boooooring!

Mir ist langweilig.

Ja gut, Leben und so, Job, Nervereien mit der Chefetage, Steuererklärung und überhaupt Wetter und so blablabla.

Laaaaangweilig.

Hat denn Niemand was interessantes zu sagen?
Gibts denn Niemanden hier mit Problemen, die es zu lösen gilt?
Selbst die Menschen um mich herum, die wirklich in einer kniffligen Situation sind, scheinen mir selbstgewählt dort und nicht wirklich in Gefahr, wenn es ihnen nur gelingen würde, den allseits populären „Schritt zurück“ zu machen und sich einmal zu fragen, warum sie sich nicht einfach anders entscheiden. Denn das kann man hier in Deutschland, ja! Man hat eine Wahl und zwar nicht zu knapp!

Ich war also gestern auf einer Party mit wirklich netten und auch nicht unintelligenten Menschen.
Ich hätte Lust auf ein Gespräch gehabt, gern auch mit Alkohol. Eines von denen, die in langen Kreisen gehen und eigentlich auch irgendwie anstrengend und verstörend sind. Eine Auseinandersetzung eben auf verbaler Ebene. Stattdessen? Zuviel Bier und das übliche Peergroupverhalten.
Trink trink, lach lach, Wortspiel, haha hihi, trink, stolper stolper.  Die einzige annehmbare Ansprache widerfährt mir als ich den Weg zurück nach Hause finde durch den samstäglich-abendlichen Großstadtverkehr und mein Kater mich an der Tür begrüßt. Endlich Jemand mit ehrlich gemeinter Dringlichkeit!

Warum diese Belanglosigkeit und ich schon wieder mittendrin?
Hat michs jetzt wieder gepackt vielleicht?
Denn einer der Gründe, warum ich auch weg gewesen bin von hier war ja genau die Suche nach einer ernsthaften Auseinandersetzung mit irgendwas, mit irgendwem. Eine Dringlichkeit, die hier irgendwie zwischen dem letzten I(!)-Gadget und Bio-Markt Terrorismus verschwindet.

Vielleicht ist auch einfach Frühling.
Kräfte wachsen, restoration completed, in search for the next challenge

Denn auch wenn ich in Mumbai jede Menge Auseinandersetung mit allem hatte waren bei weitem nicht alle Gespräche gehaltvoll. Hah, nun wahrlich nicht! Waren die Begegnungen trotzdem im Querschnitt interessanter, weil es sich um Menschen aus der fremden Kultur handelte, dort wo die Gedankengänge einfach auch mal anders herum laufen?

Keine Ahnung, aber hier mangelt es extrem.
Gähn, abwink. Laaaangweilig.

the blues man, the blues…

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eek sal Germany me.

Seien wir ehrlich: zu Zeit ärgere ich mich hauptsächlich darüber, dass wenige Stunden, nachdem ich aufgestanden bin, die „Sonne“ schon wieder untergeht. So es denn überhaupt „hell“ geworden ist im januärlichen Norddeutschland.
So, it could be worse, oder?
Grundsätzlich ärgere ich mich also eigentlich nur darüber, dass ich mich schon wieder über den gleichen Mist wie früher gräme. Same old also?
Natürlicherweise hat das Heimatland nach ein paar Monaten Alltagsgeschehen wieder etwas an Glanz einbüßen müssen. Trotzdem: ich bin froh zurück gekommen zu sein und versuche mich auch täglich daran zu erinnern, warum das gut ist. Eigentlich sehr einfach: einatmen, ausatmen. 🙂

Trotzdem ist und kann der Blick nicht der gleiche sein wie vor 2007.
Ich werde immer wieder gefragt, wie genau sich der Blick auf Deutschland verändert, aber das lässt sich nun mal nicht in ein, zwei Sätzen erklären. Das will man auch nicht. Schon darin liegt ein großer Unterschied: diese ständige Selbstbetrachtung, uch! Ich selbst beachte an mir schon wieder rückfällig werdend die ständigen warum mache ich was wie und wie oft und überhaupt Fragerunden im Kopf? Ein eindeutig Zeichen von zu viel Zeit und Energie finde ich. Man möge mich nicht falsch verstehen. Ich möchte mir nicht täglich wieder Sorgen machen müssen, ob genug Wasser & Strom da ist, ich auf dem Heimweg angegrapscht werde oder mich der Rikshawfahrer bescheißen will… Ich vermisse aber diese Grundsätzlichkeit der Sorgen. Sie erscheinen mir wir richtige Sorgen, echte Probleme und dir hier eben nicht wie solche. Eher wie lästige Luxusproblemchen, denen man früher oder später doch wieder anheim fällt. Ich bin nun mal ein Mensch, der allgemein schon recht viel reflektiert, aber man sollte dann doch wenigstens ein bisschen Einfluss darauf haben können, worum sich der Kreisel dreht. 😉 (Bilde ich mir zumindest ein)

Ein Jahr ist also fast wie im Flug vergangen und ich glaube, es war ein gutes Jahr. Sich aus dem kompletten Chaos mit letzter Kraft gen Heimat schleppend, habe ich wieder etwas Halt unter den Füßen gefunden. Aufgetankt, auf jeden Fall. Blicke des Öfteren zurück und schüttle erstaunt den Kopf, lächle aber dabei.

Ja, Deutschland nervt ganz häufig und ist doch sehr belanglos, pingelig und überhaupt….aber eben auch gut sortiert, sauber und klar. Ich kann mich hier eben entfalten, wie ich möchte, aber tue ich das auch? Eine meiner größten Sorgen zwecks Rückkehr war ja, dass ich gleich wieder im täglichen Sumpf versinke, in alte Verhaltensmuster zurück falle und einfach extrem viel Energie auf nüscht verwende. Denn das ist schon enorm, wie viel Energie da auf einmal zu Tage kommt mit dem Hinterntritt aus Indien! Das habe ich auch sehr an den Reaktionen der Menschen um mich herum gemerkt. Ok, ja, ich bin schon generell ein sehr Energie geladener Mensch, aber nach 3 Jahren in Mumbai kam ich mir in den ersten Monaten nach Rückkehr schon selbst manchmal vor wie auf MDMA. Unheimlich glücklich und in full power!!
Das nutzt sich ab, leider. Ich hatte mir im Kopf also ein Jahr gegeben. Ein Jahr um wieder in die Mitte zu finden zwischen MolochManiacMumbai und DieMerkelMachtsLand. Nachdem das Jahr ist fast rum ist, habe ich mir noch die Achillessehne gerissen. Was auch zeigt, dass es nicht einfach ist, wieder das richtige Tempo zu finden… 😉
Aber ich klopf mir mal selbst auf die Schulter und behaupte, es ist ganz gut gelaufen für mich.
Und mir fehlt mein Mumbai mit allem Drum und Dran manchmal ganz schrecklich dolle, aber das ist auch in Ordnung so.:/

Nachdem ich an diesem Punkt eigentlich Schluss machen wollte, fällt mir noch ein Punkt ein, den ich hier mal zur Sprache bringen will und bei dem ich auf Feedback hoffe.
Thema „Freundschaften“. Nachdem ich in Mumbai ja lange damit zu kämpfen hatte neben allen anderen Anpassungsschwierigkeiten auch noch echt Freunde zu finden und es dann doch noch geschafft habe, scheißt mir die Ironie des Schicksals wieder mitten ins Gesicht und schickt mich heim. 6000 km entfernt von jenen Menschen.
Jetzt fängt wieder alles von vorn an und Ungeduld macht sich schnell breit. Ist dies nicht mein Heimatland und das soziale und gesellschaftliche Umfeld, in dem ich sofort Schwimmen sollte? Gut, neuer Job, neue Stadt erschweren es ein bisschen und wir sind nun auch nicht mehr 18 und hängen auf Partys rum. Trotzdem, ich finde es schwer. Sind die Deutschen da im Alter anders geworden oder ich? Oberflächlich ist es wirklich kein Problem nette Menschen um sich zu sammeln, wirklich nicht. Die Deutschen erscheinen mir viel warmherziger und offener als in der Erinnerung und im Vergleich zu den hitzigen Indern. Und trotzdem stoße ich an die Barriere. Und ärgere mich darüber, dass man so etwas eben nicht planen und strukturieren kann wie Wohnung und Job. Jaja, deutsch wie ich bin. 😉
Wie geht es anderen Rückkehrern damit? Das läge mir am und auf dem Herzen.
Ansonsten ist alles ganz in Ordnung zu glaube ich.

Theek hain.

Weiter so Anja!

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an dieser stelle lassen wir Shahrukh’s Augen und AR Rahman’s Stimme sprechen zum Thema „Heimat. Angeblich hat er den Song mal in einem Hotelzimmer geschrieben, als er auf Reisen war.


t plus 180

sechs monate zurück in deutschland (na gut, in einer woche)!!
vieles hat sich schon relativiert: ich laufe wieder auf der rechten (haha) seite des fußweges. ich freu mich nur noch einmal die woche ganz unvermittelt über die tolle klare frische luft. mir fällt erst auf, dass die deutschen fancy und schick sein müssen, wenn ich nicht-europäer sehe, die es nicht sind (nicht sein müssen).
die regnerischen tage setzen mir zwar noch nicht allzusehr zu (wir haben ja auch glück mit dem deutsche sommer dieses jahr!), aber die warmen sommertage genieße ich doch sehr bei stetig wachsender angst vor dem winter…
als größten entwicklungssprung nehme ich die freude durch die straßen zu laufen, egal wann, egal wo. die angst/beklemmung ist weg. 🙂

bin ich angekommen? klares „nein“. ich habe grundsätzlich das gefühl, vom einfinden so weit enfernt zu sein wie ein inder vom fkk.
es fällt extrem schwer, (s)einen platz zu finden. das lässt sich auch nicht wirklich herstellen mit geregeltem arbeitsleben und so. da fehlt einfach immer noch ein stück. ob das drüben im subkontinent geblieben ist oder auf dem weg zerbröselt, kann ich nicht sagen.

ein bisschen sorgen macht mir (unter anderem, die deutschen sorgen sich ja gern und da bin ich auch keine ausnahme) der wachsende abstand zu indien. jaa, gut, ich bin genau wegen diesem abstand zurück gekommen, aber nach den ersten wochen des notwendigen „abstand nehmens“ hätte ich doch mit mehr einbindung gerechnet. aber das ist eigentlich kaum der fall und ein urlaub für diesen winter im land und bei den freunden, der eigentlich fest eingeplant war, rückt im weiter weg.
was bleibt denn da am ende übrig frage ich mich? außer die lücke selbst, die mir immer noch, nach 6 monaten die verbindung zum hiersein in deutschland zumindest teilweise extrem erschwert.
so viele jahre müssen doch irgendwie auch einen abdruck hinterlassen. oder bin ich dafür vielleicht auch wieder zu ungeduldig? will schon wieder resultate sehen bevor der braten verdaut ist?

ich versuche mich dem nervigen grübeln zu entziehen, indem ich mich einfach auf einen neuen kontinent stürze! es gibt ja genug. hatte ud habe insgesamt 10 jahre mit der beschäftigung mit indien zu tun und wenn ich jetzt 10 jahre in südamerika investiere (wahrscheinlich eher 15, sind ja mehrere länder im spiel) dann bin ich schon ende 40 und hab dann vielleicht noch die kraft für afrika?
klingt ein bisschen größenwahnsinnig? finde ich gerade total logisch. und zumindest vorwärst orientiert.
ich erinnere mich jetzt auch so langsam, dass das verdammte grübeln und im eignen saft gesule einer der gründe war, warum es mich wegtriebt von hier. das „eigentlich-alles-notwendige-zur-verfügung-haben-aber-nichts-daraus-machen-können-weil-ständig-überreflektieren“ ist nichts wozu ich zurück zu kehren bereit bin. geht aber schon los langsam…. :/
das heisst nicht, dass ich zum grenzwertigen dasein im engergiefressenden mumbai zurück wollen würde…nein nein, aber es muss ja auch noch was anderes geben. nicht wahr?

drückt mir also die daumen freunde, dass ich dem deutschen fancy-ism nicht komplett verfalle, meine mitte wieder anständig definieren kann…und zwar in den nächsten 6 MOnaten bitte…und die welt da draußen weiter nach mir ruft.

winkend

anja


lasten gleichnis

stell dir vor, dir ist kalt. es ist schon länger kalt und du bist einfach inzwischen komplett durchgefroren. es fühlt sich an wie jahrzehnte, in denen dir das letzte mal richtig warm war.
da kommt jemand und legt seinen arm um dich. wie eine warme decke liegen die arme auf deinen schultern und langsam überträgt sich die wärme auf deinen körper. das tut gut.
je wärmer dir allerdings wird, desto mehr fällt dir auf, wie schwer diese arme sind. sie liegen die ganze zeit auf deinen schultern und üben langsam aber sicher einen festen druck aus. doch du bist froh, nicht mehr zu frieren und nimmst die „last“ in kauf….zumindest für eine weile. ein bisschen hälst du noch aus. es ist doch gerade so schön warm.
langsam aber sicher gewinnst du das gefühl, die arme nicht mehr tragen zu wollen. dir ist nun warm (du kannst dich an die kälte in den knochen nur noch sehr blass erinnern) und die arme üben einen schweren druck auf deinen körper aus, der dich nicht nur be“lastet“, sondern dir auch das gefühl des eingeengt-seins vermittelt.
du nimmst es hin, willst auch nicht undankbar sein, für die angebotene wärme.
langsam aber sicher verkrampfst du dich, unnatürlich fest wird dein körper und irgendwie willst du die drückende hitze nur noch loswerden. weißt aber nicht wie. schwer, unendlich schwer liegen die betonarme auf den schulter. alles tut weh im körper und schweiß rinnt dir den rücken hinab. du bist sicher, gleich zusammenzubrechen unter der nicht nachlassenden belastung.

und dann sind sie auf einmal weg die arme.

du atmest frische, kühle luft und fühlst dich an, als würdest du schweben.

du siehst nach links, nach rechts. die schultern sind frei und die brise tut gut im verschwitzten gesicht. du bist irritiert, aber glücklich.

was machst du als nächstes?


danach.

seit ende 2007 habe ich, zumindest mit kopf und seele, in indien, in mumbai gelebt. mehr als 5 jahre, bis anfang 2013. zwischen durch war ich physisch in deutschland, manchmal auch länger, aber im kopf und herzen war ich immer dort.

5 jahre, die mich verändert haben. sehr, wie ich so langsam feststelle. nein, ich bin keine komplett neue person geworden und wandere nun hell erleuchtet durch deutschlands saubere straßen… viel mehr hat das leben oder besser die fremde realität eine tiefe spur in mir hinterlassen, der ich mir nach rückkehr schmerzlich bewusst werde und für die ich auch dankbar bin.

trotzdem: es lässt sich schwerlich in worte fassen, wie das ist, mit der rückkehr. meine vermutung lautet: ich gibt sie nicht. weder ist das heimatland das selbe geblieben noch meine sicht auf selbiges. ich wünsche mir mein altes ich auch nicht wirklich zurück, wünsche mir momentan sehr, den abstand, den ich gerade sehr deutlich empfinde, so lange wie möglich beibehalten zu können.ich halte ihn aufrecht sozusagen. weil er mir ruhe gibt und gelassenheit, die ich so lange wenn nicht noch nie mein eigen nennen konnte. ich muss mir des öfteren auf die zunge beißen, bei disputen, die an belanglosigkeit und überflüssigkeit kaum zu überbieten sind. sie entsprechen einer mir inzwischen sehr fremden lebensrealität.
man könnte es vielleicht so sehen, ich versuche ein bild: während ich lange zeit einen geräuschpegel von drei autos und einer gelegentlichen hupe gewöhnt war

wurde ich fünf jahre lang einem zehnmal so lauten und chaotischen verkehrsszenario ausgesetzt

(trust me this is NOT  a noisy example!)

plus bettler, plus grapscher, plus gestank und dreck.

wenn man nun wieder zu punkt eins zurück kehrt, kommt einem alles extrem entschleunigt und clean vor. sauber nicht nur im hygienischen sinne, sondern auch in der bedeutung „rein“, unverdorben.

ich weiß, das mag pathetisch klingen, aber in vielerlei hinsicht, habe ich das empfinden, eine situation, einen zustand überlebt zu haben. damit verbunden ist der eindruck, der nun einsetzenden heilung. ich erhole mich.

das tut gut.

das dauert aber auch.

überraschenderweise finde ich mich nicht unter denen wieder, die (nach einer langen zeit ins heimatland zurück gekehrt) nun regelmäßig indisch kochen, räucherstäbchen anzünden und ravi shankar hören. die indien ganz dolle vermissen und es festzuhalten suchen…zumindest der teil, der uns allen doch auch ans herz gewachsen und liebenswert ist.
nein, ich stoße das alles gerade von mir, vielleicht auch etwas zu robust, aber mir scheint das notwendig. indien ist ja sowieso da, in mir, ich muss mich dessen nicht täglich vergewissern und im moment hat das wieder-hier-verankern auch vorrang.und ist schwer genug, im übrigen. so sehr ich die ruhe um mich auch genieße und wahrlich gelernt habe, froh mit mir allein zu sein, desto mehr vermisse ich doch auch einen festen kreis an menschen um mich, die meinen alltag und mich kennen und teilen. das soziale umfeld oder wie man das nennt.

neulich fiel mir ein gespräch ein, was ich während eines deutschlandbesuches 2010 hatte, bei dem ich meinte, ich hätte zwei „ichs“: mein deutschland-ich und mein indien-ich. ich glaube, ersteres ist spätestens 2012 auf ein rudimenteres ich zusammengescrumpft und das letztere hatte die oberhand. mein komplettes sozialen umfeld war doch aber dort um mich herum gewachsen und mein bezugssystem lag eben dort! tja, und nu….?
ein bisschen schizophren, he? skeptisch

ich fange also wieder von vorn an, ein wenig fremd fühle ich mich dabei, aber wohl würde ich sagen. es war eine notwendige und richtige entscheidung, wieder zurück zu kehren. und hat nicht zur konsequenz, dass ich nun alles negiere, was mit indien zu tun hat oder nie wieder dorthin zurück gehen würde. nur, wie es eine freundin so schön in ihrem letzten beitrag formulierte: „ich möchte dort nicht mehr leben“.

und weil das inhaltlich wie auch musikalisch passt und ich hugh laurie gerade ganz toll finde, zum abschluss noch ein liedchen:

anja