von neral nach matheran

Die schönsten Ausflüge kann man wohl am schlechtesten beschreiben. Vielleicht geht das auch nur mir so und ich egoistische Hexe möchte diese Erfahrung einfach nicht teilen, in der Angst, etwas von der wunderschönen Erinnerung könnte verloren gehen. Das kann man doch verstehen, oder?
ich war also auf meinem ersten Indien-Wandertripp, schlechtenst vorbereitet und grässlich ausgestattet, aber da wären wir auch gleich wieder bei einem der großen Indien-Pluspunkte: das ist alles wurscht. Es ist völlig egal, ob deine Trekingschuhevon Jack Wolfskin oder stoffschuhe von h&m sind. Sie mögen nicht dafür gemacht sein, werden der Situation aber angepasst.
die Fakten:
aufstehen ist für mich immer da schlimmste. (Überraschung!) und obwohl ich hier in Mumbai eigentlich kaum Schwierigkeiten mit dem aufstehn habe (was sich für mich eindeutig auf die wetter Situation zurück führen lässt-anderes Thema), tat es mir doch schon weh, als ich 4:45 in den Handywecker tippte…. Es war also noch dunkel, als wir losgingen, Neha und ich. Treff dann mit zwei weiteren Freunden und ab ging es von der Station Kurla (Central Railway) anderthalb Stunden gen Nordost. Vorbei an Thane, was mir als weitest entfernter Vorort Mumbais noch bekannt war. Die Bahnstationen wurden kleiner und dörflicher und als die Sonne gegen halb sieben aufging waren auch die Berge bereits im Hintergrund zu sehen. Saftig und grün. 🙂
Wir erreichten Nerla Station gegen halb acht. Von hier aus kann man mit dem Taxi relativ zügig zu einem der beliebtesten Ausflugsziele für Mumbaikars mit Ausflugsgelüsten fahren: Matheran. Auch wir wollten nach Matheran, allerdings nicht mit dem Taxi. Die Strecke hat hinab 25 Minuten gedauert und wir schätzten, dass wir inklusive unserer kleinen Umwege ca. 10 km gewandert sind. Zuerst die Straße endlang die erst aus dem Dorf und dann in die Berge führte. Schon beim ersten Chaiwalla-Stop wurde klar, dass wir es hier mit einer unglaublichen Landschaft und den unglaublichsten Ausblicken zu tun haben würden. Ca. 2 Stunden liefen wir also im Pisspott an der Straße entlang, was insgesamt ziemlich nervig war, denn aufgrund des langen Wochenendes (15.08 Independence Day) war Hinz und Kunz auf dem Ausflugstripp. Die völlig wahnsinnigen Taxifahrer lieferten sich also nonstop hupend Wettrennen auf den serpentinartigen immer enger werdenden Straßen. Großartige Voraussetzungen für Wanderer also…
Als wir uns dann später entschieden, einfach entlang der kleinen Eisenbahnschienen zu laufen (sie erinnern mich sehr an die Schienen der Molli, falls das hier noch Jemandem was sagt), die im Monsun außer Betrieb war, veränderte sich die Lage. Unglaublich wunderbare Stille breitete sich aus und das nervtötende „Määääp“ war nur noch gelegentlich aus der Ferne zu hören, wenn die Schienen wieder einmal die Straße kreuzten. Umso höher wir stiegen, desto mehr nahm der Regen auch zu. Weiter unten hatte es immer wieder kurze Schauer gegeben, die aber von Sonnenperioden abgewechselt wurden. Weiter oben wurde es zusehens frischer und windiger. Irgendwann war ich einfach nur noch nass. Ist dann irgendwann ja auch egal. Wandern oder Was lag also näher als ein Schlückchen Rum? In der zweiten Pause haben wir uns dann erst einmal anständig gestärkt… 😉 Das war auch gut so, denn die Herausforderungen lagen ja erst noch vor mir und hätte ich geahnt, dass ich an diesem Sonntag einen Wasserfall hinaufklettern würde (zwischen indischen Familien in Salwar Kameez Aufmachung, quietschend!!) und danach weitere zwei Stunden vollkommen (vollkommen!!) durchnässt durch neblige Schluchten watschen würde…ich glaube, ich hätte mehr Rum getrunken! Wie auch immer…es war toll! Ich hatte sogar einen dieser seltenen spirituellen Momente, die mir-entgegen aller Klischees-eigentlich nur äußert selten passieren. Aber den behalte ich für mich!

Die Fahrt hinunter mit dem Taxi hat im übrigen 25 Minuten gedauert und war öde.

in diesem Sinne!

anya

 

Nachtrag: ich muss, glaube ich, noch kurz erwähnen, dass wir nach insgesamt 6stunden wandern durch die grünen berge in mehr oder weniger großartiger stille dann kein interesse mehr daran hatten, uns matheran selbst anzusehen. „normalerweise“ ist das nämlich das eigentlich ziel der urlauber. die gurken da alle mit dem taxi oder eigenem vehikel hoch, um dann teuer eintritt zu bezahlen für das reservat ohne autos… da wir hochsaison haben, war es dort gerappelt voll und wie an schlimmen tagen am colaba causeway versuchte einem alle 2 Minuten Jemand was anzudrehen. Überteuertes Taxi, geführte Tour, Essen, Trinken, Beischlaf…
Das haben wir uns also erspart.

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3 Kommentare on “von neral nach matheran”

  1. Habe nun endlich wieder ein wenig Musse gefunden, bei dir zu lesen. Der Wanderausflug klingt ganz herrlich, ich hoffe du hast dich gut entspannt von der Großstadt und die Natur voll aufgesogen!
    Alles Liebe, und ich freue mich auf weitere Berichte!

  2. ana_bu sagt:

    bin letztes jahr molli gefahren mit meinem fahrad als zusatzgepäck. das war ein winzigkleines abendteuer :-*


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