why life is still beautiful

Goa ist an und für sich wohl schon allen Klischees begegnet, die man sich denken kann und eine Beschreibung meines nunmehr dritten Goa-Urlaubs erübrigt sich wohl für alle, die schon mal da gewesen sind. Alle anderen: bitteschön:

Die ersten Tage habe ich mit zwei Freunden im Süden Goas (Nähe Benaulim) verbracht. Sehr sehr schön. Anders kann man es nicht sagen. Ich habe die vier Tage am Meer und in entspannter Gesellschaft verbracht und fühle mich fast wieder komplett.

Wir haben das Morgenschwimmen geteilt, gemeinsam übers Leben philosophiert (wenn nicht in Goa, wo dann?!), die täglichen Portionen Fisch und Watermelon/Wodka genossen und die Seele baumeln lassen. Ich habe mich in dieser Dreikombi einfach komplett aufgehoben gefühlt. Vielleicht war es auch genau richtig, dass eben mal KEIN Inder dabei war. Zumindest für mich. Wir lachten über dieselben Dinge und wenn ich mal Jemanden drücken musste ohne den ganzen Bedeutungsquatsch, war auch immer Jemand zur Stelle. Ein kleines Paradies in sich. (Danke an euch Beide 🙂 )

Doch obwohl ich das auftanken sehr genoss, rechnete ich insgeheim doch mit einer Falle, warte auf den Haken an der Sache. Der kleine Teufel auf der Schulter eben. Das muss wohl an Mumbai liegen, dieses ständige verdammte Misstrauen. Okee okee, ich bin in dieser Richtung schon zuvor veranlagt gewesen, aber die Zeit im Moloch hat diese Marotte in eine Neurose verwandelt…oder so. Ich vermute, ich habe das erste Mal in etwas größerer Bandbreite verstanden, was das indische Stadtleben mir abverlangt. Das das nicht gesund ist auf Dauer und ich mich nicht immer nur durcharbeiten sollte und die Auszeit, die ich brauche, auch nehme.
Ich wartete also auf die Rechnung, aber sie kommt nicht. Oder nicht wirklich. Die kleinen Steinchen im Weg wurden ertragen und solange ich endlich mal Ruhe genießen konnte, aufs Meer schauen(!) und mich die Inder in Ruhe lassen….ja, alles entspannt sich.
Ich kam wieder etwas zu mir.

Einen Tag vor Silvester hieß es dann bye bye lovely Einöde und ab in den Party Norden nach Anjuna. Ein Kompromiss mit meinen Mitreisenden. Ich wäre wahrscheinlich in Benaulim geblieben und hätte mir Neujahr am Arsch vorbeigehen lassen. 😉 Faule Socke ich.

Nächster Stop also Anjuna. Bekannt für den Flea Market und das (inzwischen muss man wohl sagen ehemalige) Hippie flair. Für die richtige Grundeinstellung sind wir bei der perfekten alten Dame untergebracht. Lino hat all die Ausstrahlung in sich vereint, die man mit dem Hippie Auswandererdasein in Goa wohl verbindet. Auf eine gute Weise! Sie lud uns in ihr Haus, welches allein schon ein Träumchen deluxe sein könnte. Noch dazu hat sie Geschichten aus ihrem Leben zu erzählen und teilt diese mit uns. Wir drei Weltenbummler finden uns also bei einem Bier und einem fish curry wieder am ersten Abend, gespannt ihrem Leben lauschend.
Es ist viel städtischer hier und mir eigentlich schon etwas zu laut und viel. Aber gut, wir wollten ja ein bisschen wohl gelaunter sein. 😉 das gute am ersten Teil des Urlaubs ist: ich kann endlich wieder etwas in mich aufnehmen und WILL das auch. Und unser erster Abend in Anjuna gibt mir jede Menge Anlass dazu. 😀

Ein typisch indisches Ding war das: Lino leiht uns ihr Moped aus, was die Fortbewegung innerhalb Anjunas extrem erleichtert. Das alte Ding trägt uns drei mehr schlecht als recht, macht mich aber extrem glücklich.  Eingeklemmt zwischen zwei lieben Menschen, google maps hilft suchen und die frische Abendbrise weht mir um die Ohren. Wir nehmen noch ein Getränk irgendwo und wollen dann zum well known hilltop. Ich verkneife mir die bösen Bemerkungen. Eine Goa Disse eben, bas. Da wir mit Abendessen etc dich etwas länger gebraucht haben (man ist ja schliesslich im Urlaub und lässt sich Zeit) sind wir erst kurz nach 10 vor Ort und was soll man sagen: die Kaschemme macht zu!! Ärger ärger. Und das am 30.12….Goa ist wohl in bestimmten Dingen doch nicht so ganz unlimited….ähem. Was nu? Ein flyer wird uns in die Hand gedrückt, google maps befragt und los gehts. Diesmal ein bisschen weiter raus und das kleine Knäckerrad müht sich ganz schön ab. Aber schafft es doch mit uns an das ca. 10km entfernte Örtchen. Aber da es ja bekanntlich erstens anders kommt und so….platzt direkt vor Ort der Hinterreifen…mmh? Da stehen wir also…elf uhr abends, Landstrasse im Nirgendwo und ohne Gefährt. Etwas Unmut macht sich breit, kamen wir doch zum Tanzen! Aber Indien wäre wohl nicht Indien ohne diese seltsam einfachen Lösungen, die zumindest ICH mir in Europa nie vorstellen könnte.

Schon nach ein paar Minuten hält ein kleiner Laster an und ein dicker mittelalter Einheimischer steigt aus. Problem wird erklärt, klaaaar kann er helfen. Wir hiefen die Möhre (so der getaufte Name unseres armen Gefährts)auf die Ladefläche und steigen ein.
Die ganze Fahrt zurück nach Anjuna musste ich furchtbar in mich hinein grinsen. Ein Gespräch kommt schnell zustande, Ashok (unser Engelchen) findet nämlich Engländer und Deutsche ganz toll, „nice people“.
Er eröffnet gleich, dass er eigentlich sonst schon lange im Bett ist, AUSGERECHNET heute, ist er später aus der Kneipe aufgebrochen. Jaja, er hätte auch schon gut was getrunken, aber er esse ja auch immer viel und dann wäre das ja „no problem“. Er philosophiert über göttliche Fügung (ein gläubiger Christ aus Goa in Aktion) und über Autolichter.
Indian circumstances, herrlich.
Nachdem uns Ashok wieder bei Lino abgesetzt hat, wir das Moped vorerst dort geparkt haben, geht es noch auf in die UV Bar, in der mich die Eindrücke erschlugen. Ich hab die Augen, Ohren und den Kopf ganz weit aufgemacht und versuche das hier mal zusammenzufassen.

Die UV Bar ist einer dieser typischen Strandclubs, alles draußen natürlich, dass Meer in Flut im Rücken und mit fluoreszierenden Tüchern behängte Tanzfläche vor dem DJ-Pult. Eigentlich soweit i.O. nicht wahr? Leider lief dort die schlechteste Musik, die ich in den letzten….5…10…Jahren gehört habe. Aggressiver Bumbumscheiss. Ich mag wirklich nicht nur eine Art von elektronischer Musik, aber diese Grütze gehört samt DJ sofort in die nächste stinkende Mülltonne, sorry. Egal welche Drogen man mir da einflößt, Grütze bleibt Grütze. Der einzige Unterschied ist: ich ertrage die Grütze. Noch ein Getränkchen gekauft und Leute beobachtet. Großartige Beschäftigung auf dieserlei Events. Gut, zwischendurch hab ich mich auch irgendwo an den Rand gesetzt und auf dem Handy ein paar Runden Solitär gespielt. Ich würde das verbuchen unter 100% „geht mir doch am Arsch vorbei“ Stimmung. 😛
Es tanzen, nein zucken (vielleicht läuft das in einigen Kulturen auch schon unter Kickboxen) also jede Menge Westler und Inder vor sich hin. Dazwischen laufen Billigarbeitskräfte a la Indien durch die Mengen und bieten lustige Bunte Striche fürs Gesicht an. Ich fühle mich kurz wie in Colaba: Madaam, Drums? Ich überlege, ob ich mir einen Stinkefinger auf die Stirn malen soll mit dem Fluoromist, lasse es dann aber doch. Doch der Klopper kommt erst noch. Wir bewegen uns in einer Pause vom….zucken…Richtung Wasser. Dort stehen ca. 10 kleine Tische, an denen indische Hausfrauen in Salwar Kameez alles anbieten, was das Druffiherz zu dieser Stunde wohl verlangen kann: Kippen, Feuerzeug, Papers, Schokoriegel, frischen Chai und Rührei. Jaaa, die Kochen da auf so Ministöfchen!! Dazwischen hopsen dann diverse Zombies der Nacht (gerade rannte ein kleiner Weißer Richtung Meer, warf sich in den Sand und verneigte sich tief) und konsumieren so ziemlich alles, was der Markt zu bieten hat. Im Hintergrund wumwumwumwumwumwumwumwum…. Ich lache in mich hinein.
So schlimm wie in der EV Bar wars in den anderen Lokalitäten dann später nicht wieder, aber auch im Hilltop liefen die mit gelben Bauarbeiterwesten gekennzeichneten (indischen) Helfer zwischen den Tanzenden Leuten hindurch und sammelten durchgehend die Flaschen und Gläser auf. Das findet anscheinend Niemand seltsam. Ich frage mich, was die sich wohl denken, aber vielleicht sollte man das lieber lassen.

Der Business Gedanke ist allgegenwärtig in Goa. Das sieht man nicht nur in den Druffiklubs (in denen dann eine Flasche Wasser gern mal knapp 2 Euro kostet) sondern auch an den schönen Café’s, wie dem Artjuna, in dem sich Kunst, Wellness und Essenskultur verbinden. Dort finde ich zum ersten Mal auch die Yogajünger. Schöne Menschen 30plus, auf der Suche nach einem besseren gesünderen Ich. Ich schätze, ich bin noch nicht so weit.

Gut geht’s mir trotzdem. Ich freue mich über den gelungenen Start ins Jahr 2013, das wieder einige größere Veränderungen bringen wird.

Ich winke euch also peacefull zu und verbleibe mit dem weisen Rat „geht mehr ins Meer“ und diesem Liedchen hier:

anja pepa smiley_emoticons_winken4


raum und zeit

Diese geschichte passt hier eigentlich nicht ganz rein und ich weiß auch nicht so recht, warum sie mir heute einfiel. Es scheint mir dennoch notwendig, sie aufzuschreiben und geduldig auf die offenbarung seiner sinnhaftigkeit zu warten. Ganz nach dem motto des großen meisters heiner müller: der text ist klüger als sein autor (hier ja auch nicht zum ersten mal zitiert).

Es war also einmal….vor langer langer zeit als ich mich in den ersten monaten meiner ersten und bisher einzigen wirklich goßen (und natürlich tragischen) liebe befand.
mein herzblatt, nennen wir ihn b. lebte ganz hip und angesagt mit seiner familie außerhalb der stadt, in der ich wohnte. Das war in den neunzigern im osten der trend. Wer was war, baute in den vororten. Ganz amerikanisch. Wir warn natürlich nix und blieben in der platte (gut so!). ich hatte ja den großen breiten hippen freund und machte damit alles wett. Und man, MAN war ich verliebt. Schön war das und total fremd.
b. musste nun also jeden morgen und abend mit dem bus in seine vorortluxuskaschemme fahren. Natürlich machte er gerade seinen führerschein, aber die monate bis dahin kamen einem teenager natürlich wie jahrhunderte vor!
da ich noch zur schule ging und er woanders seine berufschule absolvierte, konnten wir uns manchmal nicht jeden tag sehen und das war natürlich UNERTRÄGLICH.
sein bus machte auf dem weg aus der stadt heraus einige stops und hielt als letztes an einer haltestelle, die von meiner platte zu fuß vielleicht eine viertelstunde entfernt war. Auch hier muss betont werden, dass 15min zu fuss laufen auch damals schon für teens einem marathon glich.
ich erinnere mich nicht, wie oft ich dort eingestiegen bin, um ihn übers wochenende zu hause zu besuchen (später machten wir dann diese rushhour autofahrten mit dem kadett, die mir noch gut in erinnerung sind). Ich kannte also den fahrplan gut.

Komisch eigentlich, wie man erlebte beziehungen in puzzleteilen bewahrt….

Mein puzzleteil ist also dieser eine nachmittag. Ich erinnere mich, dass es schon etwas kälter war und da wir wirklich noch nicht lange zusammen waren, vermute ich, dass es sich um den spätherbst `95 handelt.
ich glaub, ich war schon zu hause gewesen nach der schule und hatte bestimmt auch schon mit b. telefoniert. Wahrscheinlich haben wir beide wieder gejammert, dass wir uns wohl heute nicht sehen würden, da er gleich mit dem bus nach hause fahren würde.
als ich beschloss, einfach zur haltstelle zu gehen.
schon damals mein leitfaden. Herzensentscheidung gefasst und durchgeführt. Nicht lang gezettelt.
also wieder angezogen und die 15min zur haltestellte geschlurft. Dort gewartet. Hoffentlich war der bus noch nicht durch…daran erinnere ich mich genau, an das herzklopfen und die angst, der bus würde nicht kommen.
mir war klar, dass er nicht aussteigen konnte und trotzdem freute ich mich unheimlich darauf, ihn zu sehen.
für 2-3minuten. Länger hielt der bus dort nicht. Immerhin.
als er dann endlich kam, war mir schon etwas kalt.
natürlich  hatte damals noch niemand ein handy (man, jetzt komm ich mir echt vor wie ein opa, der vom kriech erzählt! ) und hätte mir natülich eher den arm abgehakt, als mir die blöße zu geben, ihn zu rufen.
der bus hält also und b. sitzt wie immer hinten auf der rechten seite. Ich warte. Ich sehe ihn an und warte.
was ist, wenn der bus jetzt einfach weiter fährt und er nie erfährt, dass ich hier…in dem moment guckt er hoch und sieht mich.
eine sekunde angst in den augen und geste „ist was passiert?“. Ich schüttle den kopf und lächle.
er lächelt zurück und macht eine telefon geste.
ja klar, werden wir uns gleich von zu hause wieder anrufen…
dann ist noch einen moment große stille zwischen uns (während der verkehr rauscht und der wind pfeift). Stille und ganz viel liebe.
dann fährt der bus los. Was sollte er auch sonst tun.
und ich geh nach hause. Was sollte ich auch sonst tun.

Habe das gefühl, was schönes gemacht zu haben. Für ihn, für mich, für uns.

Eigentlich war es mit dem raum/zeit gefühl und der romantischen ader ganz klar, dass ich irgendwann in indien landen würde….
könnte eine erklärung für das auftauchen der geschichte aus den untiefen der erinnerung sein.

(ein wunderschönes lied, was ein gefühl vermittelt, nicht meine geschichte! nur um das richtig zu stellen 😉  hey, mein name bei 1:10, das heisst doch was!!)

a.