von neral nach matheran

Die schönsten Ausflüge kann man wohl am schlechtesten beschreiben. Vielleicht geht das auch nur mir so und ich egoistische Hexe möchte diese Erfahrung einfach nicht teilen, in der Angst, etwas von der wunderschönen Erinnerung könnte verloren gehen. Das kann man doch verstehen, oder?
ich war also auf meinem ersten Indien-Wandertripp, schlechtenst vorbereitet und grässlich ausgestattet, aber da wären wir auch gleich wieder bei einem der großen Indien-Pluspunkte: das ist alles wurscht. Es ist völlig egal, ob deine Trekingschuhevon Jack Wolfskin oder stoffschuhe von h&m sind. Sie mögen nicht dafür gemacht sein, werden der Situation aber angepasst.
die Fakten:
aufstehen ist für mich immer da schlimmste. (Überraschung!) und obwohl ich hier in Mumbai eigentlich kaum Schwierigkeiten mit dem aufstehn habe (was sich für mich eindeutig auf die wetter Situation zurück führen lässt-anderes Thema), tat es mir doch schon weh, als ich 4:45 in den Handywecker tippte…. Es war also noch dunkel, als wir losgingen, Neha und ich. Treff dann mit zwei weiteren Freunden und ab ging es von der Station Kurla (Central Railway) anderthalb Stunden gen Nordost. Vorbei an Thane, was mir als weitest entfernter Vorort Mumbais noch bekannt war. Die Bahnstationen wurden kleiner und dörflicher und als die Sonne gegen halb sieben aufging waren auch die Berge bereits im Hintergrund zu sehen. Saftig und grün. 🙂
Wir erreichten Nerla Station gegen halb acht. Von hier aus kann man mit dem Taxi relativ zügig zu einem der beliebtesten Ausflugsziele für Mumbaikars mit Ausflugsgelüsten fahren: Matheran. Auch wir wollten nach Matheran, allerdings nicht mit dem Taxi. Die Strecke hat hinab 25 Minuten gedauert und wir schätzten, dass wir inklusive unserer kleinen Umwege ca. 10 km gewandert sind. Zuerst die Straße endlang die erst aus dem Dorf und dann in die Berge führte. Schon beim ersten Chaiwalla-Stop wurde klar, dass wir es hier mit einer unglaublichen Landschaft und den unglaublichsten Ausblicken zu tun haben würden. Ca. 2 Stunden liefen wir also im Pisspott an der Straße entlang, was insgesamt ziemlich nervig war, denn aufgrund des langen Wochenendes (15.08 Independence Day) war Hinz und Kunz auf dem Ausflugstripp. Die völlig wahnsinnigen Taxifahrer lieferten sich also nonstop hupend Wettrennen auf den serpentinartigen immer enger werdenden Straßen. Großartige Voraussetzungen für Wanderer also…
Als wir uns dann später entschieden, einfach entlang der kleinen Eisenbahnschienen zu laufen (sie erinnern mich sehr an die Schienen der Molli, falls das hier noch Jemandem was sagt), die im Monsun außer Betrieb war, veränderte sich die Lage. Unglaublich wunderbare Stille breitete sich aus und das nervtötende „Määääp“ war nur noch gelegentlich aus der Ferne zu hören, wenn die Schienen wieder einmal die Straße kreuzten. Umso höher wir stiegen, desto mehr nahm der Regen auch zu. Weiter unten hatte es immer wieder kurze Schauer gegeben, die aber von Sonnenperioden abgewechselt wurden. Weiter oben wurde es zusehens frischer und windiger. Irgendwann war ich einfach nur noch nass. Ist dann irgendwann ja auch egal. Wandern oder Was lag also näher als ein Schlückchen Rum? In der zweiten Pause haben wir uns dann erst einmal anständig gestärkt… 😉 Das war auch gut so, denn die Herausforderungen lagen ja erst noch vor mir und hätte ich geahnt, dass ich an diesem Sonntag einen Wasserfall hinaufklettern würde (zwischen indischen Familien in Salwar Kameez Aufmachung, quietschend!!) und danach weitere zwei Stunden vollkommen (vollkommen!!) durchnässt durch neblige Schluchten watschen würde…ich glaube, ich hätte mehr Rum getrunken! Wie auch immer…es war toll! Ich hatte sogar einen dieser seltenen spirituellen Momente, die mir-entgegen aller Klischees-eigentlich nur äußert selten passieren. Aber den behalte ich für mich!

Die Fahrt hinunter mit dem Taxi hat im übrigen 25 Minuten gedauert und war öde.

in diesem Sinne!

anya

 

Nachtrag: ich muss, glaube ich, noch kurz erwähnen, dass wir nach insgesamt 6stunden wandern durch die grünen berge in mehr oder weniger großartiger stille dann kein interesse mehr daran hatten, uns matheran selbst anzusehen. „normalerweise“ ist das nämlich das eigentlich ziel der urlauber. die gurken da alle mit dem taxi oder eigenem vehikel hoch, um dann teuer eintritt zu bezahlen für das reservat ohne autos… da wir hochsaison haben, war es dort gerappelt voll und wie an schlimmen tagen am colaba causeway versuchte einem alle 2 Minuten Jemand was anzudrehen. Überteuertes Taxi, geführte Tour, Essen, Trinken, Beischlaf…
Das haben wir uns also erspart.

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Is that bitching really necessary? Teil2

Und hier bin ich an einem weiteren Samstagvormittag und stelle fest: aber hallo, ist es wohl!
Denn hin und wieder gerät man in Situationen, die einem zumindest ein bisschen klarer erkennen lassen, warum die Menschen hier sind wie sind. Nicht das das Gesamtbild für mich in sich stimmig wäre…aber das ist ja eine ganz andere Frage. Wir sind beim Puzzeln.

Heute also das Puzzelteil mit unseren „AC-Guys“. Ich nenne sie so, denn für mich sahen sie alle 4 aus wie zwischen 14 und 18 und, ganz offensichtlich hatten sie sich gegen uns 3 Mädchen verschworen. Die Klimaanlage muss regelmäßig (mehr oder weniger 😉 ) gewartet werden und gelegentlich also auch ausgetauscht. Ein Prozess, den ich noch nie beobachtet hatte. Ich bin ja gerade erst in den Besitz meiner ersten Apparatur gekommen und die Funktionsweise dieser Kiste (oder überhaupt technischer Geräte?) war mir immer noch fremd, gar suspekt. Da ragt also eine Kiste aus meinem Fenster, brummt und surrt und erzeugt so irgendwie kalte Luft. Toll!
Aber wenns eben nicht mehr ordnungsgemäß brummt und surrt, muss die AC-Truppe anrücken. Das sollten sie nach einem Hin und Her gestern am Telefon heute früh um 10 Uhr tun. Das ihr eigentlich NIE Jemand pünktlich kommt (und auf jeden Fall keine Handwerker!!) lernt man hier schnell. Gern auch schonmal gleich am Flughafen. 😉 Die Ausreden sind dabei aber immer das Beste! Wären ein Buch wert: so eine Art Abreißkalender, wo man an jedem Tag eine originelle oder einfach nur witzige Ausrede lesen kann….mh, Marktlücke? Der junge Mann heute befand sich sage und schreibe im Viertel nebenan und behauptete kein Taxi zu bekommen! An einem Samstagmittag! Er war bereits anderthalb Stunden zu spät und meine Mitbewohnerin schimpfte, schrie und diskutierte zum gefühlten 10mal mit seinem Chef am Telefon. Er war anscheinend einfach nicht dazu zu bewegen, seinen verdammten Arsch nach Bandra zu bewegen!!! Da hilft auch kein freundliches Zugerede, da gewinnt der, der am meisten schimpft! Basta!
Als er dann also ankam und endlich mit seiner ersten Arbeit (dem Reinigen der Kiste im Nebenzimmer, meine sollte später komplett ausgetauscht werden) beginnen konnte, war er bereits zwei Stunden zu spät. Erst Verkleidung abnehmen und dann wuchten zwei dieser 14jährigen dürren Knaben die Kiste aus der Fensterwand. Eine unglaubliche Sauerei lässt sich bereits voraussagen. Der, die, das zu säubernde AC wird nun ins Bad gewuchtet und dort ausgewaschen. Danach wieder zurück getragen, wieder eingefügt, Verkleidung drauf und das wichtigste: Tape drumherum!! Tape ist die Lösung für alles in diesem Land. Während dessen ertönt unbeschreiblicher Lärm aus meinem Zimmer: es wird gebohrt!!! ich habe keine Ahnung, was, warum und vor allem: warum soviel!!! Ich guck einfach nicht hin. Zwischendurch bleibt einem der Jungs Zeit, den Sitz seiner Frisur in meinem Schrankspiegel zu überprüfen… Ebenfalls kann ich später den Jüngsten der Truppe dabei beobachten, wie er ein paar Michael Jackson verdächtige Schritte aufs Parkett legt.
Zusammenfassung: der Samstag war dahin, die Wohnung ein Schlachtfeld und das dicke Ende wartete erst noch auf uns. Nach dem zweiten Startversuch die Klimaanlage meiner Mitbewohnerin immer noch  nicht richtig funktionierte, beschlossen die vier „Experten“ am späten Nachmittag noch einmal wiederzukommen, um die Kiste komplett auszutauschen! Anderthalb Stunden Sauerei waren also um sonst und der Nachmittag auch noch versaut. Da tobt die Stimmung! Es musste also nun ein Anruf bei der Firma folgen, um dem dortigen Boss mal richtig die Meinung zu geigen. Erstens nutzt das, um die eigene Wut in eine Richtung zu kanalisieren und zweitens, um sich wieder etwas Respekt zu verschaffen. Den einzigen Grund, der mir einleuchten würde, nämlich der, dass beim nächsten Mal nämlich tatsächlich etwas mehr Professionalität zu rechnen wäre, steht natürlich vollkommen außer Frage. Ich wage mich inzwischen nicht einmal mehr vorrübergehend zu fragen, warum die „Experten“ was wie und wo tun, das führt hier einfach nirgendwo hin und ich will ja auch nicht wie die klugscheißende Westlerin wirken. Jaaa, bei uns und Deutschland wird Effektivität und strukturelles Handeln noch groß geschrieben….
Aber trotzdem ist das meckern hier ungemein wichtig und führte immerhin dazu, dass die Knalltüten pünktlich zur Verabredeten Uhrzeit am Nachmittag vor der Tür standen.
Für mich galt an diesem Samstag wieder die alte Regel: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ich sitze mehr oder weniger stumm daneben, werde kaum angesprochen (warum sollte man mich auch nach meiner Meinung fragen bezüglich Klimaanlagen?) und beobachtet die Szenerie, versuche ein bisschen was lernen und möglichst wenig Angriffsfläche für sich zuspitzende Aggressionen zu bilden. (gleiches gilt für die lüsternden Blicke der pupertierenden Möchtegernhandwerker)

Das Resultat sieht jetzt also wie folgt aus:

Ich habe eine ältere Kiste als zuvor, bei der Drehknopf für die Temperatur gleich beim ersten wärmerstellen (natürlich möchten die Deutschen es zu Hause immer gemütlich frisch bei 15-18 Grad haben, so die geläufige Vorstellung der Inder ) abbricht. Ich verstehe den Unterschied zwischen OFF/FAN/LOW COOL/SUPER COOL nicht und irgendwie müsste da auch ein Kompressor angehen oder so, was er nicht tut. Obwohl „LOW COOL“ ein genialer Künstlername wäre… Ich könnte mir auch schon etwas unter den Einteilungen vorstellen, nur ist der gefühlte Unterschied nicht vorhanden. Das erschwert die Auswahl. Überhaupt war der vorherige Kaste viel cooler, eigentlich schon super cool!  Der hatte sogar eine Fernbedienung! Aber gut, ich will mich nicht beschweren über den Luxus, eine AC zu haben….sie funktioniert, immerhin. Mal sehn wie lange. Und dann kommen sie wieder zu Besuch: die fantastischen Vier!

anya
ps: und dann ist man zwei tage nicht online und muss bei rückkehr an den arbeitsblatt und in die netzwelt feststellen, dass wieder jemand gedacht hat, man könne durch morden die welt verbessern, in diesem und in jedem sinne…


Is this bitching really necessary? (=ey!?!)

Oder nicht einfach nur eine verschwendung von ressourcen?
Da bin ich also nun wieder. In der mitte von indien, in der mitte des molochs, in der mitte der weiblichen kampfzone!
ich bin nie jemand gewesen, der in konfliktsituationen auf konfrontation ging. Gut, ich KANN sehr direkt sein, aber das ist wohl etwas anderes. Werde ich frontal angegriffen, neige ich zum geordneten rückzug, der gelegentlich in unordnung gerät. weil ich feige bin? Nein, weil ich im großen und ganzen als harmonischer mensch bin und ganz besonders zu hause auch einfach meine ruhe haben will. Zu hause auch noch kämpfen? Ist der kampf auf den straßen, in den büro’s nicht hart genug? Ist es zuviel verlangt, in den eigenen vier wänden verschont zu bleiben und kann man nicht solcherlei probleme (kleinigkeiten) nicht auch zivilisiert besprechen?
die antwort ist einfach und lautet: nein.
nach mittlerweile mehr als 10 jahren in wgs, in denen ich wahrhaftig einiges erlebt habe (höhepunkt war eine anzeige wegen verletzung der privatsphäre von einem mann, den ich auf 3 metern entfernung riechen konnte…laaange geschichte), steht für mich eigentlich schon länger fest, dass ich allein wohnen möchte, muss, will. Die einzige person auf dieser welt, mit der ich im moment bereit wäre, mein leben (sprich wohnung) zu teilen, ist meine schwester. (nun gut, vielleicht würde ich vorübergehend bei george clooney auch eine ausnahme machen, aber nur, wenn er die espressomaschine mitbringt! )
leider lässt sich das hier nicht verwirklichen. Auch verschiedenen gründen. Der größte und wie immer entscheidende faktor ist das verdammte geld! In mumbai eine wohnung zu mieten ist scheiße-teuer. Und ich meine: SCHEISSE teuer! Nachdem mein visum bereits daran gescheitert ist, dass ich nicht genug geld verdiene kann man sich vielleicht ausmalen, dass ich hier nicht im goldenen gral schwimme…
außerdem gibt es bei einer wohnung auch eine unmenge an papierkram und dinge zu beachten, die mich die nächsten monate busy keepen würde…keine lust dazu (und ehrlich auch keine nerven, so schon genug papierkram an der backe). Multipliziere man nun mit der tatsache, dass man ja als foreigner auch immer noch einen „sonderstatus“ hat….klar, ne?

Es war also bis jetzt einfach immer günstiger in wgs zu wohnen, die es zusehends auch gibt. sie wachsen nicht wie champingons zur erntezeit aus dem boden, aber es gibt sie.
ich dachte also, ich bin durch mit dem thema. Dachte…!
schon im letzten beitrag konnte man vielleicht etwas …unmut..über die aktuelle situation herauslesen. Dieser hat sich wie ein ekelhafter fusspilz (was hab ich denn heute mit pilzen?) weiter ausgebreitet und ich habe mittlerweile das gefühl, dass ich in diesem haushalt für jeden quadratmillimeter freiheit kämpfen muss. Ständig werde ich angefahren, dass meine nasse kurta zu dicht an einen pinken bra hänge oder einen gürtel unsachgemäß auf dem fussboden hinterlassen habe….
und dieser ton erst…..
und ehrlich, ich bin drauf und dran zu platzen. Aber tue ich das?
und ich bin wirklich niemand, der anderen menschen ihre macken nicht lässt, habe ich doch selbst genug, aber irgendwann reichts! Inzwischen weiß ich schon nicht mehr, ob mich diese aneinanderreihung von dämlichen anweisungen allein nervt oder ob es an dem ton liegt.
Nun ist das hier aber ein raubtierkäfig der besonderen art und mir ist auch nicht neu, dass man sich in dieser stadt durchsetzen muss oder man wird verschluckt von ihr. Und ich lerne dazu, wirklich! Ich lerne das zu tun, was ich schon immer verabscheut habe. Toll nicht!?
aber zu hause, zu hause will ich meine ruhe!! Und das ohne eine jungen nordindern jeden zweiten tag klar machen zu müssen, dass sie sich gefälligst am riemen reißen und mich in ruhe lassen soll mit ihrem gekeife!

Fazit: ich will nicht allein wohnen, aber ich muss mein eigenes recht behaupten und das sagt: leave me the hell alone!

hier kommt ein dampfablassvideo, was thematisch woanders hin geht, aber doch auch irgendwie passt. so vom flow her. 😉

anya


Geh doch weg und nerv jemand Anderen!

Wie sehr hab ich früher die Samstage gemocht! Seufz. Zu Zeiten, in denen ich nicht arbeiten musste am Samstag, versteht sich. Aufstehen, wenn man endlich wach geworden ist. Von allein! Lange ausgedehnte Dusche und dann ein noch längeres Frühstück, das in aller Ruhe und mit jeder Menge Lesestoff versehen ist. Man gönnt sich einen zweiten Kaffee und überlegt in aller Ruhe, wo man am heutigen Abend sein Bier zu sich zu nehmen gewillt ist und mit wem? Vielleicht später ins Kino oder Theater? All diese Überlegungen werden schwerfällig und ohne Zeitdruck im Kopf hin und her geschoben und die Betonung liegt dabei auf: RUHE!
Die Quintessenz dieses süßen Genusses des Samstag Vormittags liegt eben darin, dass Niemand etwas von einem will. Wenn Gesellschaft geduldet wird, dann nur, weil sie zu solchem Anlass dieselbe Trägheit zutage trägt wie man selbst. Jeder, der auch nur eine Woche mit mir zugebracht hat, weiß, dass es in meinem Leben keinen schlimmeren Fauxpas gibt, als mich vor dem ersten Kaffee anzusprechen!
Aber wir sind hier nicht zu Hause. Obwohl ich dieses vorübergehend als solches bezeichnen will, muss, sollte. Selbst nach mittlerweile etlichen zwischenmenschlichen Begegnungen, komme ich mir manchmal im eigenen Haus noch vor wie E.T. beim Versuch, eine Standleitung „nach Haaausee“ zu bekommen. Niemand scheint zu verstehen, was mir wichtig ist oder ist bereit, es einfach zu ignorieren. Und ich bin einfach schon zu lange mit mir selbst liiert, als dass ich bereit wäre, alles einfach hinzunehmen (heißt: mich ohne Murren anzupassen). Ich steuere also schon bald wieder auf einen Overkill zu. Besonders dann, wenn ich ständig belehrt werde, wie ich etwas zu tun habe. Versuche ich mich zu verteidigen, was in Englisch zusehends schwierig wird wenn ich emotional reagiere, wird der Ton immer lauter, heftiger und schriller. Genau das brauche ich Samstag früh: Jemand, der mir so richtig auf den Sack geht! Ich weiß, dass dieser Ton in vielen Fällen nicht so harsch gemeint ist, wie er für mein europäisches Ohr klingt. Er gehört zum täglichen Equipment jeder Frau in diesen Kreisen, die sich immer wieder verteidigen und positionieren muss. Gegenüber Maids, in der Familie, auf der Arbeit, im Shop… und das immer schön laut!
Ich war immer schon der Typ: sag mir klar und ruhig, was das Problem ist und wir reden darüber (ich bin wirklich die Letzte, die sich gegen Kritik ausspricht), aber SCHREI mich nicht an!!
In Mumbai wird man eigentlich nur angeschrien. Perfekt, was mache ich hier? Auf der Straße, weil‘s so laut ist. Im täglichen Umgang, um die Wichtigkeit einer sonst zur Bedeutungslosigkeit verkommenden Aussage zu unterstreichen. Und immer auch um zu zeigen: ich bin stark und nicht mit mir, ich behaupte meinen Platz. An einigen Punkten im Alltag habe ich bereits dazu gelernt. Zum Beispiel Im Zug, in dem ich inzwischen in der Lage bin, meinen Quadratmeter Platz zu verteidigen. Nicht in dem schreie und keife (bitchen in der ersten Klasse, oje!), sondern einfach, in dem ich sanft aber bestimmt Druck ausübe (ich meine das durchaus körperlich) und nur soweit zurück rücke, wie ich auch wirklich bereit bin, an Platz aufzugeben. Das klappt meistens ganz gut.
Aber dieser Gesprächston, der hier an den Tag gelegt wird….nein nein, den will und kann ich nicht akzeptieren!
Als meine Mitbewohnerin mich also heute  in dieser typischen Tonlage (ich habe auch gehört, der nordindischen Gesprächswind wäre noch einmal um einige Grad kälter als der im Süden) dazu ermahnt, den Aschenbecher ordentlich zu säubern, wenn ich ihn benutzt habe und meine Wäsche nicht zu dicht an ihre zu hängen und mich etwas vorwurfsvoll an meine Mietrückstände erinnert („will it be like this now EVERY month?“), während ich eigentlich nur gern das Wasser für meinen Kaffee in der Küche erhitzen möchte und dafür nach einem sauberen Topf im Chaos suchen muss (yeah! WG!!), bin ich soo kurz, wirklich soo kurz davor, ihr einfach auf Deutsch mal zu sagen, was sie mich gerade mal kann!
Dann wäre meine Laune für diesen Tag allerdings komplett dahin, weil ich sowas immer lange mit mir rumschleppe. Ja, ich weiß doof, rauslassen und weitermachen. Aber ich bin das Gegenteil eines Cholerikers! (außerdem hab ich für solcherlei Dinge doch schließlich meinen Blog  )
Und das alles von einer Frau, die sich weigert, das Brot bis zum Ende aufzubrauchen, so dass stets ein bis zwei halb leere Packungen im Kühlschrank liegen, die ICH dann aufessen darf….schon klar!
Ich trete also den geordneten Rückzug an und warte, bis sich die Lage in der Küche entspannt hat und ich in Ruhe Frühstücken kann. Ich will doch nur meine Ruhe!

Natürlich verbündet sie sich anderthalb Stunden später wieder mit mir, weil sie mich gebrauchen kann. Wir diskutieren die Einkaufsliste, nett und höflich. Wie es sich gehört. Geht doch!

Wenn jetzt noch dieser verdammte Baulärm auf der anderen Straßenseite aufhört könnte ich mich vielleicht endlich meinem Samstag widmen. Grmpf!

anya


heim/weg

müde und erschöpft mache ich mich gestern auf den heimweg. ein anstrengender arbeitstag geht zu ende, inklusive besuch beim frro. es regnet schon wieder, ich bin hungrig und müde und hoffe einfach nur, dass ich heute auf dem heimweg nicht wieder angequatscht werde. den tag zuvor lief wieder so ein abgebrochener mann eine weile einen halben schritt hinter mir (man muss sich dann auch vorstellen, dass ich natürlich nicht allein die straße entlang laufe, aber man merkt schon recht schnell, wann jemand versucht, sich deinem schritttempo anzupassen…) und frug dann nach einer weile mit schlechtem akzent: you liking it here?
ich erreiche churchgate und gottseidank einen zug nach andheri (der ist nicht so voll wie der nach borivli) um sieben, setze mich, stöpsle musik ein und versuche abzuspannen. Es sind insgesamt 11 stationen, für die der zug eine halbe stunde braucht. Perfekt für ein nickerchen. Vier stationen vor Bandra ruft meine mitbewohnerin an, die dies manchmal tut, um mich zu bitten, auf dem weg noch ein paar veggies oder käse mitzubringen. (ich hab aufgehört zu fragen, warum sie das nicht selbst macht. zu diesem zeitpunkt des tages bin ich einfach zu müde für widerspruch) dieses mal fragt sie etwas hektisch, ob ich ok wäre. ich horche auf: ja, warum? Es gab 2 explosionen, in Charni Road (5 stationen hinter mir) und Dadar (1 station vor mir).  …
Sie sagt, ich solle schnell nach hause kommen und aufpassen. Als ich auflege, sehe ich, dass eigentlich alle frauen um mich herum am telefonieren sind. innerhalb weniger minuten wissen alle bescheid. wir sind in der erste klasse: blackberrys und flatrates überall. es entsteht eine sehr seltsame athmosphäre, die ich so noch nie erlebt habe. man sitzt in diesem cocoon zusammen, weiß nicht so richtig, was da draußen los ist und jeder versucht, seinen heimweg abzustecken, freunde und familie zu erreichen und im grunde, herauszubekommen, was eigentlich passiert ist. mumbaikars haben schon einiges durch und lassen sich so einfach nicht erschrecken. eine kollegin bemerkte heute beim mittag mit einer sehr abgeklärten miene: wir sind schon an alles gewöhnt. das ist schrecklich! die stimmung im zug ist also angespannt, aber nicht hektisch.
erst als ich aussteige, merke ich wieder was von der hektik. aber ist sie anders als sonst zur rushhour? lässt sich kaum sagen. ich versuche, mich durchzudrängen durch die massen und bekomme zum ersten mal eine kleine gänsehaut, als sie am bahnsteig die übliche durchsage laufen lassen. die höre ich täglich, aber heute… „bitte lassen sie kein gepäck unbeobachtet stehen. falls ihnen ein objekt auffällt, kontaktieren sie die polizei. fassen sie es nicht an, es könnnte explosiv sein. …active cooperation is expected from you!“
ich informiere auf den letzten metern nach hause schnell meine schwester, weiß ich doch, wie schnell sich durch das internet solche informationen verbreiten und wie gruselig und fremd solcherlei ereignisse auf außenstehende wirken.
dann sitze ich zu hause un versuche für einige minuten den news irgendetwas informatives zu entlocken. ich möchte doch wissen, was passiert ist und worauf ich mich einstellen muss. aber leider wird (wieder einmal) nur panik gemacht mit ein und denselben bildern und schreienden „reportern“…irgendwann muss ich einfach ausschalten. das hält ja kein mensch aus!!
irgendwie bin ich ganz ruhig und schlafe auch gut. muss ich mir sorgen machen? um mich selbst oder die situation in der stadt, in der ich lebe?
aber um mich herum ist alles wie immer. in einer riesigen stadt wie mumbai muss man zwangsläufig nicht unbedingt mitbekommen, was alles passiert. ich sorge mich vielmehr um den ganzen regen, der dieser tage fällt. tatsächlich schwimme ich am nächsten morgen auch halb zur arbeit. dieser verdammte regen! jaaa, ich weiß, der ist wichtig und auch schön irgendwie, aber kann das nicht regnen, wenn ich IM BÜRO SITZE!!
der zug ist sehr leer, die straßen auch. wegen den attentaten oder wegen dem regen? teile der central line (die bahnlinie im osten der stadt) sind wohl gesperrt wegen überflutung.
ich denke nicht so viel darüber nach und mache meine arbeit wie immer.
und höre nebenbei musik aus dem tollen projekt von zwei freunden „audible approaches for a better place“. hoffen wir das beste und machen musik dafür. das finde ich gut. in kleinen schritten voran.
PEACE AND LOVE!
anja


bald schon Inder wird’s was geben, bald schon werden wir uns freu’n.

Noch knapp zwei Wochen, dann gibts wieder neues von hier. oder hier. Auf jeden Fall aus Mumbai. Ich freu mich im Moment noch nicht wirklich, eigentlich hab ich nur Schiss. Aber das wird ja auch schon zur Routine.
Genieße also letzte Freiheiten und Privilegien in Tschörmanie und sage mir täglich mindestens einmal mein kleines Sprüchlein auf (Mantra?): Masala Dosa&Strumpfbefreiung!

Bis dahin warten noch einige Kinobesuche, leider kein Theater mehr, aber ein Musikfestival in Köln. Achja, und ein Geburtstag. Dann mal los!

tata

 

 

 

 


ich schreibe also bin ich….bin ich?

nachdem ich hier böse angeranzt wurde von meiner lieben, viel beschäftigten und ebenfalls viel schreibenden freundin dani…geb ich mir mal n ruck und schreibe übers nichtschreiben. ich schummle sozusagen.

also: der vorwurf besteht ihrerseits darin, dass ich doch jede menge zeit zum schreiben hätte. das stimmt wohl. obwohl ne, eigentlich mehr denn dies hier ist ja keine freiwillige auszeit!
nun kann ich mir gut vorstellen, dass meine in der ferne gebliebenen bloggingfreunde durchaus an einer kritisch, differenzierten darstellung meiner erlebnisse in deutschland interessiert wären. zumal ich echt rumkomme. samstag gehts nach döbeln-yeah! aber! aber, mal ehrlich….über deutschland bloggen, echt? das ist doch öde und beliebig, einfach so. da brauch man doch n filter, ein thema oder ganz einfach einen grund. ich hab keinen grund. ich bin ja eigentlich gar nicht hier. ich übe mich in yoga, meditation nur um meinen geduldfaden (der seit mehreren monaten aufs heftigste strapaziert wird) weiter geschmeidig zu halten.
Und ganz ehrlich, im Moment kann ich beide nicht besonders gut leiden: deutschland und indien. jaaa, deutschland im frühling ist total schön und alle sind jetzt besser gelaunt, wo endlich sonne scheint und hey, william&kate heiraten ja auch bald (morgen?), aber mpf…wie öde.

worüber also schreiben?
darüber, dass ich angst habe, indern in dtl zu begegnen? nichts lege mir ferner als eine offen gezeigte geste der verbrüderung und wenn ich noch einmal betonen muss, wie TOLL indien ist….
wirklich, ehrlich mein alptraum. auf der einen seite wünsche ich mir nichts sehnlicher, als mich endlich wieder meiner arbeit in schwüler hitze widmen zu können und andererseits renne ich hier möglichst schnell davon, so es bald irgendwo auch nur annähernd nach curry/knoblauch/ingwer-paste riecht.
so würde ich nie indisch essen gehen hier (und dabei fehlt mir das essen so). bollywoodfilm hab ich dieses jahr noch keinen einzigen gesehen (KANN man sich das vorstellen!!). treffe ich einen inder auf der straße, erwische ich mich bei bösartigen gedanken, die ihm das böseste andichten.
ein gegenbeispiel hab ich: ostermarkt, orientalischer schnickschnackräucherstand. man kennt das: diese stände sind ungefähr so autentisch, wie das oktoberfest in mumbai!! ich krieg da jedes mal pickel!!!
… aber ich wollt ja was nettes sagen, genau. begegnete dort nämlich letzten montag zwei inderinnen (unverkennbar in salwar kameez mit turnschuhen und schal), die sich doch tatsächlich die tücher an diesem stand näher anguckten. ich hörte also „yeh chota hain“ und freute mich wie ein tanzbär, weil ich verstehen konnte, dass ihr dieses exemplar wohl zu klein/kurz war…ach nee.

ja, über solchen schrapel könnte ich wohl bloggen. aber echt, wer will das denn lesen??


nee nee neeeeeee….

anya