danach.

seit ende 2007 habe ich, zumindest mit kopf und seele, in indien, in mumbai gelebt. mehr als 5 jahre, bis anfang 2013. zwischen durch war ich physisch in deutschland, manchmal auch länger, aber im kopf und herzen war ich immer dort.

5 jahre, die mich verändert haben. sehr, wie ich so langsam feststelle. nein, ich bin keine komplett neue person geworden und wandere nun hell erleuchtet durch deutschlands saubere straßen… viel mehr hat das leben oder besser die fremde realität eine tiefe spur in mir hinterlassen, der ich mir nach rückkehr schmerzlich bewusst werde und für die ich auch dankbar bin.

trotzdem: es lässt sich schwerlich in worte fassen, wie das ist, mit der rückkehr. meine vermutung lautet: ich gibt sie nicht. weder ist das heimatland das selbe geblieben noch meine sicht auf selbiges. ich wünsche mir mein altes ich auch nicht wirklich zurück, wünsche mir momentan sehr, den abstand, den ich gerade sehr deutlich empfinde, so lange wie möglich beibehalten zu können.ich halte ihn aufrecht sozusagen. weil er mir ruhe gibt und gelassenheit, die ich so lange wenn nicht noch nie mein eigen nennen konnte. ich muss mir des öfteren auf die zunge beißen, bei disputen, die an belanglosigkeit und überflüssigkeit kaum zu überbieten sind. sie entsprechen einer mir inzwischen sehr fremden lebensrealität.
man könnte es vielleicht so sehen, ich versuche ein bild: während ich lange zeit einen geräuschpegel von drei autos und einer gelegentlichen hupe gewöhnt war

wurde ich fünf jahre lang einem zehnmal so lauten und chaotischen verkehrsszenario ausgesetzt

(trust me this is NOT  a noisy example!)

plus bettler, plus grapscher, plus gestank und dreck.

wenn man nun wieder zu punkt eins zurück kehrt, kommt einem alles extrem entschleunigt und clean vor. sauber nicht nur im hygienischen sinne, sondern auch in der bedeutung „rein“, unverdorben.

ich weiß, das mag pathetisch klingen, aber in vielerlei hinsicht, habe ich das empfinden, eine situation, einen zustand überlebt zu haben. damit verbunden ist der eindruck, der nun einsetzenden heilung. ich erhole mich.

das tut gut.

das dauert aber auch.

überraschenderweise finde ich mich nicht unter denen wieder, die (nach einer langen zeit ins heimatland zurück gekehrt) nun regelmäßig indisch kochen, räucherstäbchen anzünden und ravi shankar hören. die indien ganz dolle vermissen und es festzuhalten suchen…zumindest der teil, der uns allen doch auch ans herz gewachsen und liebenswert ist.
nein, ich stoße das alles gerade von mir, vielleicht auch etwas zu robust, aber mir scheint das notwendig. indien ist ja sowieso da, in mir, ich muss mich dessen nicht täglich vergewissern und im moment hat das wieder-hier-verankern auch vorrang.und ist schwer genug, im übrigen. so sehr ich die ruhe um mich auch genieße und wahrlich gelernt habe, froh mit mir allein zu sein, desto mehr vermisse ich doch auch einen festen kreis an menschen um mich, die meinen alltag und mich kennen und teilen. das soziale umfeld oder wie man das nennt.

neulich fiel mir ein gespräch ein, was ich während eines deutschlandbesuches 2010 hatte, bei dem ich meinte, ich hätte zwei „ichs“: mein deutschland-ich und mein indien-ich. ich glaube, ersteres ist spätestens 2012 auf ein rudimenteres ich zusammengescrumpft und das letztere hatte die oberhand. mein komplettes sozialen umfeld war doch aber dort um mich herum gewachsen und mein bezugssystem lag eben dort! tja, und nu….?
ein bisschen schizophren, he? skeptisch

ich fange also wieder von vorn an, ein wenig fremd fühle ich mich dabei, aber wohl würde ich sagen. es war eine notwendige und richtige entscheidung, wieder zurück zu kehren. und hat nicht zur konsequenz, dass ich nun alles negiere, was mit indien zu tun hat oder nie wieder dorthin zurück gehen würde. nur, wie es eine freundin so schön in ihrem letzten beitrag formulierte: „ich möchte dort nicht mehr leben“.

und weil das inhaltlich wie auch musikalisch passt und ich hugh laurie gerade ganz toll finde, zum abschluss noch ein liedchen:

anja

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