with a little help…

ich geb mir jetzt mal echt mühe, denn dieser artikel ist schon lange überfällig und wichtig und soll nicht, wie der letzte beitrag (zum thema ämter/bürokratie) als karteileiche verwuchern. so, also hiermit: pionierauftrag an mich!

ganz allgemein: wenn man als mitteleuropäer meiner generation nach indien fährt und dort mehr als nur die zwei harmlosen wochen „goa-beach-holiday“ verbringt, stößt man unweigerlich auf das was als fremde kultur beschrieben wird. darüber einen simplen blogeintrag zu verfassen scheint geradezu vermessen. ja, so bin ich!
oder eben auch nicht, denn es geht mir hier um einen bestimmten aspekt und dabei viel mehr noch darum, etwas an meinen eigenen vorurteilen zu arbeiten. dagegen lässt sich doch nichts einwenden, oder? 😉

stichwort: familiäre strukturen.
bisher hat mir eigentlich noch niemand in mumbai vorgeworfen, wir europäer wären doch herzlose, vereinsamte individualisten (das mit dem individualismus ist ganz im gegensatz zum westen dort durchaus als abwertend zu lesen). und trotzdem stoße ich sehr oft an unverständnis und manchmal sogar mitleid. wenn ich zum beispiel versuche zu erklären, dass es kein todesurteil bedeutet, als scheidungskind aufzuwachsen. das es ganz und gar kein stigma ist, mit über 30 noch als single durch die welt zu laufen (ich lasse die kehrseite dieser blau-grauen medaille jetzt mal außen vor). das sich eltern nicht zwangsmäßig verstoßen fühlen, wenn kinder sich für ein leben in einer anderen stadt und in den eigenen vier wänden entscheiden entscheiden. fast schon wird der umgekehrte fall als abnormal empfunden.
ich kämpfe also in gesprächen für das herz der westler. erkläre sachverhalte, die ich vorher selbst nicht großartig hinterfragt habe und die sich als komplex erweisen. woher kommen all die singles? wohin wird das führen und wohin gehe ich eigentlich als alte frau? Wer ist für mich da, wenn es mir schlecht geht und ist das alles ok so?

nach längerer zeit empfindet man auch ein wenig mitleid für die armen armen einsamen westler.
aber auch totales unverständnis beim dem gedanken daran, das ganze leben nach ein paar älteren verwandten zu richten. von vorn bis hinten von deren urteil abhängig zu sein…..wie immer also ein hin und her.

ich versuche also die bedeutung von freundschaften hervorzuheben und den zwar anders gearteten aber doch vorhandenen (freiwilligen?) zusammenhalt der familie. hinzu kommen sozialstaat und auch die erlernte fähigkeit, sich auch selbst durchzuboxen (evolution?).

trotzdem denken wir zuerst an uns. das prinzip „jeder ist sich selbst der nächste“ ist fakt. wir sind individualisten.

ich will hier eigentlich nicht weiter in soziologischen vermutungen herumwurschteln, das sollen andere tun.
mir ging es dabei insgesamt mehr um die tatsache, dass ich neulich feststellte, dass ich einige dieser fern-östlichen vorurteile bereits adaptiert habe und nun erschrocken feststelle: moment, so herzlos sind wir doch gar nicht!

wir sind sehr liebenswürdige und vor allem hilfsbereite menschen. die bandbreite geht vom schnack mit kaffee über übernachtungshilfe, zuhörbeistand bis zu tatsächlich eingemachter finanzieller hilfe. ich hab soviel unterstützung bekommen in den letzten monaten, dass ich mir eine träne aus dem eigenwinkel wische und total kitschig zur dankesrede aushole…

wer mag, kann sich nun also gelangweilt einer anderen seite zuwenden oder sich mit mir freun, dass ich gestern nach einem schönen kneipenabend zurückradelnd dachte: hey, ich bin nicht allein!

d a n k e
zuallererst natürlich meiner mutti und meiner schwester!
nach städten sortiert gehts an: leipzig-sabeth, jana&clara, luisa, ricarda, uli, thomas. magdeburg-mandy, sanny, manu, sebastian. berlin-berit, gabi, klaus, rebecca, fabian. potsdam-ronny&ronny. bremen-sonja. düsseldorf-maki, stefan, moritz. köln-ronni&till, christian.

anya

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