berlin, berlin

eine woche berlin reicht aus – ich bin verliebt. „verliebt in berlin“…könnte man sagen.

doch keinesfalls liebe auf den ersten blick. zwar gezeugt und geboren in der hauptstadt hatte ich bis kurz nach der wende keinen bezug zur stadt, da wir dort als familie nie gewohnt haben. die einzige kindheitserinnerung floss durch den filter meiner mutter, die mir versicherte, die giraffen im tiergarten (der ost-zoo) hätten mir eine heiden angst eingejagt. schreiend wäre ich hinaus gelaufen. ja, nun…diese einstellung gegenüber berlin sollte ich wohl noch eine ganze weile beibehalten. nach der wende folgte der obligatorische schulausflug zum brandenburger tor. aber alles woran ich mich erinnere sind meine ersten schlaghosen auf dem foto und eine wilde, laute busreise. nunja, junger teenager eben (ich war vielleicht 14?) und noch total uninteressiert. der nächste besuch erfolgte kurz nach dem abitur als ich während meines fsj’s zu seminaren mehrmals nach berlin gefahren bin. ich erinnnere mich, dass ich die stadt kalt und doof fand. habe mich aus prostest dann irgendwo in kreuzberg piercen (wie nennt man den bereich zwischen unterlippe und kinn???)  lassen. keine ahnung warum und besonders gut angekommen ist das auch nicht …mein damaliger freund schwor, mich nicht eher zu küssen bevor das ding nicht raus war und für meine mutter begann damit ein langer leidensweg gepflastert mit weiteren piercings, lebensentwürfen, tattoos und schockierenden freunden.  ich hatte dieses erste piercing ganze vier wochen. yeah!
danach konnte ich auf jeden fall berlin einige jahre gar nicht leiden.
dann anfang der 00er jahre begann der langsame stete wandel, den ich hauptsächlich einigen freunden, die sich für studium in berlin entschieden und der tatsache verdanke, dass ich das theatergucken als marathonveranstaltung für mich entdeckte. berlin war mein mekka!
trotzdem will man ja nicht in mekka wohnen, oder? ich war sehr zufrieden mit meiner neuen wahlheimat in sachsen und genoss die regelmäßigen ausflüge in die hauptstadt. waschen nicht vergessen!! 😉
ich bin auch nicht mehr ganz sicher, wann ich diesen trend des „nach-berlin-ziehens“ eigentlich zum ersten mal wahrgenommen habe. jedenfalls hab ich das immer eher mit einem achselzucken abgetan und mir gedacht: ja, pff…irgendwann muss ich da auch mal wohnen, aber nicht jetzt.
ich glaube jedenfalls, dass ich nach meiner wohnerfahrung in der megacity bombay berlin erst richtig zu schätzen gelernt habe. das ich seither ein stadtkind bin war mir klar, aber das ich die hektik einer großstadt zum glücklichsein brauche…nunja, im moment kanns eben kaum chaotisch genug sein.
nun liegt mir aber nichts ferner, als mumbai mir berlin zu vergleichen….nee nee, das tu ich mir nicht an…. 😉

die letzte woche habe ich nun also bei einer freundin in berlin, neukölln verbracht.und mich in diesen tagen mit einigen berliner (urgesteine oder eben auch zugezogene) über ihre stadt unterhalten und das stichwort der saison scheint: gentrifizierung zu sein. das thema ist viel zu groß, um es in einem blogeintrag abzuhandeln. eigentlich eignet es sich prima für eine doktorarbeit und ich bin sicher, fachliteratur lässt im buchladen deiner wahl nicht lange nach sich suchen.
in berlin hat auf jeden fall JEDER dazu eine meinung und nicht immer fällt dir eindeutig positiv oder negativ aus (das sind mir die liebsten 🙂 ). und das viertel, über welches auch in diesem zusammenhang gerade am meisten geredet wird, scheint neukölln zu sein. untenstehender beitrag mit genialomat kurt krömer ist, obwohl anscheinend erst drei jahre alt, eigentlich auch schon überholt. da hat sich so einiges getan in den letzten jahren.

ich muss gestehen, dass ich mich dort sehr wohl gefühlt habe. und gerade das, was so einige nicht-berliner irritiert oder schockiert und sich immer wieder äußert in sätzen wie „da gehst du durch die straße und kein mensch spricht deutsch“…gerade das lässt mich ausrufen „klasse“ (obwohl nach berlin wohl eher „dufte“ oder „knorke“ passen würde). da wird nicht ausschließlich türkisch gesprochen. da hört man auch manchmal hindi, viel englisch, auch arabische sprachen und und und. find ich klasse, äh dufte. ich kann nicht genau sagen warum. ich fühle mich auch nicht, als würde ich im ausland wohnen. nein, es sind doch eindeutig deutsche straßen, deutscher verkehr, deutsche architektur und deutscher konsum a la h&m, rewe und bio/öko einkaufskultur. nur eben gespickt mit türkischen spätis, arabischen fressbuden, kinderwagenkolonnen mit kopftuchfrauen und jungschen möchtegernrappern und und und. es gibt unglaublich viel zu entdecken und die straßen sind belebt und lebendig.
multipliziere man diese faktoren mit der tatsache, dass auch noch frühling herrscht und fängt vielleicht an mich zu verstehen. oder eben auch nicht.
ich bin jedenfalls total auf meinem berlin trip. und genieße neben neuköllner lifestyle auch den park in treptow, konzerte in friedrichshain, theater am kurfürstendamm, eine ausstellung in mitte, spaziergang durch prenzlberg (der spitzname „pregnancy hill“ passt wie arsch auf eimer) und das unglaubliche panorama auf dem ehemaligen tempelhofer flughafengelände.

ich habe den eindruck, die stadt macht einiges durch, aber ich muss sagen: sie macht einen guten eindruck und hey, wer macht eigentlich nicht gerade „einiges durch“? mmh?
ich weiß also nicht, wie eure pläne aussehen, ich ziehe auf jeden fall nach berlin, 2013.
ich darf das ja, ich muss das sogar. fällt unter das stichwort „heimatzusammenführung“.

zum abschluss eine anekdote, die ich völlig unabhängig voneinander, von zwei leuten gehört habe. es wäre wohl der allerletzte hype, dass sich dänische studenten in berlin wohnen kaufen würden. aber nicht, um selbst dort zu wohnen, sondern damit geld zu verdienen. als investition in die zukunft sozusagen. klasse schtorrie, oder? watch out for your danish landlord!!

machtet jut!

das letzte wort überlasse ich kurti:

oh, einer geht noch 😀 :

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8 Kommentare on “berlin, berlin”

  1. Kerstin sagt:

    Na dann wird Dich sicherlich dieser Blog ebenfalls interessieren: http://briefeausberlin.blog.de/

    Ich mag diese Stadt, in der ich 6 Jahre leben durfte und die ich ein Jahr nach dem Mauerfall verlassen habe. Zu voll war es mir damals und heute bin ich nur eine unter mehr als einer Milliarde….Schoene Erinnerungen verbinde ich mit ihr, dieser Stadt, die niemals schlaeft, in der alles moeglich ist, in der man alles antrifft, von hipp bis superschraeg. Nur noch 2 Jahre, dann kannste auch nen Berlin-Blog schreiben;)

    LG
    Kerstin

  2. teodoraa26 sagt:

    Hallo Anja,
    ich wollte dir das schon letzte Woche schreiben, aber das ist einer der besten Berlin Artikel, die ich seit langem gelesen habe… er macht richtig Lust auf die Stadt. Neukölln hast du auch so toll beschrieben, gerade die Völkervielfalt macht ja den Reiz des Stadtteils am Tage aus und erklärt viele der Probleme in der Nacht und in den Schulen… Viele meiner Lieblings-indischen Läden waren in der Karl-Marx Straße, Fuldastraße und drumherum… Ansonsten mochte ich aber auch den absoluten Norden der Stadt, Beusselstraße, Westhafen, Turmstraße mit dem indischen Supermarkt…. wo sich eher das arabische Viertel befindet und man die besten Süßigkeiten bekommt.

    Gerade für viele nicht im Ausland gewesene Deutsche, denke ich jedoch, daß einem manche Straßen in Wedding schon nicht mehr als Inland erscheinen, da sind noch die vereinzelten älteren deutschen Herrschaften, die nicht aus ihrem Viertel wegziehen wollten, aber ansonsten ist man in der Türkei. Es gibt keine Nationalitätenvielfalt dort sondern es wird unterschieden ob man Türke oder Kurde ist, aus einer Stadt kommt oder vom hinterletzten Dorf von rechts… es wird türkisch gesprochen, es gibt türkische Banken, türkische Werbung, türkische Kinos. Dafür kann man sich abends aber auch sehr sicher fühlen, denn wenn man den Ladenbesitzern einen nachvollziehbaren Grund nennen kann warum man ohne männliche Begleitung unterwegs ist (Auftrag vom Vater, Bruder), dann passen diese auch auf einen auf, während man in Neukölln nachts durchaus seinen ‚am falschen Ort zur falschen Zeit’ Moment erleben kann.

    Ich fand es immer gerade schön, daß auch jedes Stadtviertel einen eigenen Charakter hat von Alt-Tegel bis Hellersdorf, überall gibt es etwas zu entdecken… und wenn ich genug von all der Großstadt hatte, setzte ich mich in den nächste RE und in 15 Minuten war ich zurück im grünen Potsdam … 🙂
    LG Thea
    P.S. Die fast ersten 4 Jahre meines Lebens (nach 1 und bis 5) verbrachte ich in Prenzlauer Berg, unsere Straße endete in der Mauer. Meine Erinnerungen daran sind eher bruchstückhaft, aber da berlinerisch die „Sprache“ war mit der ich sprechen gelernt habe, rutsche ich in den Dialekt immer mal wieder hinein…

    • paralleluniversumanja sagt:

      und eben der blickwinkel, den ich nun habe, DA ich im ausland gewohnt HABE, macht mir berlin so sypmathisch. und wenn ich in einer straße nur türkisch höre und mir das aufn keks geht, dann habe ich in einer stadt wie berlin eben auch die wahl, die straße zu wechseln! das ist doch großartig. außer eben, ich heisse sarazin und empfinde bedrohung, wohin mein fusstritt…äh fuss tritt! 😉

      und dialekt. wat meinsten da mit, wa?! dialekt, dialekt, vasteh ik nich…

      • teodoraa26 sagt:

        haha, ja, Berliner sind absolut ignorant der Möglichkeit gegenüber, daß sie mit Dialekt sprechen könnten… Dialekt haben immer nur die Anderen. Meine Schwester wurde jedenfalls regelmäßig ausgelacht, wenn sie z.B. im Geschäft nach einer ‚Tüdde‘ verlangte…

  3. Krömer widerlegt wunderbar die ganze fehlerhafte Berichterstattung über Neukölln! Sehr guter BEitrag!

  4. Shhhhh sagt:

    Nicht ganz zufällig landete ich hier, fühle mich aber gleich wohl. Die Meinung zu Berlin teile ich nicht ganz, denn der ewige Run auf das gerade Angesagte würde mich auf Dauer zu viel Kraft kosten. Da bleibe ich doch lieber in meinem Dorf Hannover.

    Ganz liebe Grüße von Steffen aus ehemals MD.

    • paralleluniversumanja sagt:

      Hallo Steffen,
      schön, dass du dich nicht ganz zufällig hier hin verirrt und noch viel schöner, dass du dich wohl fühlst. das hört man doch gern. 🙂
      zu berlin: das mit dem angesagtsein sehe ich eigentlich genauso. wohne ja auch nicht in berlin! 😉 allerdings würde ich mir auch nicht hannover aussuchen, und auf jeden fall kein dorf. nunja, gottseidank sind die geschmäcker ja verschieden. das finde ich auf jeden fall gut. lg


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