raum und zeit

Diese geschichte passt hier eigentlich nicht ganz rein und ich weiß auch nicht so recht, warum sie mir heute einfiel. Es scheint mir dennoch notwendig, sie aufzuschreiben und geduldig auf die offenbarung seiner sinnhaftigkeit zu warten. Ganz nach dem motto des großen meisters heiner müller: der text ist klüger als sein autor (hier ja auch nicht zum ersten mal zitiert).

Es war also einmal….vor langer langer zeit als ich mich in den ersten monaten meiner ersten und bisher einzigen wirklich goßen (und natürlich tragischen) liebe befand.
mein herzblatt, nennen wir ihn b. lebte ganz hip und angesagt mit seiner familie außerhalb der stadt, in der ich wohnte. Das war in den neunzigern im osten der trend. Wer was war, baute in den vororten. Ganz amerikanisch. Wir warn natürlich nix und blieben in der platte (gut so!). ich hatte ja den großen breiten hippen freund und machte damit alles wett. Und man, MAN war ich verliebt. Schön war das und total fremd.
b. musste nun also jeden morgen und abend mit dem bus in seine vorortluxuskaschemme fahren. Natürlich machte er gerade seinen führerschein, aber die monate bis dahin kamen einem teenager natürlich wie jahrhunderte vor!
da ich noch zur schule ging und er woanders seine berufschule absolvierte, konnten wir uns manchmal nicht jeden tag sehen und das war natürlich UNERTRÄGLICH.
sein bus machte auf dem weg aus der stadt heraus einige stops und hielt als letztes an einer haltestelle, die von meiner platte zu fuß vielleicht eine viertelstunde entfernt war. Auch hier muss betont werden, dass 15min zu fuss laufen auch damals schon für teens einem marathon glich.
ich erinnere mich nicht, wie oft ich dort eingestiegen bin, um ihn übers wochenende zu hause zu besuchen (später machten wir dann diese rushhour autofahrten mit dem kadett, die mir noch gut in erinnerung sind). Ich kannte also den fahrplan gut.

Komisch eigentlich, wie man erlebte beziehungen in puzzleteilen bewahrt….

Mein puzzleteil ist also dieser eine nachmittag. Ich erinnere mich, dass es schon etwas kälter war und da wir wirklich noch nicht lange zusammen waren, vermute ich, dass es sich um den spätherbst `95 handelt.
ich glaub, ich war schon zu hause gewesen nach der schule und hatte bestimmt auch schon mit b. telefoniert. Wahrscheinlich haben wir beide wieder gejammert, dass wir uns wohl heute nicht sehen würden, da er gleich mit dem bus nach hause fahren würde.
als ich beschloss, einfach zur haltstelle zu gehen.
schon damals mein leitfaden. Herzensentscheidung gefasst und durchgeführt. Nicht lang gezettelt.
also wieder angezogen und die 15min zur haltestellte geschlurft. Dort gewartet. Hoffentlich war der bus noch nicht durch…daran erinnere ich mich genau, an das herzklopfen und die angst, der bus würde nicht kommen.
mir war klar, dass er nicht aussteigen konnte und trotzdem freute ich mich unheimlich darauf, ihn zu sehen.
für 2-3minuten. Länger hielt der bus dort nicht. Immerhin.
als er dann endlich kam, war mir schon etwas kalt.
natürlich  hatte damals noch niemand ein handy (man, jetzt komm ich mir echt vor wie ein opa, der vom kriech erzählt! ) und hätte mir natülich eher den arm abgehakt, als mir die blöße zu geben, ihn zu rufen.
der bus hält also und b. sitzt wie immer hinten auf der rechten seite. Ich warte. Ich sehe ihn an und warte.
was ist, wenn der bus jetzt einfach weiter fährt und er nie erfährt, dass ich hier…in dem moment guckt er hoch und sieht mich.
eine sekunde angst in den augen und geste „ist was passiert?“. Ich schüttle den kopf und lächle.
er lächelt zurück und macht eine telefon geste.
ja klar, werden wir uns gleich von zu hause wieder anrufen…
dann ist noch einen moment große stille zwischen uns (während der verkehr rauscht und der wind pfeift). Stille und ganz viel liebe.
dann fährt der bus los. Was sollte er auch sonst tun.
und ich geh nach hause. Was sollte ich auch sonst tun.

Habe das gefühl, was schönes gemacht zu haben. Für ihn, für mich, für uns.

Eigentlich war es mit dem raum/zeit gefühl und der romantischen ader ganz klar, dass ich irgendwann in indien landen würde….
könnte eine erklärung für das auftauchen der geschichte aus den untiefen der erinnerung sein.

(ein wunderschönes lied, was ein gefühl vermittelt, nicht meine geschichte! nur um das richtig zu stellen 😉  hey, mein name bei 1:10, das heisst doch was!!)

a.

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3 Kommentare on “raum und zeit”

  1. ana_bu sagt:

    anja, ich hab gerade tränen in den augen und ich hab dich so doll lieb


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