kleinigkeitenreport 2011

davon hatten wir so lange keinen, dabei besteht das lkeben doch bekanntlich aus kleinigkeiten. 😉

1. work in progress: das bombay eine baustelle ist: nicht neu. die baufirmen kommen dem immer noch rasant wachsenden bedarf eigentlich kaum hinterher und die stadt wächst in alle möglichen richtungen. bei mir gegenüber wächst sie nach oben. die kolonie in der ich wohne, besteht aus schon etwas veralteten aber immer noch schönen häusergruppen. die straßen sind grün und die wohnhäuser selbst nur 3-4 etagen hoch. das bauland ist allerdings inzwischen extrem beliebt geworden. also werden die kleinen gemütlichen kolonien stück für stück abgerissen und auf deren grundfläche ein 15 geschosser gebaut. inklusive tiefgarage, pförtnerhäuschen und luxuriös klingenden namen wie „jade garden„. kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die innen genauso aussehen, wie die hochhäuser meiner kindheit. nicht, dass ich da was gegen hätte, ich stehe zu meiner platte, aber luxuriös würde ich das auf keinen fall nennen. schon gar nicht für die preise. davon kann dani auf jeden fall ein lied singen…

aber, worauf ich eigentlich hinaus wollte: direkt gegenüber meiner einstmals kleinen beschaulich ruhigen straße wird so ein koloss gebaut und ich bin live dabei. und ich meine: LIVE DABEI. denn wie das hier so üblich ist, wohnen eine hand voll bauarbeiter, die gern aus den (mehr oder weniger) umliegenden dörfer herangekarrt werden, direkt vor ort und zeit scheint keine rolle zu spielen oder eben eine sehr große. das ding muss fertig werden. sonntag 1am…na und, mumbai ist eh laut!! zwischendurch ist immer mal ruhe, ich weiß nicht warum. ich frage nicht. am wochenende hab ich zeit, direkt zuzugucken, wie die einzelnen etagen aufgebaut werden. das ist durchaus interessant. man darf natürlich nicht ängstlich sein, denn die kleinen dünnen männer sind LOGO null gesichert. wie so oft gilt hier: besser nicht hinterfragen!
nach und nach haben es sich die bauarbeiter dort heimelich gemacht. ab und zu klingt aus billigen handys am frühen abend der ein oder andere alte bollywood klassiker und manchmal, wenn der bauvorhang zur seite gezogen ist, kann ich sie kochend zusammen sitzen sehen. seit letzter woche ist nun endgültig „zivilisation“ in die immer noch unverkleidet und unverglasten unteren zimmer einzogen. in form einer „gardine“. inzwischen sieht man nämlich auf der gespannten wäscheleine zur westseite auch saris hängen und demnach ziemt sich auch etwas privatssphäre. so schnell definiert sich eigener wohnraum. in deutschland braucht man dafür zäune. hier eicht ein graue plane und ein pinker sari.
letzte woche hat die höhe des hauses nun das meinige überschritten und die netten nachbarn werden bald weiterziehn. dann kommen neue nachbarn. die sich vorkommen wie der kaiser in china, aber wohnen wir anja in rostock in den 80ern.
  

2. herbstgefühle: der monsun scheint dieses jahr halbwegs pünktlich aufzuhören und kaum kommt die sonne wieder raus, wird es heisser und man vermisst schon fast den frischen regen.
ich beginne die neue jahreszeit damit, meinen schrank zu durchforsten nach schimmel. in den letzten wochen hat es nach totem hund darin gerochen, aber jetzt muss ich da durch. einige dickere wäscheteile wie pullover habe ich gerade noch rechtzeitig entdeckt, um sie vor dem schimmeltod zu bewahren, andere shirts muss man nur mal lüften.
endlich wird die mode nicht mehr nur vom wetter bestimmt, sondern davon, worauf ich lust habe. naja, nicht zu vergessen den „anglotzfaktor“, der wichtig ist. denn mit der sonne kommt auch die herbsthitze (bevor in den angenehm warm/frischen winter gehen) und ich spüre den unterschied zwischen kurzärmelig und langärmelig schon sehr. nerv! ja, ich weiß, ich bin da immernoch sehr empfindlich, aber tut mir leid, das ist eben so. manche dinge müssen sich auch nicht ändern.
erst gestern im atm-geldautomaten wieder so ein erlebnis. ich warte auf eine freundin, die geld holt und ein typ geht unnötig dicht an mir vorbei und glotzt, röngt mich wieder (ganz selbstverständlich) dermaßen…. ich denke dann jedes mal, dass ich im in dtl schon längst gesagt hätte, dass ich mich ebenfalls freue, mein knie in seinen eingeweiden zu versenken, aber hier…soviel energie habe ich nicht. auch nicht soviel zeit, denn fast jedes mal, wenn ich mich missmutig zur respektlosen behandlung geäußert habe, starrte mir ein verständnisloses gesicht entgegen? was denn? das artet in emanzipatorische missionierung aus, das ist nicht meine aufgabe. gut…eh wir uns da wieder verrennen, hier ein schlussstrich.
der herbst ist da und eigentlich bin ich ganz froh drüber. jahreszeiten gibt es also auch in mumbai und so langsam bekomme ich ein gefühl dafür. 🙂

lg in den deutschen herbst (an den ich mir verbiete, zu denken….denn was würde ich für einen langen herbstspaziergang geben)


(wahnsinn, immer noch von samstag nach zehren!)

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Is that bitching really necessary? Teil2

Und hier bin ich an einem weiteren Samstagvormittag und stelle fest: aber hallo, ist es wohl!
Denn hin und wieder gerät man in Situationen, die einem zumindest ein bisschen klarer erkennen lassen, warum die Menschen hier sind wie sind. Nicht das das Gesamtbild für mich in sich stimmig wäre…aber das ist ja eine ganz andere Frage. Wir sind beim Puzzeln.

Heute also das Puzzelteil mit unseren „AC-Guys“. Ich nenne sie so, denn für mich sahen sie alle 4 aus wie zwischen 14 und 18 und, ganz offensichtlich hatten sie sich gegen uns 3 Mädchen verschworen. Die Klimaanlage muss regelmäßig (mehr oder weniger 😉 ) gewartet werden und gelegentlich also auch ausgetauscht. Ein Prozess, den ich noch nie beobachtet hatte. Ich bin ja gerade erst in den Besitz meiner ersten Apparatur gekommen und die Funktionsweise dieser Kiste (oder überhaupt technischer Geräte?) war mir immer noch fremd, gar suspekt. Da ragt also eine Kiste aus meinem Fenster, brummt und surrt und erzeugt so irgendwie kalte Luft. Toll!
Aber wenns eben nicht mehr ordnungsgemäß brummt und surrt, muss die AC-Truppe anrücken. Das sollten sie nach einem Hin und Her gestern am Telefon heute früh um 10 Uhr tun. Das ihr eigentlich NIE Jemand pünktlich kommt (und auf jeden Fall keine Handwerker!!) lernt man hier schnell. Gern auch schonmal gleich am Flughafen. 😉 Die Ausreden sind dabei aber immer das Beste! Wären ein Buch wert: so eine Art Abreißkalender, wo man an jedem Tag eine originelle oder einfach nur witzige Ausrede lesen kann….mh, Marktlücke? Der junge Mann heute befand sich sage und schreibe im Viertel nebenan und behauptete kein Taxi zu bekommen! An einem Samstagmittag! Er war bereits anderthalb Stunden zu spät und meine Mitbewohnerin schimpfte, schrie und diskutierte zum gefühlten 10mal mit seinem Chef am Telefon. Er war anscheinend einfach nicht dazu zu bewegen, seinen verdammten Arsch nach Bandra zu bewegen!!! Da hilft auch kein freundliches Zugerede, da gewinnt der, der am meisten schimpft! Basta!
Als er dann also ankam und endlich mit seiner ersten Arbeit (dem Reinigen der Kiste im Nebenzimmer, meine sollte später komplett ausgetauscht werden) beginnen konnte, war er bereits zwei Stunden zu spät. Erst Verkleidung abnehmen und dann wuchten zwei dieser 14jährigen dürren Knaben die Kiste aus der Fensterwand. Eine unglaubliche Sauerei lässt sich bereits voraussagen. Der, die, das zu säubernde AC wird nun ins Bad gewuchtet und dort ausgewaschen. Danach wieder zurück getragen, wieder eingefügt, Verkleidung drauf und das wichtigste: Tape drumherum!! Tape ist die Lösung für alles in diesem Land. Während dessen ertönt unbeschreiblicher Lärm aus meinem Zimmer: es wird gebohrt!!! ich habe keine Ahnung, was, warum und vor allem: warum soviel!!! Ich guck einfach nicht hin. Zwischendurch bleibt einem der Jungs Zeit, den Sitz seiner Frisur in meinem Schrankspiegel zu überprüfen… Ebenfalls kann ich später den Jüngsten der Truppe dabei beobachten, wie er ein paar Michael Jackson verdächtige Schritte aufs Parkett legt.
Zusammenfassung: der Samstag war dahin, die Wohnung ein Schlachtfeld und das dicke Ende wartete erst noch auf uns. Nach dem zweiten Startversuch die Klimaanlage meiner Mitbewohnerin immer noch  nicht richtig funktionierte, beschlossen die vier „Experten“ am späten Nachmittag noch einmal wiederzukommen, um die Kiste komplett auszutauschen! Anderthalb Stunden Sauerei waren also um sonst und der Nachmittag auch noch versaut. Da tobt die Stimmung! Es musste also nun ein Anruf bei der Firma folgen, um dem dortigen Boss mal richtig die Meinung zu geigen. Erstens nutzt das, um die eigene Wut in eine Richtung zu kanalisieren und zweitens, um sich wieder etwas Respekt zu verschaffen. Den einzigen Grund, der mir einleuchten würde, nämlich der, dass beim nächsten Mal nämlich tatsächlich etwas mehr Professionalität zu rechnen wäre, steht natürlich vollkommen außer Frage. Ich wage mich inzwischen nicht einmal mehr vorrübergehend zu fragen, warum die „Experten“ was wie und wo tun, das führt hier einfach nirgendwo hin und ich will ja auch nicht wie die klugscheißende Westlerin wirken. Jaaa, bei uns und Deutschland wird Effektivität und strukturelles Handeln noch groß geschrieben….
Aber trotzdem ist das meckern hier ungemein wichtig und führte immerhin dazu, dass die Knalltüten pünktlich zur Verabredeten Uhrzeit am Nachmittag vor der Tür standen.
Für mich galt an diesem Samstag wieder die alte Regel: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ich sitze mehr oder weniger stumm daneben, werde kaum angesprochen (warum sollte man mich auch nach meiner Meinung fragen bezüglich Klimaanlagen?) und beobachtet die Szenerie, versuche ein bisschen was lernen und möglichst wenig Angriffsfläche für sich zuspitzende Aggressionen zu bilden. (gleiches gilt für die lüsternden Blicke der pupertierenden Möchtegernhandwerker)

Das Resultat sieht jetzt also wie folgt aus:

Ich habe eine ältere Kiste als zuvor, bei der Drehknopf für die Temperatur gleich beim ersten wärmerstellen (natürlich möchten die Deutschen es zu Hause immer gemütlich frisch bei 15-18 Grad haben, so die geläufige Vorstellung der Inder ) abbricht. Ich verstehe den Unterschied zwischen OFF/FAN/LOW COOL/SUPER COOL nicht und irgendwie müsste da auch ein Kompressor angehen oder so, was er nicht tut. Obwohl „LOW COOL“ ein genialer Künstlername wäre… Ich könnte mir auch schon etwas unter den Einteilungen vorstellen, nur ist der gefühlte Unterschied nicht vorhanden. Das erschwert die Auswahl. Überhaupt war der vorherige Kaste viel cooler, eigentlich schon super cool!  Der hatte sogar eine Fernbedienung! Aber gut, ich will mich nicht beschweren über den Luxus, eine AC zu haben….sie funktioniert, immerhin. Mal sehn wie lange. Und dann kommen sie wieder zu Besuch: die fantastischen Vier!

anya
ps: und dann ist man zwei tage nicht online und muss bei rückkehr an den arbeitsblatt und in die netzwelt feststellen, dass wieder jemand gedacht hat, man könne durch morden die welt verbessern, in diesem und in jedem sinne…