dubai airport

…die größte shoppingmall östlich magdeburg – city carré’s!!

ich hatte dort dieses mal gute 4 stunden aufenthalt auf meiner rückreise aus einem unglaublich schönen deutschlandurlaub. wetter egal. fußballergebnisse egal. alles schön dort.
(zumindest vorübergehend)

hamburg hats mir bei abreise nochmal so richtig schwer gemacht: es schien sogar die sonne!!!

und dann laaanger flug gen osten.
nach 5 1/2 stunden stop in dubai und umsteigen.

gehört hatte ich schon viel über diesen flughafen und irgendwie ist er auch verzaubernd. vielleicht liegt das am reisefieber oder dem stundenlangen sitzen, aber sehr dankbar und freudig erregt wanderte ich durch die ladenzeile. und wanderte. und wanderte. zwischendurch kann man komplett vergessen, dass man eigentlich zum weiterfliegen hergekommen ist und ich bin sicher, der eine oder andere passagier hat über den einen oder anderen shoppingrausch schon seinen flieger verpasst.

am dubai airport gibts alles. sogar flashmob

mir war das auch alles ein bisschen zuviel und nach dem ausgiebigen urlaub hätte ich mir sowieso gerade kein swarowski gehänge leisten können, also habe ich mir eine mehr oder weniger ruhige ecke gesucht und gelesen (neue entdeckung: brand eins magazin) und gechillt.
und was ich eigentlich eh am liebsten mache: leute beobachten.

nach einiger zeit fällt mir ein eher dörflich gekleideter älterer araber auf, der etwas hektisch durch die halle läuft. Er hatte eines dieser tücher in rot um den kopf gewickelt (lese gerade, dass heisst Kufiya, wieder was gelernt!) und ein eher vor drei tagen sauber gewesenes tuch um die hüften.
was suchte er?
ihm folgte eine ältere frau. das konnte man allerdings nur am gang am stock erkennen, denn von körper und gesicht war dank ganzkörperverschleierung im modischen grau null zu sehen. nichtmal ihre augen waren frei. keine ahnung, wie man sich so nicht ständig verläuft. zumal mit einem hektisch von rechts nach links rennenden gefährten.
der mann hielt nach ein paar minuten einen der vorbeirollenden wagen an (den kann man sich als gefährt mieten und durch die ladenzone auch rollend flanieren) und frug nach. man kann ja hier auch nicht ewig herumirren.
und irgendwie hatte ich es geahnt. so dringend kann nur eines sein….beten!
das hat mich eigentlich gewundert, da es am dubai airport NATÜRLICH prayer rooms gibt.
die matte unter seinem arm war aber eindeutig.
dann stellte er seine frau/mutter/schwester in der ecke ab hinter einem gläsernen fahrstuhl und vor der smoking launch (was ich wiederum als sehr ironisch empfand) und rollte ihr den teppich aus.
und er?
er rannte davon.
häh?

die alte kniete sich also nieder, um zu beten. mit dem gesicht zur wand. ich vermute, die himmelsrichtung haben sie sich erfragt. den stock lehnte sie an die seite und ließ sich nicht stören.
hut ab! es war einiges los in dieser donnerstag nacht.

nach ca. 15min war sie fertig, stand auf, nahm ihren stock und ging langsam richtung gate.
den mann habe ich nicht gesehen.

ich weiß, dass männer und frauen nicht zusammen beten, frage mich doch aber ernsthaft, ob es im prayer room nur platz für die männer gibt? muss sich diese arme, eh schon wie ein seidener kartoffelsack gekleidete frau allen ernstes für ihr gespräch mit gott hinter einen fahrstuhl kauern?

was habe ich hier übersehen?

a.

Advertisements

what a life we’re living

auf der bandra station tummeln sich verschiedenste bettler. morgens andere als abends. meistens muslime, ein muslimischer slum ist gleich angedockt und expandiert gerade wieder.

am anfang kam es mir vor wie ein sammelsorium an grausamkeiten, wie ein gruselkabinett. die verstümmelungen und das ausmaß an elend, was sich dort versammelt, ist für das europäische auge ein schock. man guckt lieber weg. kann es trotzdem nicht und muss doch irgendwie da durch. jeden morgen.

stück für stück habe ich mich daran „gewöhnt“, kenne die einzelnen alten blinden männer inzwischen gut und ihr stetig brummendes „allaaah“. sehe immernoch bewusst bei den frauen weg, die kleine schmutzige babys in den armen halten und bin immer wieder erstaunt, in welchem ausmaß der menschliche körper deformiert werden kann.

einzelne „fälle“ wie folgender verarbeitet man aber wohl nie:

ziemlich zentral inmitten der stetig rauschenden menschenmenge liegt gelegentlich ein kind, ein mädchen. als ich sie das erste mal bemerkte, hatte ich für die stunde danach einen kloß im hals, denn dieses mädchen besteht eigentlich fast nur aus einem rumpf, der die größe einer 4jährigen hat, geschätzt.
mein erster gedanke war: contergan! denn die arme und beine sind im ansatz schon vorhanden.
seltsam babylike  wackelte sie mit dem unterleib hin und her, der in eine art windel gewickelt war.
keine mutter weit und breit.

viele male traute ich mich nicht richtig hinzusehen, erhaschte im vorübergehen einen kurzen blick auf das mädchen.

immer lag sie dort allein

immer wackelte sie mit ihrem unterleib

manchmal hatte sie eine babykappe auf, aber nach und nach konnte ich erahnen, dass sie durchaus kein baby mehr ist.

um so öfter ich einen kurzen blick in das gesicht des mädchens warf, wurde mir stück für stück bewusst, dass es kein mädchen ist….
sicher auch noch keine frau, aber wohl deutlich älter als 3 oder 4 jahre.

nun fingen die gedanken an zu wandern.

jemand muss sie dort regelmäßig ablegen, allein schaffst sie das wohl kaum. ist dieser jemanden auch verantwortlich für ihr erscheinungsbild als kleinkind? sicher, ein baby erregt mehr mitleid.
was für ein leben lebt sie und ist ihr bewusst, wie sie dort präsentiert wird? ist es ihr egal? ist das eben die art, wie sie ihr geld verdient oder doch wesentlich mehr?

ich sehe sie jetzt nicht mehr als eine der vielen armen kreaturen in dieser stadt, sie ist…ja, ein mensch, eine person geworden. ich nehme an ihrem leben keinen anteil, aber sie hat ein gesicht.

was für ein seltsames leben wir leben.


abenteuer mumbai – surviving in the wild wild civilization (2)

akt zwei: the mess with the maid

eine soap. wirklich. mein leben ist eine never ending soap opera a la gzsz. nicht besonders attraktiv, aber irgendwie catchy. (vorausgesetzt, dass die serie, seit ich sie das letzte mal gesehen habe, nicht noch wesentlich übler geworden ist)
zur untermalung dieser vagen these und zur allgemeinen unterhalt also nun folgende episode (ein mehrteiler for sure).

nach meiner abreise aus mumbai ende letztes jahres hatte es einen wechsel der putzmaid gegeben. anlass war ein erfreulicher. die aktuelle maid (jaya) war erneut schwanger geworden. sie hatte es bisher nicht geschafft, ihrem ehemann nachwuchs zu schenken und schon eine fehlgeburt hinter sich. der druck in der familie muss wohl ein stetig wachsender sein.
als ich also wieder kam im juli hatten wir eine ersatzmaid, die sich aber nicht lang hielt. sehr unzuverlässig. dann kam im august laxmi ins haus.
ihre integration in den haushalt verlief dann ganz nach dem bewerten muster:
1. woche: super ambitious. sie ist ist pünktlich, sie putzt alles ordentlich, sie putzt ALLES (was man ihr aufgetragen hat) und sie schlunzt nich rum
2. woche: still ok
in dieser phase neige ich immer etwas zu euphorie ob der tatsache, dass da jemand seinen job anständig macht.
interessant wird es dann immer so ab der 3, 4 woche. auch in diesem fall ließ die qualität der zu erledigenden arbeit stetig zu wünschen übrig und besonders am wochenende wurden vereinbarte putzzeiten gerne weitreichend ignoriert. das ist also die phase, in der man herausfinden muss, ob die maid passt, während sie versucht herauszufinden, was sie sich herausnehmen kann. oft werden einem arbeitgeber am anfang versprechungen gemacht, die aufgrund anderer verpflichtungen eigentlich nicht zu halten sind, aber gut…
ich hasse diese phase und mache mir gern das leben damit schwer, dass ich weiterhin darauf beharre, dass man VOR antritt des jobs die konditionen bespricht und sie dann NACHER auch einhält! hier gilt aber auf unterschiedlichsten stufen: ich fang erstmal an und dann gucken wir mal, wieviel du zahlst. oder was ich tun werde. argh. gelegentlich nehmen so leute jobs an, die sie eigentlich gar nicht bereit sind zu tun….herrje, was für einige zeit und energieverschwendung!

während also unsere laxmi an glanz verlor, tauchte die ex auf, jaya. leider hat sie auch dieses baby durch eine fehlgeburt verloren und musst nun den „schaden“ durch wiederaufnehmen der arbeit gut machen. sie klingelte eines tages an der tür, zu aller überraschung und fragte nach, ob sie denn nun ihren job zurück haben könne.
da von einer reinen vorrübergehenden ersatztätigkeit nach so vielen wochen, monaten nicht mehr die rede sein konnte, wurde entschieden, dass wir erst einmal laxmi behalten wollten und die beiden das unter sich ausmachen sollten. in der absicht, sich aus dem problem herauszuhalten, stolperten wir so erst richtig hinein. und was nun folgte kann man nur noch als zickenkrieg bezeichnen. ein stiller zickenkrieg. denn wir bekamen die auswirkungen zwar direkt zu spüren (so hörte laxmi einfach auf, zur arbeit zu kommen), aber was zwischen den beiden gesprochen wurde, bekamen wir nur über dritte zu hören.
es hieß zuerst, dass jaya nun laxmi aufgesucht hätte, um ihr mitzuteilen, dass sie nun wieder für uns arbeiten werde und laxmi nicht länger zu kommen brauche. ich weiß nicht, wie der ton zur musik war, aber tatsache ist, dass laxmi (arme arme laxmi) zu eingeschüchtert war, um sich die nächsten tage bei uns blicken zu lassen. auf nachfragende anrufe reagierte sie mit lügen (ich bin krank) oder legte einfach auf und wurde erwischt (unten auf der treppe wartend). bei ihrem nächsten erscheinen sagten wir ihr dann, dass wir sie nicht feuern würden. das war ihre ausrede, warum sie nicht gekommen war. klasse idee, sie vor der kündigung zu drücken, in dem man nicht zu arbeit kommt oder?
in nächsten schrittauf dem weg zum maniacity war nun also jaya die böse, die durch fehlgeburt und druck der bösen gesellschaft zur erpresserischen bestie aufgestiegen war bis…..nunja, bis wir von einer weiteren maid erfuhren, was sich WIRKLICH zugetragen hatte. ja, jaya hätte mit laxmi gesprochen, letztere aber reagiert mit der bemerkung: ja, sie wollte eh aufhören, ist ihr zu nervig, aber sie will noch bis diwali bleiben und die premie abfassen, danach könne jaya den job zurück bekommen.

man KÖNNTE nun vermuten, das einfach beiden viel an ihrem job gelegen sei, nicht wahr? was tat also laxmi in den nächsten tagen und wochen? man konnte ihr von nun an dabei zu sehen, wie ihr arbeit jeden tag schlechter wurde. ab und zu kam sie einfach gar nicht (krank). am wochenende kam sie unangekündigt jedes mal einfach eine stunde später bis mir letztes wochenende, als sie dann endlich um 4.15pm klingelte, der kragen platzte.
ich ging also zu meiner mitbewohnerin, die demnächst auszieht und die die letzte entscheidung also mir überlässt, um sie zu bitten, laxmi am darauf folgenden tag eine letzte warnung zu geben. entweder sie macht den verdammten job oder eben nicht.
am nächsten morgen um halb acht wurde ich also geweckt durch schimpfgeschrei von zwei weiblichen stimmen. dieses mal mit meiner zustimmung. dem bericht hinterher war nicht viel zu entnehmen, denn natürlich redete sich die maid mit diversen ausreden aus der affäre. ist ja alles nicht wahr! nänänäää…
ich hab da schon echt die schnauze voll.
der ganz kinderscheiß.
ich fluche täglich in mich hinein, wenn ich die fr**** von dieser ***** schon sehe….

und um das ganze zu krönen, hörten wir heute noch von einer vierten involvierten maid, dass jaya gegenüber laxmi nocheinmal deutlich gemacht hat, dass sie dann am nächsten monat dort wieder arbeitet. a la: dann ziehst du aber mal fix leine schwester, alles klar?

ich glaub ich zieh die leine sehr bald, die reißleine.

mädels, der geduldsfaden der weißen frau ist abgebrannt. so watch it!!

to be continued…

anya

ich bin wirklich kein großer fan der 80er, aber in einem punkt fehlen sie mir gewaltig. diese geschichten erzählenden musikvideos…seufz. gone.


subliminal sexual harassment

Eigentlich jede frau, die ich hier zu diesem thema bisher befragt habe, konnte etwas dazu sagen.  Sie alle haben ihre erfahrungen gemacht und die reaktionen schockieren mich immer immer noch. Sie reichen von einem schulterzucken, dem ratschlag, es einfach „zu ignorieren“ über mitleidsbekundungen bis zu eigenen berichten, die einem den atem stocken lassen.
kaum eine (fällt mir überhaupt eine ein ) hat sich gegen sexuelle belästigung offensiv gewehrt.

Jeder dieser berichte hätte mich, wäre mir oder selbst eine freundin ähnliches in dtl zugestoßen, dazu gebracht, den vorfall zu melden. Der polizei oder so denn am arbeitsplatz geschehen, der gleichstellungsbeauftragten. Es gibt ansprechbare orte und menschen für so etwas und sie werden genutzt. Ich hätte nicht gezweifelt. Durchaus bin ich auch in der lage, mich in kleineren fällen selbst zu verteidigen. Es war bis jetzt nicht nötig. Die mutmaßungen, warum, liegen an anderer stelle begraben.

Hier allerdings gehören die kleinen fälle zur tagesordnung. Man nimmt sie kaum noch wahr nach ein paar monaten hier und ich möchte wirklich nicht als emanze mit hang zu verallgemeinerung gelten, aber trotzdem heute mit der faust auf den tisch hauen. es reicht nämlich. ich habe wochen kleine portiönchen aggression geschluckt und nun platze ich.

Warum? Warum muss ich mir so viele kleine bemerkungen und blicke gefallen lassen, die ich unangebracht, belästigend und als degradierend empfinde? Und warum ist die allseits bekannte opferrolle im kleinen, nämlich in der ignoranz solcher attacken hier omnipräsent?

Ich habe dazu ein schönes beispiel.
ein namenloser fotograf hat sich an meinem arbeitsplatz für einen auftrag beworben. Ich bekomme oft solche emails. Manchmal kann man vermitteln, manchmal muss man höflich ablehnen. Das gehört dazu. Wir brauchten tatsächlich bald die hilfe eines fotografen, um eine veranstaltung zu dokumentieren. Also nahm ich kontakt auf und vermittelte.
einwerfen muss man, dass hier sehr viel und sehr hartnäckig für dinge, projekte, aufträge, job etc „geworben“ wird. Früher musste ich immer schmunzeln, wenn srk wiedereinmal in unerträglich übertriebender manier der liebe seines lebens hinterher jagte, um ihr in aller penetranz verständlich zu machen, dass sie füreinander bestimmt seien. Mir war damals nicht klar, dass diese penetranz oder nennen wir es freundlicher „hartnäckigkeit“ auch für andere lebensbereiche üblich ist.
ich nehme also lebenslauf und arbeitsbeispiele auf und bitte ihn, sich etwas zu gedulden, denn das projekt näme gerade erst formen an. In mehreren mails bittet besagter junger fotograf nun um einen termin mit der chefetage. Ich versuche ihm verständlich zu machen, dass es dafür zu früh sei. Er wartete eine woche und schrieb dann wieder.
auf der einen seite ist solche hartnäckigkeit ja lobenswert. Der junge bleibt dran. Auf der anderen seite können solche mails, von denen man, wie gesagt, auch nicht nur eine am tag bekommt, auch sehr lästig sein. Ich versuche also freundlich zu sein, aber distanziert.
Have patience, man!

Letzte woche nun traf wieder eine mail ein. Lang und ausführlich wurde unsere arbeit gelobt (es ist hier üblich und selbst ich benutze inzwischen floskeln, die mir in dtl extremst peinlich wären) und wieder auf ein treffen gedrängt. Bückling bückling. (das diese art des aufdrängens bei deutschen oft das gegenteil bewirkt, kommt als information da leider nie durch) und am ende….nun am ende folgte dies:

  One last thing, I hope you do not mind, but you have a beautiful name. I wanted to tell you this the first time you mailed me but then I decided to wait. Now, I’m thinking, why wait to say something nice! Beauty should be appreciated in all forms, I believe. In case I’ve crossed a line, I apologize.

dem deutschen leser stellt sich jetzt wahrscheinlich ein großes fragezeichen ein. ich warte beim ersten lesen noch auf einen zwinkersmiley, hielt ich es doch für einen scherz.
dann bat ich, meine kollegin, die mail zu lesen und sie riet mir, dass übliche zu tun: ignorieren.

Ein bisschen kontext hierzu: erstens hat er mit dieser bemerkung eindeutig eine hierarchie durchbrochen, die hier meistens nicht so offensichtlich für ausländer, aber doch sehr strikt vorhanden ist. Zweitens stößt mir die frage auf, ob er tatsächlich glaubt, sich damit jobtechnisch in eine bessere position zu bringen und drittens, ja,  fühle mich in eine ecke gedrängt. nachdem ich gleich am anfang meiner indienzeit für einige wochen einen stalker vor meinem arbeitsplatz hatte (einen idiotischen künstler, mit dem ich einmal bei einer veranstaltung ein paar worte-offensichtlich zu viele-gewechselt hatte und der nun „zufällig“ in der gegend war) und letztes jahr von einem mann nach hause verfolgt wurde, der dann mit offener hose und einem gesichtsausdruck der mich noch lange verfolgen wird vor meiner wohnungstür stand, frage ich mich doch, was das soll.

Ich möchte mich wehren, um mich sicherer zu fühlen, werde mit meiner unsicherheit aber stets allein gelassen. Nicht, dass ich damit tatsächlich allein wäre oder mich de facto unsicher fühlte, aber doch scheint hier niemand das gefühl zu haben, dass dies einen lauten schrei wert wäre.
das es ok ist, mich auf  dieweiblichkeit zu reduzieren (hätte er einem mann wohl das gleiche kompliment gemacht? i don’t think so)…oh, nicht zu vergessen, the white skin. Ich weiß, dass nicht jeder inder mich so sieht, aber genau so fühle ich mich, wenn ich so eine mail bekomme. Degradiert zu einem stück fleisch, das nicht einmal wütend darüber sein darf. Und schon bin ich wieder dabei mich dafür zu entschuldigen, dass ich belästigt werde…. Welcome to the past.
eine stunde später hat er dan noch angerufen. ich habe mich verleugnen lassen. und die bemerkung dann ignortiert.

ich versuche, es mit humor zu nehmen. mich nicht zu etwas machen zu lassen, dass ich nicht bin: ein opfer.

deshalb etwas ironisch zum abschluss ein lied meiner allzeit lieblingsband: die ärzte!

ps: hab ich schon von der mail erzählt, in der ein mann mir schrieb, dass es ihm leid täte, dass er sich jetzt erst melde. wir hätten uns vor ein paar wochen im zug nach bandra kennengelernt und doch so interessant miteinander geredet. er habe mich nun über unsere webseite ausfindig gemacht und würde ich freuen, wieder von mir zu hören.
ICH FAHRE IM FRAUENABTEIL NACH BANDRA PUNKT

 

 

 

 

 

 

 


Is this bitching really necessary? (=ey!?!)

Oder nicht einfach nur eine verschwendung von ressourcen?
Da bin ich also nun wieder. In der mitte von indien, in der mitte des molochs, in der mitte der weiblichen kampfzone!
ich bin nie jemand gewesen, der in konfliktsituationen auf konfrontation ging. Gut, ich KANN sehr direkt sein, aber das ist wohl etwas anderes. Werde ich frontal angegriffen, neige ich zum geordneten rückzug, der gelegentlich in unordnung gerät. weil ich feige bin? Nein, weil ich im großen und ganzen als harmonischer mensch bin und ganz besonders zu hause auch einfach meine ruhe haben will. Zu hause auch noch kämpfen? Ist der kampf auf den straßen, in den büro’s nicht hart genug? Ist es zuviel verlangt, in den eigenen vier wänden verschont zu bleiben und kann man nicht solcherlei probleme (kleinigkeiten) nicht auch zivilisiert besprechen?
die antwort ist einfach und lautet: nein.
nach mittlerweile mehr als 10 jahren in wgs, in denen ich wahrhaftig einiges erlebt habe (höhepunkt war eine anzeige wegen verletzung der privatsphäre von einem mann, den ich auf 3 metern entfernung riechen konnte…laaange geschichte), steht für mich eigentlich schon länger fest, dass ich allein wohnen möchte, muss, will. Die einzige person auf dieser welt, mit der ich im moment bereit wäre, mein leben (sprich wohnung) zu teilen, ist meine schwester. (nun gut, vielleicht würde ich vorübergehend bei george clooney auch eine ausnahme machen, aber nur, wenn er die espressomaschine mitbringt! )
leider lässt sich das hier nicht verwirklichen. Auch verschiedenen gründen. Der größte und wie immer entscheidende faktor ist das verdammte geld! In mumbai eine wohnung zu mieten ist scheiße-teuer. Und ich meine: SCHEISSE teuer! Nachdem mein visum bereits daran gescheitert ist, dass ich nicht genug geld verdiene kann man sich vielleicht ausmalen, dass ich hier nicht im goldenen gral schwimme…
außerdem gibt es bei einer wohnung auch eine unmenge an papierkram und dinge zu beachten, die mich die nächsten monate busy keepen würde…keine lust dazu (und ehrlich auch keine nerven, so schon genug papierkram an der backe). Multipliziere man nun mit der tatsache, dass man ja als foreigner auch immer noch einen „sonderstatus“ hat….klar, ne?

Es war also bis jetzt einfach immer günstiger in wgs zu wohnen, die es zusehends auch gibt. sie wachsen nicht wie champingons zur erntezeit aus dem boden, aber es gibt sie.
ich dachte also, ich bin durch mit dem thema. Dachte…!
schon im letzten beitrag konnte man vielleicht etwas …unmut..über die aktuelle situation herauslesen. Dieser hat sich wie ein ekelhafter fusspilz (was hab ich denn heute mit pilzen?) weiter ausgebreitet und ich habe mittlerweile das gefühl, dass ich in diesem haushalt für jeden quadratmillimeter freiheit kämpfen muss. Ständig werde ich angefahren, dass meine nasse kurta zu dicht an einen pinken bra hänge oder einen gürtel unsachgemäß auf dem fussboden hinterlassen habe….
und dieser ton erst…..
und ehrlich, ich bin drauf und dran zu platzen. Aber tue ich das?
und ich bin wirklich niemand, der anderen menschen ihre macken nicht lässt, habe ich doch selbst genug, aber irgendwann reichts! Inzwischen weiß ich schon nicht mehr, ob mich diese aneinanderreihung von dämlichen anweisungen allein nervt oder ob es an dem ton liegt.
Nun ist das hier aber ein raubtierkäfig der besonderen art und mir ist auch nicht neu, dass man sich in dieser stadt durchsetzen muss oder man wird verschluckt von ihr. Und ich lerne dazu, wirklich! Ich lerne das zu tun, was ich schon immer verabscheut habe. Toll nicht!?
aber zu hause, zu hause will ich meine ruhe!! Und das ohne eine jungen nordindern jeden zweiten tag klar machen zu müssen, dass sie sich gefälligst am riemen reißen und mich in ruhe lassen soll mit ihrem gekeife!

Fazit: ich will nicht allein wohnen, aber ich muss mein eigenes recht behaupten und das sagt: leave me the hell alone!

hier kommt ein dampfablassvideo, was thematisch woanders hin geht, aber doch auch irgendwie passt. so vom flow her. 😉

anya


LOVEnHATE (von der ambivalenz im sozialen exil)

in den letzten tagen wurde ich gleich mehrmals (sowohl von indischer wie auch deutscher seite) gefragt, wie mir mein leben in dieser stadt gefällt. how do you like it?
im allgemeinen schwingt in dieser frage ein leicht euphorischer unterton mit a la „isn’t it great“ (geil wa?) und ich, umso länger ich hier verweile, brauche immer länger, um eine antwort darauf zu finden.
meistens bleibt es bei dem stereotyp von „naja, du weisst ja, man kann Mumbai nicht lieben oder hassen. es ist immer beides.“
aber selbst das passt irgendwie nicht mehr so recht. da finde ich mich also wieder, gestern, am telefon mit einer langjährigen freundin, mit der ich seit meinem fernbleiben nicht besonders viel kontakt habe. (was aber nicht schlimm ist, ich denke oft an sie und sie bestimmt auch an mich! 🙂 ) natürlich freut sie sich meine stimme zu hören, die aus gleichem grund sehr fröhlich klingt. sie fragt, wie es geht. wie es mir geht-eine frage, die auf meiner hass-floskel-liste ganz ganz oben steht und nur bei einigen wenigen leuten mit einer ehrlichen antwort bedacht wird. bei ihr zum beispiel. und tatsächlich antworte ich mit: es geht mir ganz gut, ja. ich gucke von außen auf mich und wundere mich über meine antwort. ich bin nicht sicher, ob das stimmt.
das alltägliche leben in dieser stadt wird gegen aller erwartungen nicht einfacher, will einfach nicht einfacher werden!

mumbai hat sich in den letzten monaten zu einer vertrauten geliebten entwickelt, die in einer klammernden umarmung in mein ohr flüstert: du bist ein nichts hier, ein niemand.

dank inzwischen allbekannten medien halte ich meinen kontakt nach deutschland den umständen entsprechend ganz gut und pflege ihn täglich.
und gerade in den letzten wochen ist mir wieder sehr sehr deutlich vor augen, was ich an meinem leben hier habe und was eben nicht.
ganz klar zieht sich eine linie zwischen beruf und privatleben. ersteres kann und will ich mir in deutschland momentan so überhaupt nicht vorstellen und letzteres hier ist ganz oft einfach nur eine farce.
ja, nein, ja….es gibt soziale kontakte die gut funktionieren, aber das alltägliche dasein ist und bleibt anstrengend.
ich gewöhne mich nicht an gewisse dinge und hatte es insgeheim doch gehofft. dreck und schmutz-ja. wasserregulierung-ja. lärm-bedingt ja.
aber jeden, JEDEN morgen, wenn ich mich durch die arschlangsamen massen an der station bandra drängele (genauso in der stinkigsten unterführung der ganzen welt an der churchgate station) verspüre ich diese sehr explosive mischung aus furcht, ekel, aggression und einfach nur genervtheit. ich gebe mir mühe, mich auf das positive zu konzentrieren, dass auch da ist: der bunte sari der frau vor mir, die dumme ziege links oder ein papierdrachen der über den dächern fliegt. all das ist auch schön, ja.
was aber so stark wie der kackegeruch an diese ecke alles überdeckt, was an schönheit da sein könnte sind die sich am sack kratzenen, vulgären männerMASSEN und die schrillen, zickigen alten damen. es stört mich nichtmal, dass ich schwitze. während ich an der platform auf meinen zug warte. es ist nicht angenehm, gut, aber ich packe das. wa sich nicht packe, ist der zug, der am gegenüberliegenden gleis hält: voll voller localtrain! der bleibt stehen und geschätzte hundert augenpaare gieren hinüber. das wird und wird nicht einfacher zu ignorieren. im gegenteil. ich war schon zweimal kurz davor einem 1,65mann, der neben mir an der ampel im abstand von 1meter an mir herunterblickt in die eier zu treten oder ihn zumindest anzuspucken.
ein zeichen von absoluter hilflosigkeit, oder? allein mein stolz, mir diese blöße zu geben, hält mich zurück.

sitze ich dann im zug der ersten klasse für damen (die inzwischen mich und ich sie kenne), habe meine musik im ohr eingestöpselt und spüre den warmen (auch etwas miefigen) wind in den verschwitzten haaren und düse gen süden habe ich das gefühl, angekommen zu sein. auf dem richtigen weg.
das ist unheimlich gut. das würde ich nie gegen mein leben vor einem jahr eintauschen. gegen fließend warmes wasser, gegen ruhe und spaziergänge im park….na gut, letzteres war ein schweres opfer.

die frage lautet also: ab wieviel prozent „wohlgefühl“ kann man von „happy“ sprechen und wie stark ist beruf gegen privates abzuwiegen?

denn eine hoffnung nimmt langsam und grausam ihren abschied: dass ich hier sein kann, wie ich will. als frau und mensch.
und zumindest damit hatte ich in deutschland nie probleme.
(ich behaupte nicht, dass es dort keinen mainstream gibt, aber das reine existieren als individuum, zumal als weibliches, ist dort wesentlich WESENTLICH einfacher)

anya


die holde weiblichkeit

prolog: dieser artikel ist nun einige tage alt und mit dem abstand sehe ich auch die notwendigkeit einer kurzen vorbemerkung.
das hier ist ein plakativer und sehr pauschalisierender artikel. ich werde das nicht ändern und mich dafür auch nicht entschuldigen. das dies nicht meine generelle sicht zu indien widerspiegelt, wissen alle, die mit mir zu tun haben.
trotzdem(!) war dieser „auswurf“ notwendig.
um hier mit den griechen zu argumentieren (die liegen ja sozusagen in der mitte zwischen dtl und indien): durch abstoßung/ausgrenzung des fremden anderen findet die gruppe zu sich selbst. bei mir scheint es fast anders herum zu sein, vielleicht bin ich dabei ja der ausgestoßene und „friere in der Ausstoßung, krümme mich“…soviel intellekt. jetzt bauchwut.
..

fragt man drei gemeine (im sinne von allgemein) inder auf der straße nach dem weg, wird man drei verschiedene antworten erhalten. wahrscheinlich sind alle drei gleich falsch.
es ist eine kunst, die immerwieder gefordert wird, eine philosophie für sich, herauszufiltern, ob mein gegenüber den weg wirklich weiß (was in ca 10 von 100 fällen so sein mag), einfach nur freundlich sein will (lüge1), mich falsch verstanden hat (lüge2) oder gern die weiße tante verarschen will (lüge3). man muß ehrlicher weise gestehen, dass lüge1 am häufigsten vor kommt. inder können einfach schlecht „keine ahnung“ sagen.  nein, das stimmt so nicht. gehe in ein office deiner wahl, in ein büro mit einem ANLIEGEN und jeder wird dir sagen: malum nahin madaam, I’m soooo sorriiii. ja blabla!

als ich auf der suche nach einer neuen bleibe in mumbai war und glücklicherweise gleich beim ersten versuch in einer netten bleibe einkehrte, hatte ich kein gutes gefühl. auf der großen straße war kaum verkehr! ich hätte in normaler zimmerlaustärke sprechen können!! ab und zu ein armes tröt trööt, das wars. nicht mal familien schliefen auf der straße, kein altweiber und kindergeschrei-nüscht!
(schon wenige tage nach meiner ersten ankunft in mumbai lehrte ein weiser mann mich folgende regel: gehe immer dahin, wo die menschenmassen sind. die erste tage machte es keinen sinn, da sich überall schon tausende menschen aufzuhalten schienen, aber nach und nach erkannte ich den tiefklaren schwarzen hintergrund dieser regeln und folge ihr seit dem)
also tat ich das, was jeder „wer wird milionär“-kandidat als erstes tun würde: ich habe das publikum gefragt.
ich frug freunde und kollegen, flüchtige bekannte, zugereiste und einheimische, ängstliche und furchtlose mitmenschen. alle und ich meine hier ALLE sagten mir folgendes: very safe, very nice living area (sehr sicher, sehr schön zum wohnen). ich hab das so oft gehört, dass ich schon fast anfing an das gelegenteil zu glauben…

und nun ratet was passiert?

any idea?

um die für eine frau furchtbarste aller situationen kurz zu machen: ein perverser hat an meine tür geklingelt. mit offener hose. und dem gesichtsausdruck eines idioten, der doch tatsächlich zu glauben scheint, ich würde einen blick auf sein gemächt werfen und dann sagen: ja klar, komm doch rein!!! (ich muss ein anderes mal über die gewaltphantasien schreiben, die mich nur in indien befallen und manchmal so stark und spezifisch sind, dass….ich diesen satz mal offen lasse)
ich bezweifle, dass dieser bastard jemals ein wort mit einer weißen frau gewechselt hat. er kennt sie aus filmen und vielleicht vom colaba causway, wo die goa touristinnen mit bikinioberteil und batikrock lachend durch die straße laufen…
das mag alles lustig verdreht klingen, ist es aber nicht. frauen wie ich sind es nämlich, vor deren wohnungstür so ein arschloch dann steht und deren lebensalltag einfach mal zertrampelt wird. die, nachdem sie die wohnungstür schneller zudrücken konnten, als der affe draußen hineintreten konnte, zitternd auf dem sofa sitzen mit einer schere in der hand.

die konsequenzen, die sich aus solch einer situation ergeben, werde ich hier nicht aufzeigen. alles sehr chaotisch und sehr diffus. es besteht nicht einmal einigkeit darin, ob ich zur polizei gehen soll oder nicht. klasse! da fühl ich mich doch total wohl hier!!

aber um zum ursprung zurück zu kehren… NUN bekomme ich von allen seiten eigentlich nur einen kanon: du musst dringend umziehen! das ist gar keine sichere gegend. zuviel muslime, slumbewohner, männer…menschen.
schon klar.

so, und um meine aktuelle stimmung komplett zu beschreiben, muss ich noch erwähnen, dass ich am wochenende (ja, ich versuchte, mich vom schock zu erholen und ging mit ein paar freunden meiner nunmehr ebenfalls traumatisierten mitbewohnerin aus. skandalös!) auch noch mit der hitler-diskussion traktiert wurde und wirklich kurz davor war….
das das hier ein vollkommen anderes ding ist als in europa wurde schon an anderer stelle mehrmals beschrieben. (z.B.) nicht nur, scheinen inder einfach nicht zu wissen, was da passiert ist, es scheint ihnen auch vollkommen wurscht zu sein, dass sie da in emotional aufgeladener politik fremder völker herumstochern. (anbei: ich suche immernoch nach einem equivalenten beispiel zur demonstration dieses vorgangs für inder. im sinne von. stell dir vor, ich würde witze machen über… wer böte sich an: gandhi? hier in mumbai warscheinlich shivaji? bitte um vorschläge) es frug mich also ein leicht angetrunkener mittzwanziger, was ich denn so von hitler halten würde. natürlich sage ich: das ist das nicht diskutieren werde. freund schräg vor uns im auto: ey, dude. ich wurde am SELBEN tag geboren wie hitler…
idiot neben mir: heil hitler! ne, sag mal anja, wie findsten den?

ich verspreche euch, alles wird gut. ganz bestimmt. ich rechne mit mindestens einem lottogewinn und drei heiratsanträgen.
es darf mir nur in den nächsten tagen keiner doof kommen auf der straße. oder, und darin besteht gerade die challenge, ich darf die dummheit und/oder perversion der leute um mich herum nicht wahrnehmen. denn sie ist da, sie wird immer da sein.

drückt mir die daumen!

anya

ps:
ich übe mich also in meiner stärkste waffe: humor! (auch wenn er momentan sehr sehr schwarz ist)
variante1

variante2