why life is still beautiful

Goa ist an und für sich wohl schon allen Klischees begegnet, die man sich denken kann und eine Beschreibung meines nunmehr dritten Goa-Urlaubs erübrigt sich wohl für alle, die schon mal da gewesen sind. Alle anderen: bitteschön:

Die ersten Tage habe ich mit zwei Freunden im Süden Goas (Nähe Benaulim) verbracht. Sehr sehr schön. Anders kann man es nicht sagen. Ich habe die vier Tage am Meer und in entspannter Gesellschaft verbracht und fühle mich fast wieder komplett.

Wir haben das Morgenschwimmen geteilt, gemeinsam übers Leben philosophiert (wenn nicht in Goa, wo dann?!), die täglichen Portionen Fisch und Watermelon/Wodka genossen und die Seele baumeln lassen. Ich habe mich in dieser Dreikombi einfach komplett aufgehoben gefühlt. Vielleicht war es auch genau richtig, dass eben mal KEIN Inder dabei war. Zumindest für mich. Wir lachten über dieselben Dinge und wenn ich mal Jemanden drücken musste ohne den ganzen Bedeutungsquatsch, war auch immer Jemand zur Stelle. Ein kleines Paradies in sich. (Danke an euch Beide 🙂 )

Doch obwohl ich das auftanken sehr genoss, rechnete ich insgeheim doch mit einer Falle, warte auf den Haken an der Sache. Der kleine Teufel auf der Schulter eben. Das muss wohl an Mumbai liegen, dieses ständige verdammte Misstrauen. Okee okee, ich bin in dieser Richtung schon zuvor veranlagt gewesen, aber die Zeit im Moloch hat diese Marotte in eine Neurose verwandelt…oder so. Ich vermute, ich habe das erste Mal in etwas größerer Bandbreite verstanden, was das indische Stadtleben mir abverlangt. Das das nicht gesund ist auf Dauer und ich mich nicht immer nur durcharbeiten sollte und die Auszeit, die ich brauche, auch nehme.
Ich wartete also auf die Rechnung, aber sie kommt nicht. Oder nicht wirklich. Die kleinen Steinchen im Weg wurden ertragen und solange ich endlich mal Ruhe genießen konnte, aufs Meer schauen(!) und mich die Inder in Ruhe lassen….ja, alles entspannt sich.
Ich kam wieder etwas zu mir.

Einen Tag vor Silvester hieß es dann bye bye lovely Einöde und ab in den Party Norden nach Anjuna. Ein Kompromiss mit meinen Mitreisenden. Ich wäre wahrscheinlich in Benaulim geblieben und hätte mir Neujahr am Arsch vorbeigehen lassen. 😉 Faule Socke ich.

Nächster Stop also Anjuna. Bekannt für den Flea Market und das (inzwischen muss man wohl sagen ehemalige) Hippie flair. Für die richtige Grundeinstellung sind wir bei der perfekten alten Dame untergebracht. Lino hat all die Ausstrahlung in sich vereint, die man mit dem Hippie Auswandererdasein in Goa wohl verbindet. Auf eine gute Weise! Sie lud uns in ihr Haus, welches allein schon ein Träumchen deluxe sein könnte. Noch dazu hat sie Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen und teilt diese mit uns. Wir drei Weltenbummler finden uns also bei einem Bier und einem fish curry wieder am ersten Abend, gespannt ihrem Leben lauschend.
Es ist viel städtischer hier und mir eigentlich schon etwas zu laut und viel. Aber gut, wir wollten ja ein bisschen wohl gelaunter sein. 😉 das gute am ersten Teil des Urlaubs ist: ich kann endlich wieder etwas in mich aufnehmen und WILL das auch. Und unser erster Abend in Anjuna gibt mir jede Menge Anlass dazu. 😀

Ein typisch indisches Ding war das: Lino leiht uns ihr Moped aus, was die Fortbewegung innerhalb Anjunas extrem erleichtert. Das alte Ding trägt uns drei mehr schlecht als recht, macht mich aber extrem glücklich.  Eingeklemmt zwischen zwei lieben Menschen, google maps hilft suchen und die frische Abendbrise weht mir um die Ohren. Wir nehmen noch ein Getränk irgendwo und wollen dann zum well known hilltop. Ich verkneife mir die bösen Bemerkungen. Eine Goa Disse eben, bas. Da wir mit Abendessen etc dich etwas länger gebraucht haben (man ist ja schliesslich im Urlaub und lässt sich Zeit) sind wir erst kurz nach 10 vor Ort und was soll man sagen: die Kaschemme macht zu!! Ärger ärger. Und das am 30.12….Goa ist wohl in bestimmten Dingen doch nicht so ganz unlimited….ähem. Was nu? Ein flyer wird uns in die Hand gedrückt, google maps befragt und los gehts. Diesmal ein bisschen weiter raus und das kleine Knäckerrad müht sich ganz schön ab. Aber schafft es doch mit uns an das ca. 10km entfernte Örtchen. Aber da es ja bekanntlich erstens anders kommt und so….platzt direkt vor Ort der Hinterreifen…mmh? Da stehen wir also…elf uhr abends, Landstrasse im Nirgendwo und ohne Gefährt. Etwas Unmut macht sich breit, kamen wir doch zum Tanzen! Aber Indien wäre wohl nicht Indien ohne diese seltsam einfachen Lösungen, die zumindest ICH mir in Europa nie vorstellen könnte.

Schon nach ein paar Minuten hält ein kleiner Laster an und ein dicker mittelalter Einheimischer steigt aus. Problem wird erklärt, klaaaar kann er helfen. Wir hiefen die Möhre (so der getaufte Name unseres armen Gefährts)auf die Ladefläche und steigen ein.
Die ganze Fahrt zurück nach Anjuna musste ich furchtbar in mich hinein grinsen. Ein Gespräch kommt schnell zustande, Ashok (unser Engelchen) findet nämlich Engländer und Deutsche ganz toll, „nice people“.
Er eröffnet gleich, dass er eigentlich sonst schon lange im Bett ist, AUSGERECHNET heute, ist er später aus der Kneipe aufgebrochen. Jaja, er hätte auch schon gut was getrunken, aber er esse ja auch immer viel und dann wäre das ja „no problem“. Er philosophiert über göttliche Fügung (ein gläubiger Christ aus Goa in Aktion) und über Autolichter.
Indian circumstances, herrlich.
Nachdem uns Ashok wieder bei Lino abgesetzt hat, wir das Moped vorerst dort geparkt haben, geht es noch auf in die UV Bar, in der mich die Eindrücke erschlugen. Ich hab die Augen, Ohren und den Kopf ganz weit aufgemacht und versuche das hier mal zusammenzufassen.

Die UV Bar ist einer dieser typischen Strandclubs, alles draußen natürlich, dass Meer in Flut im Rücken und mit fluoreszierenden Tüchern behängte Tanzfläche vor dem DJ-Pult. Eigentlich soweit i.O. nicht wahr? Leider lief dort die schlechteste Musik, die ich in den letzten….5…10…Jahren gehört habe. Aggressiver Bumbumscheiss. Ich mag wirklich nicht nur eine Art von elektronischer Musik, aber diese Grütze gehört samt DJ sofort in die nächste stinkende Mülltonne, sorry. Egal welche Drogen man mir da einflößt, Grütze bleibt Grütze. Der einzige Unterschied ist: ich ertrage die Grütze. Noch ein Getränkchen gekauft und Leute beobachtet. Großartige Beschäftigung auf dieserlei Events. Gut, zwischendurch hab ich mich auch irgendwo an den Rand gesetzt und auf dem Handy ein paar Runden Solitär gespielt. Ich würde das verbuchen unter 100% „geht mir doch am Arsch vorbei“ Stimmung. 😛
Es tanzen, nein zucken (vielleicht läuft das in einigen Kulturen auch schon unter Kickboxen) also jede Menge Westler und Inder vor sich hin. Dazwischen laufen Billigarbeitskräfte a la Indien durch die Mengen und bieten lustige Bunte Striche fürs Gesicht an. Ich fühle mich kurz wie in Colaba: Madaam, Drums? Ich überlege, ob ich mir einen Stinkefinger auf die Stirn malen soll mit dem Fluoromist, lasse es dann aber doch. Doch der Klopper kommt erst noch. Wir bewegen uns in einer Pause vom….zucken…Richtung Wasser. Dort stehen ca. 10 kleine Tische, an denen indische Hausfrauen in Salwar Kameez alles anbieten, was das Druffiherz zu dieser Stunde wohl verlangen kann: Kippen, Feuerzeug, Papers, Schokoriegel, frischen Chai und Rührei. Jaaa, die Kochen da auf so Ministöfchen!! Dazwischen hopsen dann diverse Zombies der Nacht (gerade rannte ein kleiner Weißer Richtung Meer, warf sich in den Sand und verneigte sich tief) und konsumieren so ziemlich alles, was der Markt zu bieten hat. Im Hintergrund wumwumwumwumwumwumwumwum…. Ich lache in mich hinein.
So schlimm wie in der EV Bar wars in den anderen Lokalitäten dann später nicht wieder, aber auch im Hilltop liefen die mit gelben Bauarbeiterwesten gekennzeichneten (indischen) Helfer zwischen den Tanzenden Leuten hindurch und sammelten durchgehend die Flaschen und Gläser auf. Das findet anscheinend Niemand seltsam. Ich frage mich, was die sich wohl denken, aber vielleicht sollte man das lieber lassen.

Der Business Gedanke ist allgegenwärtig in Goa. Das sieht man nicht nur in den Druffiklubs (in denen dann eine Flasche Wasser gern mal knapp 2 Euro kostet) sondern auch an den schönen Café’s, wie dem Artjuna, in dem sich Kunst, Wellness und Essenskultur verbinden. Dort finde ich zum ersten Mal auch die Yogajünger. Schöne Menschen 30plus, auf der Suche nach einem besseren gesünderen Ich. Ich schätze, ich bin noch nicht so weit.

Gut geht’s mir trotzdem. Ich freue mich über den gelungenen Start ins Jahr 2013, das wieder einige größere Veränderungen bringen wird.

Ich winke euch also peacefull zu und verbleibe mit dem weisen Rat „geht mehr ins Meer“ und diesem Liedchen hier:

anja pepa smiley_emoticons_winken4

Advertisements

blinzeln, atmen und glücklich sein

doch doch, es gibt sie. die orte in indien, die so aussehen, wie man sich indien immer vorgestellt hat (abseits der großsstädte). man muss die augen vielleicht ein bisschen zukneifen, aber sie sind da.
goa geht auf jeden fall, aber dort finden sich eh alle indienklischees versammelt. die guten und die schlechten.
ich war am wochenende in udupi (bundesstaat karnataka, unweit von mangalore) und es war schön. ja, nun, die augen habe ich etwas zusammengekniffen, aber man nimmt halt, was man kriegen kann.

hin, der bequeme weg: modern style! flug von mumbai nach mangalore dauert nur gut eine stunde (fast 1000 km). der flughafen ist dort sehr klein, irgendwie gemütlich. wir landen an einem samstag nachmittag und irgendwie fängt die entspannung schon dort an. etwas trüben tut die stimmung allerdings der taxifahrer zur örtlichen busstation. der will wieder zeit sparen/extra geld machen und wird unfreundlich, als er merkt, dass wir uns nicht darauf einlassen. *augen zukneif*
mangalore busstation und hopp ab in den nächsten huckelbus. das kenne ich schon von anderen tripps. wenn man nur einigermaßen gesund ist (bin mal mit magen/darm nach goa mit dem bus.. urgh) und das wetter mitspielt (ein andres mal 10 tassen schweiß gelassen im bus von alibaug nach murud im april 2010) kann das eigentlich ganz schön sein. so überall.

schringkling. und los gehts….

anderthalb stunden. der bus füllt sich merklich, aber es geht noch. die gleiche schleife an schlechten bollywoodsongs gehört auch dazu. 😉
in manipal angekommen müssen wir dann nochmal eine riskhaw zum eigentlichen ziel nehmen. das ist auch nochmal nervig, weil der fahrer beschließt, den preis zu erhöhen, weil wir ja „gepäck“ dabei haben. egal, augen zukneeeiiifen!!!

ich freue mich dort am meisten über die tolle frische luft (trotzdem feucht, kann trockene hitze nicht leiden) und: die ruhe!! 🙂
ich wiederhole den satz so häufig (wow, das ist so schön ruhig hier), dass ich wohl alle schon für hörgeschädigt halten müssen. sollen sie doch. ich genieße die hörauszeit!

ingesamt habe ich wieder das getan, was ich brauchte: nüscht! (altbewertes rezept) und mich nur etwas dem touridasein hingebeben mit einem sehr lohenswerten besuch im berühmten shri krishna tempel in udupi und einem besuch am meer.
erstes hat sich mehr gelohnt als zweiteres, liegt aber auch daran, dass ich da unterschiedliche erwartungen habe.
das tempelgelände war für einen wochenendtag um diwali herum erstaunlich leer und ruhig. perfekt auch eigentlich. unaufgeräumt und zum teil auch sehr dreckig natürlich, aber ein bisschen kuhscheiße hat mich eigentlich noch nie gestört. interessante architektur und gesungen wurde auch. geräuchert überall (like) und kleine stände mit nippes rund ums thema „indische spiritualität“ (juchu). wirklich schön. ich habe eine kette aus tulsiholz gekauft und endlich meinen buddha gefunden!!

am nächsten tag gefüllt mir ordentlich viel „nüscht“ sind wir dann später noch zum strand mit dem bus. das aus- und einsteigesystem der regionalen busse ist wirklich toll zu beobachten. der conductor ruft drinnen den namen, wenn man sich einer station nähert in einem nuscheligen singsang und hält dann den kopf raus, um draußen auszurufen, wo es hin geht. dann trillerpfeife in den mund: triiit, tritt, triit (für es steigen leute aus/ein) und dann ein langes triiiiiiiiiiiiit (für: es kann weiter gehn). dann durch die menge drängeln und kassieren. der hat wirklich was zu tun, der mann.
der strand selbst war ok, aber ich musste meine augen schon sehr zusammenkneifen, um es genießen zu können. das meer und der sand selbst waren sehr schön, aber…sorry für das blöde argument, einfach zu viele inder da. heißt: laut, hektisch und gestarre….davon wollte ich ja weg. nach dem zweiten arschgesicht, das heimlich versuchte, ein foto von mir zu machen (komisch, warum nur will ich keine wichsvorlage sein?!), hatte ich dann auch genug.
rückweg.

nach noch ein bisschen mehr ruhe und frischer luft ging es dann wieder nach hause, dieses mal nicht modern style, sondern indian style. eine lange zugfahrt entlang der westküste gehört zurecht zu einem der indienreiseklischees, die man einmal erleben sollte. die landschaft ist zum einen wirklich schön. und wenn man nicht die harakirivariante second class wählt (die europäer übertreiben es ja auch gern mit der „indienerfahrung“) dann kann so eine zugfahrt, noch dazu mit netter gesellschaft, sei sie auch 14 stunden lang, wirklich schön sein. alle paar minuten kommt jemand mit einer leckeren kleinigkeit vorbei (getränke und snacks) und wenn sich dann gegen elf alle auf ihre kojen verziehen, die decken ausgerollt und betten ausgeklappt werden, entsteht tatsächlich ein wenig ferienlagerathmosphäre. gut, da nerven immer ein paar leute (gern auch die goa touris) oder schnarcht ein dicker mann zu laut, aber he, nothing is perfect?!

alles in allem ein guter tripp also, und eine echte empfehlung von mir: Udupi! 🙂

anja


dubai airport

…die größte shoppingmall östlich magdeburg – city carré’s!!

ich hatte dort dieses mal gute 4 stunden aufenthalt auf meiner rückreise aus einem unglaublich schönen deutschlandurlaub. wetter egal. fußballergebnisse egal. alles schön dort.
(zumindest vorübergehend)

hamburg hats mir bei abreise nochmal so richtig schwer gemacht: es schien sogar die sonne!!!

und dann laaanger flug gen osten.
nach 5 1/2 stunden stop in dubai und umsteigen.

gehört hatte ich schon viel über diesen flughafen und irgendwie ist er auch verzaubernd. vielleicht liegt das am reisefieber oder dem stundenlangen sitzen, aber sehr dankbar und freudig erregt wanderte ich durch die ladenzeile. und wanderte. und wanderte. zwischendurch kann man komplett vergessen, dass man eigentlich zum weiterfliegen hergekommen ist und ich bin sicher, der eine oder andere passagier hat über den einen oder anderen shoppingrausch schon seinen flieger verpasst.

am dubai airport gibts alles. sogar flashmob

mir war das auch alles ein bisschen zuviel und nach dem ausgiebigen urlaub hätte ich mir sowieso gerade kein swarowski gehänge leisten können, also habe ich mir eine mehr oder weniger ruhige ecke gesucht und gelesen (neue entdeckung: brand eins magazin) und gechillt.
und was ich eigentlich eh am liebsten mache: leute beobachten.

nach einiger zeit fällt mir ein eher dörflich gekleideter älterer araber auf, der etwas hektisch durch die halle läuft. Er hatte eines dieser tücher in rot um den kopf gewickelt (lese gerade, dass heisst Kufiya, wieder was gelernt!) und ein eher vor drei tagen sauber gewesenes tuch um die hüften.
was suchte er?
ihm folgte eine ältere frau. das konnte man allerdings nur am gang am stock erkennen, denn von körper und gesicht war dank ganzkörperverschleierung im modischen grau null zu sehen. nichtmal ihre augen waren frei. keine ahnung, wie man sich so nicht ständig verläuft. zumal mit einem hektisch von rechts nach links rennenden gefährten.
der mann hielt nach ein paar minuten einen der vorbeirollenden wagen an (den kann man sich als gefährt mieten und durch die ladenzone auch rollend flanieren) und frug nach. man kann ja hier auch nicht ewig herumirren.
und irgendwie hatte ich es geahnt. so dringend kann nur eines sein….beten!
das hat mich eigentlich gewundert, da es am dubai airport NATÜRLICH prayer rooms gibt.
die matte unter seinem arm war aber eindeutig.
dann stellte er seine frau/mutter/schwester in der ecke ab hinter einem gläsernen fahrstuhl und vor der smoking launch (was ich wiederum als sehr ironisch empfand) und rollte ihr den teppich aus.
und er?
er rannte davon.
häh?

die alte kniete sich also nieder, um zu beten. mit dem gesicht zur wand. ich vermute, die himmelsrichtung haben sie sich erfragt. den stock lehnte sie an die seite und ließ sich nicht stören.
hut ab! es war einiges los in dieser donnerstag nacht.

nach ca. 15min war sie fertig, stand auf, nahm ihren stock und ging langsam richtung gate.
den mann habe ich nicht gesehen.

ich weiß, dass männer und frauen nicht zusammen beten, frage mich doch aber ernsthaft, ob es im prayer room nur platz für die männer gibt? muss sich diese arme, eh schon wie ein seidener kartoffelsack gekleidete frau allen ernstes für ihr gespräch mit gott hinter einen fahrstuhl kauern?

was habe ich hier übersehen?

a.


tornado und die ruhe nach dem sturm

die ereignisse überschlagen sich derart, dass ich nach einem neuen wort dafür suchen muss.

nach diesem projekt, das mich fast komplett verschlungen hatte und es dann doch nicht tat und einem unglaublich schönen wochenende in delhi fühle ich mich fast neu geboren. nicht fremd-neu. das bin immernoch ich, aber besser-ich! 🙂
herausgewachsen, emporgewachsen fühle ich mich. woran das wohl liegt?

zu einen sicher an der selbst für mich beeindruckenden arbeitsleistung meinerseits innerhalb der letzten wochen. ich lobe mich diesbezüglich wirklich selten, aber ich bin schon stolz, dass ich das irgendwie hinbekommen habe. nicht komplett verkackt, nicht am arbeitspensum erstickt, nicht untern druck eingeknickt und dabei sogar dem hitzeschlag entronnen und irgendwie sogar überlebt.

und wie das so typisch ist für mich, bin ich auch gleich zum nächsten gerannt. keine zeit, bloß nicht zurück sehen. indien erlaubt sofortigen ablenkungen, abrupten themenwechsel. wer sich zeit nehmen und in ruhe verarbeiten möchte, möge bitte in die berge zum meditieren fahren.
wer sich dieser schwermütigkeit lieber entziehen möchte, möge nach delhi fahren und drei tage durchfeiern!
der gemeine leser fragt sich nun, was die werte schreiberin getan hat? nur noch drei wochen bis abflug nach deutschland? mh? ….
(ich habe in meinem leben jahre damit zugebracht vergangenes in aller ausführlichkeit zu reflektieren. genug damit, jetzt wird getanzt!)

und dieser trip nach delhi wird mir wohl auch noch lange in erinnerung bleiben. ich war zwar schon zweimal dort, beide mal jeweils sehr kurz. und auch dieses mal habe ich von delhi selbst eigentlich nicht viel gesehen. aber ehrlich, ich war noch nie davon überzeugt, dass man köln kennt, wenn man den dom gesehen hat oder berlin versteht, nachdem man am potsdamer platz die mauerreste angetatscht hat (urgh)…. in fact, versuche ich allen mumbai besuchern immer die klassiker auszureden und lieber einfach was „normales“ zu machen.
letztes mal war ein sehr ausser- und ungewöhnliches weihnachten in delhi und ich musste drei paar socken tragen, weils soooo kalt war! schrecklich. schon total verwöhnt.
nur vier monate später hat sich auch delhi angeheizt und ein seltsam blümlicher duft liegt in den straßen, wunderbar!
ich habe mich wieder nur von insel zu insel bewegt, aber auch das war sehr schön.
für jeden delhi besucher uneingeschränkt zu empfehlen ist das szene viertel hauz khas village. dachterassen mit ausblicken und kaffee! da lässt sich sogar typisch indisch schlechter service ertragen.

wir hätten gern einen kaffee.
madaam, das dauert ein bisschen.
warum?
die maschine funktioniert nicht richtig…
aha (wasauchimmerdasheisst)….was heisst „ein bisschen“?
madam, vielleicht 15minuten?
mmh, ok.

und hey, schon eine halbe stunde und zwei bissen von unglaublich schlechten cremigen tiramisu später kam dann auch der lauwarme irgendwas latte. aber stört einen das schon, wenn man sich auf einer dachterasse mit gedimmten lichtern, viel grün und bei angenehmen 28 grad ausruhen darf…?

ironischerweise konnte mir keiner von den anwesenden dilliwallas was zu den dortigen ruinen sagen und für mich war es auch schon zu spät noch loszuziehen, aber die sehen sehr interessant aus und werden beim besuch erkundet. ganz bestimmt!
denn ehrlich, ich muss gestehen, ich habe delhi doch auch ein bisschen lieb gewonnen (auf meine inselweise) und obwohl es mir auch auf den ersten oberflächlichen blick schon extrem schickimicki vorkommt, plane ich im kopf schon den nächsten trip.

am schlimmsten schickimicki, aber auch unglaublich toll (ja, selbst proletarierkind anja ist gegen die versuchungen der mondänen dekadenz nicht wasserfest gesichert) war der besuch im haus eines brasilianischen diplomaten. ein haus sag ich euch….ein HAUS!!! mit viel platz, elegant eingerichtet und viel kunst überall. sogar die bediensteten im haus waren freundlich und nett!!!
ein traum.
ich seufze bei der erinnerung an dieses haus.
ich hatte dort den besten kaffee in wochen und welch überraschung: brigaderos!!

das war nicht mehr indien dort. oder vielleicht doch indien, aber eben nicht bombay-indien. auf jeden fall eine blasenwelt mit der ich doch zumindest vorübergehend liebäugeln würde.

aber ganz klar, kurz vor meinem wohl verdienten deutschlandurlaub und am ende doch auch ziemlich geschlaucht vom ganzen indien-dasein sehnt sich der europäische boheme nach etwas kültür!!
man, echt, ich war jetzt schon fast 11 monate nicht mehr in deutschland. noch nie soo lange weg gewesen. kopfschütteln.

fazit: leute, ich bin noch da, aber eigentlich auch schon wieder auf dem weg. das kängeruhdasein a la speedy gonzalez geht so weiter.

indien, pah, krasse sache…ich verstehe es doch auch nicht. stecke da schon zu tief drin. hauptsache meine freunde in deutschland erkennen mich noch…
it’s me. ein bisschen komisch inzwischen und etwas ausgelassen vielleicht (ehrlich, beim deutschen lebenstempo erscheint doch alles, was etwas schneller tickt schon ausgelassen), aber doch noch ich. besser-ich!!

hier nach wird gerade in delhi gezappelt. vielleicht lässt sich auch deutschland dazu in den mai tanzen?

party on!

pepa

 

 


von neral nach matheran

Die schönsten Ausflüge kann man wohl am schlechtesten beschreiben. Vielleicht geht das auch nur mir so und ich egoistische Hexe möchte diese Erfahrung einfach nicht teilen, in der Angst, etwas von der wunderschönen Erinnerung könnte verloren gehen. Das kann man doch verstehen, oder?
ich war also auf meinem ersten Indien-Wandertripp, schlechtenst vorbereitet und grässlich ausgestattet, aber da wären wir auch gleich wieder bei einem der großen Indien-Pluspunkte: das ist alles wurscht. Es ist völlig egal, ob deine Trekingschuhevon Jack Wolfskin oder stoffschuhe von h&m sind. Sie mögen nicht dafür gemacht sein, werden der Situation aber angepasst.
die Fakten:
aufstehen ist für mich immer da schlimmste. (Überraschung!) und obwohl ich hier in Mumbai eigentlich kaum Schwierigkeiten mit dem aufstehn habe (was sich für mich eindeutig auf die wetter Situation zurück führen lässt-anderes Thema), tat es mir doch schon weh, als ich 4:45 in den Handywecker tippte…. Es war also noch dunkel, als wir losgingen, Neha und ich. Treff dann mit zwei weiteren Freunden und ab ging es von der Station Kurla (Central Railway) anderthalb Stunden gen Nordost. Vorbei an Thane, was mir als weitest entfernter Vorort Mumbais noch bekannt war. Die Bahnstationen wurden kleiner und dörflicher und als die Sonne gegen halb sieben aufging waren auch die Berge bereits im Hintergrund zu sehen. Saftig und grün. 🙂
Wir erreichten Nerla Station gegen halb acht. Von hier aus kann man mit dem Taxi relativ zügig zu einem der beliebtesten Ausflugsziele für Mumbaikars mit Ausflugsgelüsten fahren: Matheran. Auch wir wollten nach Matheran, allerdings nicht mit dem Taxi. Die Strecke hat hinab 25 Minuten gedauert und wir schätzten, dass wir inklusive unserer kleinen Umwege ca. 10 km gewandert sind. Zuerst die Straße endlang die erst aus dem Dorf und dann in die Berge führte. Schon beim ersten Chaiwalla-Stop wurde klar, dass wir es hier mit einer unglaublichen Landschaft und den unglaublichsten Ausblicken zu tun haben würden. Ca. 2 Stunden liefen wir also im Pisspott an der Straße entlang, was insgesamt ziemlich nervig war, denn aufgrund des langen Wochenendes (15.08 Independence Day) war Hinz und Kunz auf dem Ausflugstripp. Die völlig wahnsinnigen Taxifahrer lieferten sich also nonstop hupend Wettrennen auf den serpentinartigen immer enger werdenden Straßen. Großartige Voraussetzungen für Wanderer also…
Als wir uns dann später entschieden, einfach entlang der kleinen Eisenbahnschienen zu laufen (sie erinnern mich sehr an die Schienen der Molli, falls das hier noch Jemandem was sagt), die im Monsun außer Betrieb war, veränderte sich die Lage. Unglaublich wunderbare Stille breitete sich aus und das nervtötende „Määääp“ war nur noch gelegentlich aus der Ferne zu hören, wenn die Schienen wieder einmal die Straße kreuzten. Umso höher wir stiegen, desto mehr nahm der Regen auch zu. Weiter unten hatte es immer wieder kurze Schauer gegeben, die aber von Sonnenperioden abgewechselt wurden. Weiter oben wurde es zusehens frischer und windiger. Irgendwann war ich einfach nur noch nass. Ist dann irgendwann ja auch egal. Wandern oder Was lag also näher als ein Schlückchen Rum? In der zweiten Pause haben wir uns dann erst einmal anständig gestärkt… 😉 Das war auch gut so, denn die Herausforderungen lagen ja erst noch vor mir und hätte ich geahnt, dass ich an diesem Sonntag einen Wasserfall hinaufklettern würde (zwischen indischen Familien in Salwar Kameez Aufmachung, quietschend!!) und danach weitere zwei Stunden vollkommen (vollkommen!!) durchnässt durch neblige Schluchten watschen würde…ich glaube, ich hätte mehr Rum getrunken! Wie auch immer…es war toll! Ich hatte sogar einen dieser seltenen spirituellen Momente, die mir-entgegen aller Klischees-eigentlich nur äußert selten passieren. Aber den behalte ich für mich!

Die Fahrt hinunter mit dem Taxi hat im übrigen 25 Minuten gedauert und war öde.

in diesem Sinne!

anya

 

Nachtrag: ich muss, glaube ich, noch kurz erwähnen, dass wir nach insgesamt 6stunden wandern durch die grünen berge in mehr oder weniger großartiger stille dann kein interesse mehr daran hatten, uns matheran selbst anzusehen. „normalerweise“ ist das nämlich das eigentlich ziel der urlauber. die gurken da alle mit dem taxi oder eigenem vehikel hoch, um dann teuer eintritt zu bezahlen für das reservat ohne autos… da wir hochsaison haben, war es dort gerappelt voll und wie an schlimmen tagen am colaba causeway versuchte einem alle 2 Minuten Jemand was anzudrehen. Überteuertes Taxi, geführte Tour, Essen, Trinken, Beischlaf…
Das haben wir uns also erspart.


mein schmaler grad 1

ich habe ende letzter woche den schmalen grad überschritten zwischen urlaub und nichts-tun (oder eben arbeitslos). sehr ernüchternder moment. es erwischte mich in einem regionalzug in sachsen-anhalt (wo auch sonst). ich kam gerade von einem tollen ausflug nach düsseldorf und köln. hatte freunde besucht, angeregt projekte diskutiert, in cafés gesessen, musik genossen und ausgiebig getanzt. aaah, die intellekuelle seele atmet auf (und die realität bleib bitte fern)! 🙂
doch wie es so schön heisst: alles hat ein ende nur die wurst hat zwei…irgendwann ging es wieder gen osten (gen heimat/da wo meine sachen stehn/ da wo ich wech komm). der günstig-ticket-gott (billig würd ich das auch nicht nennen) hatte mir schon im voraus eine route bestimmt, die mich zuerst durch niedersachsen führte, in einem ice. so weit so gut. ice ist ja eigentlich für mich nicht gleich deutsche bahn. das ist so sauber, ruhig und freundlich dort, dass ich jederzeit mit dem schlimmste rechne.
doch dann: umsteigen in wolfsburg.
als ich auf den bahnsteig gehe, erscheint mir mein worst case: fussball spiel ende! sachsen-anhaltiner fans (betrunkene männer um die 20) mit bvb-schals auf dem weg nach hause. ein stinkender und bereits voller zug erwartete mich. meine reaktion: ooah neee!
was mache ich also? 11 jahre (über)leben in magdeburg und anderthalbjahre mumbai haben mich auf eine solche situation vorbereitet, die da lautet: stärke zeigen, möglichst ruhige ecke suchen und abschalten.
also ich rein da, fahre den ersten windelscheißer an, der mit rucksack und schuhe den freien platz blockiert und herrsche ihn an: ich will da sitzen! ich bin anscheinend gut und er macht platz. anschließend möglichst laut techno musik ins ohr (ich bin heute total hip und höre kalkbrenner) und weg bin ich. trotzdem kann natürlich ich die „borussia wird weltmeister“ gesangsrunde hören und denke mir nur:  schon klar. don’t think so.
es stinkt und die sind alle so dumm und besoffen!!! aaaahhh. allerdings bin ich ja auch immer neugierg und beobachte solche situation gern und kann in der stunde fahrt auch einige unterschiede feststellen.
so sind die beiden bubis mir gegenüber schon auch ein wenig angetrunken, unterhalten sich aber tatsächlich über das spiel, werten aus und versäumen es nicht, sich über die gruppe total-kloppis hinter mir aus sachsen-ä lustig zu machen.
die sachsen-echt, warum findet sich dieses klischee eigentlich immer wieder?
jedenfalls werde ich als nicht so leicht einschätzbar eingestuft und in ruhe gelassen.
es befinden sich tatsächlich ach ganz normale menschen im zug (die armen) und die sind offensichtlich etwas eingeschüchtert. ich nicht. ich bin gefährlich…huu.
naja, zumindest bis da kurz vor ende der fahrt so ein sehr junger mann einsteigt. er ist geschätzte 16, ca 1.65m groß (vielleicht auch kleiner, ich saß ja), sehr dünn und das erste, was mir aufällt, ist ein tattoo am hals! ich mein, keins von den bushido dingern oder eines der esotherischen sorte…es hatte eher knastmentalität, obwohl, es wahrscheinlich ein fisch sein sollte, der gerade abtaucht…oder so. er guckt kurz herum und checkt den raum und sieht mich durchdringend an. ich denke sofort, der tickt nicht ganz richtig. vor DEM muss man sich in acht nehmen. er lehnt sich mit seinem arm an eine brüstung und ich sehe ein anderes, sehr frisches tattoo am unterarm: joel 2.12.2010. sein sohn? wie alt ist der typ? und was für ein krasses leben ist das denn?
kurz vorm aussteigen, der klopper: am anderen arm befindet sich ein älteres tattoo (auch nicht besser von der qualität, aber mit farbe!!), auf dem findet sich ein weiter, hübsch umkränzter name: ANJA
ich will diese zug SOFORT verlassen!!

tu ich dann auch ein paar minuten später. in der realität. ohne straßenbahn, natürlich. mit aussicht auf einen erneuten besuch beim amt ohne wahl, natürlich. urgh.

ich wollte noch ein bisschen was zur zwischenlage schreiben, aber das mach ich dann vielleicht lieber morgen…

lg a.

 

ps: ich suche übrigens einen neuen blog-look. find aber nix schönes. kann jemand was empfehlen? nicht zuviel schnickschnack…das davor war mir aber auch ein wenig zu minimalistisch.

pps:

krass, was es alles so für musik in deutschland gibt. es lebe die vielfalt!


auszeit, abseits und so weiter.

man hats als weltenbummler auch echt nicht leicht…nichtmal im urlaub. 😉

im ausland über deutschland schreiben geht bekannterweise wunderbar, in der alten heimat selbiges zu versuchen  …lieber bleiben lassen. Das wird irgendwie dann immer etwas peinlich, also für mich. 😉
Natürlich gönne ich mir in meinem Heimaturlaub jede Menge Reisen durch die Republik und könnte natürlich von den Ärgernissen mit der Deutschen Bahn erzählen (denn im Gegenteil zu einigen meiner Auslandsgenossinnen bin ich mit dem Preis-Leistungsverhältnis dieses Sauhaufens ganz und gar nicht zufrieden und kann mich mit dem Zuständen anderswo viel besser arrangieren). Zum Beispiel von dem Mann mit der komischen Ausstrahlung, der eigentlich keinem weiter auffiel im Abteil, außer MIR natürlich, bis er anfing, sich mit seinem Apfel zu unterhalten…  find ich ja eigentlich schonwieder sympathisch. 🙂
außerdem fällt mir hier irgendwie die seltsame rolle des botschafters fremder kulturen zu, über deren inhalt ich noch nicht ganz klar bin. ich wundere mich zum einen, dass das bei der letzten rückkehr nicht so war und frage mich auch, wie ich meine rede „frisch“ halten kann…denn natürlich erzähle ich gern vom wunderlichen leben der anya in mumbai (und glaubt mir, es ist nicht einfach dem ganzem einen zauberlichen glanz zu verleihen, wenn begriffe wie „smog“, „menschenmassen“ und „schimmel“ in jedem zweiten satz auftauchen), allerdings verliert die ansprache zwischen treffen mit freundA um 11uhr zum frühstück zu freundinB  beim mittagessen und freundC am abend zum gemütlichen bier doch auch etwas an brisanz. also meinerseits. „ach ja, terrorismus…“  aber ich geb mir mühe! (also nicht mit dem terror…)

alles in allem finde ich deutschland gerade nicht so den brüller, was mir ja eigentlich nur sagt: richtige Entscheidung getroffen! 🙂
ich geniesse also den luxus eines urlaubers mit grillwürstchen, frischer luft und wilden nächten (haha!) und fahr dann bald einfach wieder zurück. klingt einfach, oder?

ach mensch, jetzt hab ich gar nicht übers wetter geschrieben! und über unsere lena und den beginn der fussball-wm nächste woche und…
hier zur versöhnung für alle weggebliebenen ein foto (dtl ist auch im umleitungsstau so schööön, nich war?)


anya