Is that bitching really necessary? Teil2

Und hier bin ich an einem weiteren Samstagvormittag und stelle fest: aber hallo, ist es wohl!
Denn hin und wieder gerät man in Situationen, die einem zumindest ein bisschen klarer erkennen lassen, warum die Menschen hier sind wie sind. Nicht das das Gesamtbild für mich in sich stimmig wäre…aber das ist ja eine ganz andere Frage. Wir sind beim Puzzeln.

Heute also das Puzzelteil mit unseren „AC-Guys“. Ich nenne sie so, denn für mich sahen sie alle 4 aus wie zwischen 14 und 18 und, ganz offensichtlich hatten sie sich gegen uns 3 Mädchen verschworen. Die Klimaanlage muss regelmäßig (mehr oder weniger 😉 ) gewartet werden und gelegentlich also auch ausgetauscht. Ein Prozess, den ich noch nie beobachtet hatte. Ich bin ja gerade erst in den Besitz meiner ersten Apparatur gekommen und die Funktionsweise dieser Kiste (oder überhaupt technischer Geräte?) war mir immer noch fremd, gar suspekt. Da ragt also eine Kiste aus meinem Fenster, brummt und surrt und erzeugt so irgendwie kalte Luft. Toll!
Aber wenns eben nicht mehr ordnungsgemäß brummt und surrt, muss die AC-Truppe anrücken. Das sollten sie nach einem Hin und Her gestern am Telefon heute früh um 10 Uhr tun. Das ihr eigentlich NIE Jemand pünktlich kommt (und auf jeden Fall keine Handwerker!!) lernt man hier schnell. Gern auch schonmal gleich am Flughafen. 😉 Die Ausreden sind dabei aber immer das Beste! Wären ein Buch wert: so eine Art Abreißkalender, wo man an jedem Tag eine originelle oder einfach nur witzige Ausrede lesen kann….mh, Marktlücke? Der junge Mann heute befand sich sage und schreibe im Viertel nebenan und behauptete kein Taxi zu bekommen! An einem Samstagmittag! Er war bereits anderthalb Stunden zu spät und meine Mitbewohnerin schimpfte, schrie und diskutierte zum gefühlten 10mal mit seinem Chef am Telefon. Er war anscheinend einfach nicht dazu zu bewegen, seinen verdammten Arsch nach Bandra zu bewegen!!! Da hilft auch kein freundliches Zugerede, da gewinnt der, der am meisten schimpft! Basta!
Als er dann also ankam und endlich mit seiner ersten Arbeit (dem Reinigen der Kiste im Nebenzimmer, meine sollte später komplett ausgetauscht werden) beginnen konnte, war er bereits zwei Stunden zu spät. Erst Verkleidung abnehmen und dann wuchten zwei dieser 14jährigen dürren Knaben die Kiste aus der Fensterwand. Eine unglaubliche Sauerei lässt sich bereits voraussagen. Der, die, das zu säubernde AC wird nun ins Bad gewuchtet und dort ausgewaschen. Danach wieder zurück getragen, wieder eingefügt, Verkleidung drauf und das wichtigste: Tape drumherum!! Tape ist die Lösung für alles in diesem Land. Während dessen ertönt unbeschreiblicher Lärm aus meinem Zimmer: es wird gebohrt!!! ich habe keine Ahnung, was, warum und vor allem: warum soviel!!! Ich guck einfach nicht hin. Zwischendurch bleibt einem der Jungs Zeit, den Sitz seiner Frisur in meinem Schrankspiegel zu überprüfen… Ebenfalls kann ich später den Jüngsten der Truppe dabei beobachten, wie er ein paar Michael Jackson verdächtige Schritte aufs Parkett legt.
Zusammenfassung: der Samstag war dahin, die Wohnung ein Schlachtfeld und das dicke Ende wartete erst noch auf uns. Nach dem zweiten Startversuch die Klimaanlage meiner Mitbewohnerin immer noch  nicht richtig funktionierte, beschlossen die vier „Experten“ am späten Nachmittag noch einmal wiederzukommen, um die Kiste komplett auszutauschen! Anderthalb Stunden Sauerei waren also um sonst und der Nachmittag auch noch versaut. Da tobt die Stimmung! Es musste also nun ein Anruf bei der Firma folgen, um dem dortigen Boss mal richtig die Meinung zu geigen. Erstens nutzt das, um die eigene Wut in eine Richtung zu kanalisieren und zweitens, um sich wieder etwas Respekt zu verschaffen. Den einzigen Grund, der mir einleuchten würde, nämlich der, dass beim nächsten Mal nämlich tatsächlich etwas mehr Professionalität zu rechnen wäre, steht natürlich vollkommen außer Frage. Ich wage mich inzwischen nicht einmal mehr vorrübergehend zu fragen, warum die „Experten“ was wie und wo tun, das führt hier einfach nirgendwo hin und ich will ja auch nicht wie die klugscheißende Westlerin wirken. Jaaa, bei uns und Deutschland wird Effektivität und strukturelles Handeln noch groß geschrieben….
Aber trotzdem ist das meckern hier ungemein wichtig und führte immerhin dazu, dass die Knalltüten pünktlich zur Verabredeten Uhrzeit am Nachmittag vor der Tür standen.
Für mich galt an diesem Samstag wieder die alte Regel: Lehrjahre sind keine Herrenjahre. Ich sitze mehr oder weniger stumm daneben, werde kaum angesprochen (warum sollte man mich auch nach meiner Meinung fragen bezüglich Klimaanlagen?) und beobachtet die Szenerie, versuche ein bisschen was lernen und möglichst wenig Angriffsfläche für sich zuspitzende Aggressionen zu bilden. (gleiches gilt für die lüsternden Blicke der pupertierenden Möchtegernhandwerker)

Das Resultat sieht jetzt also wie folgt aus:

Ich habe eine ältere Kiste als zuvor, bei der Drehknopf für die Temperatur gleich beim ersten wärmerstellen (natürlich möchten die Deutschen es zu Hause immer gemütlich frisch bei 15-18 Grad haben, so die geläufige Vorstellung der Inder ) abbricht. Ich verstehe den Unterschied zwischen OFF/FAN/LOW COOL/SUPER COOL nicht und irgendwie müsste da auch ein Kompressor angehen oder so, was er nicht tut. Obwohl „LOW COOL“ ein genialer Künstlername wäre… Ich könnte mir auch schon etwas unter den Einteilungen vorstellen, nur ist der gefühlte Unterschied nicht vorhanden. Das erschwert die Auswahl. Überhaupt war der vorherige Kaste viel cooler, eigentlich schon super cool!  Der hatte sogar eine Fernbedienung! Aber gut, ich will mich nicht beschweren über den Luxus, eine AC zu haben….sie funktioniert, immerhin. Mal sehn wie lange. Und dann kommen sie wieder zu Besuch: die fantastischen Vier!

anya
ps: und dann ist man zwei tage nicht online und muss bei rückkehr an den arbeitsblatt und in die netzwelt feststellen, dass wieder jemand gedacht hat, man könne durch morden die welt verbessern, in diesem und in jedem sinne…

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Is this bitching really necessary? (=ey!?!)

Oder nicht einfach nur eine verschwendung von ressourcen?
Da bin ich also nun wieder. In der mitte von indien, in der mitte des molochs, in der mitte der weiblichen kampfzone!
ich bin nie jemand gewesen, der in konfliktsituationen auf konfrontation ging. Gut, ich KANN sehr direkt sein, aber das ist wohl etwas anderes. Werde ich frontal angegriffen, neige ich zum geordneten rückzug, der gelegentlich in unordnung gerät. weil ich feige bin? Nein, weil ich im großen und ganzen als harmonischer mensch bin und ganz besonders zu hause auch einfach meine ruhe haben will. Zu hause auch noch kämpfen? Ist der kampf auf den straßen, in den büro’s nicht hart genug? Ist es zuviel verlangt, in den eigenen vier wänden verschont zu bleiben und kann man nicht solcherlei probleme (kleinigkeiten) nicht auch zivilisiert besprechen?
die antwort ist einfach und lautet: nein.
nach mittlerweile mehr als 10 jahren in wgs, in denen ich wahrhaftig einiges erlebt habe (höhepunkt war eine anzeige wegen verletzung der privatsphäre von einem mann, den ich auf 3 metern entfernung riechen konnte…laaange geschichte), steht für mich eigentlich schon länger fest, dass ich allein wohnen möchte, muss, will. Die einzige person auf dieser welt, mit der ich im moment bereit wäre, mein leben (sprich wohnung) zu teilen, ist meine schwester. (nun gut, vielleicht würde ich vorübergehend bei george clooney auch eine ausnahme machen, aber nur, wenn er die espressomaschine mitbringt! )
leider lässt sich das hier nicht verwirklichen. Auch verschiedenen gründen. Der größte und wie immer entscheidende faktor ist das verdammte geld! In mumbai eine wohnung zu mieten ist scheiße-teuer. Und ich meine: SCHEISSE teuer! Nachdem mein visum bereits daran gescheitert ist, dass ich nicht genug geld verdiene kann man sich vielleicht ausmalen, dass ich hier nicht im goldenen gral schwimme…
außerdem gibt es bei einer wohnung auch eine unmenge an papierkram und dinge zu beachten, die mich die nächsten monate busy keepen würde…keine lust dazu (und ehrlich auch keine nerven, so schon genug papierkram an der backe). Multipliziere man nun mit der tatsache, dass man ja als foreigner auch immer noch einen „sonderstatus“ hat….klar, ne?

Es war also bis jetzt einfach immer günstiger in wgs zu wohnen, die es zusehends auch gibt. sie wachsen nicht wie champingons zur erntezeit aus dem boden, aber es gibt sie.
ich dachte also, ich bin durch mit dem thema. Dachte…!
schon im letzten beitrag konnte man vielleicht etwas …unmut..über die aktuelle situation herauslesen. Dieser hat sich wie ein ekelhafter fusspilz (was hab ich denn heute mit pilzen?) weiter ausgebreitet und ich habe mittlerweile das gefühl, dass ich in diesem haushalt für jeden quadratmillimeter freiheit kämpfen muss. Ständig werde ich angefahren, dass meine nasse kurta zu dicht an einen pinken bra hänge oder einen gürtel unsachgemäß auf dem fussboden hinterlassen habe….
und dieser ton erst…..
und ehrlich, ich bin drauf und dran zu platzen. Aber tue ich das?
und ich bin wirklich niemand, der anderen menschen ihre macken nicht lässt, habe ich doch selbst genug, aber irgendwann reichts! Inzwischen weiß ich schon nicht mehr, ob mich diese aneinanderreihung von dämlichen anweisungen allein nervt oder ob es an dem ton liegt.
Nun ist das hier aber ein raubtierkäfig der besonderen art und mir ist auch nicht neu, dass man sich in dieser stadt durchsetzen muss oder man wird verschluckt von ihr. Und ich lerne dazu, wirklich! Ich lerne das zu tun, was ich schon immer verabscheut habe. Toll nicht!?
aber zu hause, zu hause will ich meine ruhe!! Und das ohne eine jungen nordindern jeden zweiten tag klar machen zu müssen, dass sie sich gefälligst am riemen reißen und mich in ruhe lassen soll mit ihrem gekeife!

Fazit: ich will nicht allein wohnen, aber ich muss mein eigenes recht behaupten und das sagt: leave me the hell alone!

hier kommt ein dampfablassvideo, was thematisch woanders hin geht, aber doch auch irgendwie passt. so vom flow her. 😉

anya


Geh doch weg und nerv jemand Anderen!

Wie sehr hab ich früher die Samstage gemocht! Seufz. Zu Zeiten, in denen ich nicht arbeiten musste am Samstag, versteht sich. Aufstehen, wenn man endlich wach geworden ist. Von allein! Lange ausgedehnte Dusche und dann ein noch längeres Frühstück, das in aller Ruhe und mit jeder Menge Lesestoff versehen ist. Man gönnt sich einen zweiten Kaffee und überlegt in aller Ruhe, wo man am heutigen Abend sein Bier zu sich zu nehmen gewillt ist und mit wem? Vielleicht später ins Kino oder Theater? All diese Überlegungen werden schwerfällig und ohne Zeitdruck im Kopf hin und her geschoben und die Betonung liegt dabei auf: RUHE!
Die Quintessenz dieses süßen Genusses des Samstag Vormittags liegt eben darin, dass Niemand etwas von einem will. Wenn Gesellschaft geduldet wird, dann nur, weil sie zu solchem Anlass dieselbe Trägheit zutage trägt wie man selbst. Jeder, der auch nur eine Woche mit mir zugebracht hat, weiß, dass es in meinem Leben keinen schlimmeren Fauxpas gibt, als mich vor dem ersten Kaffee anzusprechen!
Aber wir sind hier nicht zu Hause. Obwohl ich dieses vorübergehend als solches bezeichnen will, muss, sollte. Selbst nach mittlerweile etlichen zwischenmenschlichen Begegnungen, komme ich mir manchmal im eigenen Haus noch vor wie E.T. beim Versuch, eine Standleitung „nach Haaausee“ zu bekommen. Niemand scheint zu verstehen, was mir wichtig ist oder ist bereit, es einfach zu ignorieren. Und ich bin einfach schon zu lange mit mir selbst liiert, als dass ich bereit wäre, alles einfach hinzunehmen (heißt: mich ohne Murren anzupassen). Ich steuere also schon bald wieder auf einen Overkill zu. Besonders dann, wenn ich ständig belehrt werde, wie ich etwas zu tun habe. Versuche ich mich zu verteidigen, was in Englisch zusehends schwierig wird wenn ich emotional reagiere, wird der Ton immer lauter, heftiger und schriller. Genau das brauche ich Samstag früh: Jemand, der mir so richtig auf den Sack geht! Ich weiß, dass dieser Ton in vielen Fällen nicht so harsch gemeint ist, wie er für mein europäisches Ohr klingt. Er gehört zum täglichen Equipment jeder Frau in diesen Kreisen, die sich immer wieder verteidigen und positionieren muss. Gegenüber Maids, in der Familie, auf der Arbeit, im Shop… und das immer schön laut!
Ich war immer schon der Typ: sag mir klar und ruhig, was das Problem ist und wir reden darüber (ich bin wirklich die Letzte, die sich gegen Kritik ausspricht), aber SCHREI mich nicht an!!
In Mumbai wird man eigentlich nur angeschrien. Perfekt, was mache ich hier? Auf der Straße, weil‘s so laut ist. Im täglichen Umgang, um die Wichtigkeit einer sonst zur Bedeutungslosigkeit verkommenden Aussage zu unterstreichen. Und immer auch um zu zeigen: ich bin stark und nicht mit mir, ich behaupte meinen Platz. An einigen Punkten im Alltag habe ich bereits dazu gelernt. Zum Beispiel Im Zug, in dem ich inzwischen in der Lage bin, meinen Quadratmeter Platz zu verteidigen. Nicht in dem schreie und keife (bitchen in der ersten Klasse, oje!), sondern einfach, in dem ich sanft aber bestimmt Druck ausübe (ich meine das durchaus körperlich) und nur soweit zurück rücke, wie ich auch wirklich bereit bin, an Platz aufzugeben. Das klappt meistens ganz gut.
Aber dieser Gesprächston, der hier an den Tag gelegt wird….nein nein, den will und kann ich nicht akzeptieren!
Als meine Mitbewohnerin mich also heute  in dieser typischen Tonlage (ich habe auch gehört, der nordindischen Gesprächswind wäre noch einmal um einige Grad kälter als der im Süden) dazu ermahnt, den Aschenbecher ordentlich zu säubern, wenn ich ihn benutzt habe und meine Wäsche nicht zu dicht an ihre zu hängen und mich etwas vorwurfsvoll an meine Mietrückstände erinnert („will it be like this now EVERY month?“), während ich eigentlich nur gern das Wasser für meinen Kaffee in der Küche erhitzen möchte und dafür nach einem sauberen Topf im Chaos suchen muss (yeah! WG!!), bin ich soo kurz, wirklich soo kurz davor, ihr einfach auf Deutsch mal zu sagen, was sie mich gerade mal kann!
Dann wäre meine Laune für diesen Tag allerdings komplett dahin, weil ich sowas immer lange mit mir rumschleppe. Ja, ich weiß doof, rauslassen und weitermachen. Aber ich bin das Gegenteil eines Cholerikers! (außerdem hab ich für solcherlei Dinge doch schließlich meinen Blog  )
Und das alles von einer Frau, die sich weigert, das Brot bis zum Ende aufzubrauchen, so dass stets ein bis zwei halb leere Packungen im Kühlschrank liegen, die ICH dann aufessen darf….schon klar!
Ich trete also den geordneten Rückzug an und warte, bis sich die Lage in der Küche entspannt hat und ich in Ruhe Frühstücken kann. Ich will doch nur meine Ruhe!

Natürlich verbündet sie sich anderthalb Stunden später wieder mit mir, weil sie mich gebrauchen kann. Wir diskutieren die Einkaufsliste, nett und höflich. Wie es sich gehört. Geht doch!

Wenn jetzt noch dieser verdammte Baulärm auf der anderen Straßenseite aufhört könnte ich mich vielleicht endlich meinem Samstag widmen. Grmpf!

anya


heim/weg

müde und erschöpft mache ich mich gestern auf den heimweg. ein anstrengender arbeitstag geht zu ende, inklusive besuch beim frro. es regnet schon wieder, ich bin hungrig und müde und hoffe einfach nur, dass ich heute auf dem heimweg nicht wieder angequatscht werde. den tag zuvor lief wieder so ein abgebrochener mann eine weile einen halben schritt hinter mir (man muss sich dann auch vorstellen, dass ich natürlich nicht allein die straße entlang laufe, aber man merkt schon recht schnell, wann jemand versucht, sich deinem schritttempo anzupassen…) und frug dann nach einer weile mit schlechtem akzent: you liking it here?
ich erreiche churchgate und gottseidank einen zug nach andheri (der ist nicht so voll wie der nach borivli) um sieben, setze mich, stöpsle musik ein und versuche abzuspannen. Es sind insgesamt 11 stationen, für die der zug eine halbe stunde braucht. Perfekt für ein nickerchen. Vier stationen vor Bandra ruft meine mitbewohnerin an, die dies manchmal tut, um mich zu bitten, auf dem weg noch ein paar veggies oder käse mitzubringen. (ich hab aufgehört zu fragen, warum sie das nicht selbst macht. zu diesem zeitpunkt des tages bin ich einfach zu müde für widerspruch) dieses mal fragt sie etwas hektisch, ob ich ok wäre. ich horche auf: ja, warum? Es gab 2 explosionen, in Charni Road (5 stationen hinter mir) und Dadar (1 station vor mir).  …
Sie sagt, ich solle schnell nach hause kommen und aufpassen. Als ich auflege, sehe ich, dass eigentlich alle frauen um mich herum am telefonieren sind. innerhalb weniger minuten wissen alle bescheid. wir sind in der erste klasse: blackberrys und flatrates überall. es entsteht eine sehr seltsame athmosphäre, die ich so noch nie erlebt habe. man sitzt in diesem cocoon zusammen, weiß nicht so richtig, was da draußen los ist und jeder versucht, seinen heimweg abzustecken, freunde und familie zu erreichen und im grunde, herauszubekommen, was eigentlich passiert ist. mumbaikars haben schon einiges durch und lassen sich so einfach nicht erschrecken. eine kollegin bemerkte heute beim mittag mit einer sehr abgeklärten miene: wir sind schon an alles gewöhnt. das ist schrecklich! die stimmung im zug ist also angespannt, aber nicht hektisch.
erst als ich aussteige, merke ich wieder was von der hektik. aber ist sie anders als sonst zur rushhour? lässt sich kaum sagen. ich versuche, mich durchzudrängen durch die massen und bekomme zum ersten mal eine kleine gänsehaut, als sie am bahnsteig die übliche durchsage laufen lassen. die höre ich täglich, aber heute… „bitte lassen sie kein gepäck unbeobachtet stehen. falls ihnen ein objekt auffällt, kontaktieren sie die polizei. fassen sie es nicht an, es könnnte explosiv sein. …active cooperation is expected from you!“
ich informiere auf den letzten metern nach hause schnell meine schwester, weiß ich doch, wie schnell sich durch das internet solche informationen verbreiten und wie gruselig und fremd solcherlei ereignisse auf außenstehende wirken.
dann sitze ich zu hause un versuche für einige minuten den news irgendetwas informatives zu entlocken. ich möchte doch wissen, was passiert ist und worauf ich mich einstellen muss. aber leider wird (wieder einmal) nur panik gemacht mit ein und denselben bildern und schreienden „reportern“…irgendwann muss ich einfach ausschalten. das hält ja kein mensch aus!!
irgendwie bin ich ganz ruhig und schlafe auch gut. muss ich mir sorgen machen? um mich selbst oder die situation in der stadt, in der ich lebe?
aber um mich herum ist alles wie immer. in einer riesigen stadt wie mumbai muss man zwangsläufig nicht unbedingt mitbekommen, was alles passiert. ich sorge mich vielmehr um den ganzen regen, der dieser tage fällt. tatsächlich schwimme ich am nächsten morgen auch halb zur arbeit. dieser verdammte regen! jaaa, ich weiß, der ist wichtig und auch schön irgendwie, aber kann das nicht regnen, wenn ich IM BÜRO SITZE!!
der zug ist sehr leer, die straßen auch. wegen den attentaten oder wegen dem regen? teile der central line (die bahnlinie im osten der stadt) sind wohl gesperrt wegen überflutung.
ich denke nicht so viel darüber nach und mache meine arbeit wie immer.
und höre nebenbei musik aus dem tollen projekt von zwei freunden „audible approaches for a better place“. hoffen wir das beste und machen musik dafür. das finde ich gut. in kleinen schritten voran.
PEACE AND LOVE!
anja


wochenendblues

Internet, mein heimtückischer Geliebter. Erst Gemeinschaft und Verbundenheit heucheln (immer und wirklich von überall!) und dann, wenn du wirklich gebraucht wirst: entschwinden.
Das erste Wochenende in der Ferne war schon immer das schlimmste. All das bricht weg, was ich mir mühsam in den letzten 6 Monaten wieder und lieb gewonnen habe. Das Wochenendenetz fängt mich nicht auf. Ich kann nicht spazieren gehen. Es regnet stark, ist schwül und ja, es ist Mumbai (keine Bürgersteige, Parks um die Ecke oder kleine Cafés zum ausruhn). Ich kann keine Freunde anrufen, um mich auf den neuesten Stand bringen zu lassen und TV nervt. Ich sehne mich nach einem kurzen Plausch im Netz und ausgerechnet jetzt streikt die Internetverbindung! Facebook, Skype wo seid ihr? Ein kurzer Plausch im Chat würde mich schon entschädigen, aber nichts geht. Alle halbe Stunde versuche ich mein Glück erneut und scheitere. Suche verzweifelt nach Alternativen, doch ein neuer Rhythmus ist noch nicht gefunden. Ich hab die letzte Neon aus der Bibo ausgeliehen und stelle eigentlich nur fest, dass die mir noch nie so recht gefallen hat. Wahrscheinlich eine Altersfrage, auf jeden Fall bin ich in allen Artikeln anderer Meinung und blättere lustlos durch die Seiten. Mag auch eigentlich nicht wirklich lesen, will mich ablenken, leicht unterhalten werden und mich vielleicht auch etwas austauschen. Das reicht doch schon. Ein Wochenendbier mit Freunden scheint mehr als nur 6000km entfernt und ich hab schrecklichen Durst auf ein simples Bier. Auch egal ob Warsteiner, Radeberger oder Becks.
Gott, können Tage lang sein, wenn man noch keinen Platz in ihnen gefunden hat und die einzigen festen Termine „Duschen“ und „Frühstück, Mittag, Abendbrot“ heißen. Ich hab immer noch nicht richtig ausgepackt und scheue mich auch davor. Beim heutigen Versuch blieb ich an den Kleinigkeiten hängen und schluckte als ich die bunte Geburtstagskarte meiner Schwester in den Händen hielt. Die sollte einen besonderen Platz an der Wand bekommen, erinnert mich im Moment aber nur daran, dass sie nicht da ist. Deshalb packe ich sie zurück in den Schutzumschlag. Auch deshalb, weil die Wohnung schrecklich feucht ist und ich Angst habe, dass sie nach einer Woche labberig von der Schimmelwand glotzt und mich verhöhnt. Also klebe ich nur die Postkarte „Hirn will Arbeit“ mit Klebestreifen an die Wand. Hab sie bei einem Freund in Düsseldorf in der Wohnung entdeckt und eingesteckt. Wenigstens habe ich jetzt Wandklebefreiheit. Das Haus soll bald abgerissen werden und es schert sich niemand um die teure (hah!) Wandfarbe.
Erst freue ich mich, dass meine Mitbewohnerin mit ihrer Mama zu Besuch ist, fühle mich dann aber auch nur extrem eingeschränkt und in Verhaltenszwang. Bin fast froh, als ich dann allein in der Wohnung sitze. Nur ich und der Lärm von der Baustelle gegenüber, der mich daran erinnert, dass hier das Leben weiter geht. Ob es mir passt oder nicht. Ab und zu hüpft eine nasse Krähe auf das Gerüst vor dem Fenster und krächzt mich an: ey, Dude, was geht? Ich zucke die Schultern: nichts.
Aber ehrlich, ich hatte auch schon schlimmere erste Tage. Als ich 2007 das erste Mal nach Mumbai kam und zunächst im Hostel wohnte für drei Wochen, hab ich mich in den Schlaf geweint so manche Nacht. Ganz leise natürlich, hatte ich doch so lange dafür gekämpft jetzt dort zu sein, wo ich nun war. Wer hätte gedacht, dass man sich so einsam und wirklich allein fühlen konnte. Das war mir in dieser Dimension vollkommen neu. Gut, soo schlimm ist es diesmal nicht. Ich kann mich immerhin rüber zu Anand-Bazar quälen, um eine riesen Coke zu kaufen und entdecke die tolle Gurken-Bodymilk, die ich bei zwei weiteren Freunden aus Köln, die im Jahr zuvor in Mumbai waren, benutzt habe und dann überrascht feststellte, dass die aus Indien ist. Aber zum Tante-Emma-Laden-Shoppen habe ich irgendwie auch keine Lust. Dabei sind diese kleinen Läden, die hier immer mehr durch riesige Malls verdrängt werden wirklich eine wahre Fundgrube. Da findest du wirklich alles und kannst danach auch lange und nach Herzenslust suchen. Oder dir einen der Deliveryboys schnappen (muss ich erwähnen, dass man sich hier wirklich ALLES nach Hause liefern lassen kann? Anruf genügt!) und ihn delegieren. Nee, ich tapere mit der Coke und einer lieblos ausgewählten Packung Pasta wieder heimwärts. Ob ich‘s nochmal mit Internet versuche?

Boah, wann ist wieder Montag!?

anya

ps/nachtrag: wer aufgibt wird belohnt…oder so. um halb zehn noch ein wager versuch, der zum erfolg fuehrte…ich bin online!!!


same same, little different

hier also das neueste aus bombaycity:

same: erschreckend, wie ich nach zwei tagen bereits im halbschlaf (irgendwie hinke ich seit einer woche schon meinem schlafdefizit hinterher, zeitzonenwechsel erschwert das ganze) den weg zur arbeit finde. aufstehen, dusche, kaffee+toast (wo ist mein brot hin ), maid antreiben, über die straßen unter dem highway über den skywalk zur station, im zug noch ein nickerchen, dann 10min bis kala ghoda und pc anschalten.
reine routine?
schon irgendwie. aber in beruhigender weise. routine gibt einem ja auch stabilität, nicht wahr? ich folge ihr also erst einmal und halte mich ein bisschen daran fest.
alles scheint auf den ersten blick wie ich es verlassen habe. In guten wie in schlechten Punkten. Nehme beides gleichermaßen war. allerdings erst einmal emotionslos irgendwie. Connection lost. In search of a new one.

different: zu allererst. ich hab jetzt endlich AC in meinem raum! halleluja! hatte ja nicht gedacht, dass ich das brauche. aber wie das so mit luxusartikeln ist: in dem moment, wo man sie hat, kann man sich nicht mehr vorstellen JEMALS ohen sie ausgekommen zu sein. ac ist auch im monsun sehr nützlich, um die feuchtigkeit zumindest etwas besser in den griff zu bekommen. habe mich nebenbei wieder mit lenor trockentüchern ausgestattet. diese würde ich in dtl nicht mal in die nähe meines schlafzimmers lassen, wohl gemerkt. hier allerdings retten sie meinen kleiderschrank (und somit auch seinen inhalt) vor dem geruch eines verwesenden straßenhundes.
auch ansonsten hat mein zimmer ein upgrade bekommen: die gardinenstange ist repariert und ich kann dir tür komplett schließen!! jaa, das mag erst einmal etwas absurd klingen, aber ich hatte mich bereits damit abgefunden, all abendlich die tür in den durch den letzten monsun (oder so) komplett verzogenen türrahmen zu wuchten. hat am ersten abend ordentlich gerumst… 😉
danke an meine liebe mitbewohnerin neha an dieser stelle! 🙂
außerdem neu: der skywalk zur bandra station brannte ja ab vor ein paar monaten! jetzt ist ein teil schick und neu und die gesamte strecke sogar mit schildern ausgestattet! in englisch und hindi, unglaublich. nie wieder den falschen ausgang nehmen. vorausgesetzt man weiß, welche straße man lang gehen muss…
die hinweisquote scheint generell anzuziehen in der stadt oder besser: mehr verbieten ist besser.  im zug wird man nun also neben der anweisung, auf unbeobachtetes gepäck zu achten („it may be an explosive“ ernsthaft!), auch noch darauf hingewiesen, die ventilatoren auszuschalten, wenn sie nicht benötigt werden (sehr richtig) und an vielen taxis habe ich ein schild entdeckt, was (so glaube ich) das rauchen im auto unter strafe stellt. im prinzip auch richtig, allerdings glaube ich, dass die taxis einige schwer wiegendere probleme habe als ein brandloch im polster…aber das ist ein anderes thema.

ansonsten sieht also erst einmal alles bekannt aus und ich taste mich langsam voran im wieder eingewöhnen.

hier eine kleine doku zum abschluss, die ich gerade fand, als ich nach einem monsunvideo in mumbai suchte: romantisierend, natürlich. viel in englisch, aber nicht nur. so lasset die bilder dann auf euch herabregnen!
(an wen erinnert mich dieser total kitschige moderator nur…?)

anya