geist vs moneten ODER erst die kasse dann die kunst

jaaa, ich gebe es zu, ich bin idealist. ich weiß, das ist schon etwas old fashioned, aber das lässt sich leider nicht mehr ändern. ich lebe und brenne immer noch für meine projekte. und wenn sie untergehen, dann ich mit. dem ist so. macht mich wohl zu einer raren spezies. wer weiß, ob sie überleben wird…

zu diesen hilflos veralteten wertevorstellungen gehört auch die, dass diese welt kunst und kultur braucht. dass ein austausch notwendig ist und ja, dass da was bewegt werden kann. gut, wir reden hier oft von tippelschritten, vom kulturellen schneckentempo, aber mein idealometer sagt mir da: jeder schritt in die richtige richtung muss getan werden.

die momentane frage lautet: wie den mut nicht verlieren, wie weitermachen trotz diverser niederlagen?
wie gegen das gefühl ankämpfen, dass man für ein projekt für welches man sehr stark brennen muss oder es auch gleich sein lassen kann, vielleicht gar nicht gewollt ist oder anders: wie kann außenpolitik sich gegen kulturprojekte wenden, für wirtschaftsabkommen aber die tür aufhalten?
macht das alles sinn? die ganze arbeit und energie, die in einem einzigen filmabend in fremder kultur stecken und dem, was letztlich „dabei rum kommt“?

ich muss ehrlich gestehen, ich zweifle. zum ersten mal seit …überhaupt.

hat jemand schon länger als ich im geschäft und was kluges beizutragen?

hau, das alte zonenkind hat gesprochen (mit wort, bild und musik)
anya (pepa)

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klick (und wieder zwischen den stühlen)

ich bin ein sensitiver mensch, jawoll! und so gern und oft ich auch über kunst (in welcher form oder unter welcher bezeichnung auch immer) nachdenken mag, es muss klick machen.
nun bin ich in der priviligierten position, in den genuss jeder menge hochdotierter kunst zu kommen, doch nicht immer macht es klick.
vor einigen wochen hatten wir hier eine sigmar polke ausstellung…kein klick. da hilft auch keine nochso interessante umschreibung, erklärung. es tut mir leid, aber ich kann damit nix anfangen.

dann gestern. jazz trio! (wolfgang haffner trio) DOPPELKLICK 🙂
neben einem ausgezeichneten konzert mit entertainment-plus passierten seltsame dinge mit mir…
wöllte man es romantisch formulieren, würde ich behaupten: mir ging das herz auf.
hauptsächlich und mostly interesting wurde mir aber klar, wie weit weg ich von allem war, was mehr oder weniger direkt mit dem begriff  „zu hause“ umschrieben werden kann. ich fühlte mich in einen emotionalen zustand versetzt, der mir seit nunmehr 8 wochen nicht mehr existierte.
auch wenn das etwas schizophren erscheinen mag, nenne ich diese person anja, im gegensatz zur hiesigen anya.
„anja“ erinnerte sich an männer jenseits der 1,70…an musik ohne pink/gelb, an deutschen humor und längst vergangene (naja…) theaterepisoden. sie fing an, sich anders zu verhalten und konnte sich gleichzeitg, in form von „anya“ dabei beoachten…letzterer entlockte dies nur ein schnödes „pphhh…“.
anja realisierte in diesem moment, was ihr am deutschsein (man mag auch sagen „deutschland“) fehlte, was sie vermisste und was sie schätzte. aber eben auch: was hier nicht existierte.
anya dagegen war froh, dass die damit erbundenen komplikationen, die schmerzen, die die verhasste heimat ebenfalls beinhaltete, die enttäuschungen hinter ihr lagen. dass sie nun woanders angekommen war.

man kann nicht alles haben.

dem ist wohl so.

zu kryptisch?
na, dann hier musik:

und weniger ernsthaft (der zweite teil ist klasse, hat er bei uns auch gemacht..und ich hab tränen gelacht)

lg a.


sonntäglicher kunstsalat

gerade wenn man dabei ist, den lang ersehnten absprung endlich zu machen und das immer währende mantra „ich verlasse leipzig“ wie ein räuchstäbchen das zimmer einweht, wirds wieder interessant. aha
letzte woche wedeln mir also gleich zwei interessante projekte entgegen.

1. „art project for peace“ im clara zetkin park
ich lümmel mich ahnungslos auf der wiese rum (furchtbare angst beschleicht mich inzwischen, wenn ich die blätter am baum auf der anderen straßenseite ansehe 😕 ) und sehe in der ferne die brücke, deren name ich immer vergesse, (stichwort eiswagen und nervesingetyp). geschmückt mit fähnchen…?
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aha, gleich mal hingucken…trabe also hin und sehe rechts und links eine reihe von fahnen aufgereiht. an den enden hängen listen, die anzeigen, welche fahne zu welchem land gehört und in der mitte der brücke befindet sich ein labyrinth… aha? 🙄
ich näher ran und angucken, dabei fand ich das folgende erklärungsblatt:
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schön! mehr davon!!

2. promemoria (diese gruppe bzw ihre veranstaltung hat leider unheimlich viele namen, die etwas verwirren)
was ich der durchaus sehr neugierig machenden, aber auch etwas wirren pressekonferenz entnehmen konnte (neben den zwei leckeren stück kuchen… sorry, erst das fressen etc… ), ist das folgende:
leipzig würdigt den 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution mit einem veranstaltungspaket, zu dem es hier mehr infos gibt. ich kann noch nicht sagen, was ich von den einzelnen projekten halte, da ich mich noch nicht wirklich damit beschäfigt habe (und zum fraglichen zeitpunkt ja wahrscheinlich/hoffentlich gar nicht in le bin…). allerdings kann ich sagen, dass ich kein großer freund von peinlich stillen und emotional aufgeladenen wir-gedenken-veranstaltungen bin.
ein konglomerat von verschiedenen jüngeren leipzigern (nicht nur an alter sondern zum teil auch an gelebter leipzigwohnzeit) möchte diesem kompakten programm nun etwas hinzugeben (es wurde extra betont, dass dies keinen gegenveranstaltung sei, was ich auch schade gefunden hätte). mit eigenen denkansätzen zum thema „wendeerfahrungen“, „deutschlandgeschichte“ und überhaupt. find ich erstmal gut und ich werd sicher auch versuchen, die eine oder andere veranstaltung zu besuchen. so komm ich zum beispiel hoffentlich endlich mal dazu die deutschlandtriologie von schlingensief komplett zu gucken.
was mich ein bisschen stört, ist der doch realtiv elitäre charakter. nichts gegen gut durchdachte konzepte, aber nicht jeder, der bereit ist, sich mit der eigenen geschichte auseinanderzusetzen (und das mag ja schon was heissen), tut dies auf so intellektuelle weise… ich befürchte also, dass sich der eine oder andere leipziger abgeschreckt fühlen könnte… was wirklich nicht nötig ist, aber denkbar. anyway, jedem seine form. ich bin dafür!
shanti, peace, over and out.
eigene meinungen kann man sich ab 1.09 dann hier bilden.

nun gefällt mir also meine geradenochheimat wieder ganz gut (spätsommer fügt dem einiges hinzu) … und ich denke fast, ich könnte es noch etwas länger aushalten, aber NEIN NEIN NEIN, es muss endlich weitergehen.
und darüber, dass das schlechtest funktionierende amt in diesem staat immernoch und mit nachdruck versucht, meine eigeninitiative in diesem punkt zunichte zu mache (und sie gleichzeitig einfordert, wie idiotisch), lasse ich mich an dieser stelle lieber nicht aus, denn es ist ja sonntag. wahlsonntag in sachsen noch dazu. und da ich meine stimme noch nicht abgegeben habe…mach ich jetzt mal schluss für heut und hinterlasse euch ein stimmungsbildchen… thema: mein leben zwischen

DSC00517 und

mahlzeit!

anya