saturday night – bombay night

da war ich also gestern auf meiner ersten post-wedding party meiner lieben ex-mitbewohnerin (also für mich die erste, ne?). da das paar nach der hochzeit aus beruflichen gründen hauptsächlich in delhi wohnt, wurde diese party für die bombay kollegen und freunde veranstaltet, die es nicht nach delhi zur shaadi geschafft hatten…ähem.
ich wurde vorgewarnt, was die gästeliste anbelangt und begab mich mit doch sehr….sagen wir….gemischten gefühlen auf diese party. bei der vorstellung besoffener indischer journalisten bin ich zugegebener maßen schnell an meiner toleranzgrenze angelangt.
aber mir wurde auch „normale“ menschen versprochen, einige bekannte gesichter sogar.

also aufgehübscht (das erste mal konnte ich sogar schon als produktive hilfkraft für das anlegen des saris der gastgeberin dienen….*mirselbstaufdieschulterklopf*) und auf in den press club. das ist wirklich ganz schön dort. erstaunlich ruhig und grün. dank des wunderwunderwunderbaren mumbai-winters konnten auch wir schön draußen auf der veranda sitzen. 🙂
lange gefackelt wird ja hier eigentlich nicht. sobald man sitzt wird der alkohol eingeflöst. snacks kamen dann 20min später.
während ich also an meinen ersten beiden biers nibbelte (dem wetttrinken habe ich mich selbstverständlich nicht angeschlossen!) und mit einem befreundeten musiker die sich füllende journalistenszenerie beobachte, ging mir wiedermal die frage durch den kopf, was das ist mit den indern und dem essen/trinken/partyverhalten. darüber könnte man (und hat wahrscheinlich auch schon jemand) eine doktorarbeit  schreiben. wetttrinken, snacks schaufeln, diese gespräche! und wer dann tatsächlich gegen elf beschließt, sein dinner einzunehmen, wird vom gastgeber gefragt, ob er/sie denn schon gehen wolle….jaja, das ist hier nämlich genau anders herum. erst die party, dann das essen!
wie auch immer, alles in allem hatte ich doch eine ganz schöne zeit, was hauptsächlich einigen netten neuen bekanntschaften und dem sehr schönen draußen-sitzen-unter-palmen-bei-wodka-tonic-ambiente zu verdanken ist. ich habe mich sehr lange mit (wie sich sympatischerweise erst später heraus stellte) einer halbprominenz unterhalten. cmrd dilip dondre ist der erste inder, der mit seinem segelschiff (der mhadei) allein die welt umseegelte. beindruckend an sich schon und noch dazu ein interessante mann. ich hatte soviele fragen im kopf und er beantwortete sie gern. war sehr schön.

nicht so schön war der anteil an zunehmend besoffenen männlichen journos vor ort und einer hatte es sich zur aufgabe gemacht, mich (und ja auch die anderen weiblichen gäste) zum tanzen zu bewegen. nun ist der gute c. mit sätzen „come on ladies, lets go and dance, lets shake your „ärsche“ (bin nicht mehr sicher, welches wort er dafür verwendet hat) bei mir nun gerade an die wirklich echt total falsche weibliche person gelangt ist. ich hab dem halbtrunken torkelnden und viel zu dicht stehenden oberlippenträger dann erst einmal in strengen ton klar gemacht, dass ich garantiert NICHT mittanzen werde und er sich gefälligst so nicht gegenüber frauen äußern soll. ja, ich weiß, ich übertreibe es immer etwas, aber ich vermute, ich war nicht die einzige im raum, die so dachte, aber die einzige, die den mund aufmachte. ich sprach also hier für mehrere frauen, stellvertretend für DIE frauen….

ööh, huch, jetzt geht wieder der größenwahn mit mir durch. (hier müsste ein pinkie&brain video hin….wer hat eines?)

anyway, er ließ mich fortan in ruhe und dachte sich wahrscheinlich „blöde zicke“.

als die party sich gegen zwei dem ende zuneigte, war ich eigentlich ganz zufrieden, nur halbwegs angetrunken und auch ein wenig müde..glücklicherweise bot sich ein freund an, uns  leichtbeschwipste truppe in seinem wagen mitzunehmen und uns auf dem weg abzusetzen. DACHTEN WIR. mumbais nächte sind allerdings auch für überraschungen berühmt berüchtigt und auch in diesem fall hatten wir leider die rechnung ohne den wirt gemacht….denn trotz wilder proteste landeten wir dann halb drei noch im blue frog. gut, das liegt auf der strecke, aber einen schicken club hatte ich für den abend eigentlich nicht mehr auf dem schirm. mehr unwillig mitgeschliffen und willenlos fand ich mich mit einem dieser ekeligen redbull-getränke in der hand auf der tanzfläche wieder. irgendein uk-dj lag gerade in den letzten zügen. jaaa, ok….war in ordnung die musik, aber auch nicht der brüller. ich fand mich ab und hinein und hübbelte ein bisschen mit.
das getränk hab ich nur halb geschafft, denn der dj war dann auch recht bald durch mit seinem set und der club hatte eigentlich eh schon sperrstunde (und außerdem schmeckte der wirklich wiederlich….buäh! )
also fing draußen vorm club wieder die diskussion an, ob wir „die stunde nutzen“ oder einfach ma heim fahren würden.
ums kurz zu machen: ich verlor.
jetzt begann der teil des abends, den ich mir gern gespart hätte. 1. ist um diese uhrzeit in mumbai nicht mehr allzuviel los und 2. ging es offensichtlich hauptsächlich darum, dass unser freundlicher autobesitzer noch zu der party und zu der frau kam..nun ja…sagen wir es höflich…die ihm „gefiel“.
also zum mumbai race court gefahren. entgegengesetzte richtung. verdammt!
die party dort war eigentlich auch gerade am enden und das publikum…ojeeee….die reichen und (so sollte man meinen) schönen torkelten gerade aus dem gelände in highheels und designershirts. ich war nicht betrunken genug um es nicht mehr zu sehen, leider.
in dem ganzen hin und her wurde gegen halb vier dann ENDLICH klar, dass wir (die beiden hosts der ersten party des abends) und ich (die den hausschlüssel besaß) nun endlich ein taxi nehmen würden. heimwärts!

und die heimfahrt offenbarte dann wieder alles, was mir an bombay so gefällt. und am meisten der clash der gegensätze.
nachts durch diese stadt zu fahren hat mir in den ersten monaten immer ziemlich viel angst gemacht. logisch, wenn man sieht, wer und was da so alles auf den straßen los ist und nachts ist dann auf einmal alles ruhig. man rauscht durch die straßen, fenster offen, stickigen wind im haar. es stinkt alle zwei minuten nach etwas anderem.
man sieht schlafende familie, hunde, die nach essen suchen, riecht verbrannten müll, kacke und seife. die straßenlaternen machen hier so ein schwachen gelbes licht. alles sieht also braun aus irgendwie. ich spüre in solchen momenten die hassliebe zu dieser stadt ganz deutlich.
das paar im auto streitet sich gerade wieder und ich wundere mich nicht mehr über den ton, der mir sensibelchen schon längst das herz aus der brust gerissen hätte. kein ding, morgen wird alles wieder in butter sein. schnell vergessen.
schnell gelebte zeit in mumbai. ein abend, nur wenige stunden lang und wieder so viele kleinigkeiten im kopf, im herzen und auf der seele.

hier passt jetzt moby sehr gut. da sehe ich immer so facetten eines stadtlebens vor mir
(nur warum ist da soviel forrest gump im video??):

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5 Kommentare on “saturday night – bombay night”

  1. andrea sagt:

    Ohjee… Ich bin froh, dir nie als halbwüchsiger Schaumschläger gegenüber stehen zu können. Ich kann mir gut vorstellen das der Arme was einstecken musste. Aber recht haste! Im Namen aller Frauen! Idioten!
    Und der zweite Teil ist wunderbar geschrieben….ein Text also wie die Stadt, voller Hassliebe zu allem was dir wiederfährt.
    A.

  2. paralleluniversumanja sagt:

    ich bin es auch langsam leid, mich (besonders gegenüber deutschen) dafür rechtfertigen zu müssen, dass ich unfreundlich und schroff werde. Zum einen, bin ich nunmal ein ziemlich direkter mensch (fragt meine mutti!) und zum anderen haben ja die meisten (nicht alle), die das anmäkeln, auch keine ahnung, wie das leben in dieser stadt auf dauer ist.

  3. Kerstin sagt:

    Oh je, dieses „Verlieren“ kenn ich gut, wenn fuer mich im Kopf eigentlich schon laengst Schluss ist, die anderen nicht im Traum an’s Heimkehren denken und sich dann am naechsten Ort nur noch der letzte besoffene Rest herumtreibt, baeh. Wie, es gibt Deutsche, die Dich fuer solche offenen Worte massregeln? Dann haben sie wahrscheinlich noch keine IndereInnen gehoert, die sich gerade gegen aufdringliche Maennlichkeit wehren.
    Haste richtig gemacht, haettest ihm noch eins in seine…, ach lassen wir das;)

    LG
    Kerstin

  4. Parties, Parties, Parties.
    In diesem Sinne: HAPPY NEW YEAR, liebe Anja, und ein aufregendes und erfolgreiches 2012!
    Wir sagen trotzdem Prost – auch ohne Presseclub.
    Sei umarmt von Deinen Dreien ausm nördlichen Osten

  5. hallo anja in bombay,

    ich finde deine niedergeschriebenen eindrücke spannend. sie vermitteln einen blick auf eine mir fremde welt. ich war noch nie in indien, habe aber mal in dubai gelebt, wo sehr viele inder lebten und so erkenne ich einiges an mentalitäten wieder, die ich dort erlebt hatte.
    auch deine hass-liebe bezüglich des fremden kann ich gut nachvollziehen.
    im nachhinein waren für mich all meine auflandsaufenthalte (kein urlaub, sondern richtig gelebter alltag!) wichtige meilensteine in meinem leben. im nachhinein bin ich daran gewachsen und möchte all das erlebte (auch das negative) nicht mehr missen…

    schätze dich glücklich und sei stolz darauf, dass du so viel mut und abenteuerlust in dir hast, um deinen inneren horizont zu erweitern. viele menschen würden das gerne tun, trauen sich aber nicht ihr vertrautes umfeld zu verlassen…

    schreibe weiterhin alles auf, was dir begegnet, dich bewegt oder irritiert!
    ich bedaure sehr, dass ich damals diesbezüglich kaum was schriftlich fest gehalten hatte, denn man vergißt so viel im laufe der jahre. um so schöner, wenn ich solche blogs wie deinen lese…denn das lässt bei mir wieder vergessenes aufleben! danke! 🙂

    liebe grüße aus dem verschneiten berlin


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