boooooring!

Mir ist langweilig.

Ja gut, Leben und so, Job, Nervereien mit der Chefetage, Steuererklärung und überhaupt Wetter und so blablabla.

Laaaaangweilig.

Hat denn Niemand was interessantes zu sagen?
Gibts denn Niemanden hier mit Problemen, die es zu lösen gilt?
Selbst die Menschen um mich herum, die wirklich in einer kniffligen Situation sind, scheinen mir selbstgewählt dort und nicht wirklich in Gefahr, wenn es ihnen nur gelingen würde, den allseits populären „Schritt zurück“ zu machen und sich einmal zu fragen, warum sie sich nicht einfach anders entscheiden. Denn das kann man hier in Deutschland, ja! Man hat eine Wahl und zwar nicht zu knapp!

Ich war also gestern auf einer Party mit wirklich netten und auch nicht unintelligenten Menschen.
Ich hätte Lust auf ein Gespräch gehabt, gern auch mit Alkohol. Eines von denen, die in langen Kreisen gehen und eigentlich auch irgendwie anstrengend und verstörend sind. Eine Auseinandersetzung eben auf verbaler Ebene. Stattdessen? Zuviel Bier und das übliche Peergroupverhalten.
Trink trink, lach lach, Wortspiel, haha hihi, trink, stolper stolper.  Die einzige annehmbare Ansprache widerfährt mir als ich den Weg zurück nach Hause finde durch den samstäglich-abendlichen Großstadtverkehr und mein Kater mich an der Tür begrüßt. Endlich Jemand mit ehrlich gemeinter Dringlichkeit!

Warum diese Belanglosigkeit und ich schon wieder mittendrin?
Hat michs jetzt wieder gepackt vielleicht?
Denn einer der Gründe, warum ich auch weg gewesen bin von hier war ja genau die Suche nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit irgendwas, mit irgendwem. Eine Dringlichkeit, die hier irgendwie zwischen dem letzten I(!)-Gadget und Bio-Markt Terrorismus verschwindet.

Vielleicht ist auch einfach Frühling.
Kräfte wachsen, restoration completed, in search for the next challenge

Denn auch wenn ich in Mumbai jede Menge Auseinandersetung mit allem hatte waren bei weitem nicht alle Gespräche gehaltvoll. Hah, nun wahrlich nicht! Waren die Begegnungen trotzdem im Querschnitt interessanter, weil es sich um Menschen aus der fremden Kultur handelte, dort wo die Gedankengänge einfach auch mal anders herum laufen?

Keine Ahnung, aber hier mangelt es extrem.
Gähn, abwink. Laaaangweilig.

the blues man, the blues…

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lasten gleichnis

stell dir vor, dir ist kalt. es ist schon länger kalt und du bist einfach inzwischen komplett durchgefroren. es fühlt sich an wie jahrzehnte, in denen dir das letzte mal richtig warm war.
da kommt jemand und legt seinen arm um dich. wie eine warme decke liegen die arme auf deinen schultern und langsam überträgt sich die wärme auf deinen körper. das tut gut.
je wärmer dir allerdings wird, desto mehr fällt dir auf, wie schwer diese arme sind. sie liegen die ganze zeit auf deinen schultern und üben langsam aber sicher einen festen druck aus. doch du bist froh, nicht mehr zu frieren und nimmst die „last“ in kauf….zumindest für eine weile. ein bisschen hälst du noch aus. es ist doch gerade so schön warm.
langsam aber sicher gewinnst du das gefühl, die arme nicht mehr tragen zu wollen. dir ist nun warm (du kannst dich an die kälte in den knochen nur noch sehr blass erinnern) und die arme üben einen schweren druck auf deinen körper aus, der dich nicht nur be“lastet“, sondern dir auch das gefühl des eingeengt-seins vermittelt.
du nimmst es hin, willst auch nicht undankbar sein, für die angebotene wärme.
langsam aber sicher verkrampfst du dich, unnatürlich fest wird dein körper und irgendwie willst du die drückende hitze nur noch loswerden. weißt aber nicht wie. schwer, unendlich schwer liegen die betonarme auf den schulter. alles tut weh im körper und schweiß rinnt dir den rücken hinab. du bist sicher, gleich zusammenzubrechen unter der nicht nachlassenden belastung.

und dann sind sie auf einmal weg die arme.

du atmest frische, kühle luft und fühlst dich an, als würdest du schweben.

du siehst nach links, nach rechts. die schultern sind frei und die brise tut gut im verschwitzten gesicht. du bist irritiert, aber glücklich.

was machst du als nächstes?


danach.

seit ende 2007 habe ich, zumindest mit kopf und seele, in indien, in mumbai gelebt. mehr als 5 jahre, bis anfang 2013. zwischen durch war ich physisch in deutschland, manchmal auch länger, aber im kopf und herzen war ich immer dort.

5 jahre, die mich verändert haben. sehr, wie ich so langsam feststelle. nein, ich bin keine komplett neue person geworden und wandere nun hell erleuchtet durch deutschlands saubere straßen… viel mehr hat das leben oder besser die fremde realität eine tiefe spur in mir hinterlassen, der ich mir nach rückkehr schmerzlich bewusst werde und für die ich auch dankbar bin.

trotzdem: es lässt sich schwerlich in worte fassen, wie das ist, mit der rückkehr. meine vermutung lautet: ich gibt sie nicht. weder ist das heimatland das selbe geblieben noch meine sicht auf selbiges. ich wünsche mir mein altes ich auch nicht wirklich zurück, wünsche mir momentan sehr, den abstand, den ich gerade sehr deutlich empfinde, so lange wie möglich beibehalten zu können.ich halte ihn aufrecht sozusagen. weil er mir ruhe gibt und gelassenheit, die ich so lange wenn nicht noch nie mein eigen nennen konnte. ich muss mir des öfteren auf die zunge beißen, bei disputen, die an belanglosigkeit und überflüssigkeit kaum zu überbieten sind. sie entsprechen einer mir inzwischen sehr fremden lebensrealität.
man könnte es vielleicht so sehen, ich versuche ein bild: während ich lange zeit einen geräuschpegel von drei autos und einer gelegentlichen hupe gewöhnt war

wurde ich fünf jahre lang einem zehnmal so lauten und chaotischen verkehrsszenario ausgesetzt

(trust me this is NOT  a noisy example!)

plus bettler, plus grapscher, plus gestank und dreck.

wenn man nun wieder zu punkt eins zurück kehrt, kommt einem alles extrem entschleunigt und clean vor. sauber nicht nur im hygienischen sinne, sondern auch in der bedeutung „rein“, unverdorben.

ich weiß, das mag pathetisch klingen, aber in vielerlei hinsicht, habe ich das empfinden, eine situation, einen zustand überlebt zu haben. damit verbunden ist der eindruck, der nun einsetzenden heilung. ich erhole mich.

das tut gut.

das dauert aber auch.

überraschenderweise finde ich mich nicht unter denen wieder, die (nach einer langen zeit ins heimatland zurück gekehrt) nun regelmäßig indisch kochen, räucherstäbchen anzünden und ravi shankar hören. die indien ganz dolle vermissen und es festzuhalten suchen…zumindest der teil, der uns allen doch auch ans herz gewachsen und liebenswert ist.
nein, ich stoße das alles gerade von mir, vielleicht auch etwas zu robust, aber mir scheint das notwendig. indien ist ja sowieso da, in mir, ich muss mich dessen nicht täglich vergewissern und im moment hat das wieder-hier-verankern auch vorrang.und ist schwer genug, im übrigen. so sehr ich die ruhe um mich auch genieße und wahrlich gelernt habe, froh mit mir allein zu sein, desto mehr vermisse ich doch auch einen festen kreis an menschen um mich, die meinen alltag und mich kennen und teilen. das soziale umfeld oder wie man das nennt.

neulich fiel mir ein gespräch ein, was ich während eines deutschlandbesuches 2010 hatte, bei dem ich meinte, ich hätte zwei „ichs“: mein deutschland-ich und mein indien-ich. ich glaube, ersteres ist spätestens 2012 auf ein rudimenteres ich zusammengescrumpft und das letztere hatte die oberhand. mein komplettes sozialen umfeld war doch aber dort um mich herum gewachsen und mein bezugssystem lag eben dort! tja, und nu….?
ein bisschen schizophren, he? skeptisch

ich fange also wieder von vorn an, ein wenig fremd fühle ich mich dabei, aber wohl würde ich sagen. es war eine notwendige und richtige entscheidung, wieder zurück zu kehren. und hat nicht zur konsequenz, dass ich nun alles negiere, was mit indien zu tun hat oder nie wieder dorthin zurück gehen würde. nur, wie es eine freundin so schön in ihrem letzten beitrag formulierte: „ich möchte dort nicht mehr leben“.

und weil das inhaltlich wie auch musikalisch passt und ich hugh laurie gerade ganz toll finde, zum abschluss noch ein liedchen:

anja


why life is still beautiful

Goa ist an und für sich wohl schon allen Klischees begegnet, die man sich denken kann und eine Beschreibung meines nunmehr dritten Goa-Urlaubs erübrigt sich wohl für alle, die schon mal da gewesen sind. Alle anderen: bitteschön:

Die ersten Tage habe ich mit zwei Freunden im Süden Goas (Nähe Benaulim) verbracht. Sehr sehr schön. Anders kann man es nicht sagen. Ich habe die vier Tage am Meer und in entspannter Gesellschaft verbracht und fühle mich fast wieder komplett.

Wir haben das Morgenschwimmen geteilt, gemeinsam übers Leben philosophiert (wenn nicht in Goa, wo dann?!), die täglichen Portionen Fisch und Watermelon/Wodka genossen und die Seele baumeln lassen. Ich habe mich in dieser Dreikombi einfach komplett aufgehoben gefühlt. Vielleicht war es auch genau richtig, dass eben mal KEIN Inder dabei war. Zumindest für mich. Wir lachten über dieselben Dinge und wenn ich mal Jemanden drücken musste ohne den ganzen Bedeutungsquatsch, war auch immer Jemand zur Stelle. Ein kleines Paradies in sich. (Danke an euch Beide 🙂 )

Doch obwohl ich das auftanken sehr genoss, rechnete ich insgeheim doch mit einer Falle, warte auf den Haken an der Sache. Der kleine Teufel auf der Schulter eben. Das muss wohl an Mumbai liegen, dieses ständige verdammte Misstrauen. Okee okee, ich bin in dieser Richtung schon zuvor veranlagt gewesen, aber die Zeit im Moloch hat diese Marotte in eine Neurose verwandelt…oder so. Ich vermute, ich habe das erste Mal in etwas größerer Bandbreite verstanden, was das indische Stadtleben mir abverlangt. Das das nicht gesund ist auf Dauer und ich mich nicht immer nur durcharbeiten sollte und die Auszeit, die ich brauche, auch nehme.
Ich wartete also auf die Rechnung, aber sie kommt nicht. Oder nicht wirklich. Die kleinen Steinchen im Weg wurden ertragen und solange ich endlich mal Ruhe genießen konnte, aufs Meer schauen(!) und mich die Inder in Ruhe lassen….ja, alles entspannt sich.
Ich kam wieder etwas zu mir.

Einen Tag vor Silvester hieß es dann bye bye lovely Einöde und ab in den Party Norden nach Anjuna. Ein Kompromiss mit meinen Mitreisenden. Ich wäre wahrscheinlich in Benaulim geblieben und hätte mir Neujahr am Arsch vorbeigehen lassen. 😉 Faule Socke ich.

Nächster Stop also Anjuna. Bekannt für den Flea Market und das (inzwischen muss man wohl sagen ehemalige) Hippie flair. Für die richtige Grundeinstellung sind wir bei der perfekten alten Dame untergebracht. Lino hat all die Ausstrahlung in sich vereint, die man mit dem Hippie Auswandererdasein in Goa wohl verbindet. Auf eine gute Weise! Sie lud uns in ihr Haus, welches allein schon ein Träumchen deluxe sein könnte. Noch dazu hat sie Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen und teilt diese mit uns. Wir drei Weltenbummler finden uns also bei einem Bier und einem fish curry wieder am ersten Abend, gespannt ihrem Leben lauschend.
Es ist viel städtischer hier und mir eigentlich schon etwas zu laut und viel. Aber gut, wir wollten ja ein bisschen wohl gelaunter sein. 😉 das gute am ersten Teil des Urlaubs ist: ich kann endlich wieder etwas in mich aufnehmen und WILL das auch. Und unser erster Abend in Anjuna gibt mir jede Menge Anlass dazu. 😀

Ein typisch indisches Ding war das: Lino leiht uns ihr Moped aus, was die Fortbewegung innerhalb Anjunas extrem erleichtert. Das alte Ding trägt uns drei mehr schlecht als recht, macht mich aber extrem glücklich.  Eingeklemmt zwischen zwei lieben Menschen, google maps hilft suchen und die frische Abendbrise weht mir um die Ohren. Wir nehmen noch ein Getränk irgendwo und wollen dann zum well known hilltop. Ich verkneife mir die bösen Bemerkungen. Eine Goa Disse eben, bas. Da wir mit Abendessen etc dich etwas länger gebraucht haben (man ist ja schliesslich im Urlaub und lässt sich Zeit) sind wir erst kurz nach 10 vor Ort und was soll man sagen: die Kaschemme macht zu!! Ärger ärger. Und das am 30.12….Goa ist wohl in bestimmten Dingen doch nicht so ganz unlimited….ähem. Was nu? Ein flyer wird uns in die Hand gedrückt, google maps befragt und los gehts. Diesmal ein bisschen weiter raus und das kleine Knäckerrad müht sich ganz schön ab. Aber schafft es doch mit uns an das ca. 10km entfernte Örtchen. Aber da es ja bekanntlich erstens anders kommt und so….platzt direkt vor Ort der Hinterreifen…mmh? Da stehen wir also…elf uhr abends, Landstrasse im Nirgendwo und ohne Gefährt. Etwas Unmut macht sich breit, kamen wir doch zum Tanzen! Aber Indien wäre wohl nicht Indien ohne diese seltsam einfachen Lösungen, die zumindest ICH mir in Europa nie vorstellen könnte.

Schon nach ein paar Minuten hält ein kleiner Laster an und ein dicker mittelalter Einheimischer steigt aus. Problem wird erklärt, klaaaar kann er helfen. Wir hiefen die Möhre (so der getaufte Name unseres armen Gefährts)auf die Ladefläche und steigen ein.
Die ganze Fahrt zurück nach Anjuna musste ich furchtbar in mich hinein grinsen. Ein Gespräch kommt schnell zustande, Ashok (unser Engelchen) findet nämlich Engländer und Deutsche ganz toll, „nice people“.
Er eröffnet gleich, dass er eigentlich sonst schon lange im Bett ist, AUSGERECHNET heute, ist er später aus der Kneipe aufgebrochen. Jaja, er hätte auch schon gut was getrunken, aber er esse ja auch immer viel und dann wäre das ja „no problem“. Er philosophiert über göttliche Fügung (ein gläubiger Christ aus Goa in Aktion) und über Autolichter.
Indian circumstances, herrlich.
Nachdem uns Ashok wieder bei Lino abgesetzt hat, wir das Moped vorerst dort geparkt haben, geht es noch auf in die UV Bar, in der mich die Eindrücke erschlugen. Ich hab die Augen, Ohren und den Kopf ganz weit aufgemacht und versuche das hier mal zusammenzufassen.

Die UV Bar ist einer dieser typischen Strandclubs, alles draußen natürlich, dass Meer in Flut im Rücken und mit fluoreszierenden Tüchern behängte Tanzfläche vor dem DJ-Pult. Eigentlich soweit i.O. nicht wahr? Leider lief dort die schlechteste Musik, die ich in den letzten….5…10…Jahren gehört habe. Aggressiver Bumbumscheiss. Ich mag wirklich nicht nur eine Art von elektronischer Musik, aber diese Grütze gehört samt DJ sofort in die nächste stinkende Mülltonne, sorry. Egal welche Drogen man mir da einflößt, Grütze bleibt Grütze. Der einzige Unterschied ist: ich ertrage die Grütze. Noch ein Getränkchen gekauft und Leute beobachtet. Großartige Beschäftigung auf dieserlei Events. Gut, zwischendurch hab ich mich auch irgendwo an den Rand gesetzt und auf dem Handy ein paar Runden Solitär gespielt. Ich würde das verbuchen unter 100% „geht mir doch am Arsch vorbei“ Stimmung. 😛
Es tanzen, nein zucken (vielleicht läuft das in einigen Kulturen auch schon unter Kickboxen) also jede Menge Westler und Inder vor sich hin. Dazwischen laufen Billigarbeitskräfte a la Indien durch die Mengen und bieten lustige Bunte Striche fürs Gesicht an. Ich fühle mich kurz wie in Colaba: Madaam, Drums? Ich überlege, ob ich mir einen Stinkefinger auf die Stirn malen soll mit dem Fluoromist, lasse es dann aber doch. Doch der Klopper kommt erst noch. Wir bewegen uns in einer Pause vom….zucken…Richtung Wasser. Dort stehen ca. 10 kleine Tische, an denen indische Hausfrauen in Salwar Kameez alles anbieten, was das Druffiherz zu dieser Stunde wohl verlangen kann: Kippen, Feuerzeug, Papers, Schokoriegel, frischen Chai und Rührei. Jaaa, die Kochen da auf so Ministöfchen!! Dazwischen hopsen dann diverse Zombies der Nacht (gerade rannte ein kleiner Weißer Richtung Meer, warf sich in den Sand und verneigte sich tief) und konsumieren so ziemlich alles, was der Markt zu bieten hat. Im Hintergrund wumwumwumwumwumwumwumwum…. Ich lache in mich hinein.
So schlimm wie in der EV Bar wars in den anderen Lokalitäten dann später nicht wieder, aber auch im Hilltop liefen die mit gelben Bauarbeiterwesten gekennzeichneten (indischen) Helfer zwischen den Tanzenden Leuten hindurch und sammelten durchgehend die Flaschen und Gläser auf. Das findet anscheinend Niemand seltsam. Ich frage mich, was die sich wohl denken, aber vielleicht sollte man das lieber lassen.

Der Business Gedanke ist allgegenwärtig in Goa. Das sieht man nicht nur in den Druffiklubs (in denen dann eine Flasche Wasser gern mal knapp 2 Euro kostet) sondern auch an den schönen Café’s, wie dem Artjuna, in dem sich Kunst, Wellness und Essenskultur verbinden. Dort finde ich zum ersten Mal auch die Yogajünger. Schöne Menschen 30plus, auf der Suche nach einem besseren gesünderen Ich. Ich schätze, ich bin noch nicht so weit.

Gut geht’s mir trotzdem. Ich freue mich über den gelungenen Start ins Jahr 2013, das wieder einige größere Veränderungen bringen wird.

Ich winke euch also peacefull zu und verbleibe mit dem weisen Rat „geht mehr ins Meer“ und diesem Liedchen hier:

anja pepa smiley_emoticons_winken4


raum und zeit

Diese geschichte passt hier eigentlich nicht ganz rein und ich weiß auch nicht so recht, warum sie mir heute einfiel. Es scheint mir dennoch notwendig, sie aufzuschreiben und geduldig auf die offenbarung seiner sinnhaftigkeit zu warten. Ganz nach dem motto des großen meisters heiner müller: der text ist klüger als sein autor (hier ja auch nicht zum ersten mal zitiert).

Es war also einmal….vor langer langer zeit als ich mich in den ersten monaten meiner ersten und bisher einzigen wirklich goßen (und natürlich tragischen) liebe befand.
mein herzblatt, nennen wir ihn b. lebte ganz hip und angesagt mit seiner familie außerhalb der stadt, in der ich wohnte. Das war in den neunzigern im osten der trend. Wer was war, baute in den vororten. Ganz amerikanisch. Wir warn natürlich nix und blieben in der platte (gut so!). ich hatte ja den großen breiten hippen freund und machte damit alles wett. Und man, MAN war ich verliebt. Schön war das und total fremd.
b. musste nun also jeden morgen und abend mit dem bus in seine vorortluxuskaschemme fahren. Natürlich machte er gerade seinen führerschein, aber die monate bis dahin kamen einem teenager natürlich wie jahrhunderte vor!
da ich noch zur schule ging und er woanders seine berufschule absolvierte, konnten wir uns manchmal nicht jeden tag sehen und das war natürlich UNERTRÄGLICH.
sein bus machte auf dem weg aus der stadt heraus einige stops und hielt als letztes an einer haltestelle, die von meiner platte zu fuß vielleicht eine viertelstunde entfernt war. Auch hier muss betont werden, dass 15min zu fuss laufen auch damals schon für teens einem marathon glich.
ich erinnere mich nicht, wie oft ich dort eingestiegen bin, um ihn übers wochenende zu hause zu besuchen (später machten wir dann diese rushhour autofahrten mit dem kadett, die mir noch gut in erinnerung sind). Ich kannte also den fahrplan gut.

Komisch eigentlich, wie man erlebte beziehungen in puzzleteilen bewahrt….

Mein puzzleteil ist also dieser eine nachmittag. Ich erinnere mich, dass es schon etwas kälter war und da wir wirklich noch nicht lange zusammen waren, vermute ich, dass es sich um den spätherbst `95 handelt.
ich glaub, ich war schon zu hause gewesen nach der schule und hatte bestimmt auch schon mit b. telefoniert. Wahrscheinlich haben wir beide wieder gejammert, dass wir uns wohl heute nicht sehen würden, da er gleich mit dem bus nach hause fahren würde.
als ich beschloss, einfach zur haltstelle zu gehen.
schon damals mein leitfaden. Herzensentscheidung gefasst und durchgeführt. Nicht lang gezettelt.
also wieder angezogen und die 15min zur haltestellte geschlurft. Dort gewartet. Hoffentlich war der bus noch nicht durch…daran erinnere ich mich genau, an das herzklopfen und die angst, der bus würde nicht kommen.
mir war klar, dass er nicht aussteigen konnte und trotzdem freute ich mich unheimlich darauf, ihn zu sehen.
für 2-3minuten. Länger hielt der bus dort nicht. Immerhin.
als er dann endlich kam, war mir schon etwas kalt.
natürlich  hatte damals noch niemand ein handy (man, jetzt komm ich mir echt vor wie ein opa, der vom kriech erzählt! ) und hätte mir natülich eher den arm abgehakt, als mir die blöße zu geben, ihn zu rufen.
der bus hält also und b. sitzt wie immer hinten auf der rechten seite. Ich warte. Ich sehe ihn an und warte.
was ist, wenn der bus jetzt einfach weiter fährt und er nie erfährt, dass ich hier…in dem moment guckt er hoch und sieht mich.
eine sekunde angst in den augen und geste „ist was passiert?“. Ich schüttle den kopf und lächle.
er lächelt zurück und macht eine telefon geste.
ja klar, werden wir uns gleich von zu hause wieder anrufen…
dann ist noch einen moment große stille zwischen uns (während der verkehr rauscht und der wind pfeift). Stille und ganz viel liebe.
dann fährt der bus los. Was sollte er auch sonst tun.
und ich geh nach hause. Was sollte ich auch sonst tun.

Habe das gefühl, was schönes gemacht zu haben. Für ihn, für mich, für uns.

Eigentlich war es mit dem raum/zeit gefühl und der romantischen ader ganz klar, dass ich irgendwann in indien landen würde….
könnte eine erklärung für das auftauchen der geschichte aus den untiefen der erinnerung sein.

(ein wunderschönes lied, was ein gefühl vermittelt, nicht meine geschichte! nur um das richtig zu stellen 😉  hey, mein name bei 1:10, das heisst doch was!!)

a.


mein schmaler grad 2

ich befinde mich mitten in der zermürmenden wartezone. kurz nach ablauf der urlaubsfrist und mit aussicht auf weitere 4 wochen ohne stress, ohne geld, ohne arbeit, ohne….ja eben ohne!
und da mir schon an anderer stelle gern „jammern auf hohem niveau“ unterstellt wurde, fröhne ich gleich meinem zweiten klischee: wenn schon, denn schon!

ja, danke. ich hab mich gut erholt. weihnachten und neujahr hinter mich gebracht (die beiden enzigen wirklich stressigen feieranlässe in dtl, jeder inder würde sich schlapplachen) und dann auch ein bisschen gereist und die übliche freunde-besucher-runde gemacht. some new. some old. wie das eben so ist.

was ist passiert?
wenns ans eingemachte diplomatische geht hält normal-null lieber den rand und trinkt tee. es geht ja hier schließlich nicht um die erorberung demokratischer freiheit (warum hab ich geade nur soviel zeit zum lesen, wo das weltgeschehen auf der waage liegt), sondern nur um meine arbeitsberechtigung. ja, das ist nicht selbstverständlich, dass ichs mit indien gut meine und dafür nicht viel geld verlange. im gegenteil, dass ist ungewollt…nungut, ich wollte ja den rand halten.

das seltsame/unverstädliche ist: ich krieg wieder richig schiss vor Mumbai!! ich will keinen schiss kriegen. mumbai ist schon scray genug auch ohne meinen schiss!!
völlig unvorstellbar erscheint mir inzwischen mein täglicher gang durch die straßen. vollkommen ausgeschlossen, dass ich mich freiwillig einem zustand wie blorivli station (zum beispiel wie hier) aussetzen würde! oder dem hier nee, ich bin doch nicht bekloppt!! oder doch? denn natürlich gibt es mindestens eine tonne von dingen (und natürlich menschen), die mir ganz ungemein fehlen. gaaaaaanz vornweg: die sonne! wie hab ich nur so lange in dtl überleben können ohne selbstmord! man man man. das ist aber auch grau hier. sowas vergisst man ja auch wieder (genauso wie die unerträgliche nicht enden wollende hitze, die auch durch sonne verursacht wird).
dann: essen. ich hab mir in den letzten wochen auch echt alles gegönnt, was die hiesige küche so liebenswert macht und tue es noch: kaffee, brot, wurst, kartoffelbrei, kohlroulade…..und jede menge kuchen! ich käme nie nie nie auf die idee, mir hier was indisches zu kochen! und doch: so langsam hätte ich gegen ein schönes masala dosa oder ein ein bisschen upma auch nichts einzuwenden. jaja, the grass is always greener…

ich würde sagen, alles in allem stehts gerade halbe-halbe. also, wenn ich die blöde ämterrennerei mal abziehe. gott, sind die deutschen eng im koppe!
ganz schlimm fände ich auch den gedanken, dass ich vielleicht doch nicht zurückkehren könnte! hilfe, das wär schon schlimm! meine tolle wand-uhr hängt doch noch im wohnzimmer!!!

ick kann wate…

a

ps: und was mach ich nu mit meinem blogface? mag das jemand: ja? nee?


resüme2010

2010.
das bisher beste und zugleich schlimmste jahr in meinem leben wahrscheinlich.
ich bin in den vorangegangenen 3 jahrzehnten zusammengenommen nicht soviel beschimpft, belästigt, beleidigt, gedemütigt und verletzt worden.
aber auch nie so viel geliebt, vermisst, geschätzt und gebraucht.
wie wiegt man das eine nun gegen das andere auf? –  am besten wohl gar nicht.
let it be.
schnell gelebte zeit und vor allem intensiv gelebte. also gute, oder?
ich fühle mich (auch) voll. voll mit eindrücken, gefühlen, gedanken und ideen, die festzuhalten einer enzyklopädie oder gesamtausgabe der goethe werke gleichen würde.
so viel zeit hab ich nun wirklich nicht! 😉
und wer liest das schon…
2011 wartet schließlich darauf gelebt zu werden!

anya