eek sal Germany me.

Seien wir ehrlich: zu Zeit ärgere ich mich hauptsächlich darüber, dass wenige Stunden, nachdem ich aufgestanden bin, die „Sonne“ schon wieder untergeht. So es denn überhaupt „hell“ geworden ist im januärlichen Norddeutschland.
So, it could be worse, oder?
Grundsätzlich ärgere ich mich also eigentlich nur darüber, dass ich mich schon wieder über den gleichen Mist wie früher gräme. Same old also?
Natürlicherweise hat das Heimatland nach ein paar Monaten Alltagsgeschehen wieder etwas an Glanz einbüßen müssen. Trotzdem: ich bin froh zurück gekommen zu sein und versuche mich auch täglich daran zu erinnern, warum das gut ist. Eigentlich sehr einfach: einatmen, ausatmen. 🙂

Trotzdem ist und kann der Blick nicht der gleiche sein wie vor 2007.
Ich werde immer wieder gefragt, wie genau sich der Blick auf Deutschland verändert, aber das lässt sich nun mal nicht in ein, zwei Sätzen erklären. Das will man auch nicht. Schon darin liegt ein großer Unterschied: diese ständige Selbstbetrachtung, uch! Ich selbst beachte an mir schon wieder rückfällig werdend die ständigen warum mache ich was wie und wie oft und überhaupt Fragerunden im Kopf? Ein eindeutig Zeichen von zu viel Zeit und Energie finde ich. Man möge mich nicht falsch verstehen. Ich möchte mir nicht täglich wieder Sorgen machen müssen, ob genug Wasser & Strom da ist, ich auf dem Heimweg angegrapscht werde oder mich der Rikshawfahrer bescheißen will… Ich vermisse aber diese Grundsätzlichkeit der Sorgen. Sie erscheinen mir wir richtige Sorgen, echte Probleme und dir hier eben nicht wie solche. Eher wie lästige Luxusproblemchen, denen man früher oder später doch wieder anheim fällt. Ich bin nun mal ein Mensch, der allgemein schon recht viel reflektiert, aber man sollte dann doch wenigstens ein bisschen Einfluss darauf haben können, worum sich der Kreisel dreht. 😉 (Bilde ich mir zumindest ein)

Ein Jahr ist also fast wie im Flug vergangen und ich glaube, es war ein gutes Jahr. Sich aus dem kompletten Chaos mit letzter Kraft gen Heimat schleppend, habe ich wieder etwas Halt unter den Füßen gefunden. Aufgetankt, auf jeden Fall. Blicke des Öfteren zurück und schüttle erstaunt den Kopf, lächle aber dabei.

Ja, Deutschland nervt ganz häufig und ist doch sehr belanglos, pingelig und überhaupt….aber eben auch gut sortiert, sauber und klar. Ich kann mich hier eben entfalten, wie ich möchte, aber tue ich das auch? Eine meiner größten Sorgen zwecks Rückkehr war ja, dass ich gleich wieder im täglichen Sumpf versinke, in alte Verhaltensmuster zurück falle und einfach extrem viel Energie auf nüscht verwende. Denn das ist schon enorm, wie viel Energie da auf einmal zu Tage kommt mit dem Hinterntritt aus Indien! Das habe ich auch sehr an den Reaktionen der Menschen um mich herum gemerkt. Ok, ja, ich bin schon generell ein sehr Energie geladener Mensch, aber nach 3 Jahren in Mumbai kam ich mir in den ersten Monaten nach Rückkehr schon selbst manchmal vor wie auf MDMA. Unheimlich glücklich und in full power!!
Das nutzt sich ab, leider. Ich hatte mir im Kopf also ein Jahr gegeben. Ein Jahr um wieder in die Mitte zu finden zwischen MolochManiacMumbai und DieMerkelMachtsLand. Nachdem das Jahr ist fast rum ist, habe ich mir noch die Achillessehne gerissen. Was auch zeigt, dass es nicht einfach ist, wieder das richtige Tempo zu finden… 😉
Aber ich klopf mir mal selbst auf die Schulter und behaupte, es ist ganz gut gelaufen für mich.
Und mir fehlt mein Mumbai mit allem Drum und Dran manchmal ganz schrecklich dolle, aber das ist auch in Ordnung so.:/

Nachdem ich an diesem Punkt eigentlich Schluss machen wollte, fällt mir noch ein Punkt ein, den ich hier mal zur Sprache bringen will und bei dem ich auf Feedback hoffe.
Thema „Freundschaften“. Nachdem ich in Mumbai ja lange damit zu kämpfen hatte neben allen anderen Anpassungsschwierigkeiten auch noch echt Freunde zu finden und es dann doch noch geschafft habe, scheißt mir die Ironie des Schicksals wieder mitten ins Gesicht und schickt mich heim. 6000 km entfernt von jenen Menschen.
Jetzt fängt wieder alles von vorn an und Ungeduld macht sich schnell breit. Ist dies nicht mein Heimatland und das soziale und gesellschaftliche Umfeld, in dem ich sofort Schwimmen sollte? Gut, neuer Job, neue Stadt erschweren es ein bisschen und wir sind nun auch nicht mehr 18 und hängen auf Partys rum. Trotzdem, ich finde es schwer. Sind die Deutschen da im Alter anders geworden oder ich? Oberflächlich ist es wirklich kein Problem nette Menschen um sich zu sammeln, wirklich nicht. Die Deutschen erscheinen mir viel warmherziger und offener als in der Erinnerung und im Vergleich zu den hitzigen Indern. Und trotzdem stoße ich an die Barriere. Und ärgere mich darüber, dass man so etwas eben nicht planen und strukturieren kann wie Wohnung und Job. Jaja, deutsch wie ich bin. 😉
Wie geht es anderen Rückkehrern damit? Das läge mir am und auf dem Herzen.
Ansonsten ist alles ganz in Ordnung zu glaube ich.

Theek hain.

Weiter so Anja!

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an dieser stelle lassen wir Shahrukh’s Augen und AR Rahman’s Stimme sprechen zum Thema „Heimat. Angeblich hat er den Song mal in einem Hotelzimmer geschrieben, als er auf Reisen war.

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t plus 180

sechs monate zurück in deutschland (na gut, in einer woche)!!
vieles hat sich schon relativiert: ich laufe wieder auf der rechten (haha) seite des fußweges. ich freu mich nur noch einmal die woche ganz unvermittelt über die tolle klare frische luft. mir fällt erst auf, dass die deutschen fancy und schick sein müssen, wenn ich nicht-europäer sehe, die es nicht sind (nicht sein müssen).
die regnerischen tage setzen mir zwar noch nicht allzusehr zu (wir haben ja auch glück mit dem deutsche sommer dieses jahr!), aber die warmen sommertage genieße ich doch sehr bei stetig wachsender angst vor dem winter…
als größten entwicklungssprung nehme ich die freude durch die straßen zu laufen, egal wann, egal wo. die angst/beklemmung ist weg. 🙂

bin ich angekommen? klares „nein“. ich habe grundsätzlich das gefühl, vom einfinden so weit enfernt zu sein wie ein inder vom fkk.
es fällt extrem schwer, (s)einen platz zu finden. das lässt sich auch nicht wirklich herstellen mit geregeltem arbeitsleben und so. da fehlt einfach immer noch ein stück. ob das drüben im subkontinent geblieben ist oder auf dem weg zerbröselt, kann ich nicht sagen.

ein bisschen sorgen macht mir (unter anderem, die deutschen sorgen sich ja gern und da bin ich auch keine ausnahme) der wachsende abstand zu indien. jaa, gut, ich bin genau wegen diesem abstand zurück gekommen, aber nach den ersten wochen des notwendigen „abstand nehmens“ hätte ich doch mit mehr einbindung gerechnet. aber das ist eigentlich kaum der fall und ein urlaub für diesen winter im land und bei den freunden, der eigentlich fest eingeplant war, rückt im weiter weg.
was bleibt denn da am ende übrig frage ich mich? außer die lücke selbst, die mir immer noch, nach 6 monaten die verbindung zum hiersein in deutschland zumindest teilweise extrem erschwert.
so viele jahre müssen doch irgendwie auch einen abdruck hinterlassen. oder bin ich dafür vielleicht auch wieder zu ungeduldig? will schon wieder resultate sehen bevor der braten verdaut ist?

ich versuche mich dem nervigen grübeln zu entziehen, indem ich mich einfach auf einen neuen kontinent stürze! es gibt ja genug. hatte ud habe insgesamt 10 jahre mit der beschäftigung mit indien zu tun und wenn ich jetzt 10 jahre in südamerika investiere (wahrscheinlich eher 15, sind ja mehrere länder im spiel) dann bin ich schon ende 40 und hab dann vielleicht noch die kraft für afrika?
klingt ein bisschen größenwahnsinnig? finde ich gerade total logisch. und zumindest vorwärst orientiert.
ich erinnere mich jetzt auch so langsam, dass das verdammte grübeln und im eignen saft gesule einer der gründe war, warum es mich wegtriebt von hier. das „eigentlich-alles-notwendige-zur-verfügung-haben-aber-nichts-daraus-machen-können-weil-ständig-überreflektieren“ ist nichts wozu ich zurück zu kehren bereit bin. geht aber schon los langsam…. :/
das heisst nicht, dass ich zum grenzwertigen dasein im engergiefressenden mumbai zurück wollen würde…nein nein, aber es muss ja auch noch was anderes geben. nicht wahr?

drückt mir also die daumen freunde, dass ich dem deutschen fancy-ism nicht komplett verfalle, meine mitte wieder anständig definieren kann…und zwar in den nächsten 6 MOnaten bitte…und die welt da draußen weiter nach mir ruft.

winkend

anja


zzzzzzzssscchhwuuuummm….3 jahre vorbei gerauscht…

Man sagt doch, dass das zeitempfinden allgemein an das glück und wohlgefühl geknüpft wäre. Sprich: geht’s mir gut, vergeht die zeit schneller.
ich kann dem nur (noch) bedingt zustimmen. Bisher hatte ich auch das auch so gesehen. Aber wie in so vielen dingen hat auch in diesem punkt indien mein zeitempfinden entscheidend verändert.

Grundsätzlich beschreibt jeder europäer, mit dem ich mal darüber gesprochen habe (und ich spreche ja bekanntlich viel 😉 ), die erlebte zeit als unheimlich intensiv und schnell. Egal, ob gute oder schlechte Momente, man hat ständig das gefühl, als raaaase das leben an einem vorbei oder besser, schleift dich mit. Hetz hetz hinterher.

Ich vermute, dass das ganz simpel an der ereignisdichte liegt. Einem wunderschönen deutschen wort, was ich in der letzten zeit wieder häufiger verwende. Die erlebten momente sind nun mal, im vergleich zum bequemenen 9to5 dasein in einer der deutschen ähem…städte, um ein vielfaches extremer, intensiver, fremder in der einordnung und treten noch dazu in einer häufung auf, die eine simultane verarbeitung eigentlich nahezu unmöglich machen.
(ich für meinen teil rechne damit, dass ich noch mind. ein jahr nach rückkehr nach dtl mit dem verarbeiten der letzten zwei jahre zu tun habe werde aha)
man kann sein leben in einer indischen großstadt demnach nur als hektisch und vergangene jahre nur als sekunden beschreiben.

Eines der probleme, die sich daraus ergeben können ist wohl, dass man sich an diese ereignisdichte gewöhnt. Die inder um mich herum nehmen diese zum beispiel generell nur sehr gedämpft oder gar nicht war. In gewisser weise bin ich auch froh, dass ich nicht mehr vollkommen überfordert dahinrennen muss, wie in meinen ersten wochen in mumbai 2007. Inzwischen mischt sich in diese erleichterung (abstumpfung?) aber auch etwas sorge, dass mir die ruhe und „langsamkeit“ deutscher ähem…städte doch wohl arg aufs gemüt schlagen könne.
man kennt den schwindel, die nach einer runde im karussel den kopf befällt, wenn dieser auf einmal stehen bleiben soll.
ja, nun gut, STEHENBLEIBEN werde ich in dtl ab märz wahrscheinlich nicht, aber was ist, wenn ich nun fortan immer am rennen bin. Karla kolumna mäßig….das will man doch auch nicht.

Wie dem auch sei. Besonders die letzten monate haben es ereignisdichtemäßig EXTREM in sich gehabt. zu meinem glück waren sie dieses mal mit hauptsächlich positiven ereignissen gesät und mir scheint, der abschied von meinem leben hier in nur wenigen wochen ist undenkbar.
ich war nochmal kurz in kolkata (krasse stadt), in pune (habe es doch beim dritten versuch das erste mal schön gefunden) und ein goa-urlaub steht ebenfalls noch ins haus. 🙂
bin ergo viel unterwegs.
habe auch, bedingt durch den abschluss des projektes, für welches ich die letzten 1 ½ jahre hier tätig war, schon mit einigen abschieden begonnen und stelle fest, dass sich doch an den unerwartetsten stellen auf einmal freundschaften heraus kristalisieren. Ich hoffe, ich kann davon etwas mitnehmen ins kalte, graue, stille deutschland. Brrr.   Sowohl von der guten energie, die ich gerade habe, wie auch den freundschaften. Ich finde, ich habs verdient!

hier was interessantes. mumbai-the land of dreams….jaja, alp-dreams vielleicht. 😉

smiley_emoticons_winken4anja


luft holen

Es war ganz klar. Mein körper hats mir vorgemacht und ordentlich die alarmglocke geläutet und nun folgt eben auch der rest.
und manchmal sind es dann eben doch die einfachen fragen, die einem wie ein spiegel vorgehalten werden. Dann sind sie nicht mehr zu verleugnen.
habe ich ganz gut geschafft, ziemlich lang sogar. Hatte schon gelegentlich die ahnung, dass mir mein unterbewusstsein da irgendwann noch einmal eines ins genick verpassen würde.
es handelt sich um die sehr verständliche frage: wie machst du das eigentlich alles? Wie überlebt man diesen ganzen wahnsinn? Wohin schafft der europäische körper die ganzen schönen und schrecklichen erlebnisse, die in unverdaulichem tempo auf einen hereinprasseln in einer stadt wie mumbai?
Diese frage ist mir schon oft begegnet. Von vielen gästen, die für ein paar monate in die stadt kamen oder kürzer. Meistens waren sie am anfang auch etwas schockiert wegen meiner manchmal etwas zur aggression gegenüber den alltäglichen dingen vor ort neigenden haltung. Sie verstehen mich nach einem monat hier. Und grundsätzlich ist meine haltung ja auch nicht negativ dem hiersein gegenüber. Wäre dem überwiegend so, wäre ich nicht mehr hier. Es bleibt dann eben die frage übrig, wohin diese negative energie fließt. Bei der guten, der schönen kann man das gleich sehen. Sie fließt nach außen scheint mir, äußert sich in guter laune, lieben briefen an freunde, energetisch geladener arbeitsmoral.

wo aber bleibt das minus?

manche meditieren.

manche treiben sport.

oder sind vielleicht ab und zu einfach mal richtig böse und fies.

Ich merke zunehmend, nicht immer nur vom arbeitsstress herzuleitende erschöpfungserscheinungen. Manchmal habe ich diese wirklich schlimmen alpträume noch, die ich zu beginn meines indienaufenthaltes hatte. Meistens sind es aber nur so kleine dinge, wie ein nerviges augenzucken oder unendliche müdigkeit am wochenende, die mir zeigen, da fehlt was, da stimmt was nicht.
Der großen frage habe ich mich bis jetzt aber noch nicht wirklich gestellt: was macht dieses manchmal auch sehr erwünschte aufreiben mit meiner seele? Wohin geht das alles?

In den letzten monaten ist mir verstärkt dieses luftholen aufgefallen. Ich vergleiche es mal mit einem laaaaangen tauchgang, der zwischendurch unterbrochen wird mit heftigen tiefen atemzügen, wenn der kopf endlich über die wasseroberfläche gelangt.
das luftholen äußert sich bei, so meine vermutung, in überbordender freude über deutsche gäste beim institut. Ich genieße den austausch in der muttersprache, das „sich nicht verhalten müssen“. Den umgang mit meines gleichen…oder so. es ist wie luftholen. Angenehm, erfrischend und dringend notwendig.
man muss dazu ja auch sagen, dass immer wieder ganz tolle menschen (nicht alle sind künstler, aber die meisten) nach mumbai kommen. Interessante menschen mit ansichten, die ich teilen kann und mit denen ich mich verstehe. Das ist sehr schön 🙂
schon einige schöne und wertvolle freundschaften sind daraus entstanden, die ich sehr schätze.
(das sich im ausland kennenlernen auch eine sehr eigene note)
Leider gehen diese menschen immer vor mir wieder und hinterlassen eine lücke, die ich zusehends als verlust empfinde. Kommen und gehen. Kommen und gehen. Ich weiß auch, dass das im leben nun einmal so ist, das menschen kommen und gehen und nicht alle so lange bleiben können, wie man selbst es möchte.
trotzdem sind mir die zeitspannen immer zu kurz und ich ertappe mich gelegentlich schon dabei, dass ich mich gar nicht mehr richtig verabschiede, weils zu weh tut. Mich einfach umdrehe und weitermache. Kommen und gehen.
verstärkt hänge ich mich dann auch total an die vorrübergehenden weggefährten und werfe alles andere über board….
Jetzt war wieder für nur ein paar tage jemand da, an den ich mich, glaube ich total gehängt habe. Musste dringend luftholen und die luft war süßlich frisch.
und dieser jemand hat mich eben gefragt (und das schon sehr schnell, ich bin eben doch für manche sehr leicht zu durchschauen): wie machst du das hier eigentlich? Wie schaffst du das?
gelegentlich hatte ich da schon meine halbfertigen antworten, aber dieses mal hat mich die frage so eiskalt erwischt und ins schwarze getroffen, dass ich nur sagen konnte: ich weiß es nicht. 

Und ich weiß es wirklich nicht. Einen wirklichen ausgleich habe ich nicht.
Habe sonst immer gelassen geantwortet: keine ahnung, man gewöhnt sich halt dran.
aber tut man das wirklich?

Jetzt hänge ich nun da mit dieser frage im raum.

die wunde ist offen und will behandelt werden.

Ich bin dankbar für tipps.
(hier käme jetzt night swimming von rem, video geht aber grad nicht rein….nerv)

ania


with a little help…

ich geb mir jetzt mal echt mühe, denn dieser artikel ist schon lange überfällig und wichtig und soll nicht, wie der letzte beitrag (zum thema ämter/bürokratie) als karteileiche verwuchern. so, also hiermit: pionierauftrag an mich!

ganz allgemein: wenn man als mitteleuropäer meiner generation nach indien fährt und dort mehr als nur die zwei harmlosen wochen „goa-beach-holiday“ verbringt, stößt man unweigerlich auf das was als fremde kultur beschrieben wird. darüber einen simplen blogeintrag zu verfassen scheint geradezu vermessen. ja, so bin ich!
oder eben auch nicht, denn es geht mir hier um einen bestimmten aspekt und dabei viel mehr noch darum, etwas an meinen eigenen vorurteilen zu arbeiten. dagegen lässt sich doch nichts einwenden, oder? 😉

stichwort: familiäre strukturen.
bisher hat mir eigentlich noch niemand in mumbai vorgeworfen, wir europäer wären doch herzlose, vereinsamte individualisten (das mit dem individualismus ist ganz im gegensatz zum westen dort durchaus als abwertend zu lesen). und trotzdem stoße ich sehr oft an unverständnis und manchmal sogar mitleid. wenn ich zum beispiel versuche zu erklären, dass es kein todesurteil bedeutet, als scheidungskind aufzuwachsen. das es ganz und gar kein stigma ist, mit über 30 noch als single durch die welt zu laufen (ich lasse die kehrseite dieser blau-grauen medaille jetzt mal außen vor). das sich eltern nicht zwangsmäßig verstoßen fühlen, wenn kinder sich für ein leben in einer anderen stadt und in den eigenen vier wänden entscheiden entscheiden. fast schon wird der umgekehrte fall als abnormal empfunden.
ich kämpfe also in gesprächen für das herz der westler. erkläre sachverhalte, die ich vorher selbst nicht großartig hinterfragt habe und die sich als komplex erweisen. woher kommen all die singles? wohin wird das führen und wohin gehe ich eigentlich als alte frau? Wer ist für mich da, wenn es mir schlecht geht und ist das alles ok so?

nach längerer zeit empfindet man auch ein wenig mitleid für die armen armen einsamen westler.
aber auch totales unverständnis beim dem gedanken daran, das ganze leben nach ein paar älteren verwandten zu richten. von vorn bis hinten von deren urteil abhängig zu sein…..wie immer also ein hin und her.

ich versuche also die bedeutung von freundschaften hervorzuheben und den zwar anders gearteten aber doch vorhandenen (freiwilligen?) zusammenhalt der familie. hinzu kommen sozialstaat und auch die erlernte fähigkeit, sich auch selbst durchzuboxen (evolution?).

trotzdem denken wir zuerst an uns. das prinzip „jeder ist sich selbst der nächste“ ist fakt. wir sind individualisten.

ich will hier eigentlich nicht weiter in soziologischen vermutungen herumwurschteln, das sollen andere tun.
mir ging es dabei insgesamt mehr um die tatsache, dass ich neulich feststellte, dass ich einige dieser fern-östlichen vorurteile bereits adaptiert habe und nun erschrocken feststelle: moment, so herzlos sind wir doch gar nicht!

wir sind sehr liebenswürdige und vor allem hilfsbereite menschen. die bandbreite geht vom schnack mit kaffee über übernachtungshilfe, zuhörbeistand bis zu tatsächlich eingemachter finanzieller hilfe. ich hab soviel unterstützung bekommen in den letzten monaten, dass ich mir eine träne aus dem eigenwinkel wische und total kitschig zur dankesrede aushole…

wer mag, kann sich nun also gelangweilt einer anderen seite zuwenden oder sich mit mir freun, dass ich gestern nach einem schönen kneipenabend zurückradelnd dachte: hey, ich bin nicht allein!

d a n k e
zuallererst natürlich meiner mutti und meiner schwester!
nach städten sortiert gehts an: leipzig-sabeth, jana&clara, luisa, ricarda, uli, thomas. magdeburg-mandy, sanny, manu, sebastian. berlin-berit, gabi, klaus, rebecca, fabian. potsdam-ronny&ronny. bremen-sonja. düsseldorf-maki, stefan, moritz. köln-ronni&till, christian.

anya


kommunikation heute

meine güte, wie die zeit rennt…wie lang bin ich jetzt aktiv online? ich mien web2.0 mäßig? einige wenige jahre nur und was hat sich nicht alles getan! :O
angefangen mit mails, dann foren, dann bloggen und jetzt neue kommunikation a la facebook und co…hammer! wächst und wächst und wächst.
schön.
ab und zu bleib ich kurz stehn und gucke drauf. wie jetzte.
wirklich seltsame bekanntschaften habe ich so gemacht. also seltsam waren nicht die dadurch kennengelernten (ganz im gegenteil), sonder die art und weise. naja, in ein paar jahren wirds wohl normal sein, seine freunde nicht mehr auf der arbeit oder beim sport oder in der kneipe zu finden, sondern eben online.
(muss ich an dieser stelle sagen, dass ich nichts gegen kennenlernen face to face habe?)

am anfang noch zaghaft und voller zweifel (welche nerds treff ich denn hier?) piep doch schon bald mit positiver energie nach vorne stürmend hab ich wirklich ein paar tolle menschen gefunden und einfach unheimlich viele möglichkeiten entdeckt! 🙂

meine bis jetzt verworrendste findung war anja aus hamburg: ich googel mich also selbst (inzwischen ein MUSS). komme auf einen blog von einer namensvetterin, die wie sich herausstellt, auch in indien war!! :O ick glob, ick spinne! also: kontakt aufnehmen…
nach einigem hin-und her geschreibe und etliche kommentare später entwickelt sich sowas wie eine nette kommunikation und wir sind schon dabei uns zu verabreden, als ich feststelle, dass sie gar keine „echte“ namensvetterin ist!!
google hat da einfach was vertauscht, durcheinandergebracht und vermischt. klasse!
EGAL!!
inzwischen war ich sie besuchen und wir haben eine nette kneipentour hinter uns (pauli’s nächte sind lang…) und ich werd wohl demnächst desöfteren mit meiner halbnamensvetterin um die häuser ziehn!

indien halt ich mir warm, berufskontakte werden zumindest auf lauwarm gehalten und alte bekannte aus längst vergangenen epochen auf stand gehalten.
i must say: yes, ich bin web2.0 fan!

so, ich muss mal ins bette. uff, soviel kommunikation macht müde…echt arbeit! 😉

in diesem sinne: ein prosit der (web)gemütlichkeit!

SNV31752

es winkt die anya


yeh dostiiiiii

da ich durchaus ein anhänger der sich-von-der-seele-schreiben-bewegung bin (neben der spaziergang-therapie) und das bedürfnis verspüre, was loszuwerden (im wahrsten sinne des wortes) blablabla..etc…etc…und los gehts…

ich möchte mich also beschweren. und das westliche wertesyste hinterfragen. und gleich noch bestehende traditionen dazu! und überhaupt: das passt mir gar nicht!
ich soll mich verhalten und erdulden und kanns einfach nicht. platze förmlich dabei. und plums hier kommts.
eine freundin (nein, eigentlich DIE freundin seit nun fast 8 jahren) beginnt einen neuen lebensabschnitt. das ist wirklich schön. zumal es die richtige trifft, die den richtigen gefunden hat, um das richtige zu tun. passt! freude!
soweit.
nur leider…und schon während ich es schreibe habe ich schuldkomplexe…wo bin ich dabei?
ja…ich bin weg. ausgeschlossen, weggeschnitten, ausgeblendet. überflüssig. nebensächlich. fünfte-rad-mäßig-weg und überhaupt ganz woanders.

jo…da steh ich also aha …seit einigen monaten zwischen freude für das glück einer anderen und neid (natürlich) und dann mehr und mehr…allein.

mein gefühl: förmlich von einer auf die nächste woche hab ich meine beste freundin verloren. hab keine ahnung, was sie gerade beschäftigt und wie es ihr geht (von den offensichtlichkeiten mal abgesehen) und umgekehrt genauso. wir unternehmen nichts mehr, wir reden nicht. zero! mich stört das. mich macht das traurig. mir fehlt das was.

und nun zur kritik am system: nun habe ich bereits versucht, das thema anderweitig zu besprechen und breitbandig kommt zurück: ich soll geduld haben. ein neuer lebensabschnitt ist doch ganz normal und fordert eben auch veränderungen. sollte es die freundschaft wert sein, muss man warten und gehen lassen, loslassen, zurück kommen lassen. das macht erstmal sinn. oder?
skeptisch

nun kam mir neulich der gedanke, dass wenn (ich bin ein meister des was wäre wenn gedenke!) mir selbiges in einer liebesbeziehung, sprich mit einem mann passiert wäre, das feedback wohl ein ganz anderes wäre. ich höre die wie kann er nur? nach all den jahren!! rufe schon.
warum gilt das für beziehungen, aber nicht für freundschaften?
warum darf ich nicht wütend auf sie sein?
warum plagt mich deswegen sogar ein schlechtes gewissen?
und wieso hab ich null chancen, was daran zu ändern?
ich bin ratlos. 😕

nun stellt sich zum abschluss dem klugen leser natürlich die frage, warum ich (noch nicht hoffnungslos kommunikationsgestört) dieses thema eben nicht betroffener person bespreche…?
richtig gefragt.
zu meiner verteidigung: ich habs versucht! wirklich. wird nix, kommt nicht an und verpufft. ich trau mich auch nicht, noch direkter zu sein.
und was dann doch am meisten blockiert: das schlechte gewissen, vollkommen egoistisch im glück anderer mensch herumzustochern und sich selbst in die mitte zu drängen… 😦

was soll ich tun?

ich kenne mich gut genug, um zu wissen, dass es nicht mehr lange dauert und das thema ist durch. ich mein, wir reden hier schon von mehr als einem halben jahr. ich bin emotional etwas langsam, ich weiss, aber was einmal abgeschlossen ist, bleibt es in 99,99% der fälle auch. und dann wäre es eben zu spät. ein zurück nicht möglich. nur ein bitterer nachgeschmack der bleibt…

hab ich da noch ein passendes liedchen? ich hab (und ich bin natürlich der verrückte dharmendra):

fertig
anya

ps: der folgende smiley ist nur für meine schwester! (ein dankeschööön)