boooooring!

Mir ist langweilig.

Ja gut, Leben und so, Job, Nervereien mit der Chefetage, Steuererklärung und überhaupt Wetter und so blablabla.

Laaaaangweilig.

Hat denn Niemand was interessantes zu sagen?
Gibts denn Niemanden hier mit Problemen, die es zu lösen gilt?
Selbst die Menschen um mich herum, die wirklich in einer kniffligen Situation sind, scheinen mir selbstgewählt dort und nicht wirklich in Gefahr, wenn es ihnen nur gelingen würde, den allseits populären „Schritt zurück“ zu machen und sich einmal zu fragen, warum sie sich nicht einfach anders entscheiden. Denn das kann man hier in Deutschland, ja! Man hat eine Wahl und zwar nicht zu knapp!

Ich war also gestern auf einer Party mit wirklich netten und auch nicht unintelligenten Menschen.
Ich hätte Lust auf ein Gespräch gehabt, gern auch mit Alkohol. Eines von denen, die in langen Kreisen gehen und eigentlich auch irgendwie anstrengend und verstörend sind. Eine Auseinandersetzung eben auf verbaler Ebene. Stattdessen? Zuviel Bier und das übliche Peergroupverhalten.
Trink trink, lach lach, Wortspiel, haha hihi, trink, stolper stolper.  Die einzige annehmbare Ansprache widerfährt mir als ich den Weg zurück nach Hause finde durch den samstäglich-abendlichen Großstadtverkehr und mein Kater mich an der Tür begrüßt. Endlich Jemand mit ehrlich gemeinter Dringlichkeit!

Warum diese Belanglosigkeit und ich schon wieder mittendrin?
Hat michs jetzt wieder gepackt vielleicht?
Denn einer der Gründe, warum ich auch weg gewesen bin von hier war ja genau die Suche nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit irgendwas, mit irgendwem. Eine Dringlichkeit, die hier irgendwie zwischen dem letzten I(!)-Gadget und Bio-Markt Terrorismus verschwindet.

Vielleicht ist auch einfach Frühling.
Kräfte wachsen, restoration completed, in search for the next challenge

Denn auch wenn ich in Mumbai jede Menge Auseinandersetung mit allem hatte waren bei weitem nicht alle Gespräche gehaltvoll. Hah, nun wahrlich nicht! Waren die Begegnungen trotzdem im Querschnitt interessanter, weil es sich um Menschen aus der fremden Kultur handelte, dort wo die Gedankengänge einfach auch mal anders herum laufen?

Keine Ahnung, aber hier mangelt es extrem.
Gähn, abwink. Laaaangweilig.

the blues man, the blues…


danach.

seit ende 2007 habe ich, zumindest mit kopf und seele, in indien, in mumbai gelebt. mehr als 5 jahre, bis anfang 2013. zwischen durch war ich physisch in deutschland, manchmal auch länger, aber im kopf und herzen war ich immer dort.

5 jahre, die mich verändert haben. sehr, wie ich so langsam feststelle. nein, ich bin keine komplett neue person geworden und wandere nun hell erleuchtet durch deutschlands saubere straßen… viel mehr hat das leben oder besser die fremde realität eine tiefe spur in mir hinterlassen, der ich mir nach rückkehr schmerzlich bewusst werde und für die ich auch dankbar bin.

trotzdem: es lässt sich schwerlich in worte fassen, wie das ist, mit der rückkehr. meine vermutung lautet: ich gibt sie nicht. weder ist das heimatland das selbe geblieben noch meine sicht auf selbiges. ich wünsche mir mein altes ich auch nicht wirklich zurück, wünsche mir momentan sehr, den abstand, den ich gerade sehr deutlich empfinde, so lange wie möglich beibehalten zu können.ich halte ihn aufrecht sozusagen. weil er mir ruhe gibt und gelassenheit, die ich so lange wenn nicht noch nie mein eigen nennen konnte. ich muss mir des öfteren auf die zunge beißen, bei disputen, die an belanglosigkeit und überflüssigkeit kaum zu überbieten sind. sie entsprechen einer mir inzwischen sehr fremden lebensrealität.
man könnte es vielleicht so sehen, ich versuche ein bild: während ich lange zeit einen geräuschpegel von drei autos und einer gelegentlichen hupe gewöhnt war

wurde ich fünf jahre lang einem zehnmal so lauten und chaotischen verkehrsszenario ausgesetzt

(trust me this is NOT  a noisy example!)

plus bettler, plus grapscher, plus gestank und dreck.

wenn man nun wieder zu punkt eins zurück kehrt, kommt einem alles extrem entschleunigt und clean vor. sauber nicht nur im hygienischen sinne, sondern auch in der bedeutung „rein“, unverdorben.

ich weiß, das mag pathetisch klingen, aber in vielerlei hinsicht, habe ich das empfinden, eine situation, einen zustand überlebt zu haben. damit verbunden ist der eindruck, der nun einsetzenden heilung. ich erhole mich.

das tut gut.

das dauert aber auch.

überraschenderweise finde ich mich nicht unter denen wieder, die (nach einer langen zeit ins heimatland zurück gekehrt) nun regelmäßig indisch kochen, räucherstäbchen anzünden und ravi shankar hören. die indien ganz dolle vermissen und es festzuhalten suchen…zumindest der teil, der uns allen doch auch ans herz gewachsen und liebenswert ist.
nein, ich stoße das alles gerade von mir, vielleicht auch etwas zu robust, aber mir scheint das notwendig. indien ist ja sowieso da, in mir, ich muss mich dessen nicht täglich vergewissern und im moment hat das wieder-hier-verankern auch vorrang.und ist schwer genug, im übrigen. so sehr ich die ruhe um mich auch genieße und wahrlich gelernt habe, froh mit mir allein zu sein, desto mehr vermisse ich doch auch einen festen kreis an menschen um mich, die meinen alltag und mich kennen und teilen. das soziale umfeld oder wie man das nennt.

neulich fiel mir ein gespräch ein, was ich während eines deutschlandbesuches 2010 hatte, bei dem ich meinte, ich hätte zwei „ichs“: mein deutschland-ich und mein indien-ich. ich glaube, ersteres ist spätestens 2012 auf ein rudimenteres ich zusammengescrumpft und das letztere hatte die oberhand. mein komplettes sozialen umfeld war doch aber dort um mich herum gewachsen und mein bezugssystem lag eben dort! tja, und nu….?
ein bisschen schizophren, he? skeptisch

ich fange also wieder von vorn an, ein wenig fremd fühle ich mich dabei, aber wohl würde ich sagen. es war eine notwendige und richtige entscheidung, wieder zurück zu kehren. und hat nicht zur konsequenz, dass ich nun alles negiere, was mit indien zu tun hat oder nie wieder dorthin zurück gehen würde. nur, wie es eine freundin so schön in ihrem letzten beitrag formulierte: „ich möchte dort nicht mehr leben“.

und weil das inhaltlich wie auch musikalisch passt und ich hugh laurie gerade ganz toll finde, zum abschluss noch ein liedchen:

anja


teen hafte.drei wochen.

Drei Wochen bin ich jetzt zurück in Deutschland. Drei Wochen nur. Oder schon drei Wochen?
Ich wusste im Vornherein, dass es wohl eine ganze Weile dauern würde, bis ich mich wieder komplett und ganz in Deutschland zu Hause fühlen würde. Auch besteht die Möglichkeit, dass ich es nie wieder so sehen werde. Aber wir wollen ja hier nicht den Schwarzen Peter an die Wand malen…oder so…das wäre doch auch zu Deutsch!

Jedenfalls befinde ich mich nun seit drei Wochen in dieser wunderbar chaotischen Zwischenphase, in der sich ständig alles verschiebt. Ich mache mir fast täglich Notizen, weil ich auch annehme, dass diese Phase vorbei gehen wird (wie war das mit den 5 Phasen des Trauerns?) und die Gedanken doch in dieser Form einmalig sind.

Hier also ein paar Einblicke aus dem Sammelsurium.

>Komisch, ich hab immer ein bisschen Angst, wenn ich aus dem Haus gehe. Das fiel mir letztes Wochenende auf, als ich nur noch schnell zum Kaufland rüber wollte und eine Milch holen (na gut, vielleicht auch noch was Süßes). Kaum trat ich aus der Haustür, fühlte ich mich „tensed“…ähm…anspannt (auch so ein Ding mit den englischen Wörtern, die gelegentlich zuerst in meinem Kopf aufpoppen), ohne zu wissen, warum. Bestand doch offensichtlich kein Grund dafür.
Im Supermarkt dann überwältigt von Effizienz und Freundlichkeit. Zweifel, ob das alles echt ist und mittendrin immer wieder komplette Orientierungslosigkeit.
>Wie viel Abstand zu meinem Vordermann in der Kassenschlange ist appropriate? (ich glaub, ich steh immer zu eng)
>Wie zu Hölle heißt das deutsche Wort für…?
>Wie lange brauche ich von A nach B?
>Was ziehe ich an? (und nein, das ist keine typische Frauenfrage!) Kalt, warm, Anlass, Mode?

>Irgendwie sehen die Leute hier doch alle gleich aus. Ist das beruhigend oder langweilig?

>Warum erschafft die Sonne und Wärme so andre Gemüter als das deutsche?

Jaja, ich glaube, ich werd‘s schon schaffen. Und ja, basically I’m fine.
Trotzdem liegt mir ein Gedanke schwer im Kopf und ich vermute, dass sich dieserlei auch in einigen Wochen/Monaten von selbst erledigen, hoffe aber gleichzeitig, dass sie nicht komplett verschwinden. Etwas kritische Sehweise hält ja den Geist wach. 😉

Den Einwand der Belanglosigkeit bin ich nämlich in den drei Wochen noch nicht losgeworden. Im Gegenteil, ich habe das Gefühl, es wird schlimmer. Man muss es ganz klar sagen: das Leben in Deutschland ist schon recht bequem.
Ich vermute auch, dass ein Teil meiner Verwirrung daher kommt, dass die ganzen alltäglichen Widerstände wegfallen. Denn egal wie anstrengend oder stressig der Arbeitsalltag so gewesen ist in Mumbai, was mich wirklich geschafft hat, war das Alltägliche. Der Lärm, das Wetter, die Sorgen. Nichts klappt einfach so, wirklich nichts. Und sollte wieder erwarten doch mal ein Tag ohne Katastrophen vorüber gehen, hat es der nächste garantiert doppelt so dick in sich. Man kann und möchte sich das nicht ausmalen. Wie viel Energie das wegnimmt und dass das auch nie nie nie einfacher wird!! Selbst eingefleischte Mumbaikars geben das zu. Sogar die Bombay-wallas, oder gerade die. (aber den Witz versteht hier wahrscheinlich eh niemand…)
Ich habe auch aus diesem Grund die Wochenenden gern ausschließlich zu Hause verbracht und geschlaaaaaafen. Ein kurzer Gang zum Anand Bazaar (der mir schrecklich fehlt, wo es doch jetzt, nach mehr als 2 Jahren in Kala Nagar wirklich angenehm dort wurde) und das war‘s an advanture. Und mehr hab ich auch einfach nicht geschafft.
OMG…anand bazaar auf google. im empfehle also: https://plus.google.com/112470602694817075157/about?gl=de&hl=de

Und jetzt kommen mir, nach dem nunmehr dritten Wochenende, zwei Tage schon fast zu viel freie Zeit vor. Man verstehe mich nicht falsch: ich will nicht weniger Wochenende! Nein nein…
Ich kann auch noch nicht richtig ausgehen hier…irgendwie fühle ich mich dafür noch zu fremd und ehrlich, in Köln ist mir im Moment auch alles etwas zu selbstverliebt.
Aber zurück zu belanglos. Ich möchte eigentlich ständig in die unheimlich gestressten Gesichter schreien: DAS IST DOCH KEIN PROBLEEEEEEMM!!! Ja, Wetter ist scheiße und kalt und grau. Ja, der Euro steht schlecht …blablabla…. Aber echt, es ist doch alles in Ordnung und ich verstehe einfach nicht, warum man das nicht sehen kann bzw warum das nicht alle so sehen und ihr Energie lieber für etwas anderen (wichtigeres?) nutzen als das konstruieren nicht relevanter Konfliktsituationen.

Ja, ich bin ein wenig wütend mit den Deutschen!
Aber auch das wird sich legen. Schließlich bin ich ja eine von Ihnen. At least I used to be.

Achja: Ich habe noch keine Ahnung, ob und wie ich den Blog weiterführe. Kann sein, dass das hier der letzte Eintrag sein wird. Schreibend denke ich allerdings schon, nääää… 😉

Bis dahin wieder etwas Musik?

Deutsch oder Indisch?
vielleicht etwas das dazwischen liegt? meine letzte musikalische Entdeckung vor Abflug vielleicht? Erwähnenswerte Band aus Mumbai namens „Sky Rabbit“!
(herrje, ich sehe mich in weiteren zwei Wochen schon das Chaos wieder herbei sehnen)

smiley_emoticons_winken4anja

 

 

 

 

 

 


Demophobie?

= die Angst vor dem Volke.

*

vor kurzem noch hatte ich gedacht, dass wäre meine diagnose.
aber angst ist es eigentlich nicht, oder doch?
wut vielleicht
aggression (der in letzter zeit erschreckenderweise bestimmende grundton)
es könnte aber auch sein (achtung, hobby psychologe am start), dass wut & aggression nur symptome eines viel tiefer liegenden problems wären…?
(…ach menno, hätte ich doch nur den blöden studienplatz in psychologie bekommen anstelle von kloppi avl!)

*

ich war eigentlich schon immer ein schneller fußgänger. die wichtigsten personen meiner frühen kindheit, an deren händen ich über und duch die straßen ging, sind ebenso schnell gelaufen. ob sie es einfach eilig hatten oder eben viel beschäftigt waren, bleibt unerforscht. mich hat es in jedem fall beeindruckt und geprägt.
ein stadtkind war ich auch schon immer. finde mich einfach besser zurecht. ich habe nichts gegen natur, so grundsätzlich ist das schön, aber ich lebe in der stadt.

*

erst vorgestern: ich schlängel mich gewohnt fix durch die auto-und rikshawmengen, haste die treppen zum skywalk (eine Art Fußgängerbrücke, englischer Artikel hier) hoch als sich so ein möchtegernschnellgeher vorbei drängelt. es ist wirklich eng da auf der treppe und ICH GEHE SCHON SO SCHNELL ES HIER GEHT. aber er möchte gern testosteron beweisen und drängelt sich vorbei. es ist klar wie kloßbrühe was passiert: er vorbei, und stürmt oben angekommen los, hatt aber (grob geschätzt mangels kondition und erfahrung) nicht genug energie, dass auch die ganzen 7minuten (jaa, so lang ist der skywalk) durchzuziehen, das tempo. ICH weiß das und ICH kann das auch. ich also hinterher und BÄNG nach 2 minuten habe ich ihn wieder eingeholt. er sichtlich überrascht, dass ich immernoch da bin (ja, man soll uns europäerinnen niemals unterschätzen!), will mich aber nicht vorbeilassen und fängt so einen blöden zickzack an. ich komme mir vor, wie im vorgartenkleinkrieg….echt, son scheiß. ich hab die schnauze voll und rempel ihn an und an ihm vorbei. ich hab da echt keine zeit für du purzelzwerg!!
das klingt lustig, ne?
ist es aber nur, beim ersten oder zweiten mal.

*

generell versuche ich, die zeit, die ich in menschenmassen laufend in indien verbringe, auf ein minimum zu reduzieren. also selbst wenn ich nicht gern schnell laufen würde, wäre das so.
ich bin da eigentlich auch ganz gut drin, weil ein bisschen furchtlos.
und im prinzip sind die stadtinder meister im aneinander vorbei gehen OHNE sich zu berühren.
IM PRINZIP

was mich allerdings der alltag lehrt, ist eine andere realität. ich werde regelmäßig gestreift und angerempelt.
in 99% der fälle von männern….zufall?
dabei gibt es dann die unschuldigen, die mit dem arm dein bein streifen.
und die bösartigen, deren ellenbogen sich brutal in deine brust rammt. das tut weh. das ist nicht nett. das passiert viel zu oft und ist auf dem weg von/zur arbeit auch sehr unerwünscht.
ich laufe inzwischen also mit gesengtem kopf (die blicke sind nämlich noch schlimmer) und kopfhörern (den neben körperlicher belästigung gibt es ja auch noch die verbale) und dann, wenns richtig drängelig wird,  mit angezogen ellenbogen, so dass meine arme meine brust verdecken.

ich versuche WIRKLICH mich nicht mehr so sehr aufzuregen über all das. auch nicht über die bummler, die im dichtesten rush hour wusing gemütlich dahin schlendern und dann gern auf dem treppenabsatz stehen bleiben, um vielleicht doch noch mal ausgiebig darüber nachzudenken, ob sie jetzt da runter/hoch gehen oder doch nicht.

*

demographie
=
die angst vor dem volke.

ich bin inzwischen der meinung, dass ich aus angst da so durchrenne. aus angst vor der in mir aufkeimenden agression. ich stoße manchmal schon sehr heftig zurück. wie oft und wie lange kann man sich denn schupsen lassen, ohne zurück zu schupsen?
zurück glotzen kann ich ja schlecht und das was ich gern anstelle dessen tun würde, beraubt mich jeder würde.
ich lasse es also. solange wie ich kann. stecke den kopf zwischen die hörer und gucke auf den fußboden. da liegen eh genug müll, dreck und bettler, auf die man acht geben muss.

*

zum abschluss nun, als musikalischer ausdruck meiner wachsenden verzweiflung ein liedchen, was mir zugespielt wurde. was mich an diesem lied so fasziniert: mir ist das kackwetter egal, matschbraun egal. es ist leer und ruhig. vom meer in die leeren straßen. ein traum.
man möge nachsicht mit mir haben und mit mir hoffen auf ein bisschen:

a.


mumbai ist eine halbinsel!

freitag. endlich feierabend. woche war lang und nicht einfach. ich freue mich auf ein wochenende. ich brauche ein wochenende.
ich habe die freude mein wochenende mit einem filmprogramm einzuläuten. lola rennt, ich stelle fest, wie sehr sich berlin verändert hat in den letzten 14 jahren und was für gute filme wir doch haben. jaja.
danach bin ich zu einem bier mit zwei freunden verabredet. nichts ungewöhnliches trotz alkohollizenzdebatte (über die ich eigentlich einen kleinen beitrag schreiben wollte….ähem). das woodside inn liegt gleich um die ecke, sie haben gutes bier, wenn auch gleich teuer ( würde ich in europa für ein bier 8 oder gar 10 euro zahlen?? ). leider ist es dort nach feierabend, und besonders gern freitag, ziemlich voll und vor allem: LAUT.
wir saßen dort also auf ein wasauchimmerpincher und versuchten ein gespräch. es überrascht mich selbst immer wieder und ist doch absurd, wie sehr man sich selbst an total unannehmbare zustände gewöhnt….so sehr dass ich den vorschlag, vielleicht noch woanders hinzugehen, wo es vielleicht etwas leiser/ruhiger wäre und man sich nicht über den tisch hinweg anschreien müssen, erstmal skeptisch abtat. nochmal bewegen…näähhhh.
idiot ich!
die dritte person, mit der ich und meine mitbewohnerin nämlich saßen, war besagter commandar dilip donde, von dem ich schon einmal berichtet habe. ein mehr als interessanter gesprächspartner in einer stadt voller menschen mit problematiken wie alkohollizenzen, verkehrssituationen und dem letzten batman movie.
er bot an, noch weiter in den süden der stadt zum sailing club zu fahren!!! ein exklusiver club (wie es ihn hier in der stadt in verschiedener ausführung für members und ihre freunde aller sorten gibt), der eigentlich den navy mitgliedern vorbehalten ist. tatsächlich sind die da auch sehr genau und so blieb mir ein besuch bei einer weiteren sehr lieben indischen freundin, die mit ihrem mann im navy viertel wohnte, auf sehr lange zeit verwehrt: sorry, no foreigners here!
egal, mr. donde ist ja sowas wie ein nationalheld und hat sein büro im gleichen gebäude wie der club.
wir fahren also weitere 10minuten den colaba causeway hinunter. die touristengeschäfte werden immer weniger, ein dörflicher charakter entfaltet sich, es wird ruhiger.
am club angekommen (ein bewaffneter öffnet die pforte und ich rechne eigentlich damit, gleich gefilzt zu werden) macht man uns dreien einen extra tisch auf der terasse fertig, die in der monsunzeit wahrscheinlich eher weniger benutzt wird. wir sind also allein auf einer riiiiieeesigen terasse und was soll man sagen: MEER!!! ich kann mein glück kaum fassen und stehe erst einmal eine viertel stunde fasziniert am geländer und atme die feuchte luft ein. lausche dem rauschen.
der kellner, der uns immer wieder bier und snacks aufs dach bringt, ist sehr leise und versucht wohl, der unsichtbare diener deluxe zu sein. sehr devot. komischerweise kann ich den gedanken nicht abwehren, dass ich das als sehr angenehm empfinde….? sicher nicht, weil ich devote diener mag, sondern eher weil sie einem sonst laut schrill und aufdringlich entgegen kommen. yes madaaaaam!!!
keine verkehr, kein möööp mööp weit und breit. ich kann meinem angespannten hirn dabei zusehen wie es innerhalb dieser wenigen minuten auf „normal“ fährt. ah, welch eine wohltat das ist, kann man niemandem beschreiben, der nicht schonmal hier gewesen ist….

auch das gespräch driftet in eine ecke, in der ich mich eigentlich nur fragen kann, was für einen unfug ich eigentlich tagtäglich in meinem leben fabriziere. es geht um die planung eines erneuten segeltripps um die welt und die menschliche herausforderung, die darin liegt, es allein ohne zwischenstopp zu schaffen. alles andere verblasst wohl vor diesem hintergrund, zumindest für mich an diesem freitag abend. es geht nicht so sehr um die argumente, die an diesem abend ausgestauscht werden. ich bin einfach nur mehr als dankbar für den inhalt des gesprächs.

die arbeit scheint sehr weit weg, büro, ganz mumbai. unfassbar das ich bald schon wieder in ein taxi steigen und nach „hause “ fahren werde.

doch auch das ist mumbai.

diese blasen gehören dazu. es  gibt sie noch. gottseidank.

also bin ich mal ganz still und zufrieden für einen kurzen moment und sage: danke. 🙂

ich ende mit einem märchenhaften video vom meinem lieblingsfisch und der frage: wann lerne ich eigentlich endlich mal anständig tauchen?

winke winke

a.


keine halben sachen!

(wenn schon schlechte laune, dann richtig)

der tag hier für mich beginnt zumeist in der öffentlichkeit, sprich auf dem weg zur arbeit.
heute hat mir auf der stationstreppe wieder ein hirni erst leise lässig, später lauter immer wieder „hello!“ hinterhergerufen. als wir am ende der vollkommen überfüllten selben angekommen sind, dann so laut, dass ich 2 sekunden davor war, mich umzudrehen und zurück zu brüllen: geh nach hause und sag mal wieder HELLO zu deiner biwi du perveser vollidiot!

da hatte ich noch humor übrig.

circa 45minuten später hab ich mich dann in steigender spätmorgendlicher hitze (es ist mai im schwülen mumbai) in den straßen kalbadevis verlaufen. dabei war der weg von der station marine line zum FRRO (ausländerbehörde) beim letzten mal super einfach zu finden! dieses mal eben nicht.
lerne: wenn die straßen immer enger werden und du durch einen schwarm an bärtigen männern auf eine reich geschmückte moschee zuläufst, ist eher nicht damit zu rechnen, dass dir dort jemand mit deiner visumsverlängerung hilft…

auch das konnte ich als geübter fußgänger noch halbwegs gelassen hinnehmen.
war dann eben nur restlos verschwitzt bei ankunft im FRRO und muss meine geschröpften salzhaushalt wieder aufstocken. (das sollte man auch dringend beachten!)

habe ich den mumm zu erklären, warum ich das visum nicht bekommen habe? ich vermute, ich bleibe abergläubisch und halte an in der hoffnung auf ein gutes ende innerhalb der nächsten woche lieber die klappe.
nur soviel: ich finde mich in einer position, in welcher ich mich dafür rechtfertigen muss, zu wenig geld zu verdienen. eine ganz tolle sache. (und so gehen meine ideale den bach hinunter. danke!)

am nachmittag, zurück im büro, sind meine nerven und ich endgültig am ende und als mein handy abstürzt (kurz vor einem wichtigen anruf in eben jener sache) und ich den doofen akku nicht herausbekomme, bin ich schon ein wrack. sooo unglaublich schlecht gelaunt, dass ich meinen armen praktikanten, der doch nur helfen will, wohl ordentlich geängstigt habe. er traut mir zu, dass ich ihm eins verpasse….ich bin kurz davor. irgendein kopf muss jetzt rollen!!
ich schaffe es aus dem büro ohne tote.

das ich dann auf dem heimweg am wie immer proppenvollen churchgate bahnhof auch noch fast auf einem überrest an fäkalien (oder essenresten…? wer weiß das schon, wenn klo und fast food shop direkt nebeneinander plaziert sind) ausgerutscht wäre, trägt nun auch nicht gerade zu verbesserung meiner laune bei….wie man sich vielleicht vorstellen kann.

(beim schreiben der notizen im zug rennt eine schon eher mittelgroße kakerlake über den boden…urgh…juchu indien!)

doch jetzt gehts mir schon besser. hab den ganzen kladeradatsch niedergeschrieben und losgelassen. phew.

bombay, echt. you’re killing me.

anya


what a life we’re living

auf der bandra station tummeln sich verschiedenste bettler. morgens andere als abends. meistens muslime, ein muslimischer slum ist gleich angedockt und expandiert gerade wieder.

am anfang kam es mir vor wie ein sammelsorium an grausamkeiten, wie ein gruselkabinett. die verstümmelungen und das ausmaß an elend, was sich dort versammelt, ist für das europäische auge ein schock. man guckt lieber weg. kann es trotzdem nicht und muss doch irgendwie da durch. jeden morgen.

stück für stück habe ich mich daran „gewöhnt“, kenne die einzelnen alten blinden männer inzwischen gut und ihr stetig brummendes „allaaah“. sehe immernoch bewusst bei den frauen weg, die kleine schmutzige babys in den armen halten und bin immer wieder erstaunt, in welchem ausmaß der menschliche körper deformiert werden kann.

einzelne „fälle“ wie folgender verarbeitet man aber wohl nie:

ziemlich zentral inmitten der stetig rauschenden menschenmenge liegt gelegentlich ein kind, ein mädchen. als ich sie das erste mal bemerkte, hatte ich für die stunde danach einen kloß im hals, denn dieses mädchen besteht eigentlich fast nur aus einem rumpf, der die größe einer 4jährigen hat, geschätzt.
mein erster gedanke war: contergan! denn die arme und beine sind im ansatz schon vorhanden.
seltsam babylike  wackelte sie mit dem unterleib hin und her, der in eine art windel gewickelt war.
keine mutter weit und breit.

viele male traute ich mich nicht richtig hinzusehen, erhaschte im vorübergehen einen kurzen blick auf das mädchen.

immer lag sie dort allein

immer wackelte sie mit ihrem unterleib

manchmal hatte sie eine babykappe auf, aber nach und nach konnte ich erahnen, dass sie durchaus kein baby mehr ist.

um so öfter ich einen kurzen blick in das gesicht des mädchens warf, wurde mir stück für stück bewusst, dass es kein mädchen ist….
sicher auch noch keine frau, aber wohl deutlich älter als 3 oder 4 jahre.

nun fingen die gedanken an zu wandern.

jemand muss sie dort regelmäßig ablegen, allein schaffst sie das wohl kaum. ist dieser jemanden auch verantwortlich für ihr erscheinungsbild als kleinkind? sicher, ein baby erregt mehr mitleid.
was für ein leben lebt sie und ist ihr bewusst, wie sie dort präsentiert wird? ist es ihr egal? ist das eben die art, wie sie ihr geld verdient oder doch wesentlich mehr?

ich sehe sie jetzt nicht mehr als eine der vielen armen kreaturen in dieser stadt, sie ist…ja, ein mensch, eine person geworden. ich nehme an ihrem leben keinen anteil, aber sie hat ein gesicht.

was für ein seltsames leben wir leben.


luft holen

Es war ganz klar. Mein körper hats mir vorgemacht und ordentlich die alarmglocke geläutet und nun folgt eben auch der rest.
und manchmal sind es dann eben doch die einfachen fragen, die einem wie ein spiegel vorgehalten werden. Dann sind sie nicht mehr zu verleugnen.
habe ich ganz gut geschafft, ziemlich lang sogar. Hatte schon gelegentlich die ahnung, dass mir mein unterbewusstsein da irgendwann noch einmal eines ins genick verpassen würde.
es handelt sich um die sehr verständliche frage: wie machst du das eigentlich alles? Wie überlebt man diesen ganzen wahnsinn? Wohin schafft der europäische körper die ganzen schönen und schrecklichen erlebnisse, die in unverdaulichem tempo auf einen hereinprasseln in einer stadt wie mumbai?
Diese frage ist mir schon oft begegnet. Von vielen gästen, die für ein paar monate in die stadt kamen oder kürzer. Meistens waren sie am anfang auch etwas schockiert wegen meiner manchmal etwas zur aggression gegenüber den alltäglichen dingen vor ort neigenden haltung. Sie verstehen mich nach einem monat hier. Und grundsätzlich ist meine haltung ja auch nicht negativ dem hiersein gegenüber. Wäre dem überwiegend so, wäre ich nicht mehr hier. Es bleibt dann eben die frage übrig, wohin diese negative energie fließt. Bei der guten, der schönen kann man das gleich sehen. Sie fließt nach außen scheint mir, äußert sich in guter laune, lieben briefen an freunde, energetisch geladener arbeitsmoral.

wo aber bleibt das minus?

manche meditieren.

manche treiben sport.

oder sind vielleicht ab und zu einfach mal richtig böse und fies.

Ich merke zunehmend, nicht immer nur vom arbeitsstress herzuleitende erschöpfungserscheinungen. Manchmal habe ich diese wirklich schlimmen alpträume noch, die ich zu beginn meines indienaufenthaltes hatte. Meistens sind es aber nur so kleine dinge, wie ein nerviges augenzucken oder unendliche müdigkeit am wochenende, die mir zeigen, da fehlt was, da stimmt was nicht.
Der großen frage habe ich mich bis jetzt aber noch nicht wirklich gestellt: was macht dieses manchmal auch sehr erwünschte aufreiben mit meiner seele? Wohin geht das alles?

In den letzten monaten ist mir verstärkt dieses luftholen aufgefallen. Ich vergleiche es mal mit einem laaaaangen tauchgang, der zwischendurch unterbrochen wird mit heftigen tiefen atemzügen, wenn der kopf endlich über die wasseroberfläche gelangt.
das luftholen äußert sich bei, so meine vermutung, in überbordender freude über deutsche gäste beim institut. Ich genieße den austausch in der muttersprache, das „sich nicht verhalten müssen“. Den umgang mit meines gleichen…oder so. es ist wie luftholen. Angenehm, erfrischend und dringend notwendig.
man muss dazu ja auch sagen, dass immer wieder ganz tolle menschen (nicht alle sind künstler, aber die meisten) nach mumbai kommen. Interessante menschen mit ansichten, die ich teilen kann und mit denen ich mich verstehe. Das ist sehr schön 🙂
schon einige schöne und wertvolle freundschaften sind daraus entstanden, die ich sehr schätze.
(das sich im ausland kennenlernen auch eine sehr eigene note)
Leider gehen diese menschen immer vor mir wieder und hinterlassen eine lücke, die ich zusehends als verlust empfinde. Kommen und gehen. Kommen und gehen. Ich weiß auch, dass das im leben nun einmal so ist, das menschen kommen und gehen und nicht alle so lange bleiben können, wie man selbst es möchte.
trotzdem sind mir die zeitspannen immer zu kurz und ich ertappe mich gelegentlich schon dabei, dass ich mich gar nicht mehr richtig verabschiede, weils zu weh tut. Mich einfach umdrehe und weitermache. Kommen und gehen.
verstärkt hänge ich mich dann auch total an die vorrübergehenden weggefährten und werfe alles andere über board….
Jetzt war wieder für nur ein paar tage jemand da, an den ich mich, glaube ich total gehängt habe. Musste dringend luftholen und die luft war süßlich frisch.
und dieser jemand hat mich eben gefragt (und das schon sehr schnell, ich bin eben doch für manche sehr leicht zu durchschauen): wie machst du das hier eigentlich? Wie schaffst du das?
gelegentlich hatte ich da schon meine halbfertigen antworten, aber dieses mal hat mich die frage so eiskalt erwischt und ins schwarze getroffen, dass ich nur sagen konnte: ich weiß es nicht. 

Und ich weiß es wirklich nicht. Einen wirklichen ausgleich habe ich nicht.
Habe sonst immer gelassen geantwortet: keine ahnung, man gewöhnt sich halt dran.
aber tut man das wirklich?

Jetzt hänge ich nun da mit dieser frage im raum.

die wunde ist offen und will behandelt werden.

Ich bin dankbar für tipps.
(hier käme jetzt night swimming von rem, video geht aber grad nicht rein….nerv)

ania


kleinigkeitenreport 2011

davon hatten wir so lange keinen, dabei besteht das lkeben doch bekanntlich aus kleinigkeiten. 😉

1. work in progress: das bombay eine baustelle ist: nicht neu. die baufirmen kommen dem immer noch rasant wachsenden bedarf eigentlich kaum hinterher und die stadt wächst in alle möglichen richtungen. bei mir gegenüber wächst sie nach oben. die kolonie in der ich wohne, besteht aus schon etwas veralteten aber immer noch schönen häusergruppen. die straßen sind grün und die wohnhäuser selbst nur 3-4 etagen hoch. das bauland ist allerdings inzwischen extrem beliebt geworden. also werden die kleinen gemütlichen kolonien stück für stück abgerissen und auf deren grundfläche ein 15 geschosser gebaut. inklusive tiefgarage, pförtnerhäuschen und luxuriös klingenden namen wie „jade garden„. kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die innen genauso aussehen, wie die hochhäuser meiner kindheit. nicht, dass ich da was gegen hätte, ich stehe zu meiner platte, aber luxuriös würde ich das auf keinen fall nennen. schon gar nicht für die preise. davon kann dani auf jeden fall ein lied singen…

aber, worauf ich eigentlich hinaus wollte: direkt gegenüber meiner einstmals kleinen beschaulich ruhigen straße wird so ein koloss gebaut und ich bin live dabei. und ich meine: LIVE DABEI. denn wie das hier so üblich ist, wohnen eine hand voll bauarbeiter, die gern aus den (mehr oder weniger) umliegenden dörfer herangekarrt werden, direkt vor ort und zeit scheint keine rolle zu spielen oder eben eine sehr große. das ding muss fertig werden. sonntag 1am…na und, mumbai ist eh laut!! zwischendurch ist immer mal ruhe, ich weiß nicht warum. ich frage nicht. am wochenende hab ich zeit, direkt zuzugucken, wie die einzelnen etagen aufgebaut werden. das ist durchaus interessant. man darf natürlich nicht ängstlich sein, denn die kleinen dünnen männer sind LOGO null gesichert. wie so oft gilt hier: besser nicht hinterfragen!
nach und nach haben es sich die bauarbeiter dort heimelich gemacht. ab und zu klingt aus billigen handys am frühen abend der ein oder andere alte bollywood klassiker und manchmal, wenn der bauvorhang zur seite gezogen ist, kann ich sie kochend zusammen sitzen sehen. seit letzter woche ist nun endgültig „zivilisation“ in die immer noch unverkleidet und unverglasten unteren zimmer einzogen. in form einer „gardine“. inzwischen sieht man nämlich auf der gespannten wäscheleine zur westseite auch saris hängen und demnach ziemt sich auch etwas privatssphäre. so schnell definiert sich eigener wohnraum. in deutschland braucht man dafür zäune. hier eicht ein graue plane und ein pinker sari.
letzte woche hat die höhe des hauses nun das meinige überschritten und die netten nachbarn werden bald weiterziehn. dann kommen neue nachbarn. die sich vorkommen wie der kaiser in china, aber wohnen wir anja in rostock in den 80ern.
  

2. herbstgefühle: der monsun scheint dieses jahr halbwegs pünktlich aufzuhören und kaum kommt die sonne wieder raus, wird es heisser und man vermisst schon fast den frischen regen.
ich beginne die neue jahreszeit damit, meinen schrank zu durchforsten nach schimmel. in den letzten wochen hat es nach totem hund darin gerochen, aber jetzt muss ich da durch. einige dickere wäscheteile wie pullover habe ich gerade noch rechtzeitig entdeckt, um sie vor dem schimmeltod zu bewahren, andere shirts muss man nur mal lüften.
endlich wird die mode nicht mehr nur vom wetter bestimmt, sondern davon, worauf ich lust habe. naja, nicht zu vergessen den „anglotzfaktor“, der wichtig ist. denn mit der sonne kommt auch die herbsthitze (bevor in den angenehm warm/frischen winter gehen) und ich spüre den unterschied zwischen kurzärmelig und langärmelig schon sehr. nerv! ja, ich weiß, ich bin da immernoch sehr empfindlich, aber tut mir leid, das ist eben so. manche dinge müssen sich auch nicht ändern.
erst gestern im atm-geldautomaten wieder so ein erlebnis. ich warte auf eine freundin, die geld holt und ein typ geht unnötig dicht an mir vorbei und glotzt, röngt mich wieder (ganz selbstverständlich) dermaßen…. ich denke dann jedes mal, dass ich im in dtl schon längst gesagt hätte, dass ich mich ebenfalls freue, mein knie in seinen eingeweiden zu versenken, aber hier…soviel energie habe ich nicht. auch nicht soviel zeit, denn fast jedes mal, wenn ich mich missmutig zur respektlosen behandlung geäußert habe, starrte mir ein verständnisloses gesicht entgegen? was denn? das artet in emanzipatorische missionierung aus, das ist nicht meine aufgabe. gut…eh wir uns da wieder verrennen, hier ein schlussstrich.
der herbst ist da und eigentlich bin ich ganz froh drüber. jahreszeiten gibt es also auch in mumbai und so langsam bekomme ich ein gefühl dafür. 🙂

lg in den deutschen herbst (an den ich mir verbiete, zu denken….denn was würde ich für einen langen herbstspaziergang geben)


(wahnsinn, immer noch von samstag nach zehren!)


Is this bitching really necessary? (=ey!?!)

Oder nicht einfach nur eine verschwendung von ressourcen?
Da bin ich also nun wieder. In der mitte von indien, in der mitte des molochs, in der mitte der weiblichen kampfzone!
ich bin nie jemand gewesen, der in konfliktsituationen auf konfrontation ging. Gut, ich KANN sehr direkt sein, aber das ist wohl etwas anderes. Werde ich frontal angegriffen, neige ich zum geordneten rückzug, der gelegentlich in unordnung gerät. weil ich feige bin? Nein, weil ich im großen und ganzen als harmonischer mensch bin und ganz besonders zu hause auch einfach meine ruhe haben will. Zu hause auch noch kämpfen? Ist der kampf auf den straßen, in den büro’s nicht hart genug? Ist es zuviel verlangt, in den eigenen vier wänden verschont zu bleiben und kann man nicht solcherlei probleme (kleinigkeiten) nicht auch zivilisiert besprechen?
die antwort ist einfach und lautet: nein.
nach mittlerweile mehr als 10 jahren in wgs, in denen ich wahrhaftig einiges erlebt habe (höhepunkt war eine anzeige wegen verletzung der privatsphäre von einem mann, den ich auf 3 metern entfernung riechen konnte…laaange geschichte), steht für mich eigentlich schon länger fest, dass ich allein wohnen möchte, muss, will. Die einzige person auf dieser welt, mit der ich im moment bereit wäre, mein leben (sprich wohnung) zu teilen, ist meine schwester. (nun gut, vielleicht würde ich vorübergehend bei george clooney auch eine ausnahme machen, aber nur, wenn er die espressomaschine mitbringt! )
leider lässt sich das hier nicht verwirklichen. Auch verschiedenen gründen. Der größte und wie immer entscheidende faktor ist das verdammte geld! In mumbai eine wohnung zu mieten ist scheiße-teuer. Und ich meine: SCHEISSE teuer! Nachdem mein visum bereits daran gescheitert ist, dass ich nicht genug geld verdiene kann man sich vielleicht ausmalen, dass ich hier nicht im goldenen gral schwimme…
außerdem gibt es bei einer wohnung auch eine unmenge an papierkram und dinge zu beachten, die mich die nächsten monate busy keepen würde…keine lust dazu (und ehrlich auch keine nerven, so schon genug papierkram an der backe). Multipliziere man nun mit der tatsache, dass man ja als foreigner auch immer noch einen „sonderstatus“ hat….klar, ne?

Es war also bis jetzt einfach immer günstiger in wgs zu wohnen, die es zusehends auch gibt. sie wachsen nicht wie champingons zur erntezeit aus dem boden, aber es gibt sie.
ich dachte also, ich bin durch mit dem thema. Dachte…!
schon im letzten beitrag konnte man vielleicht etwas …unmut..über die aktuelle situation herauslesen. Dieser hat sich wie ein ekelhafter fusspilz (was hab ich denn heute mit pilzen?) weiter ausgebreitet und ich habe mittlerweile das gefühl, dass ich in diesem haushalt für jeden quadratmillimeter freiheit kämpfen muss. Ständig werde ich angefahren, dass meine nasse kurta zu dicht an einen pinken bra hänge oder einen gürtel unsachgemäß auf dem fussboden hinterlassen habe….
und dieser ton erst…..
und ehrlich, ich bin drauf und dran zu platzen. Aber tue ich das?
und ich bin wirklich niemand, der anderen menschen ihre macken nicht lässt, habe ich doch selbst genug, aber irgendwann reichts! Inzwischen weiß ich schon nicht mehr, ob mich diese aneinanderreihung von dämlichen anweisungen allein nervt oder ob es an dem ton liegt.
Nun ist das hier aber ein raubtierkäfig der besonderen art und mir ist auch nicht neu, dass man sich in dieser stadt durchsetzen muss oder man wird verschluckt von ihr. Und ich lerne dazu, wirklich! Ich lerne das zu tun, was ich schon immer verabscheut habe. Toll nicht!?
aber zu hause, zu hause will ich meine ruhe!! Und das ohne eine jungen nordindern jeden zweiten tag klar machen zu müssen, dass sie sich gefälligst am riemen reißen und mich in ruhe lassen soll mit ihrem gekeife!

Fazit: ich will nicht allein wohnen, aber ich muss mein eigenes recht behaupten und das sagt: leave me the hell alone!

hier kommt ein dampfablassvideo, was thematisch woanders hin geht, aber doch auch irgendwie passt. so vom flow her. 😉

anya