exil-exilistin

ich bin nun (glaube ich, denn man ist ja immer nur beschränkt weise) lange genug im ausland, gern auch exil, um diese komischen eigenarten zu entwickeln. ich lerne mich selbst und auch andere menschen besser verstehen, doch doch.
aber ab und zu bin ich schon überrascht, was noch alles in mir steckt. der oktoberfest besuch war auf jeden fall ein meilenstein. mein „fifa-germany-shirt“ ein schock für einige freunde und meine schwester wäre sicherlich entsetzt darüber, wieviel nutella ich hier konsumiere.
all das trägt hier zum inneren gleichgewicht bei. das ist wohl so: stelle man sich das seelenleben als titanic vor….nun gut, vielleicht nicht so drastisch, aber als schwerfälliger dampfer. gerät dieser dampfer nun unter beschuss und wird so zu schlagseite getrieben (und das indien einem ordentlich schlagseite verschaffen kann ist nun wahrlich keine neuigkeit), versucht der kleine kapitän irgendwie wieder ins lot, ins gleichgewicht zu kommen. wenn die einseitige beschwerung nicht abzuwerfen ist, so muss es denn eben sein, dass noch ein gewicht auf die zweite seite gepackt wird. es kann sein, dass der arme kahn dann zum sinken verurteilt ist, aber immerhin stirbt die manschaft im lot!
was will die anya jetzt wieder mit so ner kryptischen formulierung, fragt sich nun mein geduldiger leser? 😉
ich will ein bisschen darüber philosphieren, wie sich auch die sicht auf meine landsmänner und frauen im ausland hier ändert. fakt ist, ich war von tag eins an kein freund der hippietouristen, wie sie sich gerade wieder vermehrt in colaba finden. auf dem weg nach goa, in batikshirt, badelatschen und sand im haar! brechreiz und wilde aggression lösen sie bei mir aus, gestern wie heute. (die frage bleibt: bin ich neidisch auf deren hemmungslosen urlaub oder einfach nur genervt, weil sie meinen alltag noch anstrengender machen)
aber auch sonst habe ich mich eher von landesgenossen fern gehalten, fällt mir jetzt auch wieder vermehrt auf. nicht ein einziges mal habe ich den deutschen stammtisch besucht. (aber kann den jemand WIRKLICH empfehlen? ) ja, ich stehe dazu, ich habe da vorurteile! was soll man denn aber auch denken, wenn die einladungen zum stammtisch immer in 5 sternehotels führen, auf dessen dächern man sich dann mit cocktail in einen pool setzen kann….?
dafür hatte ich ebenfalls noch nie etwas übrig und es sieht nicht so aus, als würde sich das in naher zukunft ändern…

trotzdem bin ich auch kein rügen (auf der suche nach einer einsamen deutschen insel fiel mir diese ein)!
davon können besonders meine praktikanten ein liedchen singen. ich hänge sehr wohl daran, zeit mit landesgenossen zu verbringen! (ein dank gleich mal an fabian, nela, hanna, julia und vroni!) genieße den tratsch und klatsch, das absondern von „DEN indern“! zumindest vorübergehend muss das sein. fürs seelengleichgewicht!
aber trotzdem erwische ich mich gelegentlich dabei, auf diese weise zeit mit menschen zu verbringen, mit denen ich in deutschland selbst wahrscheinlich a) nie in kontakt gekommen wäre und selbst wenn b) der person wahrscheinlich höchstens höfliche 5 minuten aufmerksam geschenkt hätte….
warum hängt man sich hier manchmal so an menschen, dinge und gegebenheiten, die nur deshalb im licht glänzen, weil das licht aus indien kommt? manchen menschen wird so ein besonderer glanz verliehen (mir auch, das merke ich immer wiedre) und ein geheimes band steht irgendwie dazwischen, dass eigentlich nur aus spinnweben besteht.
ist das nun gut oder schlecht? beschummel ich mich selbst zu eigenem seelenwohl oder deutet das auf die weitung eines beschränkten horizonts hin?
gibts da meinungen, erfahrungswerte?
in diesem sinne:

(ich finde das lied ganz schöne böse muss ich sagen, trotzdem: hat jmd den ganzen film gesehen?)

und da ich das nicht so stehen lassen kann, noch ein schönes video hintendran. schönes hamburg, ich winke! aach, dieser akzent…


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