boooooring!

Mir ist langweilig.

Ja gut, Leben und so, Job, Nervereien mit der Chefetage, Steuererklärung und überhaupt Wetter und so blablabla.

Laaaaangweilig.

Hat denn Niemand was interessantes zu sagen?
Gibts denn Niemanden hier mit Problemen, die es zu lösen gilt?
Selbst die Menschen um mich herum, die wirklich in einer kniffligen Situation sind, scheinen mir selbstgewählt dort und nicht wirklich in Gefahr, wenn es ihnen nur gelingen würde, den allseits populären „Schritt zurück“ zu machen und sich einmal zu fragen, warum sie sich nicht einfach anders entscheiden. Denn das kann man hier in Deutschland, ja! Man hat eine Wahl und zwar nicht zu knapp!

Ich war also gestern auf einer Party mit wirklich netten und auch nicht unintelligenten Menschen.
Ich hätte Lust auf ein Gespräch gehabt, gern auch mit Alkohol. Eines von denen, die in langen Kreisen gehen und eigentlich auch irgendwie anstrengend und verstörend sind. Eine Auseinandersetzung eben auf verbaler Ebene. Stattdessen? Zuviel Bier und das übliche Peergroupverhalten.
Trink trink, lach lach, Wortspiel, haha hihi, trink, stolper stolper.  Die einzige annehmbare Ansprache widerfährt mir als ich den Weg zurück nach Hause finde durch den samstäglich-abendlichen Großstadtverkehr und mein Kater mich an der Tür begrüßt. Endlich Jemand mit ehrlich gemeinter Dringlichkeit!

Warum diese Belanglosigkeit und ich schon wieder mittendrin?
Hat michs jetzt wieder gepackt vielleicht?
Denn einer der Gründe, warum ich auch weg gewesen bin von hier war ja genau die Suche nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit irgendwas, mit irgendwem. Eine Dringlichkeit, die hier irgendwie zwischen dem letzten I(!)-Gadget und Bio-Markt Terrorismus verschwindet.

Vielleicht ist auch einfach Frühling.
Kräfte wachsen, restoration completed, in search for the next challenge

Denn auch wenn ich in Mumbai jede Menge Auseinandersetung mit allem hatte waren bei weitem nicht alle Gespräche gehaltvoll. Hah, nun wahrlich nicht! Waren die Begegnungen trotzdem im Querschnitt interessanter, weil es sich um Menschen aus der fremden Kultur handelte, dort wo die Gedankengänge einfach auch mal anders herum laufen?

Keine Ahnung, aber hier mangelt es extrem.
Gähn, abwink. Laaaangweilig.

the blues man, the blues…

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eek sal Germany me.

Seien wir ehrlich: zu Zeit ärgere ich mich hauptsächlich darüber, dass wenige Stunden, nachdem ich aufgestanden bin, die „Sonne“ schon wieder untergeht. So es denn überhaupt „hell“ geworden ist im januärlichen Norddeutschland.
So, it could be worse, oder?
Grundsätzlich ärgere ich mich also eigentlich nur darüber, dass ich mich schon wieder über den gleichen Mist wie früher gräme. Same old also?
Natürlicherweise hat das Heimatland nach ein paar Monaten Alltagsgeschehen wieder etwas an Glanz einbüßen müssen. Trotzdem: ich bin froh zurück gekommen zu sein und versuche mich auch täglich daran zu erinnern, warum das gut ist. Eigentlich sehr einfach: einatmen, ausatmen. 🙂

Trotzdem ist und kann der Blick nicht der gleiche sein wie vor 2007.
Ich werde immer wieder gefragt, wie genau sich der Blick auf Deutschland verändert, aber das lässt sich nun mal nicht in ein, zwei Sätzen erklären. Das will man auch nicht. Schon darin liegt ein großer Unterschied: diese ständige Selbstbetrachtung, uch! Ich selbst beachte an mir schon wieder rückfällig werdend die ständigen warum mache ich was wie und wie oft und überhaupt Fragerunden im Kopf? Ein eindeutig Zeichen von zu viel Zeit und Energie finde ich. Man möge mich nicht falsch verstehen. Ich möchte mir nicht täglich wieder Sorgen machen müssen, ob genug Wasser & Strom da ist, ich auf dem Heimweg angegrapscht werde oder mich der Rikshawfahrer bescheißen will… Ich vermisse aber diese Grundsätzlichkeit der Sorgen. Sie erscheinen mir wir richtige Sorgen, echte Probleme und dir hier eben nicht wie solche. Eher wie lästige Luxusproblemchen, denen man früher oder später doch wieder anheim fällt. Ich bin nun mal ein Mensch, der allgemein schon recht viel reflektiert, aber man sollte dann doch wenigstens ein bisschen Einfluss darauf haben können, worum sich der Kreisel dreht. 😉 (Bilde ich mir zumindest ein)

Ein Jahr ist also fast wie im Flug vergangen und ich glaube, es war ein gutes Jahr. Sich aus dem kompletten Chaos mit letzter Kraft gen Heimat schleppend, habe ich wieder etwas Halt unter den Füßen gefunden. Aufgetankt, auf jeden Fall. Blicke des Öfteren zurück und schüttle erstaunt den Kopf, lächle aber dabei.

Ja, Deutschland nervt ganz häufig und ist doch sehr belanglos, pingelig und überhaupt….aber eben auch gut sortiert, sauber und klar. Ich kann mich hier eben entfalten, wie ich möchte, aber tue ich das auch? Eine meiner größten Sorgen zwecks Rückkehr war ja, dass ich gleich wieder im täglichen Sumpf versinke, in alte Verhaltensmuster zurück falle und einfach extrem viel Energie auf nüscht verwende. Denn das ist schon enorm, wie viel Energie da auf einmal zu Tage kommt mit dem Hinterntritt aus Indien! Das habe ich auch sehr an den Reaktionen der Menschen um mich herum gemerkt. Ok, ja, ich bin schon generell ein sehr Energie geladener Mensch, aber nach 3 Jahren in Mumbai kam ich mir in den ersten Monaten nach Rückkehr schon selbst manchmal vor wie auf MDMA. Unheimlich glücklich und in full power!!
Das nutzt sich ab, leider. Ich hatte mir im Kopf also ein Jahr gegeben. Ein Jahr um wieder in die Mitte zu finden zwischen MolochManiacMumbai und DieMerkelMachtsLand. Nachdem das Jahr ist fast rum ist, habe ich mir noch die Achillessehne gerissen. Was auch zeigt, dass es nicht einfach ist, wieder das richtige Tempo zu finden… 😉
Aber ich klopf mir mal selbst auf die Schulter und behaupte, es ist ganz gut gelaufen für mich.
Und mir fehlt mein Mumbai mit allem Drum und Dran manchmal ganz schrecklich dolle, aber das ist auch in Ordnung so.:/

Nachdem ich an diesem Punkt eigentlich Schluss machen wollte, fällt mir noch ein Punkt ein, den ich hier mal zur Sprache bringen will und bei dem ich auf Feedback hoffe.
Thema „Freundschaften“. Nachdem ich in Mumbai ja lange damit zu kämpfen hatte neben allen anderen Anpassungsschwierigkeiten auch noch echt Freunde zu finden und es dann doch noch geschafft habe, scheißt mir die Ironie des Schicksals wieder mitten ins Gesicht und schickt mich heim. 6000 km entfernt von jenen Menschen.
Jetzt fängt wieder alles von vorn an und Ungeduld macht sich schnell breit. Ist dies nicht mein Heimatland und das soziale und gesellschaftliche Umfeld, in dem ich sofort Schwimmen sollte? Gut, neuer Job, neue Stadt erschweren es ein bisschen und wir sind nun auch nicht mehr 18 und hängen auf Partys rum. Trotzdem, ich finde es schwer. Sind die Deutschen da im Alter anders geworden oder ich? Oberflächlich ist es wirklich kein Problem nette Menschen um sich zu sammeln, wirklich nicht. Die Deutschen erscheinen mir viel warmherziger und offener als in der Erinnerung und im Vergleich zu den hitzigen Indern. Und trotzdem stoße ich an die Barriere. Und ärgere mich darüber, dass man so etwas eben nicht planen und strukturieren kann wie Wohnung und Job. Jaja, deutsch wie ich bin. 😉
Wie geht es anderen Rückkehrern damit? Das läge mir am und auf dem Herzen.
Ansonsten ist alles ganz in Ordnung zu glaube ich.

Theek hain.

Weiter so Anja!

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an dieser stelle lassen wir Shahrukh’s Augen und AR Rahman’s Stimme sprechen zum Thema „Heimat. Angeblich hat er den Song mal in einem Hotelzimmer geschrieben, als er auf Reisen war.


t plus 180

sechs monate zurück in deutschland (na gut, in einer woche)!!
vieles hat sich schon relativiert: ich laufe wieder auf der rechten (haha) seite des fußweges. ich freu mich nur noch einmal die woche ganz unvermittelt über die tolle klare frische luft. mir fällt erst auf, dass die deutschen fancy und schick sein müssen, wenn ich nicht-europäer sehe, die es nicht sind (nicht sein müssen).
die regnerischen tage setzen mir zwar noch nicht allzusehr zu (wir haben ja auch glück mit dem deutsche sommer dieses jahr!), aber die warmen sommertage genieße ich doch sehr bei stetig wachsender angst vor dem winter…
als größten entwicklungssprung nehme ich die freude durch die straßen zu laufen, egal wann, egal wo. die angst/beklemmung ist weg. 🙂

bin ich angekommen? klares „nein“. ich habe grundsätzlich das gefühl, vom einfinden so weit enfernt zu sein wie ein inder vom fkk.
es fällt extrem schwer, (s)einen platz zu finden. das lässt sich auch nicht wirklich herstellen mit geregeltem arbeitsleben und so. da fehlt einfach immer noch ein stück. ob das drüben im subkontinent geblieben ist oder auf dem weg zerbröselt, kann ich nicht sagen.

ein bisschen sorgen macht mir (unter anderem, die deutschen sorgen sich ja gern und da bin ich auch keine ausnahme) der wachsende abstand zu indien. jaa, gut, ich bin genau wegen diesem abstand zurück gekommen, aber nach den ersten wochen des notwendigen „abstand nehmens“ hätte ich doch mit mehr einbindung gerechnet. aber das ist eigentlich kaum der fall und ein urlaub für diesen winter im land und bei den freunden, der eigentlich fest eingeplant war, rückt im weiter weg.
was bleibt denn da am ende übrig frage ich mich? außer die lücke selbst, die mir immer noch, nach 6 monaten die verbindung zum hiersein in deutschland zumindest teilweise extrem erschwert.
so viele jahre müssen doch irgendwie auch einen abdruck hinterlassen. oder bin ich dafür vielleicht auch wieder zu ungeduldig? will schon wieder resultate sehen bevor der braten verdaut ist?

ich versuche mich dem nervigen grübeln zu entziehen, indem ich mich einfach auf einen neuen kontinent stürze! es gibt ja genug. hatte ud habe insgesamt 10 jahre mit der beschäftigung mit indien zu tun und wenn ich jetzt 10 jahre in südamerika investiere (wahrscheinlich eher 15, sind ja mehrere länder im spiel) dann bin ich schon ende 40 und hab dann vielleicht noch die kraft für afrika?
klingt ein bisschen größenwahnsinnig? finde ich gerade total logisch. und zumindest vorwärst orientiert.
ich erinnere mich jetzt auch so langsam, dass das verdammte grübeln und im eignen saft gesule einer der gründe war, warum es mich wegtriebt von hier. das „eigentlich-alles-notwendige-zur-verfügung-haben-aber-nichts-daraus-machen-können-weil-ständig-überreflektieren“ ist nichts wozu ich zurück zu kehren bereit bin. geht aber schon los langsam…. :/
das heisst nicht, dass ich zum grenzwertigen dasein im engergiefressenden mumbai zurück wollen würde…nein nein, aber es muss ja auch noch was anderes geben. nicht wahr?

drückt mir also die daumen freunde, dass ich dem deutschen fancy-ism nicht komplett verfalle, meine mitte wieder anständig definieren kann…und zwar in den nächsten 6 MOnaten bitte…und die welt da draußen weiter nach mir ruft.

winkend

anja


danach.

seit ende 2007 habe ich, zumindest mit kopf und seele, in indien, in mumbai gelebt. mehr als 5 jahre, bis anfang 2013. zwischen durch war ich physisch in deutschland, manchmal auch länger, aber im kopf und herzen war ich immer dort.

5 jahre, die mich verändert haben. sehr, wie ich so langsam feststelle. nein, ich bin keine komplett neue person geworden und wandere nun hell erleuchtet durch deutschlands saubere straßen… viel mehr hat das leben oder besser die fremde realität eine tiefe spur in mir hinterlassen, der ich mir nach rückkehr schmerzlich bewusst werde und für die ich auch dankbar bin.

trotzdem: es lässt sich schwerlich in worte fassen, wie das ist, mit der rückkehr. meine vermutung lautet: ich gibt sie nicht. weder ist das heimatland das selbe geblieben noch meine sicht auf selbiges. ich wünsche mir mein altes ich auch nicht wirklich zurück, wünsche mir momentan sehr, den abstand, den ich gerade sehr deutlich empfinde, so lange wie möglich beibehalten zu können.ich halte ihn aufrecht sozusagen. weil er mir ruhe gibt und gelassenheit, die ich so lange wenn nicht noch nie mein eigen nennen konnte. ich muss mir des öfteren auf die zunge beißen, bei disputen, die an belanglosigkeit und überflüssigkeit kaum zu überbieten sind. sie entsprechen einer mir inzwischen sehr fremden lebensrealität.
man könnte es vielleicht so sehen, ich versuche ein bild: während ich lange zeit einen geräuschpegel von drei autos und einer gelegentlichen hupe gewöhnt war

wurde ich fünf jahre lang einem zehnmal so lauten und chaotischen verkehrsszenario ausgesetzt

(trust me this is NOT  a noisy example!)

plus bettler, plus grapscher, plus gestank und dreck.

wenn man nun wieder zu punkt eins zurück kehrt, kommt einem alles extrem entschleunigt und clean vor. sauber nicht nur im hygienischen sinne, sondern auch in der bedeutung „rein“, unverdorben.

ich weiß, das mag pathetisch klingen, aber in vielerlei hinsicht, habe ich das empfinden, eine situation, einen zustand überlebt zu haben. damit verbunden ist der eindruck, der nun einsetzenden heilung. ich erhole mich.

das tut gut.

das dauert aber auch.

überraschenderweise finde ich mich nicht unter denen wieder, die (nach einer langen zeit ins heimatland zurück gekehrt) nun regelmäßig indisch kochen, räucherstäbchen anzünden und ravi shankar hören. die indien ganz dolle vermissen und es festzuhalten suchen…zumindest der teil, der uns allen doch auch ans herz gewachsen und liebenswert ist.
nein, ich stoße das alles gerade von mir, vielleicht auch etwas zu robust, aber mir scheint das notwendig. indien ist ja sowieso da, in mir, ich muss mich dessen nicht täglich vergewissern und im moment hat das wieder-hier-verankern auch vorrang.und ist schwer genug, im übrigen. so sehr ich die ruhe um mich auch genieße und wahrlich gelernt habe, froh mit mir allein zu sein, desto mehr vermisse ich doch auch einen festen kreis an menschen um mich, die meinen alltag und mich kennen und teilen. das soziale umfeld oder wie man das nennt.

neulich fiel mir ein gespräch ein, was ich während eines deutschlandbesuches 2010 hatte, bei dem ich meinte, ich hätte zwei „ichs“: mein deutschland-ich und mein indien-ich. ich glaube, ersteres ist spätestens 2012 auf ein rudimenteres ich zusammengescrumpft und das letztere hatte die oberhand. mein komplettes sozialen umfeld war doch aber dort um mich herum gewachsen und mein bezugssystem lag eben dort! tja, und nu….?
ein bisschen schizophren, he? skeptisch

ich fange also wieder von vorn an, ein wenig fremd fühle ich mich dabei, aber wohl würde ich sagen. es war eine notwendige und richtige entscheidung, wieder zurück zu kehren. und hat nicht zur konsequenz, dass ich nun alles negiere, was mit indien zu tun hat oder nie wieder dorthin zurück gehen würde. nur, wie es eine freundin so schön in ihrem letzten beitrag formulierte: „ich möchte dort nicht mehr leben“.

und weil das inhaltlich wie auch musikalisch passt und ich hugh laurie gerade ganz toll finde, zum abschluss noch ein liedchen:

anja


raum und zeit

Diese geschichte passt hier eigentlich nicht ganz rein und ich weiß auch nicht so recht, warum sie mir heute einfiel. Es scheint mir dennoch notwendig, sie aufzuschreiben und geduldig auf die offenbarung seiner sinnhaftigkeit zu warten. Ganz nach dem motto des großen meisters heiner müller: der text ist klüger als sein autor (hier ja auch nicht zum ersten mal zitiert).

Es war also einmal….vor langer langer zeit als ich mich in den ersten monaten meiner ersten und bisher einzigen wirklich goßen (und natürlich tragischen) liebe befand.
mein herzblatt, nennen wir ihn b. lebte ganz hip und angesagt mit seiner familie außerhalb der stadt, in der ich wohnte. Das war in den neunzigern im osten der trend. Wer was war, baute in den vororten. Ganz amerikanisch. Wir warn natürlich nix und blieben in der platte (gut so!). ich hatte ja den großen breiten hippen freund und machte damit alles wett. Und man, MAN war ich verliebt. Schön war das und total fremd.
b. musste nun also jeden morgen und abend mit dem bus in seine vorortluxuskaschemme fahren. Natürlich machte er gerade seinen führerschein, aber die monate bis dahin kamen einem teenager natürlich wie jahrhunderte vor!
da ich noch zur schule ging und er woanders seine berufschule absolvierte, konnten wir uns manchmal nicht jeden tag sehen und das war natürlich UNERTRÄGLICH.
sein bus machte auf dem weg aus der stadt heraus einige stops und hielt als letztes an einer haltestelle, die von meiner platte zu fuß vielleicht eine viertelstunde entfernt war. Auch hier muss betont werden, dass 15min zu fuss laufen auch damals schon für teens einem marathon glich.
ich erinnere mich nicht, wie oft ich dort eingestiegen bin, um ihn übers wochenende zu hause zu besuchen (später machten wir dann diese rushhour autofahrten mit dem kadett, die mir noch gut in erinnerung sind). Ich kannte also den fahrplan gut.

Komisch eigentlich, wie man erlebte beziehungen in puzzleteilen bewahrt….

Mein puzzleteil ist also dieser eine nachmittag. Ich erinnere mich, dass es schon etwas kälter war und da wir wirklich noch nicht lange zusammen waren, vermute ich, dass es sich um den spätherbst `95 handelt.
ich glaub, ich war schon zu hause gewesen nach der schule und hatte bestimmt auch schon mit b. telefoniert. Wahrscheinlich haben wir beide wieder gejammert, dass wir uns wohl heute nicht sehen würden, da er gleich mit dem bus nach hause fahren würde.
als ich beschloss, einfach zur haltstelle zu gehen.
schon damals mein leitfaden. Herzensentscheidung gefasst und durchgeführt. Nicht lang gezettelt.
also wieder angezogen und die 15min zur haltestellte geschlurft. Dort gewartet. Hoffentlich war der bus noch nicht durch…daran erinnere ich mich genau, an das herzklopfen und die angst, der bus würde nicht kommen.
mir war klar, dass er nicht aussteigen konnte und trotzdem freute ich mich unheimlich darauf, ihn zu sehen.
für 2-3minuten. Länger hielt der bus dort nicht. Immerhin.
als er dann endlich kam, war mir schon etwas kalt.
natürlich  hatte damals noch niemand ein handy (man, jetzt komm ich mir echt vor wie ein opa, der vom kriech erzählt! ) und hätte mir natülich eher den arm abgehakt, als mir die blöße zu geben, ihn zu rufen.
der bus hält also und b. sitzt wie immer hinten auf der rechten seite. Ich warte. Ich sehe ihn an und warte.
was ist, wenn der bus jetzt einfach weiter fährt und er nie erfährt, dass ich hier…in dem moment guckt er hoch und sieht mich.
eine sekunde angst in den augen und geste „ist was passiert?“. Ich schüttle den kopf und lächle.
er lächelt zurück und macht eine telefon geste.
ja klar, werden wir uns gleich von zu hause wieder anrufen…
dann ist noch einen moment große stille zwischen uns (während der verkehr rauscht und der wind pfeift). Stille und ganz viel liebe.
dann fährt der bus los. Was sollte er auch sonst tun.
und ich geh nach hause. Was sollte ich auch sonst tun.

Habe das gefühl, was schönes gemacht zu haben. Für ihn, für mich, für uns.

Eigentlich war es mit dem raum/zeit gefühl und der romantischen ader ganz klar, dass ich irgendwann in indien landen würde….
könnte eine erklärung für das auftauchen der geschichte aus den untiefen der erinnerung sein.

(ein wunderschönes lied, was ein gefühl vermittelt, nicht meine geschichte! nur um das richtig zu stellen 😉  hey, mein name bei 1:10, das heisst doch was!!)

a.


berlin, berlin

eine woche berlin reicht aus – ich bin verliebt. „verliebt in berlin“…könnte man sagen.

doch keinesfalls liebe auf den ersten blick. zwar gezeugt und geboren in der hauptstadt hatte ich bis kurz nach der wende keinen bezug zur stadt, da wir dort als familie nie gewohnt haben. die einzige kindheitserinnerung floss durch den filter meiner mutter, die mir versicherte, die giraffen im tiergarten (der ost-zoo) hätten mir eine heiden angst eingejagt. schreiend wäre ich hinaus gelaufen. ja, nun…diese einstellung gegenüber berlin sollte ich wohl noch eine ganze weile beibehalten. nach der wende folgte der obligatorische schulausflug zum brandenburger tor. aber alles woran ich mich erinnere sind meine ersten schlaghosen auf dem foto und eine wilde, laute busreise. nunja, junger teenager eben (ich war vielleicht 14?) und noch total uninteressiert. der nächste besuch erfolgte kurz nach dem abitur als ich während meines fsj’s zu seminaren mehrmals nach berlin gefahren bin. ich erinnnere mich, dass ich die stadt kalt und doof fand. habe mich aus prostest dann irgendwo in kreuzberg piercen (wie nennt man den bereich zwischen unterlippe und kinn???)  lassen. keine ahnung warum und besonders gut angekommen ist das auch nicht …mein damaliger freund schwor, mich nicht eher zu küssen bevor das ding nicht raus war und für meine mutter begann damit ein langer leidensweg gepflastert mit weiteren piercings, lebensentwürfen, tattoos und schockierenden freunden.  ich hatte dieses erste piercing ganze vier wochen. yeah!
danach konnte ich auf jeden fall berlin einige jahre gar nicht leiden.
dann anfang der 00er jahre begann der langsame stete wandel, den ich hauptsächlich einigen freunden, die sich für studium in berlin entschieden und der tatsache verdanke, dass ich das theatergucken als marathonveranstaltung für mich entdeckte. berlin war mein mekka!
trotzdem will man ja nicht in mekka wohnen, oder? ich war sehr zufrieden mit meiner neuen wahlheimat in sachsen und genoss die regelmäßigen ausflüge in die hauptstadt. waschen nicht vergessen!! 😉
ich bin auch nicht mehr ganz sicher, wann ich diesen trend des „nach-berlin-ziehens“ eigentlich zum ersten mal wahrgenommen habe. jedenfalls hab ich das immer eher mit einem achselzucken abgetan und mir gedacht: ja, pff…irgendwann muss ich da auch mal wohnen, aber nicht jetzt.
ich glaube jedenfalls, dass ich nach meiner wohnerfahrung in der megacity bombay berlin erst richtig zu schätzen gelernt habe. das ich seither ein stadtkind bin war mir klar, aber das ich die hektik einer großstadt zum glücklichsein brauche…nunja, im moment kanns eben kaum chaotisch genug sein.
nun liegt mir aber nichts ferner, als mumbai mir berlin zu vergleichen….nee nee, das tu ich mir nicht an…. 😉

die letzte woche habe ich nun also bei einer freundin in berlin, neukölln verbracht.und mich in diesen tagen mit einigen berliner (urgesteine oder eben auch zugezogene) über ihre stadt unterhalten und das stichwort der saison scheint: gentrifizierung zu sein. das thema ist viel zu groß, um es in einem blogeintrag abzuhandeln. eigentlich eignet es sich prima für eine doktorarbeit und ich bin sicher, fachliteratur lässt im buchladen deiner wahl nicht lange nach sich suchen.
in berlin hat auf jeden fall JEDER dazu eine meinung und nicht immer fällt dir eindeutig positiv oder negativ aus (das sind mir die liebsten 🙂 ). und das viertel, über welches auch in diesem zusammenhang gerade am meisten geredet wird, scheint neukölln zu sein. untenstehender beitrag mit genialomat kurt krömer ist, obwohl anscheinend erst drei jahre alt, eigentlich auch schon überholt. da hat sich so einiges getan in den letzten jahren.

ich muss gestehen, dass ich mich dort sehr wohl gefühlt habe. und gerade das, was so einige nicht-berliner irritiert oder schockiert und sich immer wieder äußert in sätzen wie „da gehst du durch die straße und kein mensch spricht deutsch“…gerade das lässt mich ausrufen „klasse“ (obwohl nach berlin wohl eher „dufte“ oder „knorke“ passen würde). da wird nicht ausschließlich türkisch gesprochen. da hört man auch manchmal hindi, viel englisch, auch arabische sprachen und und und. find ich klasse, äh dufte. ich kann nicht genau sagen warum. ich fühle mich auch nicht, als würde ich im ausland wohnen. nein, es sind doch eindeutig deutsche straßen, deutscher verkehr, deutsche architektur und deutscher konsum a la h&m, rewe und bio/öko einkaufskultur. nur eben gespickt mit türkischen spätis, arabischen fressbuden, kinderwagenkolonnen mit kopftuchfrauen und jungschen möchtegernrappern und und und. es gibt unglaublich viel zu entdecken und die straßen sind belebt und lebendig.
multipliziere man diese faktoren mit der tatsache, dass auch noch frühling herrscht und fängt vielleicht an mich zu verstehen. oder eben auch nicht.
ich bin jedenfalls total auf meinem berlin trip. und genieße neben neuköllner lifestyle auch den park in treptow, konzerte in friedrichshain, theater am kurfürstendamm, eine ausstellung in mitte, spaziergang durch prenzlberg (der spitzname „pregnancy hill“ passt wie arsch auf eimer) und das unglaubliche panorama auf dem ehemaligen tempelhofer flughafengelände.

ich habe den eindruck, die stadt macht einiges durch, aber ich muss sagen: sie macht einen guten eindruck und hey, wer macht eigentlich nicht gerade „einiges durch“? mmh?
ich weiß also nicht, wie eure pläne aussehen, ich ziehe auf jeden fall nach berlin, 2013.
ich darf das ja, ich muss das sogar. fällt unter das stichwort „heimatzusammenführung“.

zum abschluss eine anekdote, die ich völlig unabhängig voneinander, von zwei leuten gehört habe. es wäre wohl der allerletzte hype, dass sich dänische studenten in berlin wohnen kaufen würden. aber nicht, um selbst dort zu wohnen, sondern damit geld zu verdienen. als investition in die zukunft sozusagen. klasse schtorrie, oder? watch out for your danish landlord!!

machtet jut!

das letzte wort überlasse ich kurti:

oh, einer geht noch 😀 :


ich schreibe also bin ich….bin ich?

nachdem ich hier böse angeranzt wurde von meiner lieben, viel beschäftigten und ebenfalls viel schreibenden freundin dani…geb ich mir mal n ruck und schreibe übers nichtschreiben. ich schummle sozusagen.

also: der vorwurf besteht ihrerseits darin, dass ich doch jede menge zeit zum schreiben hätte. das stimmt wohl. obwohl ne, eigentlich mehr denn dies hier ist ja keine freiwillige auszeit!
nun kann ich mir gut vorstellen, dass meine in der ferne gebliebenen bloggingfreunde durchaus an einer kritisch, differenzierten darstellung meiner erlebnisse in deutschland interessiert wären. zumal ich echt rumkomme. samstag gehts nach döbeln-yeah! aber! aber, mal ehrlich….über deutschland bloggen, echt? das ist doch öde und beliebig, einfach so. da brauch man doch n filter, ein thema oder ganz einfach einen grund. ich hab keinen grund. ich bin ja eigentlich gar nicht hier. ich übe mich in yoga, meditation nur um meinen geduldfaden (der seit mehreren monaten aufs heftigste strapaziert wird) weiter geschmeidig zu halten.
Und ganz ehrlich, im Moment kann ich beide nicht besonders gut leiden: deutschland und indien. jaaa, deutschland im frühling ist total schön und alle sind jetzt besser gelaunt, wo endlich sonne scheint und hey, william&kate heiraten ja auch bald (morgen?), aber mpf…wie öde.

worüber also schreiben?
darüber, dass ich angst habe, indern in dtl zu begegnen? nichts lege mir ferner als eine offen gezeigte geste der verbrüderung und wenn ich noch einmal betonen muss, wie TOLL indien ist….
wirklich, ehrlich mein alptraum. auf der einen seite wünsche ich mir nichts sehnlicher, als mich endlich wieder meiner arbeit in schwüler hitze widmen zu können und andererseits renne ich hier möglichst schnell davon, so es bald irgendwo auch nur annähernd nach curry/knoblauch/ingwer-paste riecht.
so würde ich nie indisch essen gehen hier (und dabei fehlt mir das essen so). bollywoodfilm hab ich dieses jahr noch keinen einzigen gesehen (KANN man sich das vorstellen!!). treffe ich einen inder auf der straße, erwische ich mich bei bösartigen gedanken, die ihm das böseste andichten.
ein gegenbeispiel hab ich: ostermarkt, orientalischer schnickschnackräucherstand. man kennt das: diese stände sind ungefähr so autentisch, wie das oktoberfest in mumbai!! ich krieg da jedes mal pickel!!!
… aber ich wollt ja was nettes sagen, genau. begegnete dort nämlich letzten montag zwei inderinnen (unverkennbar in salwar kameez mit turnschuhen und schal), die sich doch tatsächlich die tücher an diesem stand näher anguckten. ich hörte also „yeh chota hain“ und freute mich wie ein tanzbär, weil ich verstehen konnte, dass ihr dieses exemplar wohl zu klein/kurz war…ach nee.

ja, über solchen schrapel könnte ich wohl bloggen. aber echt, wer will das denn lesen??


nee nee neeeeeee….

anya