danach.

seit ende 2007 habe ich, zumindest mit kopf und seele, in indien, in mumbai gelebt. mehr als 5 jahre, bis anfang 2013. zwischen durch war ich physisch in deutschland, manchmal auch länger, aber im kopf und herzen war ich immer dort.

5 jahre, die mich verändert haben. sehr, wie ich so langsam feststelle. nein, ich bin keine komplett neue person geworden und wandere nun hell erleuchtet durch deutschlands saubere straßen… viel mehr hat das leben oder besser die fremde realität eine tiefe spur in mir hinterlassen, der ich mir nach rückkehr schmerzlich bewusst werde und für die ich auch dankbar bin.

trotzdem: es lässt sich schwerlich in worte fassen, wie das ist, mit der rückkehr. meine vermutung lautet: ich gibt sie nicht. weder ist das heimatland das selbe geblieben noch meine sicht auf selbiges. ich wünsche mir mein altes ich auch nicht wirklich zurück, wünsche mir momentan sehr, den abstand, den ich gerade sehr deutlich empfinde, so lange wie möglich beibehalten zu können.ich halte ihn aufrecht sozusagen. weil er mir ruhe gibt und gelassenheit, die ich so lange wenn nicht noch nie mein eigen nennen konnte. ich muss mir des öfteren auf die zunge beißen, bei disputen, die an belanglosigkeit und überflüssigkeit kaum zu überbieten sind. sie entsprechen einer mir inzwischen sehr fremden lebensrealität.
man könnte es vielleicht so sehen, ich versuche ein bild: während ich lange zeit einen geräuschpegel von drei autos und einer gelegentlichen hupe gewöhnt war

wurde ich fünf jahre lang einem zehnmal so lauten und chaotischen verkehrsszenario ausgesetzt

(trust me this is NOT  a noisy example!)

plus bettler, plus grapscher, plus gestank und dreck.

wenn man nun wieder zu punkt eins zurück kehrt, kommt einem alles extrem entschleunigt und clean vor. sauber nicht nur im hygienischen sinne, sondern auch in der bedeutung „rein“, unverdorben.

ich weiß, das mag pathetisch klingen, aber in vielerlei hinsicht, habe ich das empfinden, eine situation, einen zustand überlebt zu haben. damit verbunden ist der eindruck, der nun einsetzenden heilung. ich erhole mich.

das tut gut.

das dauert aber auch.

überraschenderweise finde ich mich nicht unter denen wieder, die (nach einer langen zeit ins heimatland zurück gekehrt) nun regelmäßig indisch kochen, räucherstäbchen anzünden und ravi shankar hören. die indien ganz dolle vermissen und es festzuhalten suchen…zumindest der teil, der uns allen doch auch ans herz gewachsen und liebenswert ist.
nein, ich stoße das alles gerade von mir, vielleicht auch etwas zu robust, aber mir scheint das notwendig. indien ist ja sowieso da, in mir, ich muss mich dessen nicht täglich vergewissern und im moment hat das wieder-hier-verankern auch vorrang.und ist schwer genug, im übrigen. so sehr ich die ruhe um mich auch genieße und wahrlich gelernt habe, froh mit mir allein zu sein, desto mehr vermisse ich doch auch einen festen kreis an menschen um mich, die meinen alltag und mich kennen und teilen. das soziale umfeld oder wie man das nennt.

neulich fiel mir ein gespräch ein, was ich während eines deutschlandbesuches 2010 hatte, bei dem ich meinte, ich hätte zwei „ichs“: mein deutschland-ich und mein indien-ich. ich glaube, ersteres ist spätestens 2012 auf ein rudimenteres ich zusammengescrumpft und das letztere hatte die oberhand. mein komplettes sozialen umfeld war doch aber dort um mich herum gewachsen und mein bezugssystem lag eben dort! tja, und nu….?
ein bisschen schizophren, he? skeptisch

ich fange also wieder von vorn an, ein wenig fremd fühle ich mich dabei, aber wohl würde ich sagen. es war eine notwendige und richtige entscheidung, wieder zurück zu kehren. und hat nicht zur konsequenz, dass ich nun alles negiere, was mit indien zu tun hat oder nie wieder dorthin zurück gehen würde. nur, wie es eine freundin so schön in ihrem letzten beitrag formulierte: „ich möchte dort nicht mehr leben“.

und weil das inhaltlich wie auch musikalisch passt und ich hugh laurie gerade ganz toll finde, zum abschluss noch ein liedchen:

anja

Advertisements

teen hafte.drei wochen.

Drei Wochen bin ich jetzt zurück in Deutschland. Drei Wochen nur. Oder schon drei Wochen?
Ich wusste im Vornherein, dass es wohl eine ganze Weile dauern würde, bis ich mich wieder komplett und ganz in Deutschland zu Hause fühlen würde. Auch besteht die Möglichkeit, dass ich es nie wieder so sehen werde. Aber wir wollen ja hier nicht den Schwarzen Peter an die Wand malen…oder so…das wäre doch auch zu Deutsch!

Jedenfalls befinde ich mich nun seit drei Wochen in dieser wunderbar chaotischen Zwischenphase, in der sich ständig alles verschiebt. Ich mache mir fast täglich Notizen, weil ich auch annehme, dass diese Phase vorbei gehen wird (wie war das mit den 5 Phasen des Trauerns?) und die Gedanken doch in dieser Form einmalig sind.

Hier also ein paar Einblicke aus dem Sammelsurium.

>Komisch, ich hab immer ein bisschen Angst, wenn ich aus dem Haus gehe. Das fiel mir letztes Wochenende auf, als ich nur noch schnell zum Kaufland rüber wollte und eine Milch holen (na gut, vielleicht auch noch was Süßes). Kaum trat ich aus der Haustür, fühlte ich mich „tensed“…ähm…anspannt (auch so ein Ding mit den englischen Wörtern, die gelegentlich zuerst in meinem Kopf aufpoppen), ohne zu wissen, warum. Bestand doch offensichtlich kein Grund dafür.
Im Supermarkt dann überwältigt von Effizienz und Freundlichkeit. Zweifel, ob das alles echt ist und mittendrin immer wieder komplette Orientierungslosigkeit.
>Wie viel Abstand zu meinem Vordermann in der Kassenschlange ist appropriate? (ich glaub, ich steh immer zu eng)
>Wie zu Hölle heißt das deutsche Wort für…?
>Wie lange brauche ich von A nach B?
>Was ziehe ich an? (und nein, das ist keine typische Frauenfrage!) Kalt, warm, Anlass, Mode?

>Irgendwie sehen die Leute hier doch alle gleich aus. Ist das beruhigend oder langweilig?

>Warum erschafft die Sonne und Wärme so andre Gemüter als das deutsche?

Jaja, ich glaube, ich werd‘s schon schaffen. Und ja, basically I’m fine.
Trotzdem liegt mir ein Gedanke schwer im Kopf und ich vermute, dass sich dieserlei auch in einigen Wochen/Monaten von selbst erledigen, hoffe aber gleichzeitig, dass sie nicht komplett verschwinden. Etwas kritische Sehweise hält ja den Geist wach. 😉

Den Einwand der Belanglosigkeit bin ich nämlich in den drei Wochen noch nicht losgeworden. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, es wird schlimmer. Man muss es ganz klar sagen: das Leben in Deutschland ist schon recht bequem.
Ich vermute auch, dass ein Teil meiner Verwirrung daher kommt, dass die ganzen alltäglichen Widerstände wegfallen. Denn egal wie anstrengend oder stressig der Arbeitsalltag so gewesen ist in Mumbai, was mich wirklich geschafft hat, war das Alltägliche. Der Lärm, das Wetter, die Sorgen. Nichts klappt einfach so, wirklich nichts. Und sollte wieder erwarten doch mal ein Tag ohne Katastrophen vorüber gehen, hat es der nächste garantiert doppelt so dick in sich. Man kann und möchte sich das nicht ausmalen. Wie viel Energie das wegnimmt und dass das auch nie nie nie einfacher wird!! Selbst eingefleischte Mumbaikars geben das zu. Sogar die Bombay-wallas, oder gerade die. (aber den Witz versteht hier wahrscheinlich eh niemand…)
Ich habe auch aus diesem Grund die Wochenenden gern ausschließlich zu Hause verbracht und geschlaaaaaafen. Ein kurzer Gang zum Anand Bazaar (der mir schrecklich fehlt, wo es doch jetzt, nach mehr als 2 Jahren in Kala Nagar wirklich angenehm dort wurde) und das war‘s an advanture. Und mehr hab ich auch einfach nicht geschafft.
OMG…anand bazaar auf google. im empfehle also: https://plus.google.com/112470602694817075157/about?gl=de&hl=de

Und jetzt kommen mir, nach dem nunmehr dritten Wochenende, zwei Tage schon fast zu viel freie Zeit vor. Man verstehe mich nicht falsch: ich will nicht weniger Wochenende! Nein nein…
Ich kann auch noch nicht richtig ausgehen hier…irgendwie fühle ich mich dafür noch zu fremd und ehrlich, in Köln ist mir im Moment auch alles etwas zu selbstverliebt.
Aber zurück zu belanglos. Ich möchte eigentlich ständig in die unheimlich gestressten Gesichter schreien: DAS IST DOCH KEIN PROBLEEEEEEMM!!! Ja, Wetter ist scheiße und kalt und grau. Ja, der Euro steht schlecht …blablabla…. Aber echt, es ist doch alles in Ordnung und ich verstehe einfach nicht, warum man das nicht sehen kann bzw warum das nicht alle so sehen und ihr Energie lieber für etwas anderen (wichtigeres?) nutzen als das konstruieren nicht relevanter Konfliktsituationen.

Ja, ich bin ein wenig wütend mit den Deutschen!
Aber auch das wird sich legen. Schließlich bin ich ja eine von Ihnen. At least I used to be.

Achja: Ich habe noch keine Ahnung, ob und wie ich den Blog weiterführe. Kann sein, dass das hier der letzte Eintrag sein wird. Schreibend denke ich allerdings schon, nääää… 😉

Bis dahin wieder etwas Musik?

Deutsch oder Indisch?
vielleicht etwas das dazwischen liegt? meine letzte musikalische Entdeckung vor Abflug vielleicht? Erwähnenswerte Band aus Mumbai namens „Sky Rabbit“!
(herrje, ich sehe mich in weiteren zwei Wochen schon das Chaos wieder herbei sehnen)

smiley_emoticons_winken4anja

 

 

 

 

 

 


zzzzzzzssscchhwuuuummm….3 jahre vorbei gerauscht…

Man sagt doch, dass das zeitempfinden allgemein an das glück und wohlgefühl geknüpft wäre. Sprich: geht’s mir gut, vergeht die zeit schneller.
ich kann dem nur (noch) bedingt zustimmen. Bisher hatte ich auch das auch so gesehen. Aber wie in so vielen dingen hat auch in diesem punkt indien mein zeitempfinden entscheidend verändert.

Grundsätzlich beschreibt jeder europäer, mit dem ich mal darüber gesprochen habe (und ich spreche ja bekanntlich viel 😉 ), die erlebte zeit als unheimlich intensiv und schnell. Egal, ob gute oder schlechte Momente, man hat ständig das gefühl, als raaaase das leben an einem vorbei oder besser, schleift dich mit. Hetz hetz hinterher.

Ich vermute, dass das ganz simpel an der ereignisdichte liegt. Einem wunderschönen deutschen wort, was ich in der letzten zeit wieder häufiger verwende. Die erlebten momente sind nun mal, im vergleich zum bequemenen 9to5 dasein in einer der deutschen ähem…städte, um ein vielfaches extremer, intensiver, fremder in der einordnung und treten noch dazu in einer häufung auf, die eine simultane verarbeitung eigentlich nahezu unmöglich machen.
(ich für meinen teil rechne damit, dass ich noch mind. ein jahr nach rückkehr nach dtl mit dem verarbeiten der letzten zwei jahre zu tun habe werde aha)
man kann sein leben in einer indischen großstadt demnach nur als hektisch und vergangene jahre nur als sekunden beschreiben.

Eines der probleme, die sich daraus ergeben können ist wohl, dass man sich an diese ereignisdichte gewöhnt. Die inder um mich herum nehmen diese zum beispiel generell nur sehr gedämpft oder gar nicht war. In gewisser weise bin ich auch froh, dass ich nicht mehr vollkommen überfordert dahinrennen muss, wie in meinen ersten wochen in mumbai 2007. Inzwischen mischt sich in diese erleichterung (abstumpfung?) aber auch etwas sorge, dass mir die ruhe und „langsamkeit“ deutscher ähem…städte doch wohl arg aufs gemüt schlagen könne.
man kennt den schwindel, die nach einer runde im karussel den kopf befällt, wenn dieser auf einmal stehen bleiben soll.
ja, nun gut, STEHENBLEIBEN werde ich in dtl ab märz wahrscheinlich nicht, aber was ist, wenn ich nun fortan immer am rennen bin. Karla kolumna mäßig….das will man doch auch nicht.

Wie dem auch sei. Besonders die letzten monate haben es ereignisdichtemäßig EXTREM in sich gehabt. zu meinem glück waren sie dieses mal mit hauptsächlich positiven ereignissen gesät und mir scheint, der abschied von meinem leben hier in nur wenigen wochen ist undenkbar.
ich war nochmal kurz in kolkata (krasse stadt), in pune (habe es doch beim dritten versuch das erste mal schön gefunden) und ein goa-urlaub steht ebenfalls noch ins haus. 🙂
bin ergo viel unterwegs.
habe auch, bedingt durch den abschluss des projektes, für welches ich die letzten 1 ½ jahre hier tätig war, schon mit einigen abschieden begonnen und stelle fest, dass sich doch an den unerwartetsten stellen auf einmal freundschaften heraus kristalisieren. Ich hoffe, ich kann davon etwas mitnehmen ins kalte, graue, stille deutschland. Brrr.   Sowohl von der guten energie, die ich gerade habe, wie auch den freundschaften. Ich finde, ich habs verdient!

hier was interessantes. mumbai-the land of dreams….jaja, alp-dreams vielleicht. 😉

smiley_emoticons_winken4anja


mumbai ist eine halbinsel!

freitag. endlich feierabend. woche war lang und nicht einfach. ich freue mich auf ein wochenende. ich brauche ein wochenende.
ich habe die freude mein wochenende mit einem filmprogramm einzuläuten. lola rennt, ich stelle fest, wie sehr sich berlin verändert hat in den letzten 14 jahren und was für gute filme wir doch haben. jaja.
danach bin ich zu einem bier mit zwei freunden verabredet. nichts ungewöhnliches trotz alkohollizenzdebatte (über die ich eigentlich einen kleinen beitrag schreiben wollte….ähem). das woodside inn liegt gleich um die ecke, sie haben gutes bier, wenn auch gleich teuer ( würde ich in europa für ein bier 8 oder gar 10 euro zahlen?? ). leider ist es dort nach feierabend, und besonders gern freitag, ziemlich voll und vor allem: LAUT.
wir saßen dort also auf ein wasauchimmerpincher und versuchten ein gespräch. es überrascht mich selbst immer wieder und ist doch absurd, wie sehr man sich selbst an total unannehmbare zustände gewöhnt….so sehr dass ich den vorschlag, vielleicht noch woanders hinzugehen, wo es vielleicht etwas leiser/ruhiger wäre und man sich nicht über den tisch hinweg anschreien müssen, erstmal skeptisch abtat. nochmal bewegen…näähhhh.
idiot ich!
die dritte person, mit der ich und meine mitbewohnerin nämlich saßen, war besagter commandar dilip donde, von dem ich schon einmal berichtet habe. ein mehr als interessanter gesprächspartner in einer stadt voller menschen mit problematiken wie alkohollizenzen, verkehrssituationen und dem letzten batman movie.
er bot an, noch weiter in den süden der stadt zum sailing club zu fahren!!! ein exklusiver club (wie es ihn hier in der stadt in verschiedener ausführung für members und ihre freunde aller sorten gibt), der eigentlich den navy mitgliedern vorbehalten ist. tatsächlich sind die da auch sehr genau und so blieb mir ein besuch bei einer weiteren sehr lieben indischen freundin, die mit ihrem mann im navy viertel wohnte, auf sehr lange zeit verwehrt: sorry, no foreigners here!
egal, mr. donde ist ja sowas wie ein nationalheld und hat sein büro im gleichen gebäude wie der club.
wir fahren also weitere 10minuten den colaba causeway hinunter. die touristengeschäfte werden immer weniger, ein dörflicher charakter entfaltet sich, es wird ruhiger.
am club angekommen (ein bewaffneter öffnet die pforte und ich rechne eigentlich damit, gleich gefilzt zu werden) macht man uns dreien einen extra tisch auf der terasse fertig, die in der monsunzeit wahrscheinlich eher weniger benutzt wird. wir sind also allein auf einer riiiiieeesigen terasse und was soll man sagen: MEER!!! ich kann mein glück kaum fassen und stehe erst einmal eine viertel stunde fasziniert am geländer und atme die feuchte luft ein. lausche dem rauschen.
der kellner, der uns immer wieder bier und snacks aufs dach bringt, ist sehr leise und versucht wohl, der unsichtbare diener deluxe zu sein. sehr devot. komischerweise kann ich den gedanken nicht abwehren, dass ich das als sehr angenehm empfinde….? sicher nicht, weil ich devote diener mag, sondern eher weil sie einem sonst laut schrill und aufdringlich entgegen kommen. yes madaaaaam!!!
keine verkehr, kein möööp mööp weit und breit. ich kann meinem angespannten hirn dabei zusehen wie es innerhalb dieser wenigen minuten auf „normal“ fährt. ah, welch eine wohltat das ist, kann man niemandem beschreiben, der nicht schonmal hier gewesen ist….

auch das gespräch driftet in eine ecke, in der ich mich eigentlich nur fragen kann, was für einen unfug ich eigentlich tagtäglich in meinem leben fabriziere. es geht um die planung eines erneuten segeltripps um die welt und die menschliche herausforderung, die darin liegt, es allein ohne zwischenstopp zu schaffen. alles andere verblasst wohl vor diesem hintergrund, zumindest für mich an diesem freitag abend. es geht nicht so sehr um die argumente, die an diesem abend ausgestauscht werden. ich bin einfach nur mehr als dankbar für den inhalt des gesprächs.

die arbeit scheint sehr weit weg, büro, ganz mumbai. unfassbar das ich bald schon wieder in ein taxi steigen und nach „hause “ fahren werde.

doch auch das ist mumbai.

diese blasen gehören dazu. es  gibt sie noch. gottseidank.

also bin ich mal ganz still und zufrieden für einen kurzen moment und sage: danke. 🙂

ich ende mit einem märchenhaften video vom meinem lieblingsfisch und der frage: wann lerne ich eigentlich endlich mal anständig tauchen?

winke winke

a.


keine halben sachen!

(wenn schon schlechte laune, dann richtig)

der tag hier für mich beginnt zumeist in der öffentlichkeit, sprich auf dem weg zur arbeit.
heute hat mir auf der stationstreppe wieder ein hirni erst leise lässig, später lauter immer wieder „hello!“ hinterhergerufen. als wir am ende der vollkommen überfüllten selben angekommen sind, dann so laut, dass ich 2 sekunden davor war, mich umzudrehen und zurück zu brüllen: geh nach hause und sag mal wieder HELLO zu deiner biwi du perveser vollidiot!

da hatte ich noch humor übrig.

circa 45minuten später hab ich mich dann in steigender spätmorgendlicher hitze (es ist mai im schwülen mumbai) in den straßen kalbadevis verlaufen. dabei war der weg von der station marine line zum FRRO (ausländerbehörde) beim letzten mal super einfach zu finden! dieses mal eben nicht.
lerne: wenn die straßen immer enger werden und du durch einen schwarm an bärtigen männern auf eine reich geschmückte moschee zuläufst, ist eher nicht damit zu rechnen, dass dir dort jemand mit deiner visumsverlängerung hilft…

auch das konnte ich als geübter fußgänger noch halbwegs gelassen hinnehmen.
war dann eben nur restlos verschwitzt bei ankunft im FRRO und muss meine geschröpften salzhaushalt wieder aufstocken. (das sollte man auch dringend beachten!)

habe ich den mumm zu erklären, warum ich das visum nicht bekommen habe? ich vermute, ich bleibe abergläubisch und halte an in der hoffnung auf ein gutes ende innerhalb der nächsten woche lieber die klappe.
nur soviel: ich finde mich in einer position, in welcher ich mich dafür rechtfertigen muss, zu wenig geld zu verdienen. eine ganz tolle sache. (und so gehen meine ideale den bach hinunter. danke!)

am nachmittag, zurück im büro, sind meine nerven und ich endgültig am ende und als mein handy abstürzt (kurz vor einem wichtigen anruf in eben jener sache) und ich den doofen akku nicht herausbekomme, bin ich schon ein wrack. sooo unglaublich schlecht gelaunt, dass ich meinen armen praktikanten, der doch nur helfen will, wohl ordentlich geängstigt habe. er traut mir zu, dass ich ihm eins verpasse….ich bin kurz davor. irgendein kopf muss jetzt rollen!!
ich schaffe es aus dem büro ohne tote.

das ich dann auf dem heimweg am wie immer proppenvollen churchgate bahnhof auch noch fast auf einem überrest an fäkalien (oder essenresten…? wer weiß das schon, wenn klo und fast food shop direkt nebeneinander plaziert sind) ausgerutscht wäre, trägt nun auch nicht gerade zu verbesserung meiner laune bei….wie man sich vielleicht vorstellen kann.

(beim schreiben der notizen im zug rennt eine schon eher mittelgroße kakerlake über den boden…urgh…juchu indien!)

doch jetzt gehts mir schon besser. hab den ganzen kladeradatsch niedergeschrieben und losgelassen. phew.

bombay, echt. you’re killing me.

anya


what a life we’re living

auf der bandra station tummeln sich verschiedenste bettler. morgens andere als abends. meistens muslime, ein muslimischer slum ist gleich angedockt und expandiert gerade wieder.

am anfang kam es mir vor wie ein sammelsorium an grausamkeiten, wie ein gruselkabinett. die verstümmelungen und das ausmaß an elend, was sich dort versammelt, ist für das europäische auge ein schock. man guckt lieber weg. kann es trotzdem nicht und muss doch irgendwie da durch. jeden morgen.

stück für stück habe ich mich daran „gewöhnt“, kenne die einzelnen alten blinden männer inzwischen gut und ihr stetig brummendes „allaaah“. sehe immernoch bewusst bei den frauen weg, die kleine schmutzige babys in den armen halten und bin immer wieder erstaunt, in welchem ausmaß der menschliche körper deformiert werden kann.

einzelne „fälle“ wie folgender verarbeitet man aber wohl nie:

ziemlich zentral inmitten der stetig rauschenden menschenmenge liegt gelegentlich ein kind, ein mädchen. als ich sie das erste mal bemerkte, hatte ich für die stunde danach einen kloß im hals, denn dieses mädchen besteht eigentlich fast nur aus einem rumpf, der die größe einer 4jährigen hat, geschätzt.
mein erster gedanke war: contergan! denn die arme und beine sind im ansatz schon vorhanden.
seltsam babylike  wackelte sie mit dem unterleib hin und her, der in eine art windel gewickelt war.
keine mutter weit und breit.

viele male traute ich mich nicht richtig hinzusehen, erhaschte im vorübergehen einen kurzen blick auf das mädchen.

immer lag sie dort allein

immer wackelte sie mit ihrem unterleib

manchmal hatte sie eine babykappe auf, aber nach und nach konnte ich erahnen, dass sie durchaus kein baby mehr ist.

um so öfter ich einen kurzen blick in das gesicht des mädchens warf, wurde mir stück für stück bewusst, dass es kein mädchen ist….
sicher auch noch keine frau, aber wohl deutlich älter als 3 oder 4 jahre.

nun fingen die gedanken an zu wandern.

jemand muss sie dort regelmäßig ablegen, allein schaffst sie das wohl kaum. ist dieser jemanden auch verantwortlich für ihr erscheinungsbild als kleinkind? sicher, ein baby erregt mehr mitleid.
was für ein leben lebt sie und ist ihr bewusst, wie sie dort präsentiert wird? ist es ihr egal? ist das eben die art, wie sie ihr geld verdient oder doch wesentlich mehr?

ich sehe sie jetzt nicht mehr als eine der vielen armen kreaturen in dieser stadt, sie ist…ja, ein mensch, eine person geworden. ich nehme an ihrem leben keinen anteil, aber sie hat ein gesicht.

was für ein seltsames leben wir leben.


saturday night – bombay night

da war ich also gestern auf meiner ersten post-wedding party meiner lieben ex-mitbewohnerin (also für mich die erste, ne?). da das paar nach der hochzeit aus beruflichen gründen hauptsächlich in delhi wohnt, wurde diese party für die bombay kollegen und freunde veranstaltet, die es nicht nach delhi zur shaadi geschafft hatten…ähem.
ich wurde vorgewarnt, was die gästeliste anbelangt und begab mich mit doch sehr….sagen wir….gemischten gefühlen auf diese party. bei der vorstellung besoffener indischer journalisten bin ich zugegebener maßen schnell an meiner toleranzgrenze angelangt.
aber mir wurde auch „normale“ menschen versprochen, einige bekannte gesichter sogar.

also aufgehübscht (das erste mal konnte ich sogar schon als produktive hilfkraft für das anlegen des saris der gastgeberin dienen….*mirselbstaufdieschulterklopf*) und auf in den press club. das ist wirklich ganz schön dort. erstaunlich ruhig und grün. dank des wunderwunderwunderbaren mumbai-winters konnten auch wir schön draußen auf der veranda sitzen. 🙂
lange gefackelt wird ja hier eigentlich nicht. sobald man sitzt wird der alkohol eingeflöst. snacks kamen dann 20min später.
während ich also an meinen ersten beiden biers nibbelte (dem wetttrinken habe ich mich selbstverständlich nicht angeschlossen!) und mit einem befreundeten musiker die sich füllende journalistenszenerie beobachte, ging mir wiedermal die frage durch den kopf, was das ist mit den indern und dem essen/trinken/partyverhalten. darüber könnte man (und hat wahrscheinlich auch schon jemand) eine doktorarbeit  schreiben. wetttrinken, snacks schaufeln, diese gespräche! und wer dann tatsächlich gegen elf beschließt, sein dinner einzunehmen, wird vom gastgeber gefragt, ob er/sie denn schon gehen wolle….jaja, das ist hier nämlich genau anders herum. erst die party, dann das essen!
wie auch immer, alles in allem hatte ich doch eine ganz schöne zeit, was hauptsächlich einigen netten neuen bekanntschaften und dem sehr schönen draußen-sitzen-unter-palmen-bei-wodka-tonic-ambiente zu verdanken ist. ich habe mich sehr lange mit (wie sich sympatischerweise erst später heraus stellte) einer halbprominenz unterhalten. cmrd dilip dondre ist der erste inder, der mit seinem segelschiff (der mhadei) allein die welt umseegelte. beindruckend an sich schon und noch dazu ein interessante mann. ich hatte soviele fragen im kopf und er beantwortete sie gern. war sehr schön.

nicht so schön war der anteil an zunehmend besoffenen männlichen journos vor ort und einer hatte es sich zur aufgabe gemacht, mich (und ja auch die anderen weiblichen gäste) zum tanzen zu bewegen. nun ist der gute c. mit sätzen „come on ladies, lets go and dance, lets shake your „ärsche“ (bin nicht mehr sicher, welches wort er dafür verwendet hat) bei mir nun gerade an die wirklich echt total falsche weibliche person gelangt ist. ich hab dem halbtrunken torkelnden und viel zu dicht stehenden oberlippenträger dann erst einmal in strengen ton klar gemacht, dass ich garantiert NICHT mittanzen werde und er sich gefälligst so nicht gegenüber frauen äußern soll. ja, ich weiß, ich übertreibe es immer etwas, aber ich vermute, ich war nicht die einzige im raum, die so dachte, aber die einzige, die den mund aufmachte. ich sprach also hier für mehrere frauen, stellvertretend für DIE frauen….

ööh, huch, jetzt geht wieder der größenwahn mit mir durch. (hier müsste ein pinkie&brain video hin….wer hat eines?)

anyway, er ließ mich fortan in ruhe und dachte sich wahrscheinlich „blöde zicke“.

als die party sich gegen zwei dem ende zuneigte, war ich eigentlich ganz zufrieden, nur halbwegs angetrunken und auch ein wenig müde..glücklicherweise bot sich ein freund an, uns  leichtbeschwipste truppe in seinem wagen mitzunehmen und uns auf dem weg abzusetzen. DACHTEN WIR. mumbais nächte sind allerdings auch für überraschungen berühmt berüchtigt und auch in diesem fall hatten wir leider die rechnung ohne den wirt gemacht….denn trotz wilder proteste landeten wir dann halb drei noch im blue frog. gut, das liegt auf der strecke, aber einen schicken club hatte ich für den abend eigentlich nicht mehr auf dem schirm. mehr unwillig mitgeschliffen und willenlos fand ich mich mit einem dieser ekeligen redbull-getränke in der hand auf der tanzfläche wieder. irgendein uk-dj lag gerade in den letzten zügen. jaaa, ok….war in ordnung die musik, aber auch nicht der brüller. ich fand mich ab und hinein und hübbelte ein bisschen mit.
das getränk hab ich nur halb geschafft, denn der dj war dann auch recht bald durch mit seinem set und der club hatte eigentlich eh schon sperrstunde (und außerdem schmeckte der wirklich wiederlich….buäh! )
also fing draußen vorm club wieder die diskussion an, ob wir „die stunde nutzen“ oder einfach ma heim fahren würden.
ums kurz zu machen: ich verlor.
jetzt begann der teil des abends, den ich mir gern gespart hätte. 1. ist um diese uhrzeit in mumbai nicht mehr allzuviel los und 2. ging es offensichtlich hauptsächlich darum, dass unser freundlicher autobesitzer noch zu der party und zu der frau kam..nun ja…sagen wir es höflich…die ihm „gefiel“.
also zum mumbai race court gefahren. entgegengesetzte richtung. verdammt!
die party dort war eigentlich auch gerade am enden und das publikum…ojeeee….die reichen und (so sollte man meinen) schönen torkelten gerade aus dem gelände in highheels und designershirts. ich war nicht betrunken genug um es nicht mehr zu sehen, leider.
in dem ganzen hin und her wurde gegen halb vier dann ENDLICH klar, dass wir (die beiden hosts der ersten party des abends) und ich (die den hausschlüssel besaß) nun endlich ein taxi nehmen würden. heimwärts!

und die heimfahrt offenbarte dann wieder alles, was mir an bombay so gefällt. und am meisten der clash der gegensätze.
nachts durch diese stadt zu fahren hat mir in den ersten monaten immer ziemlich viel angst gemacht. logisch, wenn man sieht, wer und was da so alles auf den straßen los ist und nachts ist dann auf einmal alles ruhig. man rauscht durch die straßen, fenster offen, stickigen wind im haar. es stinkt alle zwei minuten nach etwas anderem.
man sieht schlafende familie, hunde, die nach essen suchen, riecht verbrannten müll, kacke und seife. die straßenlaternen machen hier so ein schwachen gelbes licht. alles sieht also braun aus irgendwie. ich spüre in solchen momenten die hassliebe zu dieser stadt ganz deutlich.
das paar im auto streitet sich gerade wieder und ich wundere mich nicht mehr über den ton, der mir sensibelchen schon längst das herz aus der brust gerissen hätte. kein ding, morgen wird alles wieder in butter sein. schnell vergessen.
schnell gelebte zeit in mumbai. ein abend, nur wenige stunden lang und wieder so viele kleinigkeiten im kopf, im herzen und auf der seele.

hier passt jetzt moby sehr gut. da sehe ich immer so facetten eines stadtlebens vor mir
(nur warum ist da soviel forrest gump im video??):