boooooring!

Mir ist langweilig.

Ja gut, Leben und so, Job, Nervereien mit der Chefetage, Steuererklärung und überhaupt Wetter und so blablabla.

Laaaaangweilig.

Hat denn Niemand was interessantes zu sagen?
Gibts denn Niemanden hier mit Problemen, die es zu lösen gilt?
Selbst die Menschen um mich herum, die wirklich in einer kniffligen Situation sind, scheinen mir selbstgewählt dort und nicht wirklich in Gefahr, wenn es ihnen nur gelingen würde, den allseits populären „Schritt zurück“ zu machen und sich einmal zu fragen, warum sie sich nicht einfach anders entscheiden. Denn das kann man hier in Deutschland, ja! Man hat eine Wahl und zwar nicht zu knapp!

Ich war also gestern auf einer Party mit wirklich netten und auch nicht unintelligenten Menschen.
Ich hätte Lust auf ein Gespräch gehabt, gern auch mit Alkohol. Eines von denen, die in langen Kreisen gehen und eigentlich auch irgendwie anstrengend und verstörend sind. Eine Auseinandersetzung eben auf verbaler Ebene. Stattdessen? Zuviel Bier und das übliche Peergroupverhalten.
Trink trink, lach lach, Wortspiel, haha hihi, trink, stolper stolper.  Die einzige annehmbare Ansprache widerfährt mir als ich den Weg zurück nach Hause finde durch den samstäglich-abendlichen Großstadtverkehr und mein Kater mich an der Tür begrüßt. Endlich Jemand mit ehrlich gemeinter Dringlichkeit!

Warum diese Belanglosigkeit und ich schon wieder mittendrin?
Hat michs jetzt wieder gepackt vielleicht?
Denn einer der Gründe, warum ich auch weg gewesen bin von hier war ja genau die Suche nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit irgendwas, mit irgendwem. Eine Dringlichkeit, die hier irgendwie zwischen dem letzten I(!)-Gadget und Bio-Markt Terrorismus verschwindet.

Vielleicht ist auch einfach Frühling.
Kräfte wachsen, restoration completed, in search for the next challenge

Denn auch wenn ich in Mumbai jede Menge Auseinandersetung mit allem hatte waren bei weitem nicht alle Gespräche gehaltvoll. Hah, nun wahrlich nicht! Waren die Begegnungen trotzdem im Querschnitt interessanter, weil es sich um Menschen aus der fremden Kultur handelte, dort wo die Gedankengänge einfach auch mal anders herum laufen?

Keine Ahnung, aber hier mangelt es extrem.
Gähn, abwink. Laaaangweilig.

the blues man, the blues…


eek sal Germany me.

Seien wir ehrlich: zu Zeit ärgere ich mich hauptsächlich darüber, dass wenige Stunden, nachdem ich aufgestanden bin, die „Sonne“ schon wieder untergeht. So es denn überhaupt „hell“ geworden ist im januärlichen Norddeutschland.
So, it could be worse, oder?
Grundsätzlich ärgere ich mich also eigentlich nur darüber, dass ich mich schon wieder über den gleichen Mist wie früher gräme. Same old also?
Natürlicherweise hat das Heimatland nach ein paar Monaten Alltagsgeschehen wieder etwas an Glanz einbüßen müssen. Trotzdem: ich bin froh zurück gekommen zu sein und versuche mich auch täglich daran zu erinnern, warum das gut ist. Eigentlich sehr einfach: einatmen, ausatmen. 🙂

Trotzdem ist und kann der Blick nicht der gleiche sein wie vor 2007.
Ich werde immer wieder gefragt, wie genau sich der Blick auf Deutschland verändert, aber das lässt sich nun mal nicht in ein, zwei Sätzen erklären. Das will man auch nicht. Schon darin liegt ein großer Unterschied: diese ständige Selbstbetrachtung, uch! Ich selbst beachte an mir schon wieder rückfällig werdend die ständigen warum mache ich was wie und wie oft und überhaupt Fragerunden im Kopf? Ein eindeutig Zeichen von zu viel Zeit und Energie finde ich. Man möge mich nicht falsch verstehen. Ich möchte mir nicht täglich wieder Sorgen machen müssen, ob genug Wasser & Strom da ist, ich auf dem Heimweg angegrapscht werde oder mich der Rikshawfahrer bescheißen will… Ich vermisse aber diese Grundsätzlichkeit der Sorgen. Sie erscheinen mir wir richtige Sorgen, echte Probleme und dir hier eben nicht wie solche. Eher wie lästige Luxusproblemchen, denen man früher oder später doch wieder anheim fällt. Ich bin nun mal ein Mensch, der allgemein schon recht viel reflektiert, aber man sollte dann doch wenigstens ein bisschen Einfluss darauf haben können, worum sich der Kreisel dreht. 😉 (Bilde ich mir zumindest ein)

Ein Jahr ist also fast wie im Flug vergangen und ich glaube, es war ein gutes Jahr. Sich aus dem kompletten Chaos mit letzter Kraft gen Heimat schleppend, habe ich wieder etwas Halt unter den Füßen gefunden. Aufgetankt, auf jeden Fall. Blicke des Öfteren zurück und schüttle erstaunt den Kopf, lächle aber dabei.

Ja, Deutschland nervt ganz häufig und ist doch sehr belanglos, pingelig und überhaupt….aber eben auch gut sortiert, sauber und klar. Ich kann mich hier eben entfalten, wie ich möchte, aber tue ich das auch? Eine meiner größten Sorgen zwecks Rückkehr war ja, dass ich gleich wieder im täglichen Sumpf versinke, in alte Verhaltensmuster zurück falle und einfach extrem viel Energie auf nüscht verwende. Denn das ist schon enorm, wie viel Energie da auf einmal zu Tage kommt mit dem Hinterntritt aus Indien! Das habe ich auch sehr an den Reaktionen der Menschen um mich herum gemerkt. Ok, ja, ich bin schon generell ein sehr Energie geladener Mensch, aber nach 3 Jahren in Mumbai kam ich mir in den ersten Monaten nach Rückkehr schon selbst manchmal vor wie auf MDMA. Unheimlich glücklich und in full power!!
Das nutzt sich ab, leider. Ich hatte mir im Kopf also ein Jahr gegeben. Ein Jahr um wieder in die Mitte zu finden zwischen MolochManiacMumbai und DieMerkelMachtsLand. Nachdem das Jahr ist fast rum ist, habe ich mir noch die Achillessehne gerissen. Was auch zeigt, dass es nicht einfach ist, wieder das richtige Tempo zu finden… 😉
Aber ich klopf mir mal selbst auf die Schulter und behaupte, es ist ganz gut gelaufen für mich.
Und mir fehlt mein Mumbai mit allem Drum und Dran manchmal ganz schrecklich dolle, aber das ist auch in Ordnung so.:/

Nachdem ich an diesem Punkt eigentlich Schluss machen wollte, fällt mir noch ein Punkt ein, den ich hier mal zur Sprache bringen will und bei dem ich auf Feedback hoffe.
Thema „Freundschaften“. Nachdem ich in Mumbai ja lange damit zu kämpfen hatte neben allen anderen Anpassungsschwierigkeiten auch noch echt Freunde zu finden und es dann doch noch geschafft habe, scheißt mir die Ironie des Schicksals wieder mitten ins Gesicht und schickt mich heim. 6000 km entfernt von jenen Menschen.
Jetzt fängt wieder alles von vorn an und Ungeduld macht sich schnell breit. Ist dies nicht mein Heimatland und das soziale und gesellschaftliche Umfeld, in dem ich sofort Schwimmen sollte? Gut, neuer Job, neue Stadt erschweren es ein bisschen und wir sind nun auch nicht mehr 18 und hängen auf Partys rum. Trotzdem, ich finde es schwer. Sind die Deutschen da im Alter anders geworden oder ich? Oberflächlich ist es wirklich kein Problem nette Menschen um sich zu sammeln, wirklich nicht. Die Deutschen erscheinen mir viel warmherziger und offener als in der Erinnerung und im Vergleich zu den hitzigen Indern. Und trotzdem stoße ich an die Barriere. Und ärgere mich darüber, dass man so etwas eben nicht planen und strukturieren kann wie Wohnung und Job. Jaja, deutsch wie ich bin. 😉
Wie geht es anderen Rückkehrern damit? Das läge mir am und auf dem Herzen.
Ansonsten ist alles ganz in Ordnung zu glaube ich.

Theek hain.

Weiter so Anja!

smiley_emoticons_winken4

an dieser stelle lassen wir Shahrukh’s Augen und AR Rahman’s Stimme sprechen zum Thema „Heimat. Angeblich hat er den Song mal in einem Hotelzimmer geschrieben, als er auf Reisen war.


t plus 180

sechs monate zurück in deutschland (na gut, in einer woche)!!
vieles hat sich schon relativiert: ich laufe wieder auf der rechten (haha) seite des fußweges. ich freu mich nur noch einmal die woche ganz unvermittelt über die tolle klare frische luft. mir fällt erst auf, dass die deutschen fancy und schick sein müssen, wenn ich nicht-europäer sehe, die es nicht sind (nicht sein müssen).
die regnerischen tage setzen mir zwar noch nicht allzusehr zu (wir haben ja auch glück mit dem deutsche sommer dieses jahr!), aber die warmen sommertage genieße ich doch sehr bei stetig wachsender angst vor dem winter…
als größten entwicklungssprung nehme ich die freude durch die straßen zu laufen, egal wann, egal wo. die angst/beklemmung ist weg. 🙂

bin ich angekommen? klares „nein“. ich habe grundsätzlich das gefühl, vom einfinden so weit enfernt zu sein wie ein inder vom fkk.
es fällt extrem schwer, (s)einen platz zu finden. das lässt sich auch nicht wirklich herstellen mit geregeltem arbeitsleben und so. da fehlt einfach immer noch ein stück. ob das drüben im subkontinent geblieben ist oder auf dem weg zerbröselt, kann ich nicht sagen.

ein bisschen sorgen macht mir (unter anderem, die deutschen sorgen sich ja gern und da bin ich auch keine ausnahme) der wachsende abstand zu indien. jaa, gut, ich bin genau wegen diesem abstand zurück gekommen, aber nach den ersten wochen des notwendigen „abstand nehmens“ hätte ich doch mit mehr einbindung gerechnet. aber das ist eigentlich kaum der fall und ein urlaub für diesen winter im land und bei den freunden, der eigentlich fest eingeplant war, rückt im weiter weg.
was bleibt denn da am ende übrig frage ich mich? außer die lücke selbst, die mir immer noch, nach 6 monaten die verbindung zum hiersein in deutschland zumindest teilweise extrem erschwert.
so viele jahre müssen doch irgendwie auch einen abdruck hinterlassen. oder bin ich dafür vielleicht auch wieder zu ungeduldig? will schon wieder resultate sehen bevor der braten verdaut ist?

ich versuche mich dem nervigen grübeln zu entziehen, indem ich mich einfach auf einen neuen kontinent stürze! es gibt ja genug. hatte ud habe insgesamt 10 jahre mit der beschäftigung mit indien zu tun und wenn ich jetzt 10 jahre in südamerika investiere (wahrscheinlich eher 15, sind ja mehrere länder im spiel) dann bin ich schon ende 40 und hab dann vielleicht noch die kraft für afrika?
klingt ein bisschen größenwahnsinnig? finde ich gerade total logisch. und zumindest vorwärst orientiert.
ich erinnere mich jetzt auch so langsam, dass das verdammte grübeln und im eignen saft gesule einer der gründe war, warum es mich wegtriebt von hier. das „eigentlich-alles-notwendige-zur-verfügung-haben-aber-nichts-daraus-machen-können-weil-ständig-überreflektieren“ ist nichts wozu ich zurück zu kehren bereit bin. geht aber schon los langsam…. :/
das heisst nicht, dass ich zum grenzwertigen dasein im engergiefressenden mumbai zurück wollen würde…nein nein, aber es muss ja auch noch was anderes geben. nicht wahr?

drückt mir also die daumen freunde, dass ich dem deutschen fancy-ism nicht komplett verfalle, meine mitte wieder anständig definieren kann…und zwar in den nächsten 6 MOnaten bitte…und die welt da draußen weiter nach mir ruft.

winkend

anja


lasten gleichnis

stell dir vor, dir ist kalt. es ist schon länger kalt und du bist einfach inzwischen komplett durchgefroren. es fühlt sich an wie jahrzehnte, in denen dir das letzte mal richtig warm war.
da kommt jemand und legt seinen arm um dich. wie eine warme decke liegen die arme auf deinen schultern und langsam überträgt sich die wärme auf deinen körper. das tut gut.
je wärmer dir allerdings wird, desto mehr fällt dir auf, wie schwer diese arme sind. sie liegen die ganze zeit auf deinen schultern und üben langsam aber sicher einen festen druck aus. doch du bist froh, nicht mehr zu frieren und nimmst die „last“ in kauf….zumindest für eine weile. ein bisschen hälst du noch aus. es ist doch gerade so schön warm.
langsam aber sicher gewinnst du das gefühl, die arme nicht mehr tragen zu wollen. dir ist nun warm (du kannst dich an die kälte in den knochen nur noch sehr blass erinnern) und die arme üben einen schweren druck auf deinen körper aus, der dich nicht nur be“lastet“, sondern dir auch das gefühl des eingeengt-seins vermittelt.
du nimmst es hin, willst auch nicht undankbar sein, für die angebotene wärme.
langsam aber sicher verkrampfst du dich, unnatürlich fest wird dein körper und irgendwie willst du die drückende hitze nur noch loswerden. weißt aber nicht wie. schwer, unendlich schwer liegen die betonarme auf den schulter. alles tut weh im körper und schweiß rinnt dir den rücken hinab. du bist sicher, gleich zusammenzubrechen unter der nicht nachlassenden belastung.

und dann sind sie auf einmal weg die arme.

du atmest frische, kühle luft und fühlst dich an, als würdest du schweben.

du siehst nach links, nach rechts. die schultern sind frei und die brise tut gut im verschwitzten gesicht. du bist irritiert, aber glücklich.

was machst du als nächstes?


teen hafte.drei wochen.

Drei Wochen bin ich jetzt zurück in Deutschland. Drei Wochen nur. Oder schon drei Wochen?
Ich wusste im Vornherein, dass es wohl eine ganze Weile dauern würde, bis ich mich wieder komplett und ganz in Deutschland zu Hause fühlen würde. Auch besteht die Möglichkeit, dass ich es nie wieder so sehen werde. Aber wir wollen ja hier nicht den Schwarzen Peter an die Wand malen…oder so…das wäre doch auch zu Deutsch!

Jedenfalls befinde ich mich nun seit drei Wochen in dieser wunderbar chaotischen Zwischenphase, in der sich ständig alles verschiebt. Ich mache mir fast täglich Notizen, weil ich auch annehme, dass diese Phase vorbei gehen wird (wie war das mit den 5 Phasen des Trauerns?) und die Gedanken doch in dieser Form einmalig sind.

Hier also ein paar Einblicke aus dem Sammelsurium.

>Komisch, ich hab immer ein bisschen Angst, wenn ich aus dem Haus gehe. Das fiel mir letztes Wochenende auf, als ich nur noch schnell zum Kaufland rüber wollte und eine Milch holen (na gut, vielleicht auch noch was Süßes). Kaum trat ich aus der Haustür, fühlte ich mich „tensed“…ähm…anspannt (auch so ein Ding mit den englischen Wörtern, die gelegentlich zuerst in meinem Kopf aufpoppen), ohne zu wissen, warum. Bestand doch offensichtlich kein Grund dafür.
Im Supermarkt dann überwältigt von Effizienz und Freundlichkeit. Zweifel, ob das alles echt ist und mittendrin immer wieder komplette Orientierungslosigkeit.
>Wie viel Abstand zu meinem Vordermann in der Kassenschlange ist appropriate? (ich glaub, ich steh immer zu eng)
>Wie zu Hölle heißt das deutsche Wort für…?
>Wie lange brauche ich von A nach B?
>Was ziehe ich an? (und nein, das ist keine typische Frauenfrage!) Kalt, warm, Anlass, Mode?

>Irgendwie sehen die Leute hier doch alle gleich aus. Ist das beruhigend oder langweilig?

>Warum erschafft die Sonne und Wärme so andre Gemüter als das deutsche?

Jaja, ich glaube, ich werd‘s schon schaffen. Und ja, basically I’m fine.
Trotzdem liegt mir ein Gedanke schwer im Kopf und ich vermute, dass sich dieserlei auch in einigen Wochen/Monaten von selbst erledigen, hoffe aber gleichzeitig, dass sie nicht komplett verschwinden. Etwas kritische Sehweise hält ja den Geist wach. 😉

Den Einwand der Belanglosigkeit bin ich nämlich in den drei Wochen noch nicht losgeworden. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, es wird schlimmer. Man muss es ganz klar sagen: das Leben in Deutschland ist schon recht bequem.
Ich vermute auch, dass ein Teil meiner Verwirrung daher kommt, dass die ganzen alltäglichen Widerstände wegfallen. Denn egal wie anstrengend oder stressig der Arbeitsalltag so gewesen ist in Mumbai, was mich wirklich geschafft hat, war das Alltägliche. Der Lärm, das Wetter, die Sorgen. Nichts klappt einfach so, wirklich nichts. Und sollte wieder erwarten doch mal ein Tag ohne Katastrophen vorüber gehen, hat es der nächste garantiert doppelt so dick in sich. Man kann und möchte sich das nicht ausmalen. Wie viel Energie das wegnimmt und dass das auch nie nie nie einfacher wird!! Selbst eingefleischte Mumbaikars geben das zu. Sogar die Bombay-wallas, oder gerade die. (aber den Witz versteht hier wahrscheinlich eh niemand…)
Ich habe auch aus diesem Grund die Wochenenden gern ausschließlich zu Hause verbracht und geschlaaaaaafen. Ein kurzer Gang zum Anand Bazaar (der mir schrecklich fehlt, wo es doch jetzt, nach mehr als 2 Jahren in Kala Nagar wirklich angenehm dort wurde) und das war‘s an advanture. Und mehr hab ich auch einfach nicht geschafft.
OMG…anand bazaar auf google. im empfehle also: https://plus.google.com/112470602694817075157/about?gl=de&hl=de

Und jetzt kommen mir, nach dem nunmehr dritten Wochenende, zwei Tage schon fast zu viel freie Zeit vor. Man verstehe mich nicht falsch: ich will nicht weniger Wochenende! Nein nein…
Ich kann auch noch nicht richtig ausgehen hier…irgendwie fühle ich mich dafür noch zu fremd und ehrlich, in Köln ist mir im Moment auch alles etwas zu selbstverliebt.
Aber zurück zu belanglos. Ich möchte eigentlich ständig in die unheimlich gestressten Gesichter schreien: DAS IST DOCH KEIN PROBLEEEEEEMM!!! Ja, Wetter ist scheiße und kalt und grau. Ja, der Euro steht schlecht …blablabla…. Aber echt, es ist doch alles in Ordnung und ich verstehe einfach nicht, warum man das nicht sehen kann bzw warum das nicht alle so sehen und ihr Energie lieber für etwas anderen (wichtigeres?) nutzen als das konstruieren nicht relevanter Konfliktsituationen.

Ja, ich bin ein wenig wütend mit den Deutschen!
Aber auch das wird sich legen. Schließlich bin ich ja eine von Ihnen. At least I used to be.

Achja: Ich habe noch keine Ahnung, ob und wie ich den Blog weiterführe. Kann sein, dass das hier der letzte Eintrag sein wird. Schreibend denke ich allerdings schon, nääää… 😉

Bis dahin wieder etwas Musik?

Deutsch oder Indisch?
vielleicht etwas das dazwischen liegt? meine letzte musikalische Entdeckung vor Abflug vielleicht? Erwähnenswerte Band aus Mumbai namens „Sky Rabbit“!
(herrje, ich sehe mich in weiteren zwei Wochen schon das Chaos wieder herbei sehnen)

smiley_emoticons_winken4anja

 

 

 

 

 

 


demokratie ist demokratie

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, die die Westler nach Indien treiben. Die Motive ragen sehr weit auseinander und jeder kommt mit seinem eigenen Bild im Kopf, dass natürlich auch voller Klischees ist. Diese spielten natürlich auch für mich eine Rolle und obwohl ich mich bereits „in die Materie eingelesen“ hatte und mir versucht habe, im Vornherein ein Bild von der Lebenssituation dort zu machen (an diesem Punkt noch einmal einen großen Dank an unser aller Inspiration, der lieben Nosianai  ), erging es mir nicht anders: ich kam mit Bildern im Kopf und war dann vor Ort total verloren, zumindest zunächst.
Eines dieser Bilder bezog ich auf die Vorstellung, es gäbe hier jede Menge Probleme mit Wasser und Elektrizität. Ich stelle mich also auf den schlimmsten Fall, der dann NATÜRLICH nicht eintrat. Ja, es gibt (im Vergleich zu deutschen Standards) immer wieder Schwankungen und zum Sommer hin wird das Wasser sehr knapp. Aber nichtsdestotrotz läuft es doch irgendwie in Bombay (hier läuft ja alles immer irgendwie) und im ersten halben Jahr hatte ich, glaube ich, einen! Stromausfall.
Irgendwann war ich dann an hin und wieder auftretende Schwankungen gewöhnt, beschwerte mich wie alle über die Wasserabschaltungen im Sommer, aber ging eben irgendwie damit um.
Aber wie das so ist mit den trügerischen Lebensumständen in dieser Stadt: immer dann, wenn man denkt, ok, jetzt biste angekommen, hast deinen Rhythmus gefunden….macht‘s ordentlich RUMS! und du wirst eines Besseren belehrt. Die Stadt streckt dir also wie Kali in regelmäßigen Abständen die schwarze Zunge heraus, um zu demonstrieren, WER hier den Ton angibt.
Gestern war wieder so ein Tag.
Ich bin inzwischen mitten im Arbeitsalltag angekommen. Ich habe viel zu tun und gebe auch dementsprechend viel Energie da rein, liegt mir das doch auch am Herzen irgendwie (jaja, ein Freund der Kulturmühle) und ich trotte Abends müde nach Hause, in der Hoffnung, dass sich die Umstände zu Hause nicht ausgerechnet HEUTE verschlechtern. (Das ist im Übrigen noch eine andere Geschichte wert) Gestern kurz vor fünf Uhr nachmittags rummorten die Buschfunktrommeln gewaltig. Das fasziniert mich auch immer wieder. Schon einige Male, zuletzt bei den Bombenattentaten im Juli diesen Jahres, konnte ich erleben, wie schnell sich Nachrichten in dieser Millionenmetropole verbreiten. Die Nachrichten strömen durch die Straßen und erreichen auch die kleinsten Winkel und den entferntesten Hörer im Minutentakt. Die heutige Nachricht lautete: neben der anscheinend schon erwarteten Busstreiks, sind ab sofort auch die Züge der Western Railways Linie im Streik. Was in den folgenden Minuten im Büro passiert ist für mich eine dieser typischen „indischen“ Situationen: Alle packen hektisch zusammen, die Stimmen auf den Fluren sind zwei Oktaven höher als normal. Überall wird telefoniert: du musst SOFORT nach Hause fahren! … Vielleicht erwischen wir noch einen Zug! … Ich bleibe auf keinen Fall die Nacht hier! …
In solchen Momenten wird jegliche Logik Lügen gestraft. Niemand versucht, klar zu denken und ist damit beschäftigt seinen sprichwörtlichen Arsch zu retten.
Ich verstehe, warum diese Reaktion so ausfällt und ringe selbst mit mir, denn was mache ich, wenn ich hier in zwei Stunden aufbreche und kein Zug, kein Bus und kein Taxi zur Verfügung steht? Trotzdem ärgert mich, dass sich anscheinend Niemand darum schert, was mit der anstehenden Arbeit passiert. Es rufen schließlich Leute an, die davon ausgehen, dass hier gearbeitet wird. Ich selbst warte auch noch auf eine wichtige Mail…
Ich bin also die Einzige, die erst einmal fragt, von wem diese Information kommt, die versucht, zu überprüfen, ob da was dran ist (ja, manchmal ist selbst das Internet zu langsam) und überlegt, wie sie schnell noch ein paar Emails beenden kann und wie sie die Chefin erreicht, um zu melden, dass das Büro bereits leer ist…
Ich ordne meine Sachen, schicke eine Nachricht an die Chefetage, die erklärt, warum Niemand mehr im Büro ist und mache mich auf den Weg. Die Atmosphäre auf den Straßen habe ich an solchen Tagen bereits zuvor erlebt und jedes Mal ertappe ich mich wieder dabei, dass mir ganz schlagartig bewusst wird, dass ich in einem fremden Land bin. Menschenschlangen (ich scheue mich, das Wort „Massen“ zu verwenden) strömen Richtung Churchgate Station, von wo die Western Railway gen Norden aufbricht, meine Bahnlinie. Natürlich regnet es in Strömen.
Ich überlege mir, welche Optionen ich habe, da mir das Bild, was sich am Bahnsteig wohl zeigen wird, mehr als bekannt ist und nur mit den Wort „Panik“ und „der Stärkere gewinnt“ umschrieben werden kann…ja, die Mumbaikars sind auch sehr hilfsbereit in solchen Situationen, aber naja…eben manchmal.
Mein Glück ist, dass meine Mitbewohnerin inzwischen ebenfalls in Colaba/Fort arbeitet und bereits ein Taxi geordert hat und mich nun anruft, um zu fragen, wo ich bin und ob ich reinspringen will! 🙂 Ja, will ich!
Wir brauchen NUR zwei Stunden nach Hause! Stop…Go…Stop..Go…yeah!

Und zu Hause wartet bereits das nächste Wunder auf mich, denn ausgerechnet HEUTE haben wir Stromschwankungen, was im Klartext heisst: An….Aus….An…..Aus. Also werden alle Geräte und Ventilatoren ausgeschaltet und wir sitzen im Halbdunkeln und spielen Uno!
Es ist also war, die ganze Technik hat uns einander endfremdet (ich wollte an dem Abend eigentlich mein Hörspiel zu Ende hören und ein bisschen für mich Lesen allein im Zimmer) und erst eine solche Notsituation erzeugt wieder gemeinsame Momente!
Es wird ein toller Abend mit drei großen Bier, jeder Menge Musikrevivals (oh, den kennst du auch!?) und Gesprächen über….nunja, das bleibt privat…hüstel….der erst um halb zwei Uhr früh endet.

fazit:

hier für den runden Gesamteindruck die Schlagzeile aus der zeituung von heute…

lg anya!


ich schreibe also bin ich….bin ich?

nachdem ich hier böse angeranzt wurde von meiner lieben, viel beschäftigten und ebenfalls viel schreibenden freundin dani…geb ich mir mal n ruck und schreibe übers nichtschreiben. ich schummle sozusagen.

also: der vorwurf besteht ihrerseits darin, dass ich doch jede menge zeit zum schreiben hätte. das stimmt wohl. obwohl ne, eigentlich mehr denn dies hier ist ja keine freiwillige auszeit!
nun kann ich mir gut vorstellen, dass meine in der ferne gebliebenen bloggingfreunde durchaus an einer kritisch, differenzierten darstellung meiner erlebnisse in deutschland interessiert wären. zumal ich echt rumkomme. samstag gehts nach döbeln-yeah! aber! aber, mal ehrlich….über deutschland bloggen, echt? das ist doch öde und beliebig, einfach so. da brauch man doch n filter, ein thema oder ganz einfach einen grund. ich hab keinen grund. ich bin ja eigentlich gar nicht hier. ich übe mich in yoga, meditation nur um meinen geduldfaden (der seit mehreren monaten aufs heftigste strapaziert wird) weiter geschmeidig zu halten.
Und ganz ehrlich, im Moment kann ich beide nicht besonders gut leiden: deutschland und indien. jaaa, deutschland im frühling ist total schön und alle sind jetzt besser gelaunt, wo endlich sonne scheint und hey, william&kate heiraten ja auch bald (morgen?), aber mpf…wie öde.

worüber also schreiben?
darüber, dass ich angst habe, indern in dtl zu begegnen? nichts lege mir ferner als eine offen gezeigte geste der verbrüderung und wenn ich noch einmal betonen muss, wie TOLL indien ist….
wirklich, ehrlich mein alptraum. auf der einen seite wünsche ich mir nichts sehnlicher, als mich endlich wieder meiner arbeit in schwüler hitze widmen zu können und andererseits renne ich hier möglichst schnell davon, so es bald irgendwo auch nur annähernd nach curry/knoblauch/ingwer-paste riecht.
so würde ich nie indisch essen gehen hier (und dabei fehlt mir das essen so). bollywoodfilm hab ich dieses jahr noch keinen einzigen gesehen (KANN man sich das vorstellen!!). treffe ich einen inder auf der straße, erwische ich mich bei bösartigen gedanken, die ihm das böseste andichten.
ein gegenbeispiel hab ich: ostermarkt, orientalischer schnickschnackräucherstand. man kennt das: diese stände sind ungefähr so autentisch, wie das oktoberfest in mumbai!! ich krieg da jedes mal pickel!!!
… aber ich wollt ja was nettes sagen, genau. begegnete dort nämlich letzten montag zwei inderinnen (unverkennbar in salwar kameez mit turnschuhen und schal), die sich doch tatsächlich die tücher an diesem stand näher anguckten. ich hörte also „yeh chota hain“ und freute mich wie ein tanzbär, weil ich verstehen konnte, dass ihr dieses exemplar wohl zu klein/kurz war…ach nee.

ja, über solchen schrapel könnte ich wohl bloggen. aber echt, wer will das denn lesen??


nee nee neeeeeee….

anya


mein schmaler grad 2

ich befinde mich mitten in der zermürmenden wartezone. kurz nach ablauf der urlaubsfrist und mit aussicht auf weitere 4 wochen ohne stress, ohne geld, ohne arbeit, ohne….ja eben ohne!
und da mir schon an anderer stelle gern „jammern auf hohem niveau“ unterstellt wurde, fröhne ich gleich meinem zweiten klischee: wenn schon, denn schon!

ja, danke. ich hab mich gut erholt. weihnachten und neujahr hinter mich gebracht (die beiden enzigen wirklich stressigen feieranlässe in dtl, jeder inder würde sich schlapplachen) und dann auch ein bisschen gereist und die übliche freunde-besucher-runde gemacht. some new. some old. wie das eben so ist.

was ist passiert?
wenns ans eingemachte diplomatische geht hält normal-null lieber den rand und trinkt tee. es geht ja hier schließlich nicht um die erorberung demokratischer freiheit (warum hab ich geade nur soviel zeit zum lesen, wo das weltgeschehen auf der waage liegt), sondern nur um meine arbeitsberechtigung. ja, das ist nicht selbstverständlich, dass ichs mit indien gut meine und dafür nicht viel geld verlange. im gegenteil, dass ist ungewollt…nungut, ich wollte ja den rand halten.

das seltsame/unverstädliche ist: ich krieg wieder richig schiss vor Mumbai!! ich will keinen schiss kriegen. mumbai ist schon scray genug auch ohne meinen schiss!!
völlig unvorstellbar erscheint mir inzwischen mein täglicher gang durch die straßen. vollkommen ausgeschlossen, dass ich mich freiwillig einem zustand wie blorivli station (zum beispiel wie hier) aussetzen würde! oder dem hier nee, ich bin doch nicht bekloppt!! oder doch? denn natürlich gibt es mindestens eine tonne von dingen (und natürlich menschen), die mir ganz ungemein fehlen. gaaaaaanz vornweg: die sonne! wie hab ich nur so lange in dtl überleben können ohne selbstmord! man man man. das ist aber auch grau hier. sowas vergisst man ja auch wieder (genauso wie die unerträgliche nicht enden wollende hitze, die auch durch sonne verursacht wird).
dann: essen. ich hab mir in den letzten wochen auch echt alles gegönnt, was die hiesige küche so liebenswert macht und tue es noch: kaffee, brot, wurst, kartoffelbrei, kohlroulade…..und jede menge kuchen! ich käme nie nie nie auf die idee, mir hier was indisches zu kochen! und doch: so langsam hätte ich gegen ein schönes masala dosa oder ein ein bisschen upma auch nichts einzuwenden. jaja, the grass is always greener…

ich würde sagen, alles in allem stehts gerade halbe-halbe. also, wenn ich die blöde ämterrennerei mal abziehe. gott, sind die deutschen eng im koppe!
ganz schlimm fände ich auch den gedanken, dass ich vielleicht doch nicht zurückkehren könnte! hilfe, das wär schon schlimm! meine tolle wand-uhr hängt doch noch im wohnzimmer!!!

ick kann wate…

a

ps: und was mach ich nu mit meinem blogface? mag das jemand: ja? nee?


clean (meister proper)

erstaunlich, dass besonders der englische begriff für „sauber“ bei mir im kopf eigentlich mehr im zusammenhang mit drogen steht als mit der eigentlich hygienischen bezeichnung.

sauber. die bezeichnung eines zustandes deren dehnbarkeit mir vor antritt meiner ersten indienreise nicht bewusst war. sauber. ein wort, was mir seit meiner vorübergehenden rückkehr nach deutschland vor einigen wochen eigentlich fast täglich durch den kopf schießt.

man, ist das hier sauber!!

fast schon fühle ich mich wie ein dreckiger fremdkörper im deutschen badezimmer. der moment als ich meinen koffer öffne: ein schock! der typische mumbai-mief schlägt mir mit schwüler faust entgegen! oje, dabei hatte ich doch alle stücke „gewaschen“…hüstel…
sorry, was hier so stinkt: DAS BIN DANN WOHL ICH! Naja, man muss es mögen. 😉
was hilft da? genau. duschen, baden, waschmaschine anschmeißen.
juchu! (ja, wirklich!)

überall sauber! sauber klo. sauber fussboden. sauber wäsche. alles duftet (kann bitte endlich ENDLICH jemand auf die idee kommen meister proper nach indien zu exportieren!!?), alles glänzt.
meine schwester (die mich dreckspatz zeitweise aufgenommen hat ) muss mich daran erinnern, dass es doch zeit zum putzen wäre…öh, wo wie. ich seh nix. oje, die verrohung meines wertesystems hat schon begonnen oder ist vielleicht weiter vorangeschritten als erahnt.

die tatsache, dass die ersten tage nach ankunft in deutschland überall frischer weisser saubrer schnee liegt verstärkt den effekt enorm. der glitzert sogar! 🙂
da laufe ich also, aufgrund meiner kleidung mehr als nur geringfügig an das michelinmännchen erinnernd, durch den deutschen winter und komm mir vor wie alice im wunder-sauberland. staun!

ich frage mich, ob ich vorher eigentlich wirklich gewusst habe, was sauber ist. und noch viel wichtiger: was schmutzig bedeutet.

schon sehr oft habe ich meine „saubere“ herkunft verflucht. sogar schon vor indien. bitte, kann mir jemand ein einziges völkchen auf dieser erde nennen, die noch penibler in dingen der sauberkeit sind als die deutschen? mh? ich brauche dringend jemanden zum auslachen…
(natürlich gibt es auch eigenschaften, derer man sich in mumbai rühmen darf. aber darum gehts ja hier nicht! 😉 )
schon wenn man sich auch nur in eines unserer wirklich schönen nachbarländer begibt, fällt einem urlauber als erstes auf: wie siehts denn hier aus? „schatz, hast du den meister proper eingesteckt? ich muss erstmal ran im bad, das geht ja so gar nicht! ihgitt!!“
man potenziere diesen eindruck nun mal hundert und stelle sich vor: meister proper vergessen!!!! ja, in diesem zustand lebe ich (überlebe ich?)

allerdings, und das wird nun die pädagogisch wertvolle und optimistisch formulierte message an alle putzi’s da draußen: ich lernte auch, was unnötig ist. ja, sehen wir der tatsache ins gesicht: wir deutschen übertreiben es auch ein wenig. gab es nicht einst auch den satz: dreck reinigt den magen? nicht, dass ich modder auf meinem tisch besonders wertschätze, aber ich weiß inzwischen auch, dass zum überleben kein spiegelglatter fussboden von nöten ist!

manchen gewohnheiten entkommt man allerdings trotzdem nicht. meine tägliche dusche zum beispiel…
eine dusche dient dem zwecke, sich zu säubern, richtig?
in mumbai wird dieser zweck mehr als nur erfüllt. komme ich aus der stadt nach hause und wasche hände, füße, gesicht etc ist das wasser schmutzig! macht sinn, oder?
in deutschland allerdings habe ich mich schon nach wenigen tagen gefragt, ob ich hier nur der wasserverschwendung fröhne, um das wunderbare warme nass zu geniessen und die ganzen wunderbaren waschprodukte zu benutzen (ah, diese düfte!). also wirklich sauber machen muss ich mich hier nicht. ich schwitze nicht, ich arbeite auch nicht auf dem bau und manche tage verlasse ich nicht mal das haus!!! und trotzdem: ich dusche täglich!!
weil man das so anerzogen bekommen hat!
(wer mir jetzt mit der blöden waschlappen sparmaschinerie kommt, wird sofort vom blitz getroffen!! hast du ne ahnung, wie KALT  das ist!!!)
die böse schlinge die sich nun um meinen hals legt heisst: austrocknung!! ich habe keine ahnung, wie das mit der luftfeuchtigkeit hier ist, aber mir kommt alles furztrocken vor! ich verwelke wörtlich!! das ist nicht romantisch verklärt gemeint!!! schrecklich trocken alles: beine, hände, lippen….argh! meine cremes und ich stehen praktisch in einer sehr sehr engen beziehung zueinander. ohne sie wäre ich schon längst zu staub zerfallen!

man kann eben nicht alles haben, nicht wahr? wo wir schon bei der nächsten deutschen tugend wären: mäkeln! aber dazu mehr ein anderes mal… 😉


you know what you’ve got

man sagt, man würde das eigene glück nur dann erkennen, wenn es nicht mehr da wäre oder wenn es in reichweite, aber eben unerreichbar wäre (the grass is always greener…)
es gibt aber noch eine dritte option: die rar gesäten momente, in denen ich mich selbst von außen beoabchten kann und (noch seltener!) denke: mmmh, eigentlich gar nicht so schlecht!

woran liegt das also?

gerade im letzten beitrag habe ich wieder von dem hin und her berichtet, dem ich hier täglich ausgesetzt bin und das (machen wir uns nichts vor) in den letzten wochen auch sehr stark zum „her“ tendierte….
die kontraste stehen hier aber immer direkt nebeneinander, so eng wie im local train borivli-churchgate gegen 8uhr morgens.

ich habe also seit einigen tagen das unzweifelhafte vergnügen, beide optionen (ein leben in dtl und eines in indien) direkt und wahrhaftig vor augen zu haben. ich meine, als tatsächlich optionen. und wirklich: für einen moment hat mich die idee, mumbai verlassen zu müssen auch erschreckt.
doch spätestens als ich am selben abend auf dem heimweg wiedereinmal in dieser unerklärbar vulgären art schräg von der seite angequatscht wurde, OBWOHL ich neben einem mann ging (ich bin nicht in der lage zu beschreiben, wie unglaublich wütend mich das immernoch macht, der ohnmacht und emanzipierten erziehung geschuldet)… stand außer zweifel, dass auch dtl im januar seine vorzüge hat…

aber, wie um meine these des ständigen „regen-traufe-gefühls“ zu bestätigen, traf ich im zug auf zwei deutsche, die nun ein unglaublich überflüssiges gespräch anfingen, der höflichkeit wegen…
„und, wie gefällt dir Mumbai so?“
nnnnnäähhääännn—
sehr unnötig, sehr uninteressant.
und, ja, jeder hat das recht, dieses land und besonders diese stadt auf seine weise erleben zu können (von denen es hier unzählige gibt). ich beanspruche das ja auch für mich.
aber wenn die erholungs-goa-thematik anbricht hört bei mir die geduld auf. wirklich!
dann bin ich genervt von der oberflächkeit der europäer und davon, wie wichtig der exotische luxus im vergleich zu wirklicher auseinandersetzung mit einer neuen, fremden kultur ist. argh. nerv!

also pendle ich von ärger nach freude, von sehnsucht nach badewanne und eigenständigem ich nach masala dosa und gebräunter fussfreiheit.

ach, wär ich doch schon alt und weise.

anya