abenteuer mumbai – surviving in the wild wild civilization

eine tragikkomödie in drei akten

1. akt
bombay nights

kurz vor halb zwölf beschließe ich: es reicht. die amerikanische sitcom auf hbo hat ihr ziel erreicht, ich bin schläfrig. nur noch schnell zähneputzen und ab in die heia! aber dann kommt es wiedermal anders als geplant als ganz plötzlich der strom komplett ausfällt. ZZZZZSSUP! Nun passiert das nicht zum ersten mal und ist meistens nach wenigen minuten wieder vorbei (für immer in meiner erinnerung werden die beiden stromausfälle bei der letzten wm sein…halbfinale und klose am ball, man man man). geduld ist gefragt und kerzen bzw eine taschenlampe sollte man in reichweite haben. zum glück ist es zur zeit auch nachts relativ kühl, so dass man bei ausfallen der ventialtion nicht sofort in schweißströme ausbricht, wie es ab märz garantiert der fall wäre. allerdings wird es schon etwas unangenehm, da sich ein ziemlich stark muffiger geruch in der ganzen wohnung ausgebreitet hat in den letzten wochen. klaro: es regnet superviel, die wäsche muss auch drinnen hängen und niemand zu hause tagsüber zum lüften. wenn ich abend nach hause komme, kann ich die fenster auch nicht mehr aufreißen, da ich sonst moskitoschwärme einlade… es mieft also übel! gut, das ist aber noch nicht lebensbedrohend, nicht war? oder ist  schonmal jemand erstunken…?
ich hole also meine tschibo-minitaschenlampe raus (danke mami!) und putze zähne im kerzenschein. reiße nochmal richtig das fenster auf, damit wenigstens etwas kühle luft reinkommt.
ich versuche auch mit einem blick aus dem fenster herauszufinden, obs a) nur unsere wohnung, b) nur unser haus oder c) das ganz viertel ist. Seltsam, unsere wohnung ist dunkel, ganz unten im haus ist licht….schwer zu sagen um diese uhrzeit, ob die bewohner bereits schlafen gegangen sind oder einfach wie ich im dunkeln sitzen…
In dem moment kommt kanika verschlafen und stöhnend aus ihrem zimmer. sie war aufgewacht, weil es warm wurde…kennt man und ist nicht schön.
Und nun begann das abenteuer. sie rief also zuerst bei der stromfirma an, um den stromausfall zu bericht zu geben. habe ich früher für humbug gehalten, ist aber wichtig. denn umso mehr leute sich beschweren, desto größer ist die chance, dass sich jemand auch tatsächlich des problems annimmt. es schien also, dass es ein „phase“ problem gäbe…den hintergrund habe ich nicht ganz verstanden, aber das bedeutete, dass nur einige wohnungen betroffen waren, nicht aber ein ganzes haus. dann folgte das übliche geschimpfe am telefon von der einen und das beschwichtigende „yes, madaam, somebody will come“ blabla auf der anderen seite. Beides sind masken. ich nenne das jetzt mal so, denn diese gespräche sind in meinen augen ein reines spielerisches kräftemessen. ich verstehe nie, wie man so probleme lösen kann. aber, das muss man auch anerkennen: es werden so probleme gelöst!
in der zwischenzeit werde ich eigentlich eines: müde! es ist inzwischen nach zwölf und ich habe einen langen tag und hinter mir. bin aber nicht sicher, ob ich einfach so schlitzen (schlafen+schwitzen) gehn kann und meine liebe mitbewohnerin, die hier versucht, eine aussage am telefon zu bekommen, einfach allein zu lassen. das gekeife findet gegen halb eins einen höhepunkt, als der man an der leitung einfach auflegt und kanika dann die offizielle beschwerdestelle anruft, um einen „formal complain“ einzureichen. der kollege dort deckt allerdings die arme sau an der nothilfeline und sagt, er könne nicht genau sagen, wer da mit ihr telefoniert habe….ach…menno…
kanika ist also jetzt wach und wütend und überlegt zu ihrem cousin in bandra west zum schlafen zu fahren. das ist für mich nicht wirklich eine option. jetzt wieder anziehn, dann da hingurken und morgen um sieben zurück…?
Inzwischen  hat es NATÜRLICH angefangen, aus eimern zu schütten draußen und es regnet durch das offene fenster ins wohnzimmer…aber wen interessierts um kurz vor eins?!
ich beschließe einfach schlafen zu gehn, entschuldige mich bei kanika…und mache mein fenster soweit auf, dass die regenbrise frischen wind, aber kein wasser rein bringt und hoffe auf den tod vieler moskitos in fensternähe durch herabstürzende wassermassen.

wir nähern uns nun der finalen überraschung…
die telefonate haben eigentlich nicht viel gebracht. was sollen die armen würstchen da am telefon auch sagen außer: ein bisschen geduld, wir arbeiten daran. der strom wird bald wieder da sein…. 😉

und gerade als ich nun am wegdösen bin…schlaf mein erlöser…machts RUMS KNACK…und die ventilation springt an! ich schrecke hoch! freue mich drei sekunden! und falle dann ENDLICH in meinen wohlverdienten schlaf!

ganze aktion hat mich nur 1 1/2 stunden schlaf gekostet, ein schnäppchen also und inzwischen, so stelle ich fest, durchlebe ich solche „ausnahmezustände“ auch relativ gelassen. man stelle sich solch eine situation nur mal in einer deutschen großstadt vor….hah! 😀

in diesem sinne: gute nacht! und bis bald zum zweiten akt….

anya

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