why life is still beautiful

Goa ist an und für sich wohl schon allen Klischees begegnet, die man sich denken kann und eine Beschreibung meines nunmehr dritten Goa-Urlaubs erübrigt sich wohl für alle, die schon mal da gewesen sind. Alle anderen: bitteschön:

Die ersten Tage habe ich mit zwei Freunden im Süden Goas (Nähe Benaulim) verbracht. Sehr sehr schön. Anders kann man es nicht sagen. Ich habe die vier Tage am Meer und in entspannter Gesellschaft verbracht und fühle mich fast wieder komplett.

Wir haben das Morgenschwimmen geteilt, gemeinsam übers Leben philosophiert (wenn nicht in Goa, wo dann?!), die täglichen Portionen Fisch und Watermelon/Wodka genossen und die Seele baumeln lassen. Ich habe mich in dieser Dreikombi einfach komplett aufgehoben gefühlt. Vielleicht war es auch genau richtig, dass eben mal KEIN Inder dabei war. Zumindest für mich. Wir lachten über dieselben Dinge und wenn ich mal Jemanden drücken musste ohne den ganzen Bedeutungsquatsch, war auch immer Jemand zur Stelle. Ein kleines Paradies in sich. (Danke an euch Beide 🙂 )

Doch obwohl ich das auftanken sehr genoss, rechnete ich insgeheim doch mit einer Falle, warte auf den Haken an der Sache. Der kleine Teufel auf der Schulter eben. Das muss wohl an Mumbai liegen, dieses ständige verdammte Misstrauen. Okee okee, ich bin in dieser Richtung schon zuvor veranlagt gewesen, aber die Zeit im Moloch hat diese Marotte in eine Neurose verwandelt…oder so. Ich vermute, ich habe das erste Mal in etwas größerer Bandbreite verstanden, was das indische Stadtleben mir abverlangt. Das das nicht gesund ist auf Dauer und ich mich nicht immer nur durcharbeiten sollte und die Auszeit, die ich brauche, auch nehme.
Ich wartete also auf die Rechnung, aber sie kommt nicht. Oder nicht wirklich. Die kleinen Steinchen im Weg wurden ertragen und solange ich endlich mal Ruhe genießen konnte, aufs Meer schauen(!) und mich die Inder in Ruhe lassen….ja, alles entspannt sich.
Ich kam wieder etwas zu mir.

Einen Tag vor Silvester hieß es dann bye bye lovely Einöde und ab in den Party Norden nach Anjuna. Ein Kompromiss mit meinen Mitreisenden. Ich wäre wahrscheinlich in Benaulim geblieben und hätte mir Neujahr am Arsch vorbeigehen lassen. 😉 Faule Socke ich.

Nächster Stop also Anjuna. Bekannt für den Flea Market und das (inzwischen muss man wohl sagen ehemalige) Hippie flair. Für die richtige Grundeinstellung sind wir bei der perfekten alten Dame untergebracht. Lino hat all die Ausstrahlung in sich vereint, die man mit dem Hippie Auswandererdasein in Goa wohl verbindet. Auf eine gute Weise! Sie lud uns in ihr Haus, welches allein schon ein Träumchen deluxe sein könnte. Noch dazu hat sie Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen und teilt diese mit uns. Wir drei Weltenbummler finden uns also bei einem Bier und einem fish curry wieder am ersten Abend, gespannt ihrem Leben lauschend.
Es ist viel städtischer hier und mir eigentlich schon etwas zu laut und viel. Aber gut, wir wollten ja ein bisschen wohl gelaunter sein. 😉 das gute am ersten Teil des Urlaubs ist: ich kann endlich wieder etwas in mich aufnehmen und WILL das auch. Und unser erster Abend in Anjuna gibt mir jede Menge Anlass dazu. 😀

Ein typisch indisches Ding war das: Lino leiht uns ihr Moped aus, was die Fortbewegung innerhalb Anjunas extrem erleichtert. Das alte Ding trägt uns drei mehr schlecht als recht, macht mich aber extrem glücklich.  Eingeklemmt zwischen zwei lieben Menschen, google maps hilft suchen und die frische Abendbrise weht mir um die Ohren. Wir nehmen noch ein Getränk irgendwo und wollen dann zum well known hilltop. Ich verkneife mir die bösen Bemerkungen. Eine Goa Disse eben, bas. Da wir mit Abendessen etc dich etwas länger gebraucht haben (man ist ja schliesslich im Urlaub und lässt sich Zeit) sind wir erst kurz nach 10 vor Ort und was soll man sagen: die Kaschemme macht zu!! Ärger ärger. Und das am 30.12….Goa ist wohl in bestimmten Dingen doch nicht so ganz unlimited….ähem. Was nu? Ein flyer wird uns in die Hand gedrückt, google maps befragt und los gehts. Diesmal ein bisschen weiter raus und das kleine Knäckerrad müht sich ganz schön ab. Aber schafft es doch mit uns an das ca. 10km entfernte Örtchen. Aber da es ja bekanntlich erstens anders kommt und so….platzt direkt vor Ort der Hinterreifen…mmh? Da stehen wir also…elf uhr abends, Landstrasse im Nirgendwo und ohne Gefährt. Etwas Unmut macht sich breit, kamen wir doch zum Tanzen! Aber Indien wäre wohl nicht Indien ohne diese seltsam einfachen Lösungen, die zumindest ICH mir in Europa nie vorstellen könnte.

Schon nach ein paar Minuten hält ein kleiner Laster an und ein dicker mittelalter Einheimischer steigt aus. Problem wird erklärt, klaaaar kann er helfen. Wir hiefen die Möhre (so der getaufte Name unseres armen Gefährts)auf die Ladefläche und steigen ein.
Die ganze Fahrt zurück nach Anjuna musste ich furchtbar in mich hinein grinsen. Ein Gespräch kommt schnell zustande, Ashok (unser Engelchen) findet nämlich Engländer und Deutsche ganz toll, „nice people“.
Er eröffnet gleich, dass er eigentlich sonst schon lange im Bett ist, AUSGERECHNET heute, ist er später aus der Kneipe aufgebrochen. Jaja, er hätte auch schon gut was getrunken, aber er esse ja auch immer viel und dann wäre das ja „no problem“. Er philosophiert über göttliche Fügung (ein gläubiger Christ aus Goa in Aktion) und über Autolichter.
Indian circumstances, herrlich.
Nachdem uns Ashok wieder bei Lino abgesetzt hat, wir das Moped vorerst dort geparkt haben, geht es noch auf in die UV Bar, in der mich die Eindrücke erschlugen. Ich hab die Augen, Ohren und den Kopf ganz weit aufgemacht und versuche das hier mal zusammenzufassen.

Die UV Bar ist einer dieser typischen Strandclubs, alles draußen natürlich, dass Meer in Flut im Rücken und mit fluoreszierenden Tüchern behängte Tanzfläche vor dem DJ-Pult. Eigentlich soweit i.O. nicht wahr? Leider lief dort die schlechteste Musik, die ich in den letzten….5…10…Jahren gehört habe. Aggressiver Bumbumscheiss. Ich mag wirklich nicht nur eine Art von elektronischer Musik, aber diese Grütze gehört samt DJ sofort in die nächste stinkende Mülltonne, sorry. Egal welche Drogen man mir da einflößt, Grütze bleibt Grütze. Der einzige Unterschied ist: ich ertrage die Grütze. Noch ein Getränkchen gekauft und Leute beobachtet. Großartige Beschäftigung auf dieserlei Events. Gut, zwischendurch hab ich mich auch irgendwo an den Rand gesetzt und auf dem Handy ein paar Runden Solitär gespielt. Ich würde das verbuchen unter 100% „geht mir doch am Arsch vorbei“ Stimmung. 😛
Es tanzen, nein zucken (vielleicht läuft das in einigen Kulturen auch schon unter Kickboxen) also jede Menge Westler und Inder vor sich hin. Dazwischen laufen Billigarbeitskräfte a la Indien durch die Mengen und bieten lustige Bunte Striche fürs Gesicht an. Ich fühle mich kurz wie in Colaba: Madaam, Drums? Ich überlege, ob ich mir einen Stinkefinger auf die Stirn malen soll mit dem Fluoromist, lasse es dann aber doch. Doch der Klopper kommt erst noch. Wir bewegen uns in einer Pause vom….zucken…Richtung Wasser. Dort stehen ca. 10 kleine Tische, an denen indische Hausfrauen in Salwar Kameez alles anbieten, was das Druffiherz zu dieser Stunde wohl verlangen kann: Kippen, Feuerzeug, Papers, Schokoriegel, frischen Chai und Rührei. Jaaa, die Kochen da auf so Ministöfchen!! Dazwischen hopsen dann diverse Zombies der Nacht (gerade rannte ein kleiner Weißer Richtung Meer, warf sich in den Sand und verneigte sich tief) und konsumieren so ziemlich alles, was der Markt zu bieten hat. Im Hintergrund wumwumwumwumwumwumwumwum…. Ich lache in mich hinein.
So schlimm wie in der EV Bar wars in den anderen Lokalitäten dann später nicht wieder, aber auch im Hilltop liefen die mit gelben Bauarbeiterwesten gekennzeichneten (indischen) Helfer zwischen den Tanzenden Leuten hindurch und sammelten durchgehend die Flaschen und Gläser auf. Das findet anscheinend Niemand seltsam. Ich frage mich, was die sich wohl denken, aber vielleicht sollte man das lieber lassen.

Der Business Gedanke ist allgegenwärtig in Goa. Das sieht man nicht nur in den Druffiklubs (in denen dann eine Flasche Wasser gern mal knapp 2 Euro kostet) sondern auch an den schönen Café’s, wie dem Artjuna, in dem sich Kunst, Wellness und Essenskultur verbinden. Dort finde ich zum ersten Mal auch die Yogajünger. Schöne Menschen 30plus, auf der Suche nach einem besseren gesünderen Ich. Ich schätze, ich bin noch nicht so weit.

Gut geht’s mir trotzdem. Ich freue mich über den gelungenen Start ins Jahr 2013, das wieder einige größere Veränderungen bringen wird.

Ich winke euch also peacefull zu und verbleibe mit dem weisen Rat „geht mehr ins Meer“ und diesem Liedchen hier:

anja pepa smiley_emoticons_winken4

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blinzeln, atmen und glücklich sein

doch doch, es gibt sie. die orte in indien, die so aussehen, wie man sich indien immer vorgestellt hat (abseits der großsstädte). man muss die augen vielleicht ein bisschen zukneifen, aber sie sind da.
goa geht auf jeden fall, aber dort finden sich eh alle indienklischees versammelt. die guten und die schlechten.
ich war am wochenende in udupi (bundesstaat karnataka, unweit von mangalore) und es war schön. ja, nun, die augen habe ich etwas zusammengekniffen, aber man nimmt halt, was man kriegen kann.

hin, der bequeme weg: modern style! flug von mumbai nach mangalore dauert nur gut eine stunde (fast 1000 km). der flughafen ist dort sehr klein, irgendwie gemütlich. wir landen an einem samstag nachmittag und irgendwie fängt die entspannung schon dort an. etwas trüben tut die stimmung allerdings der taxifahrer zur örtlichen busstation. der will wieder zeit sparen/extra geld machen und wird unfreundlich, als er merkt, dass wir uns nicht darauf einlassen. *augen zukneif*
mangalore busstation und hopp ab in den nächsten huckelbus. das kenne ich schon von anderen tripps. wenn man nur einigermaßen gesund ist (bin mal mit magen/darm nach goa mit dem bus.. urgh) und das wetter mitspielt (ein andres mal 10 tassen schweiß gelassen im bus von alibaug nach murud im april 2010) kann das eigentlich ganz schön sein. so überall.

schringkling. und los gehts….

anderthalb stunden. der bus füllt sich merklich, aber es geht noch. die gleiche schleife an schlechten bollywoodsongs gehört auch dazu. 😉
in manipal angekommen müssen wir dann nochmal eine riskhaw zum eigentlichen ziel nehmen. das ist auch nochmal nervig, weil der fahrer beschließt, den preis zu erhöhen, weil wir ja „gepäck“ dabei haben. egal, augen zukneeeiiifen!!!

ich freue mich dort am meisten über die tolle frische luft (trotzdem feucht, kann trockene hitze nicht leiden) und: die ruhe!! 🙂
ich wiederhole den satz so häufig (wow, das ist so schön ruhig hier), dass ich wohl alle schon für hörgeschädigt halten müssen. sollen sie doch. ich genieße die hörauszeit!

ingesamt habe ich wieder das getan, was ich brauchte: nüscht! (altbewertes rezept) und mich nur etwas dem touridasein hingebeben mit einem sehr lohenswerten besuch im berühmten shri krishna tempel in udupi und einem besuch am meer.
erstes hat sich mehr gelohnt als zweiteres, liegt aber auch daran, dass ich da unterschiedliche erwartungen habe.
das tempelgelände war für einen wochenendtag um diwali herum erstaunlich leer und ruhig. perfekt auch eigentlich. unaufgeräumt und zum teil auch sehr dreckig natürlich, aber ein bisschen kuhscheiße hat mich eigentlich noch nie gestört. interessante architektur und gesungen wurde auch. geräuchert überall (like) und kleine stände mit nippes rund ums thema „indische spiritualität“ (juchu). wirklich schön. ich habe eine kette aus tulsiholz gekauft und endlich meinen buddha gefunden!!

am nächsten tag gefüllt mir ordentlich viel „nüscht“ sind wir dann später noch zum strand mit dem bus. das aus- und einsteigesystem der regionalen busse ist wirklich toll zu beobachten. der conductor ruft drinnen den namen, wenn man sich einer station nähert in einem nuscheligen singsang und hält dann den kopf raus, um draußen auszurufen, wo es hin geht. dann trillerpfeife in den mund: triiit, tritt, triit (für es steigen leute aus/ein) und dann ein langes triiiiiiiiiiiiit (für: es kann weiter gehn). dann durch die menge drängeln und kassieren. der hat wirklich was zu tun, der mann.
der strand selbst war ok, aber ich musste meine augen schon sehr zusammenkneifen, um es genießen zu können. das meer und der sand selbst waren sehr schön, aber…sorry für das blöde argument, einfach zu viele inder da. heißt: laut, hektisch und gestarre….davon wollte ich ja weg. nach dem zweiten arschgesicht, das heimlich versuchte, ein foto von mir zu machen (komisch, warum nur will ich keine wichsvorlage sein?!), hatte ich dann auch genug.
rückweg.

nach noch ein bisschen mehr ruhe und frischer luft ging es dann wieder nach hause, dieses mal nicht modern style, sondern indian style. eine lange zugfahrt entlang der westküste gehört zurecht zu einem der indienreiseklischees, die man einmal erleben sollte. die landschaft ist zum einen wirklich schön. und wenn man nicht die harakirivariante second class wählt (die europäer übertreiben es ja auch gern mit der „indienerfahrung“) dann kann so eine zugfahrt, noch dazu mit netter gesellschaft, sei sie auch 14 stunden lang, wirklich schön sein. alle paar minuten kommt jemand mit einer leckeren kleinigkeit vorbei (getränke und snacks) und wenn sich dann gegen elf alle auf ihre kojen verziehen, die decken ausgerollt und betten ausgeklappt werden, entsteht tatsächlich ein wenig ferienlagerathmosphäre. gut, da nerven immer ein paar leute (gern auch die goa touris) oder schnarcht ein dicker mann zu laut, aber he, nothing is perfect?!

alles in allem ein guter tripp also, und eine echte empfehlung von mir: Udupi! 🙂

anja


einmal neustart bitte

ach herrje, wo anfangen….
ewigkeiten nicht gebloggt und der grund liegt ganz deutlich vor mir: mein lebenstempo hat gerade überschallgeschwindigkeit erreicht. jedoch ziehen die ereignisse nicht unbemerkt an mir vorüber. eher doch habe ich das gefühl, sie rasen mit voller wucht mitten durch mich hindurch. das klingt aufregend und intensiv, ist es auch, hat aber einen haken, der mich besonders zum ende des letzten jahres wieder eiskalt erwischt hat. deshalb habe ich mir jetzt, sozusagen aus therapeutischen gründen, schreiben verordnet.

nachdem die letzten monate des jahres 2011 einem organisationsmarathon glichen, der irgendwie kein ende nahm, war ich zu weihnachten verständlicherweise ziemlich mit den kräften und nerven am ende.  ich war so am ende, dass ich am ersten offiziellen urlaubstag (der mich in die unendlich blaugelben strandweiten südgoas führen sollte) einen komplettausfall hatte. mein körper hat einfach schlapp gemacht, die notbremse gezogen und mir unmissverständlicih klar gemacht: nu ma schön langsam!!
harte lektion und keine schöne, aber wirksam.

der dann später angetretene urlaub in südgoa war einfach nur perfekt. ich hab das gemacht, was ich so dringend brauchte: nüscht! und das in aller ausführlichkeit.
selbst nach 5 tagen wurde mir lesen, schlafen, essen, schwimmen, rumliegen nicht langweilig!! hätte ich nie vermutet. ich kann also überhaupt nicht sagen, wie die gegend ist. habe sie auf der taxifahrt von margao gesehen und zurück. sieht gut aus….soweit.
über die bushinfahrt (ein 14h marathon nachdem wir den zug ja nicht nehmen konnten) und die rückfahrt mag ich eigentlich nichts erzählen, waren sie doch einfach nur durchschnittlich indisch und mittel zum zweck. 😉

inzwischen bin ich also schon wieder ein paar wochen wieder im büro. die arbeit stürzt schon wieder in bächen und ich merke aber: ich kann das ab. und ich will das auch so. ich mag mein leben hier. (obwohl ich gerade vor zwei tagen in einem gespräch mit einem indischen freund heftige zustimmung bekam bei der aussage, dass einen diese stadt ja eigentlich nie in ruhe lässt und immer dann wenn man sich in sicherheit wägt mit erschütternden ereignissen aufwartet. also obacht! ) ich finde es auch nicht soo schlimm, dass ich nicht wirklich zum rumreisen gekommen bin (bis jetzt). ich bin zum arbeiten angereist und bei Gott, ich ARBEITE. ist meine entscheidung.
ruhepausen müssen sein, ja, das habe ich verstanden. und sollte es so etwas wie einen guten vorsatz für das jahr geben für mich, dann wäre es wahrscheinlich dieser.

denn was mich wirklich gegen ende des letzten jahres am meisten gestört hat (neben dem nervösen zucken meines rechten augenlides ) war die tatsache, dass ich die ganzen wundervollen projekte, menschen und momente, die mir hier praktisch täglich in den schoß gelegt werden, gar nicht mehr genießen kann. es rauscht und rauscht und man lebt so neben sich selbst her. das geht ja auch nicht.

auf jeden fall reift die erkenntnis in mir, dass ich nach diesem projekt ganz dringend eine längere auszeit brauche, um zu verdauen. oder? was passiert, wenn man einfach so überholspurmäßig durch lebt? ich rede jetzt nicht von sex, drugs and rock’n roll…ich meine einfach nur schnell und extrem intensiv. geht das gut? gehts nicht auch n bisschen gemütlicher…

winke
a.


bald schon Inder wird’s was geben, bald schon werden wir uns freu’n.

Noch knapp zwei Wochen, dann gibts wieder neues von hier. oder hier. Auf jeden Fall aus Mumbai. Ich freu mich im Moment noch nicht wirklich, eigentlich hab ich nur Schiss. Aber das wird ja auch schon zur Routine.
Genieße also letzte Freiheiten und Privilegien in Tschörmanie und sage mir täglich mindestens einmal mein kleines Sprüchlein auf (Mantra?): Masala Dosa&Strumpfbefreiung!

Bis dahin warten noch einige Kinobesuche, leider kein Theater mehr, aber ein Musikfestival in Köln. Achja, und ein Geburtstag. Dann mal los!

tata

 

 

 

 


berlin, berlin

eine woche berlin reicht aus – ich bin verliebt. „verliebt in berlin“…könnte man sagen.

doch keinesfalls liebe auf den ersten blick. zwar gezeugt und geboren in der hauptstadt hatte ich bis kurz nach der wende keinen bezug zur stadt, da wir dort als familie nie gewohnt haben. die einzige kindheitserinnerung floss durch den filter meiner mutter, die mir versicherte, die giraffen im tiergarten (der ost-zoo) hätten mir eine heiden angst eingejagt. schreiend wäre ich hinaus gelaufen. ja, nun…diese einstellung gegenüber berlin sollte ich wohl noch eine ganze weile beibehalten. nach der wende folgte der obligatorische schulausflug zum brandenburger tor. aber alles woran ich mich erinnere sind meine ersten schlaghosen auf dem foto und eine wilde, laute busreise. nunja, junger teenager eben (ich war vielleicht 14?) und noch total uninteressiert. der nächste besuch erfolgte kurz nach dem abitur als ich während meines fsj’s zu seminaren mehrmals nach berlin gefahren bin. ich erinnnere mich, dass ich die stadt kalt und doof fand. habe mich aus prostest dann irgendwo in kreuzberg piercen (wie nennt man den bereich zwischen unterlippe und kinn???)  lassen. keine ahnung warum und besonders gut angekommen ist das auch nicht …mein damaliger freund schwor, mich nicht eher zu küssen bevor das ding nicht raus war und für meine mutter begann damit ein langer leidensweg gepflastert mit weiteren piercings, lebensentwürfen, tattoos und schockierenden freunden.  ich hatte dieses erste piercing ganze vier wochen. yeah!
danach konnte ich auf jeden fall berlin einige jahre gar nicht leiden.
dann anfang der 00er jahre begann der langsame stete wandel, den ich hauptsächlich einigen freunden, die sich für studium in berlin entschieden und der tatsache verdanke, dass ich das theatergucken als marathonveranstaltung für mich entdeckte. berlin war mein mekka!
trotzdem will man ja nicht in mekka wohnen, oder? ich war sehr zufrieden mit meiner neuen wahlheimat in sachsen und genoss die regelmäßigen ausflüge in die hauptstadt. waschen nicht vergessen!! 😉
ich bin auch nicht mehr ganz sicher, wann ich diesen trend des „nach-berlin-ziehens“ eigentlich zum ersten mal wahrgenommen habe. jedenfalls hab ich das immer eher mit einem achselzucken abgetan und mir gedacht: ja, pff…irgendwann muss ich da auch mal wohnen, aber nicht jetzt.
ich glaube jedenfalls, dass ich nach meiner wohnerfahrung in der megacity bombay berlin erst richtig zu schätzen gelernt habe. das ich seither ein stadtkind bin war mir klar, aber das ich die hektik einer großstadt zum glücklichsein brauche…nunja, im moment kanns eben kaum chaotisch genug sein.
nun liegt mir aber nichts ferner, als mumbai mir berlin zu vergleichen….nee nee, das tu ich mir nicht an…. 😉

die letzte woche habe ich nun also bei einer freundin in berlin, neukölln verbracht.und mich in diesen tagen mit einigen berliner (urgesteine oder eben auch zugezogene) über ihre stadt unterhalten und das stichwort der saison scheint: gentrifizierung zu sein. das thema ist viel zu groß, um es in einem blogeintrag abzuhandeln. eigentlich eignet es sich prima für eine doktorarbeit und ich bin sicher, fachliteratur lässt im buchladen deiner wahl nicht lange nach sich suchen.
in berlin hat auf jeden fall JEDER dazu eine meinung und nicht immer fällt dir eindeutig positiv oder negativ aus (das sind mir die liebsten 🙂 ). und das viertel, über welches auch in diesem zusammenhang gerade am meisten geredet wird, scheint neukölln zu sein. untenstehender beitrag mit genialomat kurt krömer ist, obwohl anscheinend erst drei jahre alt, eigentlich auch schon überholt. da hat sich so einiges getan in den letzten jahren.

ich muss gestehen, dass ich mich dort sehr wohl gefühlt habe. und gerade das, was so einige nicht-berliner irritiert oder schockiert und sich immer wieder äußert in sätzen wie „da gehst du durch die straße und kein mensch spricht deutsch“…gerade das lässt mich ausrufen „klasse“ (obwohl nach berlin wohl eher „dufte“ oder „knorke“ passen würde). da wird nicht ausschließlich türkisch gesprochen. da hört man auch manchmal hindi, viel englisch, auch arabische sprachen und und und. find ich klasse, äh dufte. ich kann nicht genau sagen warum. ich fühle mich auch nicht, als würde ich im ausland wohnen. nein, es sind doch eindeutig deutsche straßen, deutscher verkehr, deutsche architektur und deutscher konsum a la h&m, rewe und bio/öko einkaufskultur. nur eben gespickt mit türkischen spätis, arabischen fressbuden, kinderwagenkolonnen mit kopftuchfrauen und jungschen möchtegernrappern und und und. es gibt unglaublich viel zu entdecken und die straßen sind belebt und lebendig.
multipliziere man diese faktoren mit der tatsache, dass auch noch frühling herrscht und fängt vielleicht an mich zu verstehen. oder eben auch nicht.
ich bin jedenfalls total auf meinem berlin trip. und genieße neben neuköllner lifestyle auch den park in treptow, konzerte in friedrichshain, theater am kurfürstendamm, eine ausstellung in mitte, spaziergang durch prenzlberg (der spitzname „pregnancy hill“ passt wie arsch auf eimer) und das unglaubliche panorama auf dem ehemaligen tempelhofer flughafengelände.

ich habe den eindruck, die stadt macht einiges durch, aber ich muss sagen: sie macht einen guten eindruck und hey, wer macht eigentlich nicht gerade „einiges durch“? mmh?
ich weiß also nicht, wie eure pläne aussehen, ich ziehe auf jeden fall nach berlin, 2013.
ich darf das ja, ich muss das sogar. fällt unter das stichwort „heimatzusammenführung“.

zum abschluss eine anekdote, die ich völlig unabhängig voneinander, von zwei leuten gehört habe. es wäre wohl der allerletzte hype, dass sich dänische studenten in berlin wohnen kaufen würden. aber nicht, um selbst dort zu wohnen, sondern damit geld zu verdienen. als investition in die zukunft sozusagen. klasse schtorrie, oder? watch out for your danish landlord!!

machtet jut!

das letzte wort überlasse ich kurti:

oh, einer geht noch 😀 :


ich schreibe also bin ich….bin ich?

nachdem ich hier böse angeranzt wurde von meiner lieben, viel beschäftigten und ebenfalls viel schreibenden freundin dani…geb ich mir mal n ruck und schreibe übers nichtschreiben. ich schummle sozusagen.

also: der vorwurf besteht ihrerseits darin, dass ich doch jede menge zeit zum schreiben hätte. das stimmt wohl. obwohl ne, eigentlich mehr denn dies hier ist ja keine freiwillige auszeit!
nun kann ich mir gut vorstellen, dass meine in der ferne gebliebenen bloggingfreunde durchaus an einer kritisch, differenzierten darstellung meiner erlebnisse in deutschland interessiert wären. zumal ich echt rumkomme. samstag gehts nach döbeln-yeah! aber! aber, mal ehrlich….über deutschland bloggen, echt? das ist doch öde und beliebig, einfach so. da brauch man doch n filter, ein thema oder ganz einfach einen grund. ich hab keinen grund. ich bin ja eigentlich gar nicht hier. ich übe mich in yoga, meditation nur um meinen geduldfaden (der seit mehreren monaten aufs heftigste strapaziert wird) weiter geschmeidig zu halten.
Und ganz ehrlich, im Moment kann ich beide nicht besonders gut leiden: deutschland und indien. jaaa, deutschland im frühling ist total schön und alle sind jetzt besser gelaunt, wo endlich sonne scheint und hey, william&kate heiraten ja auch bald (morgen?), aber mpf…wie öde.

worüber also schreiben?
darüber, dass ich angst habe, indern in dtl zu begegnen? nichts lege mir ferner als eine offen gezeigte geste der verbrüderung und wenn ich noch einmal betonen muss, wie TOLL indien ist….
wirklich, ehrlich mein alptraum. auf der einen seite wünsche ich mir nichts sehnlicher, als mich endlich wieder meiner arbeit in schwüler hitze widmen zu können und andererseits renne ich hier möglichst schnell davon, so es bald irgendwo auch nur annähernd nach curry/knoblauch/ingwer-paste riecht.
so würde ich nie indisch essen gehen hier (und dabei fehlt mir das essen so). bollywoodfilm hab ich dieses jahr noch keinen einzigen gesehen (KANN man sich das vorstellen!!). treffe ich einen inder auf der straße, erwische ich mich bei bösartigen gedanken, die ihm das böseste andichten.
ein gegenbeispiel hab ich: ostermarkt, orientalischer schnickschnackräucherstand. man kennt das: diese stände sind ungefähr so autentisch, wie das oktoberfest in mumbai!! ich krieg da jedes mal pickel!!!
… aber ich wollt ja was nettes sagen, genau. begegnete dort nämlich letzten montag zwei inderinnen (unverkennbar in salwar kameez mit turnschuhen und schal), die sich doch tatsächlich die tücher an diesem stand näher anguckten. ich hörte also „yeh chota hain“ und freute mich wie ein tanzbär, weil ich verstehen konnte, dass ihr dieses exemplar wohl zu klein/kurz war…ach nee.

ja, über solchen schrapel könnte ich wohl bloggen. aber echt, wer will das denn lesen??


nee nee neeeeeee….

anya


with a little help…

ich geb mir jetzt mal echt mühe, denn dieser artikel ist schon lange überfällig und wichtig und soll nicht, wie der letzte beitrag (zum thema ämter/bürokratie) als karteileiche verwuchern. so, also hiermit: pionierauftrag an mich!

ganz allgemein: wenn man als mitteleuropäer meiner generation nach indien fährt und dort mehr als nur die zwei harmlosen wochen „goa-beach-holiday“ verbringt, stößt man unweigerlich auf das was als fremde kultur beschrieben wird. darüber einen simplen blogeintrag zu verfassen scheint geradezu vermessen. ja, so bin ich!
oder eben auch nicht, denn es geht mir hier um einen bestimmten aspekt und dabei viel mehr noch darum, etwas an meinen eigenen vorurteilen zu arbeiten. dagegen lässt sich doch nichts einwenden, oder? 😉

stichwort: familiäre strukturen.
bisher hat mir eigentlich noch niemand in mumbai vorgeworfen, wir europäer wären doch herzlose, vereinsamte individualisten (das mit dem individualismus ist ganz im gegensatz zum westen dort durchaus als abwertend zu lesen). und trotzdem stoße ich sehr oft an unverständnis und manchmal sogar mitleid. wenn ich zum beispiel versuche zu erklären, dass es kein todesurteil bedeutet, als scheidungskind aufzuwachsen. das es ganz und gar kein stigma ist, mit über 30 noch als single durch die welt zu laufen (ich lasse die kehrseite dieser blau-grauen medaille jetzt mal außen vor). das sich eltern nicht zwangsmäßig verstoßen fühlen, wenn kinder sich für ein leben in einer anderen stadt und in den eigenen vier wänden entscheiden entscheiden. fast schon wird der umgekehrte fall als abnormal empfunden.
ich kämpfe also in gesprächen für das herz der westler. erkläre sachverhalte, die ich vorher selbst nicht großartig hinterfragt habe und die sich als komplex erweisen. woher kommen all die singles? wohin wird das führen und wohin gehe ich eigentlich als alte frau? Wer ist für mich da, wenn es mir schlecht geht und ist das alles ok so?

nach längerer zeit empfindet man auch ein wenig mitleid für die armen armen einsamen westler.
aber auch totales unverständnis beim dem gedanken daran, das ganze leben nach ein paar älteren verwandten zu richten. von vorn bis hinten von deren urteil abhängig zu sein…..wie immer also ein hin und her.

ich versuche also die bedeutung von freundschaften hervorzuheben und den zwar anders gearteten aber doch vorhandenen (freiwilligen?) zusammenhalt der familie. hinzu kommen sozialstaat und auch die erlernte fähigkeit, sich auch selbst durchzuboxen (evolution?).

trotzdem denken wir zuerst an uns. das prinzip „jeder ist sich selbst der nächste“ ist fakt. wir sind individualisten.

ich will hier eigentlich nicht weiter in soziologischen vermutungen herumwurschteln, das sollen andere tun.
mir ging es dabei insgesamt mehr um die tatsache, dass ich neulich feststellte, dass ich einige dieser fern-östlichen vorurteile bereits adaptiert habe und nun erschrocken feststelle: moment, so herzlos sind wir doch gar nicht!

wir sind sehr liebenswürdige und vor allem hilfsbereite menschen. die bandbreite geht vom schnack mit kaffee über übernachtungshilfe, zuhörbeistand bis zu tatsächlich eingemachter finanzieller hilfe. ich hab soviel unterstützung bekommen in den letzten monaten, dass ich mir eine träne aus dem eigenwinkel wische und total kitschig zur dankesrede aushole…

wer mag, kann sich nun also gelangweilt einer anderen seite zuwenden oder sich mit mir freun, dass ich gestern nach einem schönen kneipenabend zurückradelnd dachte: hey, ich bin nicht allein!

d a n k e
zuallererst natürlich meiner mutti und meiner schwester!
nach städten sortiert gehts an: leipzig-sabeth, jana&clara, luisa, ricarda, uli, thomas. magdeburg-mandy, sanny, manu, sebastian. berlin-berit, gabi, klaus, rebecca, fabian. potsdam-ronny&ronny. bremen-sonja. düsseldorf-maki, stefan, moritz. köln-ronni&till, christian.

anya