zzzzzzzssscchhwuuuummm….3 jahre vorbei gerauscht…

Man sagt doch, dass das zeitempfinden allgemein an das glück und wohlgefühl geknüpft wäre. Sprich: geht’s mir gut, vergeht die zeit schneller.
ich kann dem nur (noch) bedingt zustimmen. Bisher hatte ich auch das auch so gesehen. Aber wie in so vielen dingen hat auch in diesem punkt indien mein zeitempfinden entscheidend verändert.

Grundsätzlich beschreibt jeder europäer, mit dem ich mal darüber gesprochen habe (und ich spreche ja bekanntlich viel 😉 ), die erlebte zeit als unheimlich intensiv und schnell. Egal, ob gute oder schlechte Momente, man hat ständig das gefühl, als raaaase das leben an einem vorbei oder besser, schleift dich mit. Hetz hetz hinterher.

Ich vermute, dass das ganz simpel an der ereignisdichte liegt. Einem wunderschönen deutschen wort, was ich in der letzten zeit wieder häufiger verwende. Die erlebten momente sind nun mal, im vergleich zum bequemenen 9to5 dasein in einer der deutschen ähem…städte, um ein vielfaches extremer, intensiver, fremder in der einordnung und treten noch dazu in einer häufung auf, die eine simultane verarbeitung eigentlich nahezu unmöglich machen.
(ich für meinen teil rechne damit, dass ich noch mind. ein jahr nach rückkehr nach dtl mit dem verarbeiten der letzten zwei jahre zu tun habe werde aha)
man kann sein leben in einer indischen großstadt demnach nur als hektisch und vergangene jahre nur als sekunden beschreiben.

Eines der probleme, die sich daraus ergeben können ist wohl, dass man sich an diese ereignisdichte gewöhnt. Die inder um mich herum nehmen diese zum beispiel generell nur sehr gedämpft oder gar nicht war. In gewisser weise bin ich auch froh, dass ich nicht mehr vollkommen überfordert dahinrennen muss, wie in meinen ersten wochen in mumbai 2007. Inzwischen mischt sich in diese erleichterung (abstumpfung?) aber auch etwas sorge, dass mir die ruhe und „langsamkeit“ deutscher ähem…städte doch wohl arg aufs gemüt schlagen könne.
man kennt den schwindel, die nach einer runde im karussel den kopf befällt, wenn dieser auf einmal stehen bleiben soll.
ja, nun gut, STEHENBLEIBEN werde ich in dtl ab märz wahrscheinlich nicht, aber was ist, wenn ich nun fortan immer am rennen bin. Karla kolumna mäßig….das will man doch auch nicht.

Wie dem auch sei. Besonders die letzten monate haben es ereignisdichtemäßig EXTREM in sich gehabt. zu meinem glück waren sie dieses mal mit hauptsächlich positiven ereignissen gesät und mir scheint, der abschied von meinem leben hier in nur wenigen wochen ist undenkbar.
ich war nochmal kurz in kolkata (krasse stadt), in pune (habe es doch beim dritten versuch das erste mal schön gefunden) und ein goa-urlaub steht ebenfalls noch ins haus. 🙂
bin ergo viel unterwegs.
habe auch, bedingt durch den abschluss des projektes, für welches ich die letzten 1 ½ jahre hier tätig war, schon mit einigen abschieden begonnen und stelle fest, dass sich doch an den unerwartetsten stellen auf einmal freundschaften heraus kristalisieren. Ich hoffe, ich kann davon etwas mitnehmen ins kalte, graue, stille deutschland. Brrr.   Sowohl von der guten energie, die ich gerade habe, wie auch den freundschaften. Ich finde, ich habs verdient!

hier was interessantes. mumbai-the land of dreams….jaja, alp-dreams vielleicht. 😉

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blinzeln, atmen und glücklich sein

doch doch, es gibt sie. die orte in indien, die so aussehen, wie man sich indien immer vorgestellt hat (abseits der großsstädte). man muss die augen vielleicht ein bisschen zukneifen, aber sie sind da.
goa geht auf jeden fall, aber dort finden sich eh alle indienklischees versammelt. die guten und die schlechten.
ich war am wochenende in udupi (bundesstaat karnataka, unweit von mangalore) und es war schön. ja, nun, die augen habe ich etwas zusammengekniffen, aber man nimmt halt, was man kriegen kann.

hin, der bequeme weg: modern style! flug von mumbai nach mangalore dauert nur gut eine stunde (fast 1000 km). der flughafen ist dort sehr klein, irgendwie gemütlich. wir landen an einem samstag nachmittag und irgendwie fängt die entspannung schon dort an. etwas trüben tut die stimmung allerdings der taxifahrer zur örtlichen busstation. der will wieder zeit sparen/extra geld machen und wird unfreundlich, als er merkt, dass wir uns nicht darauf einlassen. *augen zukneif*
mangalore busstation und hopp ab in den nächsten huckelbus. das kenne ich schon von anderen tripps. wenn man nur einigermaßen gesund ist (bin mal mit magen/darm nach goa mit dem bus.. urgh) und das wetter mitspielt (ein andres mal 10 tassen schweiß gelassen im bus von alibaug nach murud im april 2010) kann das eigentlich ganz schön sein. so überall.

schringkling. und los gehts….

anderthalb stunden. der bus füllt sich merklich, aber es geht noch. die gleiche schleife an schlechten bollywoodsongs gehört auch dazu. 😉
in manipal angekommen müssen wir dann nochmal eine riskhaw zum eigentlichen ziel nehmen. das ist auch nochmal nervig, weil der fahrer beschließt, den preis zu erhöhen, weil wir ja „gepäck“ dabei haben. egal, augen zukneeeiiifen!!!

ich freue mich dort am meisten über die tolle frische luft (trotzdem feucht, kann trockene hitze nicht leiden) und: die ruhe!! 🙂
ich wiederhole den satz so häufig (wow, das ist so schön ruhig hier), dass ich wohl alle schon für hörgeschädigt halten müssen. sollen sie doch. ich genieße die hörauszeit!

ingesamt habe ich wieder das getan, was ich brauchte: nüscht! (altbewertes rezept) und mich nur etwas dem touridasein hingebeben mit einem sehr lohenswerten besuch im berühmten shri krishna tempel in udupi und einem besuch am meer.
erstes hat sich mehr gelohnt als zweiteres, liegt aber auch daran, dass ich da unterschiedliche erwartungen habe.
das tempelgelände war für einen wochenendtag um diwali herum erstaunlich leer und ruhig. perfekt auch eigentlich. unaufgeräumt und zum teil auch sehr dreckig natürlich, aber ein bisschen kuhscheiße hat mich eigentlich noch nie gestört. interessante architektur und gesungen wurde auch. geräuchert überall (like) und kleine stände mit nippes rund ums thema „indische spiritualität“ (juchu). wirklich schön. ich habe eine kette aus tulsiholz gekauft und endlich meinen buddha gefunden!!

am nächsten tag gefüllt mir ordentlich viel „nüscht“ sind wir dann später noch zum strand mit dem bus. das aus- und einsteigesystem der regionalen busse ist wirklich toll zu beobachten. der conductor ruft drinnen den namen, wenn man sich einer station nähert in einem nuscheligen singsang und hält dann den kopf raus, um draußen auszurufen, wo es hin geht. dann trillerpfeife in den mund: triiit, tritt, triit (für es steigen leute aus/ein) und dann ein langes triiiiiiiiiiiiit (für: es kann weiter gehn). dann durch die menge drängeln und kassieren. der hat wirklich was zu tun, der mann.
der strand selbst war ok, aber ich musste meine augen schon sehr zusammenkneifen, um es genießen zu können. das meer und der sand selbst waren sehr schön, aber…sorry für das blöde argument, einfach zu viele inder da. heißt: laut, hektisch und gestarre….davon wollte ich ja weg. nach dem zweiten arschgesicht, das heimlich versuchte, ein foto von mir zu machen (komisch, warum nur will ich keine wichsvorlage sein?!), hatte ich dann auch genug.
rückweg.

nach noch ein bisschen mehr ruhe und frischer luft ging es dann wieder nach hause, dieses mal nicht modern style, sondern indian style. eine lange zugfahrt entlang der westküste gehört zurecht zu einem der indienreiseklischees, die man einmal erleben sollte. die landschaft ist zum einen wirklich schön. und wenn man nicht die harakirivariante second class wählt (die europäer übertreiben es ja auch gern mit der „indienerfahrung“) dann kann so eine zugfahrt, noch dazu mit netter gesellschaft, sei sie auch 14 stunden lang, wirklich schön sein. alle paar minuten kommt jemand mit einer leckeren kleinigkeit vorbei (getränke und snacks) und wenn sich dann gegen elf alle auf ihre kojen verziehen, die decken ausgerollt und betten ausgeklappt werden, entsteht tatsächlich ein wenig ferienlagerathmosphäre. gut, da nerven immer ein paar leute (gern auch die goa touris) oder schnarcht ein dicker mann zu laut, aber he, nothing is perfect?!

alles in allem ein guter tripp also, und eine echte empfehlung von mir: Udupi! 🙂

anja


Demophobie?

= die Angst vor dem Volke.

*

vor kurzem noch hatte ich gedacht, dass wäre meine diagnose.
aber angst ist es eigentlich nicht, oder doch?
wut vielleicht
aggression (der in letzter zeit erschreckenderweise bestimmende grundton)
es könnte aber auch sein (achtung, hobby psychologe am start), dass wut & aggression nur symptome eines viel tiefer liegenden problems wären…?
(…ach menno, hätte ich doch nur den blöden studienplatz in psychologie bekommen anstelle von kloppi avl!)

*

ich war eigentlich schon immer ein schneller fußgänger. die wichtigsten personen meiner frühen kindheit, an deren händen ich über und duch die straßen ging, sind ebenso schnell gelaufen. ob sie es einfach eilig hatten oder eben viel beschäftigt waren, bleibt unerforscht. mich hat es in jedem fall beeindruckt und geprägt.
ein stadtkind war ich auch schon immer. finde mich einfach besser zurecht. ich habe nichts gegen natur, so grundsätzlich ist das schön, aber ich lebe in der stadt.

*

erst vorgestern: ich schlängel mich gewohnt fix durch die auto-und rikshawmengen, haste die treppen zum skywalk (eine Art Fußgängerbrücke, englischer Artikel hier) hoch als sich so ein möchtegernschnellgeher vorbei drängelt. es ist wirklich eng da auf der treppe und ICH GEHE SCHON SO SCHNELL ES HIER GEHT. aber er möchte gern testosteron beweisen und drängelt sich vorbei. es ist klar wie kloßbrühe was passiert: er vorbei, und stürmt oben angekommen los, hatt aber (grob geschätzt mangels kondition und erfahrung) nicht genug energie, dass auch die ganzen 7minuten (jaa, so lang ist der skywalk) durchzuziehen, das tempo. ICH weiß das und ICH kann das auch. ich also hinterher und BÄNG nach 2 minuten habe ich ihn wieder eingeholt. er sichtlich überrascht, dass ich immernoch da bin (ja, man soll uns europäerinnen niemals unterschätzen!), will mich aber nicht vorbeilassen und fängt so einen blöden zickzack an. ich komme mir vor, wie im vorgartenkleinkrieg….echt, son scheiß. ich hab die schnauze voll und rempel ihn an und an ihm vorbei. ich hab da echt keine zeit für du purzelzwerg!!
das klingt lustig, ne?
ist es aber nur, beim ersten oder zweiten mal.

*

generell versuche ich, die zeit, die ich in menschenmassen laufend in indien verbringe, auf ein minimum zu reduzieren. also selbst wenn ich nicht gern schnell laufen würde, wäre das so.
ich bin da eigentlich auch ganz gut drin, weil ein bisschen furchtlos.
und im prinzip sind die stadtinder meister im aneinander vorbei gehen OHNE sich zu berühren.
IM PRINZIP

was mich allerdings der alltag lehrt, ist eine andere realität. ich werde regelmäßig gestreift und angerempelt.
in 99% der fälle von männern….zufall?
dabei gibt es dann die unschuldigen, die mit dem arm dein bein streifen.
und die bösartigen, deren ellenbogen sich brutal in deine brust rammt. das tut weh. das ist nicht nett. das passiert viel zu oft und ist auf dem weg von/zur arbeit auch sehr unerwünscht.
ich laufe inzwischen also mit gesengtem kopf (die blicke sind nämlich noch schlimmer) und kopfhörern (den neben körperlicher belästigung gibt es ja auch noch die verbale) und dann, wenns richtig drängelig wird,  mit angezogen ellenbogen, so dass meine arme meine brust verdecken.

ich versuche WIRKLICH mich nicht mehr so sehr aufzuregen über all das. auch nicht über die bummler, die im dichtesten rush hour wusing gemütlich dahin schlendern und dann gern auf dem treppenabsatz stehen bleiben, um vielleicht doch noch mal ausgiebig darüber nachzudenken, ob sie jetzt da runter/hoch gehen oder doch nicht.

*

demographie
=
die angst vor dem volke.

ich bin inzwischen der meinung, dass ich aus angst da so durchrenne. aus angst vor der in mir aufkeimenden agression. ich stoße manchmal schon sehr heftig zurück. wie oft und wie lange kann man sich denn schupsen lassen, ohne zurück zu schupsen?
zurück glotzen kann ich ja schlecht und das was ich gern anstelle dessen tun würde, beraubt mich jeder würde.
ich lasse es also. solange wie ich kann. stecke den kopf zwischen die hörer und gucke auf den fußboden. da liegen eh genug müll, dreck und bettler, auf die man acht geben muss.

*

zum abschluss nun, als musikalischer ausdruck meiner wachsenden verzweiflung ein liedchen, was mir zugespielt wurde. was mich an diesem lied so fasziniert: mir ist das kackwetter egal, matschbraun egal. es ist leer und ruhig. vom meer in die leeren straßen. ein traum.
man möge nachsicht mit mir haben und mit mir hoffen auf ein bisschen:

a.


mumbai ist eine halbinsel!

freitag. endlich feierabend. woche war lang und nicht einfach. ich freue mich auf ein wochenende. ich brauche ein wochenende.
ich habe die freude mein wochenende mit einem filmprogramm einzuläuten. lola rennt, ich stelle fest, wie sehr sich berlin verändert hat in den letzten 14 jahren und was für gute filme wir doch haben. jaja.
danach bin ich zu einem bier mit zwei freunden verabredet. nichts ungewöhnliches trotz alkohollizenzdebatte (über die ich eigentlich einen kleinen beitrag schreiben wollte….ähem). das woodside inn liegt gleich um die ecke, sie haben gutes bier, wenn auch gleich teuer ( würde ich in europa für ein bier 8 oder gar 10 euro zahlen?? ). leider ist es dort nach feierabend, und besonders gern freitag, ziemlich voll und vor allem: LAUT.
wir saßen dort also auf ein wasauchimmerpincher und versuchten ein gespräch. es überrascht mich selbst immer wieder und ist doch absurd, wie sehr man sich selbst an total unannehmbare zustände gewöhnt….so sehr dass ich den vorschlag, vielleicht noch woanders hinzugehen, wo es vielleicht etwas leiser/ruhiger wäre und man sich nicht über den tisch hinweg anschreien müssen, erstmal skeptisch abtat. nochmal bewegen…näähhhh.
idiot ich!
die dritte person, mit der ich und meine mitbewohnerin nämlich saßen, war besagter commandar dilip donde, von dem ich schon einmal berichtet habe. ein mehr als interessanter gesprächspartner in einer stadt voller menschen mit problematiken wie alkohollizenzen, verkehrssituationen und dem letzten batman movie.
er bot an, noch weiter in den süden der stadt zum sailing club zu fahren!!! ein exklusiver club (wie es ihn hier in der stadt in verschiedener ausführung für members und ihre freunde aller sorten gibt), der eigentlich den navy mitgliedern vorbehalten ist. tatsächlich sind die da auch sehr genau und so blieb mir ein besuch bei einer weiteren sehr lieben indischen freundin, die mit ihrem mann im navy viertel wohnte, auf sehr lange zeit verwehrt: sorry, no foreigners here!
egal, mr. donde ist ja sowas wie ein nationalheld und hat sein büro im gleichen gebäude wie der club.
wir fahren also weitere 10minuten den colaba causeway hinunter. die touristengeschäfte werden immer weniger, ein dörflicher charakter entfaltet sich, es wird ruhiger.
am club angekommen (ein bewaffneter öffnet die pforte und ich rechne eigentlich damit, gleich gefilzt zu werden) macht man uns dreien einen extra tisch auf der terasse fertig, die in der monsunzeit wahrscheinlich eher weniger benutzt wird. wir sind also allein auf einer riiiiieeesigen terasse und was soll man sagen: MEER!!! ich kann mein glück kaum fassen und stehe erst einmal eine viertel stunde fasziniert am geländer und atme die feuchte luft ein. lausche dem rauschen.
der kellner, der uns immer wieder bier und snacks aufs dach bringt, ist sehr leise und versucht wohl, der unsichtbare diener deluxe zu sein. sehr devot. komischerweise kann ich den gedanken nicht abwehren, dass ich das als sehr angenehm empfinde….? sicher nicht, weil ich devote diener mag, sondern eher weil sie einem sonst laut schrill und aufdringlich entgegen kommen. yes madaaaaam!!!
keine verkehr, kein möööp mööp weit und breit. ich kann meinem angespannten hirn dabei zusehen wie es innerhalb dieser wenigen minuten auf „normal“ fährt. ah, welch eine wohltat das ist, kann man niemandem beschreiben, der nicht schonmal hier gewesen ist….

auch das gespräch driftet in eine ecke, in der ich mich eigentlich nur fragen kann, was für einen unfug ich eigentlich tagtäglich in meinem leben fabriziere. es geht um die planung eines erneuten segeltripps um die welt und die menschliche herausforderung, die darin liegt, es allein ohne zwischenstopp zu schaffen. alles andere verblasst wohl vor diesem hintergrund, zumindest für mich an diesem freitag abend. es geht nicht so sehr um die argumente, die an diesem abend ausgestauscht werden. ich bin einfach nur mehr als dankbar für den inhalt des gesprächs.

die arbeit scheint sehr weit weg, büro, ganz mumbai. unfassbar das ich bald schon wieder in ein taxi steigen und nach „hause “ fahren werde.

doch auch das ist mumbai.

diese blasen gehören dazu. es  gibt sie noch. gottseidank.

also bin ich mal ganz still und zufrieden für einen kurzen moment und sage: danke. 🙂

ich ende mit einem märchenhaften video vom meinem lieblingsfisch und der frage: wann lerne ich eigentlich endlich mal anständig tauchen?

winke winke

a.


dubai airport

…die größte shoppingmall östlich magdeburg – city carré’s!!

ich hatte dort dieses mal gute 4 stunden aufenthalt auf meiner rückreise aus einem unglaublich schönen deutschlandurlaub. wetter egal. fußballergebnisse egal. alles schön dort.
(zumindest vorübergehend)

hamburg hats mir bei abreise nochmal so richtig schwer gemacht: es schien sogar die sonne!!!

und dann laaanger flug gen osten.
nach 5 1/2 stunden stop in dubai und umsteigen.

gehört hatte ich schon viel über diesen flughafen und irgendwie ist er auch verzaubernd. vielleicht liegt das am reisefieber oder dem stundenlangen sitzen, aber sehr dankbar und freudig erregt wanderte ich durch die ladenzeile. und wanderte. und wanderte. zwischendurch kann man komplett vergessen, dass man eigentlich zum weiterfliegen hergekommen ist und ich bin sicher, der eine oder andere passagier hat über den einen oder anderen shoppingrausch schon seinen flieger verpasst.

am dubai airport gibts alles. sogar flashmob

mir war das auch alles ein bisschen zuviel und nach dem ausgiebigen urlaub hätte ich mir sowieso gerade kein swarowski gehänge leisten können, also habe ich mir eine mehr oder weniger ruhige ecke gesucht und gelesen (neue entdeckung: brand eins magazin) und gechillt.
und was ich eigentlich eh am liebsten mache: leute beobachten.

nach einiger zeit fällt mir ein eher dörflich gekleideter älterer araber auf, der etwas hektisch durch die halle läuft. Er hatte eines dieser tücher in rot um den kopf gewickelt (lese gerade, dass heisst Kufiya, wieder was gelernt!) und ein eher vor drei tagen sauber gewesenes tuch um die hüften.
was suchte er?
ihm folgte eine ältere frau. das konnte man allerdings nur am gang am stock erkennen, denn von körper und gesicht war dank ganzkörperverschleierung im modischen grau null zu sehen. nichtmal ihre augen waren frei. keine ahnung, wie man sich so nicht ständig verläuft. zumal mit einem hektisch von rechts nach links rennenden gefährten.
der mann hielt nach ein paar minuten einen der vorbeirollenden wagen an (den kann man sich als gefährt mieten und durch die ladenzone auch rollend flanieren) und frug nach. man kann ja hier auch nicht ewig herumirren.
und irgendwie hatte ich es geahnt. so dringend kann nur eines sein….beten!
das hat mich eigentlich gewundert, da es am dubai airport NATÜRLICH prayer rooms gibt.
die matte unter seinem arm war aber eindeutig.
dann stellte er seine frau/mutter/schwester in der ecke ab hinter einem gläsernen fahrstuhl und vor der smoking launch (was ich wiederum als sehr ironisch empfand) und rollte ihr den teppich aus.
und er?
er rannte davon.
häh?

die alte kniete sich also nieder, um zu beten. mit dem gesicht zur wand. ich vermute, die himmelsrichtung haben sie sich erfragt. den stock lehnte sie an die seite und ließ sich nicht stören.
hut ab! es war einiges los in dieser donnerstag nacht.

nach ca. 15min war sie fertig, stand auf, nahm ihren stock und ging langsam richtung gate.
den mann habe ich nicht gesehen.

ich weiß, dass männer und frauen nicht zusammen beten, frage mich doch aber ernsthaft, ob es im prayer room nur platz für die männer gibt? muss sich diese arme, eh schon wie ein seidener kartoffelsack gekleidete frau allen ernstes für ihr gespräch mit gott hinter einen fahrstuhl kauern?

was habe ich hier übersehen?

a.


keine halben sachen!

(wenn schon schlechte laune, dann richtig)

der tag hier für mich beginnt zumeist in der öffentlichkeit, sprich auf dem weg zur arbeit.
heute hat mir auf der stationstreppe wieder ein hirni erst leise lässig, später lauter immer wieder „hello!“ hinterhergerufen. als wir am ende der vollkommen überfüllten selben angekommen sind, dann so laut, dass ich 2 sekunden davor war, mich umzudrehen und zurück zu brüllen: geh nach hause und sag mal wieder HELLO zu deiner biwi du perveser vollidiot!

da hatte ich noch humor übrig.

circa 45minuten später hab ich mich dann in steigender spätmorgendlicher hitze (es ist mai im schwülen mumbai) in den straßen kalbadevis verlaufen. dabei war der weg von der station marine line zum FRRO (ausländerbehörde) beim letzten mal super einfach zu finden! dieses mal eben nicht.
lerne: wenn die straßen immer enger werden und du durch einen schwarm an bärtigen männern auf eine reich geschmückte moschee zuläufst, ist eher nicht damit zu rechnen, dass dir dort jemand mit deiner visumsverlängerung hilft…

auch das konnte ich als geübter fußgänger noch halbwegs gelassen hinnehmen.
war dann eben nur restlos verschwitzt bei ankunft im FRRO und muss meine geschröpften salzhaushalt wieder aufstocken. (das sollte man auch dringend beachten!)

habe ich den mumm zu erklären, warum ich das visum nicht bekommen habe? ich vermute, ich bleibe abergläubisch und halte an in der hoffnung auf ein gutes ende innerhalb der nächsten woche lieber die klappe.
nur soviel: ich finde mich in einer position, in welcher ich mich dafür rechtfertigen muss, zu wenig geld zu verdienen. eine ganz tolle sache. (und so gehen meine ideale den bach hinunter. danke!)

am nachmittag, zurück im büro, sind meine nerven und ich endgültig am ende und als mein handy abstürzt (kurz vor einem wichtigen anruf in eben jener sache) und ich den doofen akku nicht herausbekomme, bin ich schon ein wrack. sooo unglaublich schlecht gelaunt, dass ich meinen armen praktikanten, der doch nur helfen will, wohl ordentlich geängstigt habe. er traut mir zu, dass ich ihm eins verpasse….ich bin kurz davor. irgendein kopf muss jetzt rollen!!
ich schaffe es aus dem büro ohne tote.

das ich dann auf dem heimweg am wie immer proppenvollen churchgate bahnhof auch noch fast auf einem überrest an fäkalien (oder essenresten…? wer weiß das schon, wenn klo und fast food shop direkt nebeneinander plaziert sind) ausgerutscht wäre, trägt nun auch nicht gerade zu verbesserung meiner laune bei….wie man sich vielleicht vorstellen kann.

(beim schreiben der notizen im zug rennt eine schon eher mittelgroße kakerlake über den boden…urgh…juchu indien!)

doch jetzt gehts mir schon besser. hab den ganzen kladeradatsch niedergeschrieben und losgelassen. phew.

bombay, echt. you’re killing me.

anya


tornado und die ruhe nach dem sturm

die ereignisse überschlagen sich derart, dass ich nach einem neuen wort dafür suchen muss.

nach diesem projekt, das mich fast komplett verschlungen hatte und es dann doch nicht tat und einem unglaublich schönen wochenende in delhi fühle ich mich fast neu geboren. nicht fremd-neu. das bin immernoch ich, aber besser-ich! 🙂
herausgewachsen, emporgewachsen fühle ich mich. woran das wohl liegt?

zu einen sicher an der selbst für mich beeindruckenden arbeitsleistung meinerseits innerhalb der letzten wochen. ich lobe mich diesbezüglich wirklich selten, aber ich bin schon stolz, dass ich das irgendwie hinbekommen habe. nicht komplett verkackt, nicht am arbeitspensum erstickt, nicht untern druck eingeknickt und dabei sogar dem hitzeschlag entronnen und irgendwie sogar überlebt.

und wie das so typisch ist für mich, bin ich auch gleich zum nächsten gerannt. keine zeit, bloß nicht zurück sehen. indien erlaubt sofortigen ablenkungen, abrupten themenwechsel. wer sich zeit nehmen und in ruhe verarbeiten möchte, möge bitte in die berge zum meditieren fahren.
wer sich dieser schwermütigkeit lieber entziehen möchte, möge nach delhi fahren und drei tage durchfeiern!
der gemeine leser fragt sich nun, was die werte schreiberin getan hat? nur noch drei wochen bis abflug nach deutschland? mh? ….
(ich habe in meinem leben jahre damit zugebracht vergangenes in aller ausführlichkeit zu reflektieren. genug damit, jetzt wird getanzt!)

und dieser trip nach delhi wird mir wohl auch noch lange in erinnerung bleiben. ich war zwar schon zweimal dort, beide mal jeweils sehr kurz. und auch dieses mal habe ich von delhi selbst eigentlich nicht viel gesehen. aber ehrlich, ich war noch nie davon überzeugt, dass man köln kennt, wenn man den dom gesehen hat oder berlin versteht, nachdem man am potsdamer platz die mauerreste angetatscht hat (urgh)…. in fact, versuche ich allen mumbai besuchern immer die klassiker auszureden und lieber einfach was „normales“ zu machen.
letztes mal war ein sehr ausser- und ungewöhnliches weihnachten in delhi und ich musste drei paar socken tragen, weils soooo kalt war! schrecklich. schon total verwöhnt.
nur vier monate später hat sich auch delhi angeheizt und ein seltsam blümlicher duft liegt in den straßen, wunderbar!
ich habe mich wieder nur von insel zu insel bewegt, aber auch das war sehr schön.
für jeden delhi besucher uneingeschränkt zu empfehlen ist das szene viertel hauz khas village. dachterassen mit ausblicken und kaffee! da lässt sich sogar typisch indisch schlechter service ertragen.

wir hätten gern einen kaffee.
madaam, das dauert ein bisschen.
warum?
die maschine funktioniert nicht richtig…
aha (wasauchimmerdasheisst)….was heisst „ein bisschen“?
madam, vielleicht 15minuten?
mmh, ok.

und hey, schon eine halbe stunde und zwei bissen von unglaublich schlechten cremigen tiramisu später kam dann auch der lauwarme irgendwas latte. aber stört einen das schon, wenn man sich auf einer dachterasse mit gedimmten lichtern, viel grün und bei angenehmen 28 grad ausruhen darf…?

ironischerweise konnte mir keiner von den anwesenden dilliwallas was zu den dortigen ruinen sagen und für mich war es auch schon zu spät noch loszuziehen, aber die sehen sehr interessant aus und werden beim besuch erkundet. ganz bestimmt!
denn ehrlich, ich muss gestehen, ich habe delhi doch auch ein bisschen lieb gewonnen (auf meine inselweise) und obwohl es mir auch auf den ersten oberflächlichen blick schon extrem schickimicki vorkommt, plane ich im kopf schon den nächsten trip.

am schlimmsten schickimicki, aber auch unglaublich toll (ja, selbst proletarierkind anja ist gegen die versuchungen der mondänen dekadenz nicht wasserfest gesichert) war der besuch im haus eines brasilianischen diplomaten. ein haus sag ich euch….ein HAUS!!! mit viel platz, elegant eingerichtet und viel kunst überall. sogar die bediensteten im haus waren freundlich und nett!!!
ein traum.
ich seufze bei der erinnerung an dieses haus.
ich hatte dort den besten kaffee in wochen und welch überraschung: brigaderos!!

das war nicht mehr indien dort. oder vielleicht doch indien, aber eben nicht bombay-indien. auf jeden fall eine blasenwelt mit der ich doch zumindest vorübergehend liebäugeln würde.

aber ganz klar, kurz vor meinem wohl verdienten deutschlandurlaub und am ende doch auch ziemlich geschlaucht vom ganzen indien-dasein sehnt sich der europäische boheme nach etwas kültür!!
man, echt, ich war jetzt schon fast 11 monate nicht mehr in deutschland. noch nie soo lange weg gewesen. kopfschütteln.

fazit: leute, ich bin noch da, aber eigentlich auch schon wieder auf dem weg. das kängeruhdasein a la speedy gonzalez geht so weiter.

indien, pah, krasse sache…ich verstehe es doch auch nicht. stecke da schon zu tief drin. hauptsache meine freunde in deutschland erkennen mich noch…
it’s me. ein bisschen komisch inzwischen und etwas ausgelassen vielleicht (ehrlich, beim deutschen lebenstempo erscheint doch alles, was etwas schneller tickt schon ausgelassen), aber doch noch ich. besser-ich!!

hier nach wird gerade in delhi gezappelt. vielleicht lässt sich auch deutschland dazu in den mai tanzen?

party on!

pepa