t plus 180

sechs monate zurück in deutschland (na gut, in einer woche)!!
vieles hat sich schon relativiert: ich laufe wieder auf der rechten (haha) seite des fußweges. ich freu mich nur noch einmal die woche ganz unvermittelt über die tolle klare frische luft. mir fällt erst auf, dass die deutschen fancy und schick sein müssen, wenn ich nicht-europäer sehe, die es nicht sind (nicht sein müssen).
die regnerischen tage setzen mir zwar noch nicht allzusehr zu (wir haben ja auch glück mit dem deutsche sommer dieses jahr!), aber die warmen sommertage genieße ich doch sehr bei stetig wachsender angst vor dem winter…
als größten entwicklungssprung nehme ich die freude durch die straßen zu laufen, egal wann, egal wo. die angst/beklemmung ist weg. 🙂

bin ich angekommen? klares „nein“. ich habe grundsätzlich das gefühl, vom einfinden so weit enfernt zu sein wie ein inder vom fkk.
es fällt extrem schwer, (s)einen platz zu finden. das lässt sich auch nicht wirklich herstellen mit geregeltem arbeitsleben und so. da fehlt einfach immer noch ein stück. ob das drüben im subkontinent geblieben ist oder auf dem weg zerbröselt, kann ich nicht sagen.

ein bisschen sorgen macht mir (unter anderem, die deutschen sorgen sich ja gern und da bin ich auch keine ausnahme) der wachsende abstand zu indien. jaa, gut, ich bin genau wegen diesem abstand zurück gekommen, aber nach den ersten wochen des notwendigen „abstand nehmens“ hätte ich doch mit mehr einbindung gerechnet. aber das ist eigentlich kaum der fall und ein urlaub für diesen winter im land und bei den freunden, der eigentlich fest eingeplant war, rückt im weiter weg.
was bleibt denn da am ende übrig frage ich mich? außer die lücke selbst, die mir immer noch, nach 6 monaten die verbindung zum hiersein in deutschland zumindest teilweise extrem erschwert.
so viele jahre müssen doch irgendwie auch einen abdruck hinterlassen. oder bin ich dafür vielleicht auch wieder zu ungeduldig? will schon wieder resultate sehen bevor der braten verdaut ist?

ich versuche mich dem nervigen grübeln zu entziehen, indem ich mich einfach auf einen neuen kontinent stürze! es gibt ja genug. hatte ud habe insgesamt 10 jahre mit der beschäftigung mit indien zu tun und wenn ich jetzt 10 jahre in südamerika investiere (wahrscheinlich eher 15, sind ja mehrere länder im spiel) dann bin ich schon ende 40 und hab dann vielleicht noch die kraft für afrika?
klingt ein bisschen größenwahnsinnig? finde ich gerade total logisch. und zumindest vorwärst orientiert.
ich erinnere mich jetzt auch so langsam, dass das verdammte grübeln und im eignen saft gesule einer der gründe war, warum es mich wegtriebt von hier. das „eigentlich-alles-notwendige-zur-verfügung-haben-aber-nichts-daraus-machen-können-weil-ständig-überreflektieren“ ist nichts wozu ich zurück zu kehren bereit bin. geht aber schon los langsam…. :/
das heisst nicht, dass ich zum grenzwertigen dasein im engergiefressenden mumbai zurück wollen würde…nein nein, aber es muss ja auch noch was anderes geben. nicht wahr?

drückt mir also die daumen freunde, dass ich dem deutschen fancy-ism nicht komplett verfalle, meine mitte wieder anständig definieren kann…und zwar in den nächsten 6 MOnaten bitte…und die welt da draußen weiter nach mir ruft.

winkend

anja

Advertisements

teen hafte.drei wochen.

Drei Wochen bin ich jetzt zurück in Deutschland. Drei Wochen nur. Oder schon drei Wochen?
Ich wusste im Vornherein, dass es wohl eine ganze Weile dauern würde, bis ich mich wieder komplett und ganz in Deutschland zu Hause fühlen würde. Auch besteht die Möglichkeit, dass ich es nie wieder so sehen werde. Aber wir wollen ja hier nicht den Schwarzen Peter an die Wand malen…oder so…das wäre doch auch zu Deutsch!

Jedenfalls befinde ich mich nun seit drei Wochen in dieser wunderbar chaotischen Zwischenphase, in der sich ständig alles verschiebt. Ich mache mir fast täglich Notizen, weil ich auch annehme, dass diese Phase vorbei gehen wird (wie war das mit den 5 Phasen des Trauerns?) und die Gedanken doch in dieser Form einmalig sind.

Hier also ein paar Einblicke aus dem Sammelsurium.

>Komisch, ich hab immer ein bisschen Angst, wenn ich aus dem Haus gehe. Das fiel mir letztes Wochenende auf, als ich nur noch schnell zum Kaufland rüber wollte und eine Milch holen (na gut, vielleicht auch noch was Süßes). Kaum trat ich aus der Haustür, fühlte ich mich „tensed“…ähm…anspannt (auch so ein Ding mit den englischen Wörtern, die gelegentlich zuerst in meinem Kopf aufpoppen), ohne zu wissen, warum. Bestand doch offensichtlich kein Grund dafür.
Im Supermarkt dann überwältigt von Effizienz und Freundlichkeit. Zweifel, ob das alles echt ist und mittendrin immer wieder komplette Orientierungslosigkeit.
>Wie viel Abstand zu meinem Vordermann in der Kassenschlange ist appropriate? (ich glaub, ich steh immer zu eng)
>Wie zu Hölle heißt das deutsche Wort für…?
>Wie lange brauche ich von A nach B?
>Was ziehe ich an? (und nein, das ist keine typische Frauenfrage!) Kalt, warm, Anlass, Mode?

>Irgendwie sehen die Leute hier doch alle gleich aus. Ist das beruhigend oder langweilig?

>Warum erschafft die Sonne und Wärme so andre Gemüter als das deutsche?

Jaja, ich glaube, ich werd‘s schon schaffen. Und ja, basically I’m fine.
Trotzdem liegt mir ein Gedanke schwer im Kopf und ich vermute, dass sich dieserlei auch in einigen Wochen/Monaten von selbst erledigen, hoffe aber gleichzeitig, dass sie nicht komplett verschwinden. Etwas kritische Sehweise hält ja den Geist wach. 😉

Den Einwand der Belanglosigkeit bin ich nämlich in den drei Wochen noch nicht losgeworden. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, es wird schlimmer. Man muss es ganz klar sagen: das Leben in Deutschland ist schon recht bequem.
Ich vermute auch, dass ein Teil meiner Verwirrung daher kommt, dass die ganzen alltäglichen Widerstände wegfallen. Denn egal wie anstrengend oder stressig der Arbeitsalltag so gewesen ist in Mumbai, was mich wirklich geschafft hat, war das Alltägliche. Der Lärm, das Wetter, die Sorgen. Nichts klappt einfach so, wirklich nichts. Und sollte wieder erwarten doch mal ein Tag ohne Katastrophen vorüber gehen, hat es der nächste garantiert doppelt so dick in sich. Man kann und möchte sich das nicht ausmalen. Wie viel Energie das wegnimmt und dass das auch nie nie nie einfacher wird!! Selbst eingefleischte Mumbaikars geben das zu. Sogar die Bombay-wallas, oder gerade die. (aber den Witz versteht hier wahrscheinlich eh niemand…)
Ich habe auch aus diesem Grund die Wochenenden gern ausschließlich zu Hause verbracht und geschlaaaaaafen. Ein kurzer Gang zum Anand Bazaar (der mir schrecklich fehlt, wo es doch jetzt, nach mehr als 2 Jahren in Kala Nagar wirklich angenehm dort wurde) und das war‘s an advanture. Und mehr hab ich auch einfach nicht geschafft.
OMG…anand bazaar auf google. im empfehle also: https://plus.google.com/112470602694817075157/about?gl=de&hl=de

Und jetzt kommen mir, nach dem nunmehr dritten Wochenende, zwei Tage schon fast zu viel freie Zeit vor. Man verstehe mich nicht falsch: ich will nicht weniger Wochenende! Nein nein…
Ich kann auch noch nicht richtig ausgehen hier…irgendwie fühle ich mich dafür noch zu fremd und ehrlich, in Köln ist mir im Moment auch alles etwas zu selbstverliebt.
Aber zurück zu belanglos. Ich möchte eigentlich ständig in die unheimlich gestressten Gesichter schreien: DAS IST DOCH KEIN PROBLEEEEEEMM!!! Ja, Wetter ist scheiße und kalt und grau. Ja, der Euro steht schlecht …blablabla…. Aber echt, es ist doch alles in Ordnung und ich verstehe einfach nicht, warum man das nicht sehen kann bzw warum das nicht alle so sehen und ihr Energie lieber für etwas anderen (wichtigeres?) nutzen als das konstruieren nicht relevanter Konfliktsituationen.

Ja, ich bin ein wenig wütend mit den Deutschen!
Aber auch das wird sich legen. Schließlich bin ich ja eine von Ihnen. At least I used to be.

Achja: Ich habe noch keine Ahnung, ob und wie ich den Blog weiterführe. Kann sein, dass das hier der letzte Eintrag sein wird. Schreibend denke ich allerdings schon, nääää… 😉

Bis dahin wieder etwas Musik?

Deutsch oder Indisch?
vielleicht etwas das dazwischen liegt? meine letzte musikalische Entdeckung vor Abflug vielleicht? Erwähnenswerte Band aus Mumbai namens „Sky Rabbit“!
(herrje, ich sehe mich in weiteren zwei Wochen schon das Chaos wieder herbei sehnen)

smiley_emoticons_winken4anja

 

 

 

 

 

 


raum und zeit

Diese geschichte passt hier eigentlich nicht ganz rein und ich weiß auch nicht so recht, warum sie mir heute einfiel. Es scheint mir dennoch notwendig, sie aufzuschreiben und geduldig auf die offenbarung seiner sinnhaftigkeit zu warten. Ganz nach dem motto des großen meisters heiner müller: der text ist klüger als sein autor (hier ja auch nicht zum ersten mal zitiert).

Es war also einmal….vor langer langer zeit als ich mich in den ersten monaten meiner ersten und bisher einzigen wirklich goßen (und natürlich tragischen) liebe befand.
mein herzblatt, nennen wir ihn b. lebte ganz hip und angesagt mit seiner familie außerhalb der stadt, in der ich wohnte. Das war in den neunzigern im osten der trend. Wer was war, baute in den vororten. Ganz amerikanisch. Wir warn natürlich nix und blieben in der platte (gut so!). ich hatte ja den großen breiten hippen freund und machte damit alles wett. Und man, MAN war ich verliebt. Schön war das und total fremd.
b. musste nun also jeden morgen und abend mit dem bus in seine vorortluxuskaschemme fahren. Natürlich machte er gerade seinen führerschein, aber die monate bis dahin kamen einem teenager natürlich wie jahrhunderte vor!
da ich noch zur schule ging und er woanders seine berufschule absolvierte, konnten wir uns manchmal nicht jeden tag sehen und das war natürlich UNERTRÄGLICH.
sein bus machte auf dem weg aus der stadt heraus einige stops und hielt als letztes an einer haltestelle, die von meiner platte zu fuß vielleicht eine viertelstunde entfernt war. Auch hier muss betont werden, dass 15min zu fuss laufen auch damals schon für teens einem marathon glich.
ich erinnere mich nicht, wie oft ich dort eingestiegen bin, um ihn übers wochenende zu hause zu besuchen (später machten wir dann diese rushhour autofahrten mit dem kadett, die mir noch gut in erinnerung sind). Ich kannte also den fahrplan gut.

Komisch eigentlich, wie man erlebte beziehungen in puzzleteilen bewahrt….

Mein puzzleteil ist also dieser eine nachmittag. Ich erinnere mich, dass es schon etwas kälter war und da wir wirklich noch nicht lange zusammen waren, vermute ich, dass es sich um den spätherbst `95 handelt.
ich glaub, ich war schon zu hause gewesen nach der schule und hatte bestimmt auch schon mit b. telefoniert. Wahrscheinlich haben wir beide wieder gejammert, dass wir uns wohl heute nicht sehen würden, da er gleich mit dem bus nach hause fahren würde.
als ich beschloss, einfach zur haltstelle zu gehen.
schon damals mein leitfaden. Herzensentscheidung gefasst und durchgeführt. Nicht lang gezettelt.
also wieder angezogen und die 15min zur haltestellte geschlurft. Dort gewartet. Hoffentlich war der bus noch nicht durch…daran erinnere ich mich genau, an das herzklopfen und die angst, der bus würde nicht kommen.
mir war klar, dass er nicht aussteigen konnte und trotzdem freute ich mich unheimlich darauf, ihn zu sehen.
für 2-3minuten. Länger hielt der bus dort nicht. Immerhin.
als er dann endlich kam, war mir schon etwas kalt.
natürlich  hatte damals noch niemand ein handy (man, jetzt komm ich mir echt vor wie ein opa, der vom kriech erzählt! ) und hätte mir natülich eher den arm abgehakt, als mir die blöße zu geben, ihn zu rufen.
der bus hält also und b. sitzt wie immer hinten auf der rechten seite. Ich warte. Ich sehe ihn an und warte.
was ist, wenn der bus jetzt einfach weiter fährt und er nie erfährt, dass ich hier…in dem moment guckt er hoch und sieht mich.
eine sekunde angst in den augen und geste „ist was passiert?“. Ich schüttle den kopf und lächle.
er lächelt zurück und macht eine telefon geste.
ja klar, werden wir uns gleich von zu hause wieder anrufen…
dann ist noch einen moment große stille zwischen uns (während der verkehr rauscht und der wind pfeift). Stille und ganz viel liebe.
dann fährt der bus los. Was sollte er auch sonst tun.
und ich geh nach hause. Was sollte ich auch sonst tun.

Habe das gefühl, was schönes gemacht zu haben. Für ihn, für mich, für uns.

Eigentlich war es mit dem raum/zeit gefühl und der romantischen ader ganz klar, dass ich irgendwann in indien landen würde….
könnte eine erklärung für das auftauchen der geschichte aus den untiefen der erinnerung sein.

(ein wunderschönes lied, was ein gefühl vermittelt, nicht meine geschichte! nur um das richtig zu stellen 😉  hey, mein name bei 1:10, das heisst doch was!!)

a.


a very german party!

da ist was dran, an dem schiften der eigenen persönlichkeit im exil. so hörte ich von einem türkischen freund, dass die in deutschland ansässigen türkischen familien in der ausübung ihrer „kultur“ (ich setze das in anführungszeichen, weil mir die verallgemeinerung durchasu bewusst ist) gelegentlich päpstlicher als der papst seien (und dem ganzen auch noch diese note zu geben).
ich für meinen teil hab mir vo dem verlassen meines heimatlandes ins indische exil darüber nie allzu viele gedanken gemacht und mich auf jeden fall auch nicht als besonders eng mit meinem ursprungsland verbunden gefühlt. die gründe dafür sind vielschichtig und wurden alle mit einem staubig feuchten „wusch“ weggefegt an dem tag an dem ich nach mumbai kam.
das ist gut, ich wollte das ja so. aber inzwischen ertappe ich mich selbst gelegentlich in situationen, in denen mein altes ich auf das neue blickt und erschrocken und peinlich berührt zurückschreckt. wie zum beispiel letztes jahr, als ich einen jungen bettler im zug wie eine fliege verscheuchte. oder april 2008 als ich die erste maid in meinem leben anschrie. jaja, die kleinen überraschungen.

man verändert sich manchmal zum guten, manchmal zum schlechten. das lässt sich immer erst später herausfinden. just wait and watch, heisst es in diesem sinne.

gelegentlich gelingt es einem schon den schritt zurück zu machen, während man noch in der shifting situation ist. und ich glaube, so gings mir gestern.
denn gestern war ich auf meinem ersten oktober fest. überhaupt. nein, ich bin dafür nicht nach münchen gereist (obwohl ich mich wage erinnere, einer echten münchnerin nach der zweiten maß versprochen zu haben, dass wir das 2013 nachholen. ). seit dem letzten jahr wird selbige urdeutsche festlichkeit auch hier vor ort von der deutsch-indischen handelskammer betrieben. eine teure angelegenheit über deren motive ich mich hier wohl besser nicht auslasse. gerade auch, weil ich ein freiticket hatte. 😉
ich werde also gelockt mit freibier und würstchen. das hat leider schon öfter geklappt.

wie soll ich das geschehen nun beschreiben? ich hatte schlimmstes erwartet und dazu kam es …nicht. die inder haben sich de facto auch betrunken (darum gehts doch, oder?) aber ehrlich: die deutschen haben sich schlimmer benommen. wahrscheinlich unter den druck des sich ständig repräsentativ gut benehmens und unter dem einfluss einheimischer musik, getränke und dirndls/lederhosen ließen sie sich mal so richtig gehen. man verzeiht es ihnen.
ich fand mich also relativ schnell in einer sehr deutschen bierzeltatmosphäre wieder. schlachtrufe wurden gemeinsam gegrölt (zickezacke), die inder lernten shoonkln und derbe sprüche und die musiker könnten dem leben heinz strunks entsprungen sein. set-list gleicht einem abend auf malle: erst volkstümlich (heidi, maja) später tanzbar (i will survive, let me entertain you). hauptsache mitsingbar. und tanz bzw schunkelbar. auf den tischen, auf den bänken. überall reckten sich bierkrüge in die höhe.
dazwischen, etwas irritiert, wie erschreckte hunde an silvester: die kellner. typische sehr junge und dünne männer, die erst ganz stolz ihrer arbeit nachgingen, dann später aber einen blick hatten, der eher befremdliche angst (und daran geknüpfte vorsicht) erahnen ließ.
ich war nie der mitmachtyp und tanze nur, wenn ich auch mag. nicht weil andere andere es tun. ich stand also eben mehr an der seite, was so oft schon eine gute idee war und innerlich zog mein indien-dasein an mir vorbei. nicht zum ersten mal schoß mir durch den kopf: absurd. einfach absurd.

auf dem gipfel des tanzwütigen abends spielte die kapelle dann dieses lied. es wurde ganz pseudo-griechisch zum traditionellen tanz angehüpft und ich dachte zu allererst an die finanzprobleme im land…und dann, dann hats mich eiskalt erwischt. das heimweh. noch nie habe ich mich einem text von udo so nahe gefühlt wie in diesem moment. um mich herum jubelte und klatschte alles und ich konnte mir nur mit not eine kleine träne verkneifen. mein gott, war das schön.

oktoberfest in mumbai. anders als gedacht. ganz schrecklich und auch ein bisschen schön. aber nur wegen dem bier!?

und ja, ich hab jetzt eine rieisgen und vor allem schweren bierkrug zu hause und keine ahnung, wie ich den nach dtl kriegen soll und ob ich den überhaupt will.

😉 anya

 


german food is the best…?

am letzten montag war es endlich soweit. ich bin endlich gaaaanz oben auf der leiter angekommen! das konsulat lud MICH (und meinen unsichtbaren partner) zum dinner ein!!  na gut, anlaesslich den 20. jahrestages des wiedervereinigung waren auch einige andere gaeste geladen…
ich war ehlich ziemlich gespannt, wenn auch schon meiner natur angepasst, am zweifeln, wie dieser empfang ablaufen wuerde. haendeschuettel und laechel laechel veranstaltungen waren auch nie so ganz mein ding…das mag einige hier, ueberraschen, ja!
meine laune verschlechterte sich schon zum ersten mal zusehens, als ich mich der frage des dresscodes stellen musste. um eine seeeeehr langes thema kurz zu machen 😉 ich entschied mich fuer eine neue hose (churidar) und eine geliehene kurta und geschenkte lederschuhe (fritzi, pakistanische schuhe beim deutsch-indischen dinner. ich finde das wegweisend!).
ich muss ehrlich gestehen, es gab zwei gute gruende, dort hinzugehen, die jeder wohl verstehen kann.
1. location: taj mahal hotel!!! realistisch betrachtet wird es noch ca….aeonen dauern bis ich mir ein zimmer, essen oder irgendetwas dort leisten kann (abgesehen von der frage, ob ich das auch will)
2. deutsches essen!!!  stichworte sind: sauerkraut, champis in sahnesosse und lachs!!!nicht zu vergessen: broooooot!!

was laesst sich also zu punkt 1. sagen? ich finde, das hotel reicht leider an seinen ruf nicht heran. oder: in einem land, wo eh schon alles glitzert und funkelt koennen mich ein paar kristallkronenleuchter und goldsaeulen leider nicht sonderlich beeindrucken. gucci-taschenlaeden haben mich eh noch nie beeindruckt und der aufgang zum ballroom erinnert mich irgendwie an eine mischung zwischen leo und kate) titanic ballroomtreppe und dem rathaus in erfurt.
in raum nummer 1 fand dann auch der erste teil des abends statt. stichwort hier: kultur. ich als kulturtante muss mich an dieser stelle beschweren…naja, gut, vielleicht nicht so harsch.
aaaber! das die indische nationalhymne auf barockinstrumente vorgetragen wurde, fand ich noch ganz nett. das ich dazu aufstehen muss, kannte ich aus dem kino (dazu wird man hier gezwungen, ich habe es aufgegeben, an dieser stelle zu protestieren). im anschluss kam dann allerdings die deutsche hymne und ehrlich, ich als nicht-nationalist…anti-nationalist haette mich nun gern hingesetzt. wie ich an den reaktionen meiner landsgenossen um mich herum bemerken konnte, war ich auch nicht die einzige. aber alle blieben stehen. sehr seltsam. und dann klingelte irgendwo hinten ein handy und die absurditaet erreichte eine vorlaeufigen hoehepunkt.
aber noch schlimmer war, und das sage ich durchaus mit etwas trauriger miene, die rede unseres neuen generalkonsuls. die art und weise, wie er ueber die wiedervereinung sprach, finde ich mehr als nur unangebracht und liess mich mit der frage zurueck, ob das die version sein wird, die sich in 100 jahren in den geschichtsbuechern finden wird. eine schwarz und weiss befreiungsgeschichte eines geteilten landes. ganz schlimm plakativ.
ich mein, wie gut/schlecht kann die rede eines diplomaten (die werden doch fuers schoen reden bezahlt!  ) sein, wenn sie ein mitglied des zu vertretenden staates in solche einer weise kompromitiert, dass diese person am liebsten einen harten gegenstand in form eines hammers (sichel wird fuer den notfall einbehalten) auf die tribuene geworfen haette (mit inschrift: sprich nicht so von meiner heimat!!)…??

anyway, ich hab das ueberlebt und bin daran gewachsen….!  

dann musik….die war gut, wenn auch eeeetwas zu lang.

zu punkt2.
aaahhh, welch eine wohltat: sauerkraut und leberkaes! i was happy! naja, almost. ich musste naemlich stehen zum essen!! und das, liebe freunde der europaeischen gastronomie, geht ja nun mal gar nicht!!!
ich verstehe, dass dort wenig platz war. trotzdem. ich will sitzen!
leider kein kummerkasten in der naehe, wo ich meine beschwerde in papierform einreichen kann…daran muss noch gefeilt werden.
versoehnung: ich hatte warmen apfelstrudel plus vanilleeis zum nachtisch!! heissa! toll!

dafuer liebes konsulat: vielen vielen dank!

ob ich allerdings mit dem vorlauf naechstes jahr nochmal komme… 🙄 muss ich mir erst noch ueberlegen.

sollte ich an diese stelle noch ein bisschen ueber die wirtschaftsbosse-ehefrauen bitchen??  i cooouuld! aber das eruebrigt sich wohl…

alles in allem also ein sehr zwiegespaltener abend zwischen heimatweh und wut ueber die praesentation derselben.

wie sagt man so schoen: alles gute ist nie beisammen!
lg anya


auszeit, abseits und so weiter.

man hats als weltenbummler auch echt nicht leicht…nichtmal im urlaub. 😉

im ausland über deutschland schreiben geht bekannterweise wunderbar, in der alten heimat selbiges zu versuchen  …lieber bleiben lassen. Das wird irgendwie dann immer etwas peinlich, also für mich. 😉
Natürlich gönne ich mir in meinem Heimaturlaub jede Menge Reisen durch die Republik und könnte natürlich von den Ärgernissen mit der Deutschen Bahn erzählen (denn im Gegenteil zu einigen meiner Auslandsgenossinnen bin ich mit dem Preis-Leistungsverhältnis dieses Sauhaufens ganz und gar nicht zufrieden und kann mich mit dem Zuständen anderswo viel besser arrangieren). Zum Beispiel von dem Mann mit der komischen Ausstrahlung, der eigentlich keinem weiter auffiel im Abteil, außer MIR natürlich, bis er anfing, sich mit seinem Apfel zu unterhalten…  find ich ja eigentlich schonwieder sympathisch. 🙂
außerdem fällt mir hier irgendwie die seltsame rolle des botschafters fremder kulturen zu, über deren inhalt ich noch nicht ganz klar bin. ich wundere mich zum einen, dass das bei der letzten rückkehr nicht so war und frage mich auch, wie ich meine rede „frisch“ halten kann…denn natürlich erzähle ich gern vom wunderlichen leben der anya in mumbai (und glaubt mir, es ist nicht einfach dem ganzem einen zauberlichen glanz zu verleihen, wenn begriffe wie „smog“, „menschenmassen“ und „schimmel“ in jedem zweiten satz auftauchen), allerdings verliert die ansprache zwischen treffen mit freundA um 11uhr zum frühstück zu freundinB  beim mittagessen und freundC am abend zum gemütlichen bier doch auch etwas an brisanz. also meinerseits. „ach ja, terrorismus…“  aber ich geb mir mühe! (also nicht mit dem terror…)

alles in allem finde ich deutschland gerade nicht so den brüller, was mir ja eigentlich nur sagt: richtige Entscheidung getroffen! 🙂
ich geniesse also den luxus eines urlaubers mit grillwürstchen, frischer luft und wilden nächten (haha!) und fahr dann bald einfach wieder zurück. klingt einfach, oder?

ach mensch, jetzt hab ich gar nicht übers wetter geschrieben! und über unsere lena und den beginn der fussball-wm nächste woche und…
hier zur versöhnung für alle weggebliebenen ein foto (dtl ist auch im umleitungsstau so schööön, nich war?)


anya


klick (und wieder zwischen den stühlen)

ich bin ein sensitiver mensch, jawoll! und so gern und oft ich auch über kunst (in welcher form oder unter welcher bezeichnung auch immer) nachdenken mag, es muss klick machen.
nun bin ich in der priviligierten position, in den genuss jeder menge hochdotierter kunst zu kommen, doch nicht immer macht es klick.
vor einigen wochen hatten wir hier eine sigmar polke ausstellung…kein klick. da hilft auch keine nochso interessante umschreibung, erklärung. es tut mir leid, aber ich kann damit nix anfangen.

dann gestern. jazz trio! (wolfgang haffner trio) DOPPELKLICK 🙂
neben einem ausgezeichneten konzert mit entertainment-plus passierten seltsame dinge mit mir…
wöllte man es romantisch formulieren, würde ich behaupten: mir ging das herz auf.
hauptsächlich und mostly interesting wurde mir aber klar, wie weit weg ich von allem war, was mehr oder weniger direkt mit dem begriff  „zu hause“ umschrieben werden kann. ich fühlte mich in einen emotionalen zustand versetzt, der mir seit nunmehr 8 wochen nicht mehr existierte.
auch wenn das etwas schizophren erscheinen mag, nenne ich diese person anja, im gegensatz zur hiesigen anya.
„anja“ erinnerte sich an männer jenseits der 1,70…an musik ohne pink/gelb, an deutschen humor und längst vergangene (naja…) theaterepisoden. sie fing an, sich anders zu verhalten und konnte sich gleichzeitg, in form von „anya“ dabei beoachten…letzterer entlockte dies nur ein schnödes „pphhh…“.
anja realisierte in diesem moment, was ihr am deutschsein (man mag auch sagen „deutschland“) fehlte, was sie vermisste und was sie schätzte. aber eben auch: was hier nicht existierte.
anya dagegen war froh, dass die damit erbundenen komplikationen, die schmerzen, die die verhasste heimat ebenfalls beinhaltete, die enttäuschungen hinter ihr lagen. dass sie nun woanders angekommen war.

man kann nicht alles haben.

dem ist wohl so.

zu kryptisch?
na, dann hier musik:

und weniger ernsthaft (der zweite teil ist klasse, hat er bei uns auch gemacht..und ich hab tränen gelacht)

lg a.