tornado und die ruhe nach dem sturm

die ereignisse überschlagen sich derart, dass ich nach einem neuen wort dafür suchen muss.

nach diesem projekt, das mich fast komplett verschlungen hatte und es dann doch nicht tat und einem unglaublich schönen wochenende in delhi fühle ich mich fast neu geboren. nicht fremd-neu. das bin immernoch ich, aber besser-ich! 🙂
herausgewachsen, emporgewachsen fühle ich mich. woran das wohl liegt?

zu einen sicher an der selbst für mich beeindruckenden arbeitsleistung meinerseits innerhalb der letzten wochen. ich lobe mich diesbezüglich wirklich selten, aber ich bin schon stolz, dass ich das irgendwie hinbekommen habe. nicht komplett verkackt, nicht am arbeitspensum erstickt, nicht untern druck eingeknickt und dabei sogar dem hitzeschlag entronnen und irgendwie sogar überlebt.

und wie das so typisch ist für mich, bin ich auch gleich zum nächsten gerannt. keine zeit, bloß nicht zurück sehen. indien erlaubt sofortigen ablenkungen, abrupten themenwechsel. wer sich zeit nehmen und in ruhe verarbeiten möchte, möge bitte in die berge zum meditieren fahren.
wer sich dieser schwermütigkeit lieber entziehen möchte, möge nach delhi fahren und drei tage durchfeiern!
der gemeine leser fragt sich nun, was die werte schreiberin getan hat? nur noch drei wochen bis abflug nach deutschland? mh? ….
(ich habe in meinem leben jahre damit zugebracht vergangenes in aller ausführlichkeit zu reflektieren. genug damit, jetzt wird getanzt!)

und dieser trip nach delhi wird mir wohl auch noch lange in erinnerung bleiben. ich war zwar schon zweimal dort, beide mal jeweils sehr kurz. und auch dieses mal habe ich von delhi selbst eigentlich nicht viel gesehen. aber ehrlich, ich war noch nie davon überzeugt, dass man köln kennt, wenn man den dom gesehen hat oder berlin versteht, nachdem man am potsdamer platz die mauerreste angetatscht hat (urgh)…. in fact, versuche ich allen mumbai besuchern immer die klassiker auszureden und lieber einfach was „normales“ zu machen.
letztes mal war ein sehr ausser- und ungewöhnliches weihnachten in delhi und ich musste drei paar socken tragen, weils soooo kalt war! schrecklich. schon total verwöhnt.
nur vier monate später hat sich auch delhi angeheizt und ein seltsam blümlicher duft liegt in den straßen, wunderbar!
ich habe mich wieder nur von insel zu insel bewegt, aber auch das war sehr schön.
für jeden delhi besucher uneingeschränkt zu empfehlen ist das szene viertel hauz khas village. dachterassen mit ausblicken und kaffee! da lässt sich sogar typisch indisch schlechter service ertragen.

wir hätten gern einen kaffee.
madaam, das dauert ein bisschen.
warum?
die maschine funktioniert nicht richtig…
aha (wasauchimmerdasheisst)….was heisst „ein bisschen“?
madam, vielleicht 15minuten?
mmh, ok.

und hey, schon eine halbe stunde und zwei bissen von unglaublich schlechten cremigen tiramisu später kam dann auch der lauwarme irgendwas latte. aber stört einen das schon, wenn man sich auf einer dachterasse mit gedimmten lichtern, viel grün und bei angenehmen 28 grad ausruhen darf…?

ironischerweise konnte mir keiner von den anwesenden dilliwallas was zu den dortigen ruinen sagen und für mich war es auch schon zu spät noch loszuziehen, aber die sehen sehr interessant aus und werden beim besuch erkundet. ganz bestimmt!
denn ehrlich, ich muss gestehen, ich habe delhi doch auch ein bisschen lieb gewonnen (auf meine inselweise) und obwohl es mir auch auf den ersten oberflächlichen blick schon extrem schickimicki vorkommt, plane ich im kopf schon den nächsten trip.

am schlimmsten schickimicki, aber auch unglaublich toll (ja, selbst proletarierkind anja ist gegen die versuchungen der mondänen dekadenz nicht wasserfest gesichert) war der besuch im haus eines brasilianischen diplomaten. ein haus sag ich euch….ein HAUS!!! mit viel platz, elegant eingerichtet und viel kunst überall. sogar die bediensteten im haus waren freundlich und nett!!!
ein traum.
ich seufze bei der erinnerung an dieses haus.
ich hatte dort den besten kaffee in wochen und welch überraschung: brigaderos!!

das war nicht mehr indien dort. oder vielleicht doch indien, aber eben nicht bombay-indien. auf jeden fall eine blasenwelt mit der ich doch zumindest vorübergehend liebäugeln würde.

aber ganz klar, kurz vor meinem wohl verdienten deutschlandurlaub und am ende doch auch ziemlich geschlaucht vom ganzen indien-dasein sehnt sich der europäische boheme nach etwas kültür!!
man, echt, ich war jetzt schon fast 11 monate nicht mehr in deutschland. noch nie soo lange weg gewesen. kopfschütteln.

fazit: leute, ich bin noch da, aber eigentlich auch schon wieder auf dem weg. das kängeruhdasein a la speedy gonzalez geht so weiter.

indien, pah, krasse sache…ich verstehe es doch auch nicht. stecke da schon zu tief drin. hauptsache meine freunde in deutschland erkennen mich noch…
it’s me. ein bisschen komisch inzwischen und etwas ausgelassen vielleicht (ehrlich, beim deutschen lebenstempo erscheint doch alles, was etwas schneller tickt schon ausgelassen), aber doch noch ich. besser-ich!!

hier nach wird gerade in delhi gezappelt. vielleicht lässt sich auch deutschland dazu in den mai tanzen?

party on!

pepa

 

 

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abenteuer mumbai – surviving in the wild wild civilization (2)

akt zwei: the mess with the maid

eine soap. wirklich. mein leben ist eine never ending soap opera a la gzsz. nicht besonders attraktiv, aber irgendwie catchy. (vorausgesetzt, dass die serie, seit ich sie das letzte mal gesehen habe, nicht noch wesentlich übler geworden ist)
zur untermalung dieser vagen these und zur allgemeinen unterhalt also nun folgende episode (ein mehrteiler for sure).

nach meiner abreise aus mumbai ende letztes jahres hatte es einen wechsel der putzmaid gegeben. anlass war ein erfreulicher. die aktuelle maid (jaya) war erneut schwanger geworden. sie hatte es bisher nicht geschafft, ihrem ehemann nachwuchs zu schenken und schon eine fehlgeburt hinter sich. der druck in der familie muss wohl ein stetig wachsender sein.
als ich also wieder kam im juli hatten wir eine ersatzmaid, die sich aber nicht lang hielt. sehr unzuverlässig. dann kam im august laxmi ins haus.
ihre integration in den haushalt verlief dann ganz nach dem bewerten muster:
1. woche: super ambitious. sie ist ist pünktlich, sie putzt alles ordentlich, sie putzt ALLES (was man ihr aufgetragen hat) und sie schlunzt nich rum
2. woche: still ok
in dieser phase neige ich immer etwas zu euphorie ob der tatsache, dass da jemand seinen job anständig macht.
interessant wird es dann immer so ab der 3, 4 woche. auch in diesem fall ließ die qualität der zu erledigenden arbeit stetig zu wünschen übrig und besonders am wochenende wurden vereinbarte putzzeiten gerne weitreichend ignoriert. das ist also die phase, in der man herausfinden muss, ob die maid passt, während sie versucht herauszufinden, was sie sich herausnehmen kann. oft werden einem arbeitgeber am anfang versprechungen gemacht, die aufgrund anderer verpflichtungen eigentlich nicht zu halten sind, aber gut…
ich hasse diese phase und mache mir gern das leben damit schwer, dass ich weiterhin darauf beharre, dass man VOR antritt des jobs die konditionen bespricht und sie dann NACHER auch einhält! hier gilt aber auf unterschiedlichsten stufen: ich fang erstmal an und dann gucken wir mal, wieviel du zahlst. oder was ich tun werde. argh. gelegentlich nehmen so leute jobs an, die sie eigentlich gar nicht bereit sind zu tun….herrje, was für einige zeit und energieverschwendung!

während also unsere laxmi an glanz verlor, tauchte die ex auf, jaya. leider hat sie auch dieses baby durch eine fehlgeburt verloren und musst nun den „schaden“ durch wiederaufnehmen der arbeit gut machen. sie klingelte eines tages an der tür, zu aller überraschung und fragte nach, ob sie denn nun ihren job zurück haben könne.
da von einer reinen vorrübergehenden ersatztätigkeit nach so vielen wochen, monaten nicht mehr die rede sein konnte, wurde entschieden, dass wir erst einmal laxmi behalten wollten und die beiden das unter sich ausmachen sollten. in der absicht, sich aus dem problem herauszuhalten, stolperten wir so erst richtig hinein. und was nun folgte kann man nur noch als zickenkrieg bezeichnen. ein stiller zickenkrieg. denn wir bekamen die auswirkungen zwar direkt zu spüren (so hörte laxmi einfach auf, zur arbeit zu kommen), aber was zwischen den beiden gesprochen wurde, bekamen wir nur über dritte zu hören.
es hieß zuerst, dass jaya nun laxmi aufgesucht hätte, um ihr mitzuteilen, dass sie nun wieder für uns arbeiten werde und laxmi nicht länger zu kommen brauche. ich weiß nicht, wie der ton zur musik war, aber tatsache ist, dass laxmi (arme arme laxmi) zu eingeschüchtert war, um sich die nächsten tage bei uns blicken zu lassen. auf nachfragende anrufe reagierte sie mit lügen (ich bin krank) oder legte einfach auf und wurde erwischt (unten auf der treppe wartend). bei ihrem nächsten erscheinen sagten wir ihr dann, dass wir sie nicht feuern würden. das war ihre ausrede, warum sie nicht gekommen war. klasse idee, sie vor der kündigung zu drücken, in dem man nicht zu arbeit kommt oder?
in nächsten schrittauf dem weg zum maniacity war nun also jaya die böse, die durch fehlgeburt und druck der bösen gesellschaft zur erpresserischen bestie aufgestiegen war bis…..nunja, bis wir von einer weiteren maid erfuhren, was sich WIRKLICH zugetragen hatte. ja, jaya hätte mit laxmi gesprochen, letztere aber reagiert mit der bemerkung: ja, sie wollte eh aufhören, ist ihr zu nervig, aber sie will noch bis diwali bleiben und die premie abfassen, danach könne jaya den job zurück bekommen.

man KÖNNTE nun vermuten, das einfach beiden viel an ihrem job gelegen sei, nicht wahr? was tat also laxmi in den nächsten tagen und wochen? man konnte ihr von nun an dabei zu sehen, wie ihr arbeit jeden tag schlechter wurde. ab und zu kam sie einfach gar nicht (krank). am wochenende kam sie unangekündigt jedes mal einfach eine stunde später bis mir letztes wochenende, als sie dann endlich um 4.15pm klingelte, der kragen platzte.
ich ging also zu meiner mitbewohnerin, die demnächst auszieht und die die letzte entscheidung also mir überlässt, um sie zu bitten, laxmi am darauf folgenden tag eine letzte warnung zu geben. entweder sie macht den verdammten job oder eben nicht.
am nächsten morgen um halb acht wurde ich also geweckt durch schimpfgeschrei von zwei weiblichen stimmen. dieses mal mit meiner zustimmung. dem bericht hinterher war nicht viel zu entnehmen, denn natürlich redete sich die maid mit diversen ausreden aus der affäre. ist ja alles nicht wahr! nänänäää…
ich hab da schon echt die schnauze voll.
der ganz kinderscheiß.
ich fluche täglich in mich hinein, wenn ich die fr**** von dieser ***** schon sehe….

und um das ganze zu krönen, hörten wir heute noch von einer vierten involvierten maid, dass jaya gegenüber laxmi nocheinmal deutlich gemacht hat, dass sie dann am nächsten monat dort wieder arbeitet. a la: dann ziehst du aber mal fix leine schwester, alles klar?

ich glaub ich zieh die leine sehr bald, die reißleine.

mädels, der geduldsfaden der weißen frau ist abgebrannt. so watch it!!

to be continued…

anya

ich bin wirklich kein großer fan der 80er, aber in einem punkt fehlen sie mir gewaltig. diese geschichten erzählenden musikvideos…seufz. gone.


subliminal sexual harassment

Eigentlich jede frau, die ich hier zu diesem thema bisher befragt habe, konnte etwas dazu sagen.  Sie alle haben ihre erfahrungen gemacht und die reaktionen schockieren mich immer immer noch. Sie reichen von einem schulterzucken, dem ratschlag, es einfach „zu ignorieren“ über mitleidsbekundungen bis zu eigenen berichten, die einem den atem stocken lassen.
kaum eine (fällt mir überhaupt eine ein ) hat sich gegen sexuelle belästigung offensiv gewehrt.

Jeder dieser berichte hätte mich, wäre mir oder selbst eine freundin ähnliches in dtl zugestoßen, dazu gebracht, den vorfall zu melden. Der polizei oder so denn am arbeitsplatz geschehen, der gleichstellungsbeauftragten. Es gibt ansprechbare orte und menschen für so etwas und sie werden genutzt. Ich hätte nicht gezweifelt. Durchaus bin ich auch in der lage, mich in kleineren fällen selbst zu verteidigen. Es war bis jetzt nicht nötig. Die mutmaßungen, warum, liegen an anderer stelle begraben.

Hier allerdings gehören die kleinen fälle zur tagesordnung. Man nimmt sie kaum noch wahr nach ein paar monaten hier und ich möchte wirklich nicht als emanze mit hang zu verallgemeinerung gelten, aber trotzdem heute mit der faust auf den tisch hauen. es reicht nämlich. ich habe wochen kleine portiönchen aggression geschluckt und nun platze ich.

Warum? Warum muss ich mir so viele kleine bemerkungen und blicke gefallen lassen, die ich unangebracht, belästigend und als degradierend empfinde? Und warum ist die allseits bekannte opferrolle im kleinen, nämlich in der ignoranz solcher attacken hier omnipräsent?

Ich habe dazu ein schönes beispiel.
ein namenloser fotograf hat sich an meinem arbeitsplatz für einen auftrag beworben. Ich bekomme oft solche emails. Manchmal kann man vermitteln, manchmal muss man höflich ablehnen. Das gehört dazu. Wir brauchten tatsächlich bald die hilfe eines fotografen, um eine veranstaltung zu dokumentieren. Also nahm ich kontakt auf und vermittelte.
einwerfen muss man, dass hier sehr viel und sehr hartnäckig für dinge, projekte, aufträge, job etc „geworben“ wird. Früher musste ich immer schmunzeln, wenn srk wiedereinmal in unerträglich übertriebender manier der liebe seines lebens hinterher jagte, um ihr in aller penetranz verständlich zu machen, dass sie füreinander bestimmt seien. Mir war damals nicht klar, dass diese penetranz oder nennen wir es freundlicher „hartnäckigkeit“ auch für andere lebensbereiche üblich ist.
ich nehme also lebenslauf und arbeitsbeispiele auf und bitte ihn, sich etwas zu gedulden, denn das projekt näme gerade erst formen an. In mehreren mails bittet besagter junger fotograf nun um einen termin mit der chefetage. Ich versuche ihm verständlich zu machen, dass es dafür zu früh sei. Er wartete eine woche und schrieb dann wieder.
auf der einen seite ist solche hartnäckigkeit ja lobenswert. Der junge bleibt dran. Auf der anderen seite können solche mails, von denen man, wie gesagt, auch nicht nur eine am tag bekommt, auch sehr lästig sein. Ich versuche also freundlich zu sein, aber distanziert.
Have patience, man!

Letzte woche nun traf wieder eine mail ein. Lang und ausführlich wurde unsere arbeit gelobt (es ist hier üblich und selbst ich benutze inzwischen floskeln, die mir in dtl extremst peinlich wären) und wieder auf ein treffen gedrängt. Bückling bückling. (das diese art des aufdrängens bei deutschen oft das gegenteil bewirkt, kommt als information da leider nie durch) und am ende….nun am ende folgte dies:

  One last thing, I hope you do not mind, but you have a beautiful name. I wanted to tell you this the first time you mailed me but then I decided to wait. Now, I’m thinking, why wait to say something nice! Beauty should be appreciated in all forms, I believe. In case I’ve crossed a line, I apologize.

dem deutschen leser stellt sich jetzt wahrscheinlich ein großes fragezeichen ein. ich warte beim ersten lesen noch auf einen zwinkersmiley, hielt ich es doch für einen scherz.
dann bat ich, meine kollegin, die mail zu lesen und sie riet mir, dass übliche zu tun: ignorieren.

Ein bisschen kontext hierzu: erstens hat er mit dieser bemerkung eindeutig eine hierarchie durchbrochen, die hier meistens nicht so offensichtlich für ausländer, aber doch sehr strikt vorhanden ist. Zweitens stößt mir die frage auf, ob er tatsächlich glaubt, sich damit jobtechnisch in eine bessere position zu bringen und drittens, ja,  fühle mich in eine ecke gedrängt. nachdem ich gleich am anfang meiner indienzeit für einige wochen einen stalker vor meinem arbeitsplatz hatte (einen idiotischen künstler, mit dem ich einmal bei einer veranstaltung ein paar worte-offensichtlich zu viele-gewechselt hatte und der nun „zufällig“ in der gegend war) und letztes jahr von einem mann nach hause verfolgt wurde, der dann mit offener hose und einem gesichtsausdruck der mich noch lange verfolgen wird vor meiner wohnungstür stand, frage ich mich doch, was das soll.

Ich möchte mich wehren, um mich sicherer zu fühlen, werde mit meiner unsicherheit aber stets allein gelassen. Nicht, dass ich damit tatsächlich allein wäre oder mich de facto unsicher fühlte, aber doch scheint hier niemand das gefühl zu haben, dass dies einen lauten schrei wert wäre.
das es ok ist, mich auf  dieweiblichkeit zu reduzieren (hätte er einem mann wohl das gleiche kompliment gemacht? i don’t think so)…oh, nicht zu vergessen, the white skin. Ich weiß, dass nicht jeder inder mich so sieht, aber genau so fühle ich mich, wenn ich so eine mail bekomme. Degradiert zu einem stück fleisch, das nicht einmal wütend darüber sein darf. Und schon bin ich wieder dabei mich dafür zu entschuldigen, dass ich belästigt werde…. Welcome to the past.
eine stunde später hat er dan noch angerufen. ich habe mich verleugnen lassen. und die bemerkung dann ignortiert.

ich versuche, es mit humor zu nehmen. mich nicht zu etwas machen zu lassen, dass ich nicht bin: ein opfer.

deshalb etwas ironisch zum abschluss ein lied meiner allzeit lieblingsband: die ärzte!

ps: hab ich schon von der mail erzählt, in der ein mann mir schrieb, dass es ihm leid täte, dass er sich jetzt erst melde. wir hätten uns vor ein paar wochen im zug nach bandra kennengelernt und doch so interessant miteinander geredet. er habe mich nun über unsere webseite ausfindig gemacht und würde ich freuen, wieder von mir zu hören.
ICH FAHRE IM FRAUENABTEIL NACH BANDRA PUNKT

 

 

 

 

 

 

 


kleinigkeitenreport 2011

davon hatten wir so lange keinen, dabei besteht das lkeben doch bekanntlich aus kleinigkeiten. 😉

1. work in progress: das bombay eine baustelle ist: nicht neu. die baufirmen kommen dem immer noch rasant wachsenden bedarf eigentlich kaum hinterher und die stadt wächst in alle möglichen richtungen. bei mir gegenüber wächst sie nach oben. die kolonie in der ich wohne, besteht aus schon etwas veralteten aber immer noch schönen häusergruppen. die straßen sind grün und die wohnhäuser selbst nur 3-4 etagen hoch. das bauland ist allerdings inzwischen extrem beliebt geworden. also werden die kleinen gemütlichen kolonien stück für stück abgerissen und auf deren grundfläche ein 15 geschosser gebaut. inklusive tiefgarage, pförtnerhäuschen und luxuriös klingenden namen wie „jade garden„. kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die innen genauso aussehen, wie die hochhäuser meiner kindheit. nicht, dass ich da was gegen hätte, ich stehe zu meiner platte, aber luxuriös würde ich das auf keinen fall nennen. schon gar nicht für die preise. davon kann dani auf jeden fall ein lied singen…

aber, worauf ich eigentlich hinaus wollte: direkt gegenüber meiner einstmals kleinen beschaulich ruhigen straße wird so ein koloss gebaut und ich bin live dabei. und ich meine: LIVE DABEI. denn wie das hier so üblich ist, wohnen eine hand voll bauarbeiter, die gern aus den (mehr oder weniger) umliegenden dörfer herangekarrt werden, direkt vor ort und zeit scheint keine rolle zu spielen oder eben eine sehr große. das ding muss fertig werden. sonntag 1am…na und, mumbai ist eh laut!! zwischendurch ist immer mal ruhe, ich weiß nicht warum. ich frage nicht. am wochenende hab ich zeit, direkt zuzugucken, wie die einzelnen etagen aufgebaut werden. das ist durchaus interessant. man darf natürlich nicht ängstlich sein, denn die kleinen dünnen männer sind LOGO null gesichert. wie so oft gilt hier: besser nicht hinterfragen!
nach und nach haben es sich die bauarbeiter dort heimelich gemacht. ab und zu klingt aus billigen handys am frühen abend der ein oder andere alte bollywood klassiker und manchmal, wenn der bauvorhang zur seite gezogen ist, kann ich sie kochend zusammen sitzen sehen. seit letzter woche ist nun endgültig „zivilisation“ in die immer noch unverkleidet und unverglasten unteren zimmer einzogen. in form einer „gardine“. inzwischen sieht man nämlich auf der gespannten wäscheleine zur westseite auch saris hängen und demnach ziemt sich auch etwas privatssphäre. so schnell definiert sich eigener wohnraum. in deutschland braucht man dafür zäune. hier eicht ein graue plane und ein pinker sari.
letzte woche hat die höhe des hauses nun das meinige überschritten und die netten nachbarn werden bald weiterziehn. dann kommen neue nachbarn. die sich vorkommen wie der kaiser in china, aber wohnen wir anja in rostock in den 80ern.
  

2. herbstgefühle: der monsun scheint dieses jahr halbwegs pünktlich aufzuhören und kaum kommt die sonne wieder raus, wird es heisser und man vermisst schon fast den frischen regen.
ich beginne die neue jahreszeit damit, meinen schrank zu durchforsten nach schimmel. in den letzten wochen hat es nach totem hund darin gerochen, aber jetzt muss ich da durch. einige dickere wäscheteile wie pullover habe ich gerade noch rechtzeitig entdeckt, um sie vor dem schimmeltod zu bewahren, andere shirts muss man nur mal lüften.
endlich wird die mode nicht mehr nur vom wetter bestimmt, sondern davon, worauf ich lust habe. naja, nicht zu vergessen den „anglotzfaktor“, der wichtig ist. denn mit der sonne kommt auch die herbsthitze (bevor in den angenehm warm/frischen winter gehen) und ich spüre den unterschied zwischen kurzärmelig und langärmelig schon sehr. nerv! ja, ich weiß, ich bin da immernoch sehr empfindlich, aber tut mir leid, das ist eben so. manche dinge müssen sich auch nicht ändern.
erst gestern im atm-geldautomaten wieder so ein erlebnis. ich warte auf eine freundin, die geld holt und ein typ geht unnötig dicht an mir vorbei und glotzt, röngt mich wieder (ganz selbstverständlich) dermaßen…. ich denke dann jedes mal, dass ich im in dtl schon längst gesagt hätte, dass ich mich ebenfalls freue, mein knie in seinen eingeweiden zu versenken, aber hier…soviel energie habe ich nicht. auch nicht soviel zeit, denn fast jedes mal, wenn ich mich missmutig zur respektlosen behandlung geäußert habe, starrte mir ein verständnisloses gesicht entgegen? was denn? das artet in emanzipatorische missionierung aus, das ist nicht meine aufgabe. gut…eh wir uns da wieder verrennen, hier ein schlussstrich.
der herbst ist da und eigentlich bin ich ganz froh drüber. jahreszeiten gibt es also auch in mumbai und so langsam bekomme ich ein gefühl dafür. 🙂

lg in den deutschen herbst (an den ich mir verbiete, zu denken….denn was würde ich für einen langen herbstspaziergang geben)


(wahnsinn, immer noch von samstag nach zehren!)


demokratie ist demokratie

Es gibt die unterschiedlichsten Gründe, die die Westler nach Indien treiben. Die Motive ragen sehr weit auseinander und jeder kommt mit seinem eigenen Bild im Kopf, dass natürlich auch voller Klischees ist. Diese spielten natürlich auch für mich eine Rolle und obwohl ich mich bereits „in die Materie eingelesen“ hatte und mir versucht habe, im Vornherein ein Bild von der Lebenssituation dort zu machen (an diesem Punkt noch einmal einen großen Dank an unser aller Inspiration, der lieben Nosianai  ), erging es mir nicht anders: ich kam mit Bildern im Kopf und war dann vor Ort total verloren, zumindest zunächst.
Eines dieser Bilder bezog ich auf die Vorstellung, es gäbe hier jede Menge Probleme mit Wasser und Elektrizität. Ich stelle mich also auf den schlimmsten Fall, der dann NATÜRLICH nicht eintrat. Ja, es gibt (im Vergleich zu deutschen Standards) immer wieder Schwankungen und zum Sommer hin wird das Wasser sehr knapp. Aber nichtsdestotrotz läuft es doch irgendwie in Bombay (hier läuft ja alles immer irgendwie) und im ersten halben Jahr hatte ich, glaube ich, einen! Stromausfall.
Irgendwann war ich dann an hin und wieder auftretende Schwankungen gewöhnt, beschwerte mich wie alle über die Wasserabschaltungen im Sommer, aber ging eben irgendwie damit um.
Aber wie das so ist mit den trügerischen Lebensumständen in dieser Stadt: immer dann, wenn man denkt, ok, jetzt biste angekommen, hast deinen Rhythmus gefunden….macht‘s ordentlich RUMS! und du wirst eines Besseren belehrt. Die Stadt streckt dir also wie Kali in regelmäßigen Abständen die schwarze Zunge heraus, um zu demonstrieren, WER hier den Ton angibt.
Gestern war wieder so ein Tag.
Ich bin inzwischen mitten im Arbeitsalltag angekommen. Ich habe viel zu tun und gebe auch dementsprechend viel Energie da rein, liegt mir das doch auch am Herzen irgendwie (jaja, ein Freund der Kulturmühle) und ich trotte Abends müde nach Hause, in der Hoffnung, dass sich die Umstände zu Hause nicht ausgerechnet HEUTE verschlechtern. (Das ist im Übrigen noch eine andere Geschichte wert) Gestern kurz vor fünf Uhr nachmittags rummorten die Buschfunktrommeln gewaltig. Das fasziniert mich auch immer wieder. Schon einige Male, zuletzt bei den Bombenattentaten im Juli diesen Jahres, konnte ich erleben, wie schnell sich Nachrichten in dieser Millionenmetropole verbreiten. Die Nachrichten strömen durch die Straßen und erreichen auch die kleinsten Winkel und den entferntesten Hörer im Minutentakt. Die heutige Nachricht lautete: neben der anscheinend schon erwarteten Busstreiks, sind ab sofort auch die Züge der Western Railways Linie im Streik. Was in den folgenden Minuten im Büro passiert ist für mich eine dieser typischen „indischen“ Situationen: Alle packen hektisch zusammen, die Stimmen auf den Fluren sind zwei Oktaven höher als normal. Überall wird telefoniert: du musst SOFORT nach Hause fahren! … Vielleicht erwischen wir noch einen Zug! … Ich bleibe auf keinen Fall die Nacht hier! …
In solchen Momenten wird jegliche Logik Lügen gestraft. Niemand versucht, klar zu denken und ist damit beschäftigt seinen sprichwörtlichen Arsch zu retten.
Ich verstehe, warum diese Reaktion so ausfällt und ringe selbst mit mir, denn was mache ich, wenn ich hier in zwei Stunden aufbreche und kein Zug, kein Bus und kein Taxi zur Verfügung steht? Trotzdem ärgert mich, dass sich anscheinend Niemand darum schert, was mit der anstehenden Arbeit passiert. Es rufen schließlich Leute an, die davon ausgehen, dass hier gearbeitet wird. Ich selbst warte auch noch auf eine wichtige Mail…
Ich bin also die Einzige, die erst einmal fragt, von wem diese Information kommt, die versucht, zu überprüfen, ob da was dran ist (ja, manchmal ist selbst das Internet zu langsam) und überlegt, wie sie schnell noch ein paar Emails beenden kann und wie sie die Chefin erreicht, um zu melden, dass das Büro bereits leer ist…
Ich ordne meine Sachen, schicke eine Nachricht an die Chefetage, die erklärt, warum Niemand mehr im Büro ist und mache mich auf den Weg. Die Atmosphäre auf den Straßen habe ich an solchen Tagen bereits zuvor erlebt und jedes Mal ertappe ich mich wieder dabei, dass mir ganz schlagartig bewusst wird, dass ich in einem fremden Land bin. Menschenschlangen (ich scheue mich, das Wort „Massen“ zu verwenden) strömen Richtung Churchgate Station, von wo die Western Railway gen Norden aufbricht, meine Bahnlinie. Natürlich regnet es in Strömen.
Ich überlege mir, welche Optionen ich habe, da mir das Bild, was sich am Bahnsteig wohl zeigen wird, mehr als bekannt ist und nur mit den Wort „Panik“ und „der Stärkere gewinnt“ umschrieben werden kann…ja, die Mumbaikars sind auch sehr hilfsbereit in solchen Situationen, aber naja…eben manchmal.
Mein Glück ist, dass meine Mitbewohnerin inzwischen ebenfalls in Colaba/Fort arbeitet und bereits ein Taxi geordert hat und mich nun anruft, um zu fragen, wo ich bin und ob ich reinspringen will! 🙂 Ja, will ich!
Wir brauchen NUR zwei Stunden nach Hause! Stop…Go…Stop..Go…yeah!

Und zu Hause wartet bereits das nächste Wunder auf mich, denn ausgerechnet HEUTE haben wir Stromschwankungen, was im Klartext heisst: An….Aus….An…..Aus. Also werden alle Geräte und Ventilatoren ausgeschaltet und wir sitzen im Halbdunkeln und spielen Uno!
Es ist also war, die ganze Technik hat uns einander endfremdet (ich wollte an dem Abend eigentlich mein Hörspiel zu Ende hören und ein bisschen für mich Lesen allein im Zimmer) und erst eine solche Notsituation erzeugt wieder gemeinsame Momente!
Es wird ein toller Abend mit drei großen Bier, jeder Menge Musikrevivals (oh, den kennst du auch!?) und Gesprächen über….nunja, das bleibt privat…hüstel….der erst um halb zwei Uhr früh endet.

fazit:

hier für den runden Gesamteindruck die Schlagzeile aus der zeituung von heute…

lg anya!


geist vs moneten ODER erst die kasse dann die kunst

jaaa, ich gebe es zu, ich bin idealist. ich weiß, das ist schon etwas old fashioned, aber das lässt sich leider nicht mehr ändern. ich lebe und brenne immer noch für meine projekte. und wenn sie untergehen, dann ich mit. dem ist so. macht mich wohl zu einer raren spezies. wer weiß, ob sie überleben wird…

zu diesen hilflos veralteten wertevorstellungen gehört auch die, dass diese welt kunst und kultur braucht. dass ein austausch notwendig ist und ja, dass da was bewegt werden kann. gut, wir reden hier oft von tippelschritten, vom kulturellen schneckentempo, aber mein idealometer sagt mir da: jeder schritt in die richtige richtung muss getan werden.

die momentane frage lautet: wie den mut nicht verlieren, wie weitermachen trotz diverser niederlagen?
wie gegen das gefühl ankämpfen, dass man für ein projekt für welches man sehr stark brennen muss oder es auch gleich sein lassen kann, vielleicht gar nicht gewollt ist oder anders: wie kann außenpolitik sich gegen kulturprojekte wenden, für wirtschaftsabkommen aber die tür aufhalten?
macht das alles sinn? die ganze arbeit und energie, die in einem einzigen filmabend in fremder kultur stecken und dem, was letztlich „dabei rum kommt“?

ich muss ehrlich gestehen, ich zweifle. zum ersten mal seit …überhaupt.

hat jemand schon länger als ich im geschäft und was kluges beizutragen?

hau, das alte zonenkind hat gesprochen (mit wort, bild und musik)
anya (pepa)