abenteuer mumbai – surviving in the wild wild civilization (2)

akt zwei: the mess with the maid

eine soap. wirklich. mein leben ist eine never ending soap opera a la gzsz. nicht besonders attraktiv, aber irgendwie catchy. (vorausgesetzt, dass die serie, seit ich sie das letzte mal gesehen habe, nicht noch wesentlich übler geworden ist)
zur untermalung dieser vagen these und zur allgemeinen unterhalt also nun folgende episode (ein mehrteiler for sure).

nach meiner abreise aus mumbai ende letztes jahres hatte es einen wechsel der putzmaid gegeben. anlass war ein erfreulicher. die aktuelle maid (jaya) war erneut schwanger geworden. sie hatte es bisher nicht geschafft, ihrem ehemann nachwuchs zu schenken und schon eine fehlgeburt hinter sich. der druck in der familie muss wohl ein stetig wachsender sein.
als ich also wieder kam im juli hatten wir eine ersatzmaid, die sich aber nicht lang hielt. sehr unzuverlässig. dann kam im august laxmi ins haus.
ihre integration in den haushalt verlief dann ganz nach dem bewerten muster:
1. woche: super ambitious. sie ist ist pünktlich, sie putzt alles ordentlich, sie putzt ALLES (was man ihr aufgetragen hat) und sie schlunzt nich rum
2. woche: still ok
in dieser phase neige ich immer etwas zu euphorie ob der tatsache, dass da jemand seinen job anständig macht.
interessant wird es dann immer so ab der 3, 4 woche. auch in diesem fall ließ die qualität der zu erledigenden arbeit stetig zu wünschen übrig und besonders am wochenende wurden vereinbarte putzzeiten gerne weitreichend ignoriert. das ist also die phase, in der man herausfinden muss, ob die maid passt, während sie versucht herauszufinden, was sie sich herausnehmen kann. oft werden einem arbeitgeber am anfang versprechungen gemacht, die aufgrund anderer verpflichtungen eigentlich nicht zu halten sind, aber gut…
ich hasse diese phase und mache mir gern das leben damit schwer, dass ich weiterhin darauf beharre, dass man VOR antritt des jobs die konditionen bespricht und sie dann NACHER auch einhält! hier gilt aber auf unterschiedlichsten stufen: ich fang erstmal an und dann gucken wir mal, wieviel du zahlst. oder was ich tun werde. argh. gelegentlich nehmen so leute jobs an, die sie eigentlich gar nicht bereit sind zu tun….herrje, was für einige zeit und energieverschwendung!

während also unsere laxmi an glanz verlor, tauchte die ex auf, jaya. leider hat sie auch dieses baby durch eine fehlgeburt verloren und musst nun den „schaden“ durch wiederaufnehmen der arbeit gut machen. sie klingelte eines tages an der tür, zu aller überraschung und fragte nach, ob sie denn nun ihren job zurück haben könne.
da von einer reinen vorrübergehenden ersatztätigkeit nach so vielen wochen, monaten nicht mehr die rede sein konnte, wurde entschieden, dass wir erst einmal laxmi behalten wollten und die beiden das unter sich ausmachen sollten. in der absicht, sich aus dem problem herauszuhalten, stolperten wir so erst richtig hinein. und was nun folgte kann man nur noch als zickenkrieg bezeichnen. ein stiller zickenkrieg. denn wir bekamen die auswirkungen zwar direkt zu spüren (so hörte laxmi einfach auf, zur arbeit zu kommen), aber was zwischen den beiden gesprochen wurde, bekamen wir nur über dritte zu hören.
es hieß zuerst, dass jaya nun laxmi aufgesucht hätte, um ihr mitzuteilen, dass sie nun wieder für uns arbeiten werde und laxmi nicht länger zu kommen brauche. ich weiß nicht, wie der ton zur musik war, aber tatsache ist, dass laxmi (arme arme laxmi) zu eingeschüchtert war, um sich die nächsten tage bei uns blicken zu lassen. auf nachfragende anrufe reagierte sie mit lügen (ich bin krank) oder legte einfach auf und wurde erwischt (unten auf der treppe wartend). bei ihrem nächsten erscheinen sagten wir ihr dann, dass wir sie nicht feuern würden. das war ihre ausrede, warum sie nicht gekommen war. klasse idee, sie vor der kündigung zu drücken, in dem man nicht zu arbeit kommt oder?
in nächsten schrittauf dem weg zum maniacity war nun also jaya die böse, die durch fehlgeburt und druck der bösen gesellschaft zur erpresserischen bestie aufgestiegen war bis…..nunja, bis wir von einer weiteren maid erfuhren, was sich WIRKLICH zugetragen hatte. ja, jaya hätte mit laxmi gesprochen, letztere aber reagiert mit der bemerkung: ja, sie wollte eh aufhören, ist ihr zu nervig, aber sie will noch bis diwali bleiben und die premie abfassen, danach könne jaya den job zurück bekommen.

man KÖNNTE nun vermuten, das einfach beiden viel an ihrem job gelegen sei, nicht wahr? was tat also laxmi in den nächsten tagen und wochen? man konnte ihr von nun an dabei zu sehen, wie ihr arbeit jeden tag schlechter wurde. ab und zu kam sie einfach gar nicht (krank). am wochenende kam sie unangekündigt jedes mal einfach eine stunde später bis mir letztes wochenende, als sie dann endlich um 4.15pm klingelte, der kragen platzte.
ich ging also zu meiner mitbewohnerin, die demnächst auszieht und die die letzte entscheidung also mir überlässt, um sie zu bitten, laxmi am darauf folgenden tag eine letzte warnung zu geben. entweder sie macht den verdammten job oder eben nicht.
am nächsten morgen um halb acht wurde ich also geweckt durch schimpfgeschrei von zwei weiblichen stimmen. dieses mal mit meiner zustimmung. dem bericht hinterher war nicht viel zu entnehmen, denn natürlich redete sich die maid mit diversen ausreden aus der affäre. ist ja alles nicht wahr! nänänäää…
ich hab da schon echt die schnauze voll.
der ganz kinderscheiß.
ich fluche täglich in mich hinein, wenn ich die fr**** von dieser ***** schon sehe….

und um das ganze zu krönen, hörten wir heute noch von einer vierten involvierten maid, dass jaya gegenüber laxmi nocheinmal deutlich gemacht hat, dass sie dann am nächsten monat dort wieder arbeitet. a la: dann ziehst du aber mal fix leine schwester, alles klar?

ich glaub ich zieh die leine sehr bald, die reißleine.

mädels, der geduldsfaden der weißen frau ist abgebrannt. so watch it!!

to be continued…

anya

ich bin wirklich kein großer fan der 80er, aber in einem punkt fehlen sie mir gewaltig. diese geschichten erzählenden musikvideos…seufz. gone.

Advertisements

a very german party!

da ist was dran, an dem schiften der eigenen persönlichkeit im exil. so hörte ich von einem türkischen freund, dass die in deutschland ansässigen türkischen familien in der ausübung ihrer „kultur“ (ich setze das in anführungszeichen, weil mir die verallgemeinerung durchasu bewusst ist) gelegentlich päpstlicher als der papst seien (und dem ganzen auch noch diese note zu geben).
ich für meinen teil hab mir vo dem verlassen meines heimatlandes ins indische exil darüber nie allzu viele gedanken gemacht und mich auf jeden fall auch nicht als besonders eng mit meinem ursprungsland verbunden gefühlt. die gründe dafür sind vielschichtig und wurden alle mit einem staubig feuchten „wusch“ weggefegt an dem tag an dem ich nach mumbai kam.
das ist gut, ich wollte das ja so. aber inzwischen ertappe ich mich selbst gelegentlich in situationen, in denen mein altes ich auf das neue blickt und erschrocken und peinlich berührt zurückschreckt. wie zum beispiel letztes jahr, als ich einen jungen bettler im zug wie eine fliege verscheuchte. oder april 2008 als ich die erste maid in meinem leben anschrie. jaja, die kleinen überraschungen.

man verändert sich manchmal zum guten, manchmal zum schlechten. das lässt sich immer erst später herausfinden. just wait and watch, heisst es in diesem sinne.

gelegentlich gelingt es einem schon den schritt zurück zu machen, während man noch in der shifting situation ist. und ich glaube, so gings mir gestern.
denn gestern war ich auf meinem ersten oktober fest. überhaupt. nein, ich bin dafür nicht nach münchen gereist (obwohl ich mich wage erinnere, einer echten münchnerin nach der zweiten maß versprochen zu haben, dass wir das 2013 nachholen. ). seit dem letzten jahr wird selbige urdeutsche festlichkeit auch hier vor ort von der deutsch-indischen handelskammer betrieben. eine teure angelegenheit über deren motive ich mich hier wohl besser nicht auslasse. gerade auch, weil ich ein freiticket hatte. 😉
ich werde also gelockt mit freibier und würstchen. das hat leider schon öfter geklappt.

wie soll ich das geschehen nun beschreiben? ich hatte schlimmstes erwartet und dazu kam es …nicht. die inder haben sich de facto auch betrunken (darum gehts doch, oder?) aber ehrlich: die deutschen haben sich schlimmer benommen. wahrscheinlich unter den druck des sich ständig repräsentativ gut benehmens und unter dem einfluss einheimischer musik, getränke und dirndls/lederhosen ließen sie sich mal so richtig gehen. man verzeiht es ihnen.
ich fand mich also relativ schnell in einer sehr deutschen bierzeltatmosphäre wieder. schlachtrufe wurden gemeinsam gegrölt (zickezacke), die inder lernten shoonkln und derbe sprüche und die musiker könnten dem leben heinz strunks entsprungen sein. set-list gleicht einem abend auf malle: erst volkstümlich (heidi, maja) später tanzbar (i will survive, let me entertain you). hauptsache mitsingbar. und tanz bzw schunkelbar. auf den tischen, auf den bänken. überall reckten sich bierkrüge in die höhe.
dazwischen, etwas irritiert, wie erschreckte hunde an silvester: die kellner. typische sehr junge und dünne männer, die erst ganz stolz ihrer arbeit nachgingen, dann später aber einen blick hatten, der eher befremdliche angst (und daran geknüpfte vorsicht) erahnen ließ.
ich war nie der mitmachtyp und tanze nur, wenn ich auch mag. nicht weil andere andere es tun. ich stand also eben mehr an der seite, was so oft schon eine gute idee war und innerlich zog mein indien-dasein an mir vorbei. nicht zum ersten mal schoß mir durch den kopf: absurd. einfach absurd.

auf dem gipfel des tanzwütigen abends spielte die kapelle dann dieses lied. es wurde ganz pseudo-griechisch zum traditionellen tanz angehüpft und ich dachte zu allererst an die finanzprobleme im land…und dann, dann hats mich eiskalt erwischt. das heimweh. noch nie habe ich mich einem text von udo so nahe gefühlt wie in diesem moment. um mich herum jubelte und klatschte alles und ich konnte mir nur mit not eine kleine träne verkneifen. mein gott, war das schön.

oktoberfest in mumbai. anders als gedacht. ganz schrecklich und auch ein bisschen schön. aber nur wegen dem bier!?

und ja, ich hab jetzt eine rieisgen und vor allem schweren bierkrug zu hause und keine ahnung, wie ich den nach dtl kriegen soll und ob ich den überhaupt will.

😉 anya

 


subliminal sexual harassment

Eigentlich jede frau, die ich hier zu diesem thema bisher befragt habe, konnte etwas dazu sagen.  Sie alle haben ihre erfahrungen gemacht und die reaktionen schockieren mich immer immer noch. Sie reichen von einem schulterzucken, dem ratschlag, es einfach „zu ignorieren“ über mitleidsbekundungen bis zu eigenen berichten, die einem den atem stocken lassen.
kaum eine (fällt mir überhaupt eine ein ) hat sich gegen sexuelle belästigung offensiv gewehrt.

Jeder dieser berichte hätte mich, wäre mir oder selbst eine freundin ähnliches in dtl zugestoßen, dazu gebracht, den vorfall zu melden. Der polizei oder so denn am arbeitsplatz geschehen, der gleichstellungsbeauftragten. Es gibt ansprechbare orte und menschen für so etwas und sie werden genutzt. Ich hätte nicht gezweifelt. Durchaus bin ich auch in der lage, mich in kleineren fällen selbst zu verteidigen. Es war bis jetzt nicht nötig. Die mutmaßungen, warum, liegen an anderer stelle begraben.

Hier allerdings gehören die kleinen fälle zur tagesordnung. Man nimmt sie kaum noch wahr nach ein paar monaten hier und ich möchte wirklich nicht als emanze mit hang zu verallgemeinerung gelten, aber trotzdem heute mit der faust auf den tisch hauen. es reicht nämlich. ich habe wochen kleine portiönchen aggression geschluckt und nun platze ich.

Warum? Warum muss ich mir so viele kleine bemerkungen und blicke gefallen lassen, die ich unangebracht, belästigend und als degradierend empfinde? Und warum ist die allseits bekannte opferrolle im kleinen, nämlich in der ignoranz solcher attacken hier omnipräsent?

Ich habe dazu ein schönes beispiel.
ein namenloser fotograf hat sich an meinem arbeitsplatz für einen auftrag beworben. Ich bekomme oft solche emails. Manchmal kann man vermitteln, manchmal muss man höflich ablehnen. Das gehört dazu. Wir brauchten tatsächlich bald die hilfe eines fotografen, um eine veranstaltung zu dokumentieren. Also nahm ich kontakt auf und vermittelte.
einwerfen muss man, dass hier sehr viel und sehr hartnäckig für dinge, projekte, aufträge, job etc „geworben“ wird. Früher musste ich immer schmunzeln, wenn srk wiedereinmal in unerträglich übertriebender manier der liebe seines lebens hinterher jagte, um ihr in aller penetranz verständlich zu machen, dass sie füreinander bestimmt seien. Mir war damals nicht klar, dass diese penetranz oder nennen wir es freundlicher „hartnäckigkeit“ auch für andere lebensbereiche üblich ist.
ich nehme also lebenslauf und arbeitsbeispiele auf und bitte ihn, sich etwas zu gedulden, denn das projekt näme gerade erst formen an. In mehreren mails bittet besagter junger fotograf nun um einen termin mit der chefetage. Ich versuche ihm verständlich zu machen, dass es dafür zu früh sei. Er wartete eine woche und schrieb dann wieder.
auf der einen seite ist solche hartnäckigkeit ja lobenswert. Der junge bleibt dran. Auf der anderen seite können solche mails, von denen man, wie gesagt, auch nicht nur eine am tag bekommt, auch sehr lästig sein. Ich versuche also freundlich zu sein, aber distanziert.
Have patience, man!

Letzte woche nun traf wieder eine mail ein. Lang und ausführlich wurde unsere arbeit gelobt (es ist hier üblich und selbst ich benutze inzwischen floskeln, die mir in dtl extremst peinlich wären) und wieder auf ein treffen gedrängt. Bückling bückling. (das diese art des aufdrängens bei deutschen oft das gegenteil bewirkt, kommt als information da leider nie durch) und am ende….nun am ende folgte dies:

  One last thing, I hope you do not mind, but you have a beautiful name. I wanted to tell you this the first time you mailed me but then I decided to wait. Now, I’m thinking, why wait to say something nice! Beauty should be appreciated in all forms, I believe. In case I’ve crossed a line, I apologize.

dem deutschen leser stellt sich jetzt wahrscheinlich ein großes fragezeichen ein. ich warte beim ersten lesen noch auf einen zwinkersmiley, hielt ich es doch für einen scherz.
dann bat ich, meine kollegin, die mail zu lesen und sie riet mir, dass übliche zu tun: ignorieren.

Ein bisschen kontext hierzu: erstens hat er mit dieser bemerkung eindeutig eine hierarchie durchbrochen, die hier meistens nicht so offensichtlich für ausländer, aber doch sehr strikt vorhanden ist. Zweitens stößt mir die frage auf, ob er tatsächlich glaubt, sich damit jobtechnisch in eine bessere position zu bringen und drittens, ja,  fühle mich in eine ecke gedrängt. nachdem ich gleich am anfang meiner indienzeit für einige wochen einen stalker vor meinem arbeitsplatz hatte (einen idiotischen künstler, mit dem ich einmal bei einer veranstaltung ein paar worte-offensichtlich zu viele-gewechselt hatte und der nun „zufällig“ in der gegend war) und letztes jahr von einem mann nach hause verfolgt wurde, der dann mit offener hose und einem gesichtsausdruck der mich noch lange verfolgen wird vor meiner wohnungstür stand, frage ich mich doch, was das soll.

Ich möchte mich wehren, um mich sicherer zu fühlen, werde mit meiner unsicherheit aber stets allein gelassen. Nicht, dass ich damit tatsächlich allein wäre oder mich de facto unsicher fühlte, aber doch scheint hier niemand das gefühl zu haben, dass dies einen lauten schrei wert wäre.
das es ok ist, mich auf  dieweiblichkeit zu reduzieren (hätte er einem mann wohl das gleiche kompliment gemacht? i don’t think so)…oh, nicht zu vergessen, the white skin. Ich weiß, dass nicht jeder inder mich so sieht, aber genau so fühle ich mich, wenn ich so eine mail bekomme. Degradiert zu einem stück fleisch, das nicht einmal wütend darüber sein darf. Und schon bin ich wieder dabei mich dafür zu entschuldigen, dass ich belästigt werde…. Welcome to the past.
eine stunde später hat er dan noch angerufen. ich habe mich verleugnen lassen. und die bemerkung dann ignortiert.

ich versuche, es mit humor zu nehmen. mich nicht zu etwas machen zu lassen, dass ich nicht bin: ein opfer.

deshalb etwas ironisch zum abschluss ein lied meiner allzeit lieblingsband: die ärzte!

ps: hab ich schon von der mail erzählt, in der ein mann mir schrieb, dass es ihm leid täte, dass er sich jetzt erst melde. wir hätten uns vor ein paar wochen im zug nach bandra kennengelernt und doch so interessant miteinander geredet. er habe mich nun über unsere webseite ausfindig gemacht und würde ich freuen, wieder von mir zu hören.
ICH FAHRE IM FRAUENABTEIL NACH BANDRA PUNKT

 

 

 

 

 

 

 


kleinigkeitenreport 2011

davon hatten wir so lange keinen, dabei besteht das lkeben doch bekanntlich aus kleinigkeiten. 😉

1. work in progress: das bombay eine baustelle ist: nicht neu. die baufirmen kommen dem immer noch rasant wachsenden bedarf eigentlich kaum hinterher und die stadt wächst in alle möglichen richtungen. bei mir gegenüber wächst sie nach oben. die kolonie in der ich wohne, besteht aus schon etwas veralteten aber immer noch schönen häusergruppen. die straßen sind grün und die wohnhäuser selbst nur 3-4 etagen hoch. das bauland ist allerdings inzwischen extrem beliebt geworden. also werden die kleinen gemütlichen kolonien stück für stück abgerissen und auf deren grundfläche ein 15 geschosser gebaut. inklusive tiefgarage, pförtnerhäuschen und luxuriös klingenden namen wie „jade garden„. kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die innen genauso aussehen, wie die hochhäuser meiner kindheit. nicht, dass ich da was gegen hätte, ich stehe zu meiner platte, aber luxuriös würde ich das auf keinen fall nennen. schon gar nicht für die preise. davon kann dani auf jeden fall ein lied singen…

aber, worauf ich eigentlich hinaus wollte: direkt gegenüber meiner einstmals kleinen beschaulich ruhigen straße wird so ein koloss gebaut und ich bin live dabei. und ich meine: LIVE DABEI. denn wie das hier so üblich ist, wohnen eine hand voll bauarbeiter, die gern aus den (mehr oder weniger) umliegenden dörfer herangekarrt werden, direkt vor ort und zeit scheint keine rolle zu spielen oder eben eine sehr große. das ding muss fertig werden. sonntag 1am…na und, mumbai ist eh laut!! zwischendurch ist immer mal ruhe, ich weiß nicht warum. ich frage nicht. am wochenende hab ich zeit, direkt zuzugucken, wie die einzelnen etagen aufgebaut werden. das ist durchaus interessant. man darf natürlich nicht ängstlich sein, denn die kleinen dünnen männer sind LOGO null gesichert. wie so oft gilt hier: besser nicht hinterfragen!
nach und nach haben es sich die bauarbeiter dort heimelich gemacht. ab und zu klingt aus billigen handys am frühen abend der ein oder andere alte bollywood klassiker und manchmal, wenn der bauvorhang zur seite gezogen ist, kann ich sie kochend zusammen sitzen sehen. seit letzter woche ist nun endgültig „zivilisation“ in die immer noch unverkleidet und unverglasten unteren zimmer einzogen. in form einer „gardine“. inzwischen sieht man nämlich auf der gespannten wäscheleine zur westseite auch saris hängen und demnach ziemt sich auch etwas privatssphäre. so schnell definiert sich eigener wohnraum. in deutschland braucht man dafür zäune. hier eicht ein graue plane und ein pinker sari.
letzte woche hat die höhe des hauses nun das meinige überschritten und die netten nachbarn werden bald weiterziehn. dann kommen neue nachbarn. die sich vorkommen wie der kaiser in china, aber wohnen wir anja in rostock in den 80ern.
  

2. herbstgefühle: der monsun scheint dieses jahr halbwegs pünktlich aufzuhören und kaum kommt die sonne wieder raus, wird es heisser und man vermisst schon fast den frischen regen.
ich beginne die neue jahreszeit damit, meinen schrank zu durchforsten nach schimmel. in den letzten wochen hat es nach totem hund darin gerochen, aber jetzt muss ich da durch. einige dickere wäscheteile wie pullover habe ich gerade noch rechtzeitig entdeckt, um sie vor dem schimmeltod zu bewahren, andere shirts muss man nur mal lüften.
endlich wird die mode nicht mehr nur vom wetter bestimmt, sondern davon, worauf ich lust habe. naja, nicht zu vergessen den „anglotzfaktor“, der wichtig ist. denn mit der sonne kommt auch die herbsthitze (bevor in den angenehm warm/frischen winter gehen) und ich spüre den unterschied zwischen kurzärmelig und langärmelig schon sehr. nerv! ja, ich weiß, ich bin da immernoch sehr empfindlich, aber tut mir leid, das ist eben so. manche dinge müssen sich auch nicht ändern.
erst gestern im atm-geldautomaten wieder so ein erlebnis. ich warte auf eine freundin, die geld holt und ein typ geht unnötig dicht an mir vorbei und glotzt, röngt mich wieder (ganz selbstverständlich) dermaßen…. ich denke dann jedes mal, dass ich im in dtl schon längst gesagt hätte, dass ich mich ebenfalls freue, mein knie in seinen eingeweiden zu versenken, aber hier…soviel energie habe ich nicht. auch nicht soviel zeit, denn fast jedes mal, wenn ich mich missmutig zur respektlosen behandlung geäußert habe, starrte mir ein verständnisloses gesicht entgegen? was denn? das artet in emanzipatorische missionierung aus, das ist nicht meine aufgabe. gut…eh wir uns da wieder verrennen, hier ein schlussstrich.
der herbst ist da und eigentlich bin ich ganz froh drüber. jahreszeiten gibt es also auch in mumbai und so langsam bekomme ich ein gefühl dafür. 🙂

lg in den deutschen herbst (an den ich mir verbiete, zu denken….denn was würde ich für einen langen herbstspaziergang geben)


(wahnsinn, immer noch von samstag nach zehren!)