zug, in dem ich inzwischen in der Lage bin, meinen Quadratmeter Platz zu verteidigen. Nicht in dem schreie und keife (bitchen in der ersten Klasse, oje!), sondern einfach, in dem ich sanft aber bestimmt Druck ausübe (ich meine das durchaus körperlich) und nur soweit zurück rücke, wie ich auch wirklich bereit bin, an Platz aufzugeben. Das klappt meistens ganz gut.
Aber dieser Gesprächston, der hier an den Tag gelegt wird….nein nein, den will und kann ich nicht akzeptieren!
Als meine Mitbewohnerin mich also heute  in dieser typischen Tonlage (ich habe auch gehört, der nordindischen Gesprächswind wäre noch einmal um einige Grad kälter als der im Süden) dazu ermahnt, den Aschenbecher ordentlich zu säubern, wenn ich ihn benutzt habe und meine Wäsche nicht zu dicht an ihre zu hängen und mich etwas vorwurfsvoll an meine Mietrückstände erinnert („will it be like this now EVERY month?“), während ich eigentlich nur gern das Wasser für meinen Kaffee in der Küche erhitzen möchte und dafür nach einem sauberen Topf im Chaos suchen muss (yeah! WG!!), bin ich soo kurz, wirklich soo kurz davor, ihr einfach auf Deutsch mal zu sagen, was sie mich gerade mal kann!
Dann wäre meine Laune für diesen Tag allerdings komplett dahin, weil ich sowas immer lange mit mir rumschleppe. Ja, ich weiß doof, rauslassen und weitermachen. Aber ich bin das Gegenteil eines Cholerikers! (außerdem hab ich für solcherlei Dinge doch schließlich meinen Blog  )
Und das alles von einer Frau, die sich weigert, das Brot bis zum Ende aufzubrauchen, so dass stets ein bis zwei halb leere Packungen im Kühlschrank liegen, die ICH dann aufessen darf….schon klar!
Ich trete also den geordneten Rückzug an und warte, bis sich die Lage in der Küche entspannt hat und ich in Ruhe Frühstücken kann. Ich will doch nur meine Ruhe!

Natürlich verbündet sie sich anderthalb Stunden später wieder mit mir, weil sie mich gebrauchen kann. Wir diskutieren die Einkaufsliste, nett und höflich. Wie es sich gehört. Geht doch!

Wenn jetzt noch dieser verdammte Baulärm auf der anderen Straßenseite aufhört könnte ich mich vielleicht endlich meinem Samstag widmen. Grmpf!

anya


was wird aus mir werden?

manchmal frage mich (jetzt, da das ende der reise langsam naeher rueckt natuerlich verstaerkt), was mumbai und die verrueckten inder schon an mir fuer veraenderungen vorgenommen haben…
ich nehme erfreut zur kenntnis, dass ich langsam lerne, mich durchzusetzen. zum beispiel.

und aus aktuellen anlass moechte ich die letzte homestory zu diesem, meinem derzeitigen, lieblingsthema auch gleich mal unter die leute bringen….
gestern in der mori road:
oder besser letzte woche:
da ich gerade besuch habe und wenig zu hause bin, sammeln sich leeren und halbvollen dhabba im haushalt. manchmal schaffe ich es, der maid klarzumachen, dass sie sie bitte saeuber soll…argh…manchmal nicht. ich komme auf jeden fall einfach nicht dazu, sie dem jungen tiffinboy zurueck zu geben, denn jedesmal, wenn er gegen neun klingelt, bin ich mit esther unterwegs… 😕
anyway, gestern frueh beschliesst der junge mann unbedingt seine dhabbas abzuholen, komme was wolle und klingelt. ich bin inzwischen schon so abgebrueht, dass ich klingeln grundsaetzlich erstmal ignoriere. in 99,99% ist es nicht fuer mich (ausnahme: dhabbawalla) und ich verstehe in ebenfalls 99,99% auch nicht, was sie wollen, mangels maharathi bzw. englischkenntnisse. also schlafe ich weiter als es klingelt.
nicht jedoch meine mitbewohnerin anita, die sehr wohl ziemlich gut die landessprache beherrscht und auch relativ haeufig was nach hause geschickt bekommt (man kann sich hier eigentlich fast alles kostenlos nach hause schicken lassen) und die dementsprechend oft die tuer oeffnet. ok, soweit.
allerdings (!) weigert sie sich, dem armen wuerstchen den tiffin einfach in die hand zu druecken (grosser arbeitsaufwand ❗ ) und sagt ihm irgendwas und knallt die tuer wieder zu. der junge ist jedoch hartnaeckig und klingelt immer wieder.
ich schlafe. 🙄

dann, esther ist gerade aufgestanden und in die kueche verschwunden, werde ich wie folgt geweckt: anita stuermt in mein zimmer und bruellt mich an, dass der tiffinboy schon viermal geklingelt haette und sein tiffin will und sie kein bock mehr und ich GEFAEELIGST an die tuer gehen soll!!
man stelle sich mein gesicht vor: aus dem verschwitzen schlaf gerissen und angebruellt…haehhhh? was? wer? wo?
ich stehe also auf und regele das mit dem tiffin um dann endlich wach genug zu sein, um zu realisieren, was diese dreiste mitbewohnerin sich da gerade geleistet hat! 😡
also klopfe ich an ihrer tuer, hoere ein ziemlich agressives „what do you want??!!“, sie reisst die tuer auf und faengt gleich wieder an zu bruellen…unglaublich…
man kann sich das nicht vorstellen!
ich bin inzwischen ziemlich sauer und jeder, der mich kennt wird wissen, dass man das dann auch sehen kann und sage ihr, dass SIE die sprache des jungen sehr wohl spricht und das einfach auch mal regeln haetten koennen und dass sie in DIESEM TON nicht mehr mit mir sprechen soll. ich bleibe relativ ruhig und bestimmt. was bleibt einem auch anderes uebrig, wenn man ein hysterisch schreiendes maedel gegenueber hat… ruhig bleiben oder auch schreien. 😕
ich merke an ihrem letzten satz (bevor ich einfach beschliesse die konversation zu beenden und weggegehe), dass ich mich anscheinend durchsetzen konnte und (wichtig) meinen status behauptet habe. sie sagt naemlich, ich solle aufstehen und meine arbeit machen…..aehh…ja. alles klar!

was diese frau betrifft kann ich nur den kopf schuetteln. die hat doch einen an der waffel!!
aber ich habe gelernt: die kann mich mal! 😛 und das kann ich mit bestimmter aber ruhiger stimme behaupten! 😀 so basta.

lg anja