eek sal Germany me.

Seien wir ehrlich: zu Zeit ärgere ich mich hauptsächlich darüber, dass wenige Stunden, nachdem ich aufgestanden bin, die „Sonne“ schon wieder untergeht. So es denn überhaupt „hell“ geworden ist im januärlichen Norddeutschland.
So, it could be worse, oder?
Grundsätzlich ärgere ich mich also eigentlich nur darüber, dass ich mich schon wieder über den gleichen Mist wie früher gräme. Same old also?
Natürlicherweise hat das Heimatland nach ein paar Monaten Alltagsgeschehen wieder etwas an Glanz einbüßen müssen. Trotzdem: ich bin froh zurück gekommen zu sein und versuche mich auch täglich daran zu erinnern, warum das gut ist. Eigentlich sehr einfach: einatmen, ausatmen. 🙂

Trotzdem ist und kann der Blick nicht der gleiche sein wie vor 2007.
Ich werde immer wieder gefragt, wie genau sich der Blick auf Deutschland verändert, aber das lässt sich nun mal nicht in ein, zwei Sätzen erklären. Das will man auch nicht. Schon darin liegt ein großer Unterschied: diese ständige Selbstbetrachtung, uch! Ich selbst beachte an mir schon wieder rückfällig werdend die ständigen warum mache ich was wie und wie oft und überhaupt Fragerunden im Kopf? Ein eindeutig Zeichen von zu viel Zeit und Energie finde ich. Man möge mich nicht falsch verstehen. Ich möchte mir nicht täglich wieder Sorgen machen müssen, ob genug Wasser & Strom da ist, ich auf dem Heimweg angegrapscht werde oder mich der Rikshawfahrer bescheißen will… Ich vermisse aber diese Grundsätzlichkeit der Sorgen. Sie erscheinen mir wir richtige Sorgen, echte Probleme und dir hier eben nicht wie solche. Eher wie lästige Luxusproblemchen, denen man früher oder später doch wieder anheim fällt. Ich bin nun mal ein Mensch, der allgemein schon recht viel reflektiert, aber man sollte dann doch wenigstens ein bisschen Einfluss darauf haben können, worum sich der Kreisel dreht. 😉 (Bilde ich mir zumindest ein)

Ein Jahr ist also fast wie im Flug vergangen und ich glaube, es war ein gutes Jahr. Sich aus dem kompletten Chaos mit letzter Kraft gen Heimat schleppend, habe ich wieder etwas Halt unter den Füßen gefunden. Aufgetankt, auf jeden Fall. Blicke des Öfteren zurück und schüttle erstaunt den Kopf, lächle aber dabei.

Ja, Deutschland nervt ganz häufig und ist doch sehr belanglos, pingelig und überhaupt….aber eben auch gut sortiert, sauber und klar. Ich kann mich hier eben entfalten, wie ich möchte, aber tue ich das auch? Eine meiner größten Sorgen zwecks Rückkehr war ja, dass ich gleich wieder im täglichen Sumpf versinke, in alte Verhaltensmuster zurück falle und einfach extrem viel Energie auf nüscht verwende. Denn das ist schon enorm, wie viel Energie da auf einmal zu Tage kommt mit dem Hinterntritt aus Indien! Das habe ich auch sehr an den Reaktionen der Menschen um mich herum gemerkt. Ok, ja, ich bin schon generell ein sehr Energie geladener Mensch, aber nach 3 Jahren in Mumbai kam ich mir in den ersten Monaten nach Rückkehr schon selbst manchmal vor wie auf MDMA. Unheimlich glücklich und in full power!!
Das nutzt sich ab, leider. Ich hatte mir im Kopf also ein Jahr gegeben. Ein Jahr um wieder in die Mitte zu finden zwischen MolochManiacMumbai und DieMerkelMachtsLand. Nachdem das Jahr ist fast rum ist, habe ich mir noch die Achillessehne gerissen. Was auch zeigt, dass es nicht einfach ist, wieder das richtige Tempo zu finden… 😉
Aber ich klopf mir mal selbst auf die Schulter und behaupte, es ist ganz gut gelaufen für mich.
Und mir fehlt mein Mumbai mit allem Drum und Dran manchmal ganz schrecklich dolle, aber das ist auch in Ordnung so.:/

Nachdem ich an diesem Punkt eigentlich Schluss machen wollte, fällt mir noch ein Punkt ein, den ich hier mal zur Sprache bringen will und bei dem ich auf Feedback hoffe.
Thema „Freundschaften“. Nachdem ich in Mumbai ja lange damit zu kämpfen hatte neben allen anderen Anpassungsschwierigkeiten auch noch echt Freunde zu finden und es dann doch noch geschafft habe, scheißt mir die Ironie des Schicksals wieder mitten ins Gesicht und schickt mich heim. 6000 km entfernt von jenen Menschen.
Jetzt fängt wieder alles von vorn an und Ungeduld macht sich schnell breit. Ist dies nicht mein Heimatland und das soziale und gesellschaftliche Umfeld, in dem ich sofort Schwimmen sollte? Gut, neuer Job, neue Stadt erschweren es ein bisschen und wir sind nun auch nicht mehr 18 und hängen auf Partys rum. Trotzdem, ich finde es schwer. Sind die Deutschen da im Alter anders geworden oder ich? Oberflächlich ist es wirklich kein Problem nette Menschen um sich zu sammeln, wirklich nicht. Die Deutschen erscheinen mir viel warmherziger und offener als in der Erinnerung und im Vergleich zu den hitzigen Indern. Und trotzdem stoße ich an die Barriere. Und ärgere mich darüber, dass man so etwas eben nicht planen und strukturieren kann wie Wohnung und Job. Jaja, deutsch wie ich bin. 😉
Wie geht es anderen Rückkehrern damit? Das läge mir am und auf dem Herzen.
Ansonsten ist alles ganz in Ordnung zu glaube ich.

Theek hain.

Weiter so Anja!

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an dieser stelle lassen wir Shahrukh’s Augen und AR Rahman’s Stimme sprechen zum Thema „Heimat. Angeblich hat er den Song mal in einem Hotelzimmer geschrieben, als er auf Reisen war.

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2 Kommentare on “eek sal Germany me.”

  1. Kerstin sagt:

    Viel an Erfahrung kann ich Dir da nicht mitgeben, da ich dorthin zurueckkehren werde, wo ich herkam (wenn jobmaessig nichts dazwischen kommt) und ueber einen grossen Freundeskreis verfuege.

    Ich denke auch nicht, dass Freunde finden in einer neuen Stadt mit einem neuen Job etwas mit Indien zu tun hat, sondern eben mit dem Fakt: alles fremd, Du auch.

    Das ist ueberhaupt der Hauptgrund fuer mich, nicht in eine andere Stadt zu gehen nach meiner Rueckkehr, weil es in der Tat nicht so einfach ist, neue Freunde (wirkliche Freunde) zu finden.

    Das hat aus meiner Sicht sicherlich mit dem Alter zu tun, da sich viele Leute aus Kinder/Schul/Uni-Tagen kennen und keine neuen Freunde „brauchen“. Ausserdem ist man irgendwann „settled“ und will gar keine neuen Freunde mehr kennenlernen (immer dieses sich wieder neu erklaeren muessen….). Und wie Du schon gesagt hast, aus dem Alter, dass wir auf jeder Party, in jeder Disse und Kneipe praesent sind, sind wir sicherlich auch heraus. Und wenn doch nicht, gehen wir wahrscheinlich auch nicht alleine….

    Bleibt also eigentlich nur der Job…. Aber gerade da tun sich Deutsche erst recht schwer, da sie gerne Job und Freizeit trennen (manchmal auch aus gutem Grund, wie ich aus Erfahrung sagen kann).

    Wenn’s dann also (doch) nicht der Job ist, bleiben eigentlich nur Interessen-Gruppen, denen man sich anschliessen kann (Sport z. B.) in der Hoffnung, dort neue Leute kennenzulernen. Oder eben im Internet, in irgendwelchen Foren.

    Dann kommt es sicherlich auch noch auf das Bundesland an (behaupte ich jetzt einfach). Ich kenne einen Norddeutschen, der seit 8 Jahren in Muenchen lebt und keine Freunde gefunden hat, was ihn evtl. dazu veranlassen wird, wieder zurueckzukehren.

    Du siehst, ein durchaus ernstes und schwieriges Thema…. Ich wuensche Dir trotzdem viel Glueck.

    LG
    Kerstin

    • paralleluniversumanja sagt:

      Danke Kerstin für diesen schönen Kommentar! Für mich gibt es dise Option nicht wirklich, es gibt keine eigentlich „Heimatstadt“, die Freunde der Kindheit und auch die des Studiums sind in der Republik verstreut… ich hab mich auch bewusst für eine neue Stadt entschieden, weil ich neu anfangen wollte und so eine Gelegenheit auch gern in eine Chance umwandeln wollte. Und sowie gern Städte erkunde… 😉
      Steht für dich die Rückkehr nun fest? 2014?


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