mein schmaler grad 2

ich befinde mich mitten in der zermürmenden wartezone. kurz nach ablauf der urlaubsfrist und mit aussicht auf weitere 4 wochen ohne stress, ohne geld, ohne arbeit, ohne….ja eben ohne!
und da mir schon an anderer stelle gern „jammern auf hohem niveau“ unterstellt wurde, fröhne ich gleich meinem zweiten klischee: wenn schon, denn schon!

ja, danke. ich hab mich gut erholt. weihnachten und neujahr hinter mich gebracht (die beiden enzigen wirklich stressigen feieranlässe in dtl, jeder inder würde sich schlapplachen) und dann auch ein bisschen gereist und die übliche freunde-besucher-runde gemacht. some new. some old. wie das eben so ist.

was ist passiert?
wenns ans eingemachte diplomatische geht hält normal-null lieber den rand und trinkt tee. es geht ja hier schließlich nicht um die erorberung demokratischer freiheit (warum hab ich geade nur soviel zeit zum lesen, wo das weltgeschehen auf der waage liegt), sondern nur um meine arbeitsberechtigung. ja, das ist nicht selbstverständlich, dass ichs mit indien gut meine und dafür nicht viel geld verlange. im gegenteil, dass ist ungewollt…nungut, ich wollte ja den rand halten.

das seltsame/unverstädliche ist: ich krieg wieder richig schiss vor Mumbai!! ich will keinen schiss kriegen. mumbai ist schon scray genug auch ohne meinen schiss!!
völlig unvorstellbar erscheint mir inzwischen mein täglicher gang durch die straßen. vollkommen ausgeschlossen, dass ich mich freiwillig einem zustand wie blorivli station (zum beispiel wie hier) aussetzen würde! oder dem hier nee, ich bin doch nicht bekloppt!! oder doch? denn natürlich gibt es mindestens eine tonne von dingen (und natürlich menschen), die mir ganz ungemein fehlen. gaaaaaanz vornweg: die sonne! wie hab ich nur so lange in dtl überleben können ohne selbstmord! man man man. das ist aber auch grau hier. sowas vergisst man ja auch wieder (genauso wie die unerträgliche nicht enden wollende hitze, die auch durch sonne verursacht wird).
dann: essen. ich hab mir in den letzten wochen auch echt alles gegönnt, was die hiesige küche so liebenswert macht und tue es noch: kaffee, brot, wurst, kartoffelbrei, kohlroulade…..und jede menge kuchen! ich käme nie nie nie auf die idee, mir hier was indisches zu kochen! und doch: so langsam hätte ich gegen ein schönes masala dosa oder ein ein bisschen upma auch nichts einzuwenden. jaja, the grass is always greener…

ich würde sagen, alles in allem stehts gerade halbe-halbe. also, wenn ich die blöde ämterrennerei mal abziehe. gott, sind die deutschen eng im koppe!
ganz schlimm fände ich auch den gedanken, dass ich vielleicht doch nicht zurückkehren könnte! hilfe, das wär schon schlimm! meine tolle wand-uhr hängt doch noch im wohnzimmer!!!

ick kann wate…

a

ps: und was mach ich nu mit meinem blogface? mag das jemand: ja? nee?

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mein schmaler grad 1

ich habe ende letzter woche den schmalen grad überschritten zwischen urlaub und nichts-tun (oder eben arbeitslos). sehr ernüchternder moment. es erwischte mich in einem regionalzug in sachsen-anhalt (wo auch sonst). ich kam gerade von einem tollen ausflug nach düsseldorf und köln. hatte freunde besucht, angeregt projekte diskutiert, in cafés gesessen, musik genossen und ausgiebig getanzt. aaah, die intellekuelle seele atmet auf (und die realität bleib bitte fern)! 🙂
doch wie es so schön heisst: alles hat ein ende nur die wurst hat zwei…irgendwann ging es wieder gen osten (gen heimat/da wo meine sachen stehn/ da wo ich wech komm). der günstig-ticket-gott (billig würd ich das auch nicht nennen) hatte mir schon im voraus eine route bestimmt, die mich zuerst durch niedersachsen führte, in einem ice. so weit so gut. ice ist ja eigentlich für mich nicht gleich deutsche bahn. das ist so sauber, ruhig und freundlich dort, dass ich jederzeit mit dem schlimmste rechne.
doch dann: umsteigen in wolfsburg.
als ich auf den bahnsteig gehe, erscheint mir mein worst case: fussball spiel ende! sachsen-anhaltiner fans (betrunkene männer um die 20) mit bvb-schals auf dem weg nach hause. ein stinkender und bereits voller zug erwartete mich. meine reaktion: ooah neee!
was mache ich also? 11 jahre (über)leben in magdeburg und anderthalbjahre mumbai haben mich auf eine solche situation vorbereitet, die da lautet: stärke zeigen, möglichst ruhige ecke suchen und abschalten.
also ich rein da, fahre den ersten windelscheißer an, der mit rucksack und schuhe den freien platz blockiert und herrsche ihn an: ich will da sitzen! ich bin anscheinend gut und er macht platz. anschließend möglichst laut techno musik ins ohr (ich bin heute total hip und höre kalkbrenner) und weg bin ich. trotzdem kann natürlich ich die „borussia wird weltmeister“ gesangsrunde hören und denke mir nur:  schon klar. don’t think so.
es stinkt und die sind alle so dumm und besoffen!!! aaaahhh. allerdings bin ich ja auch immer neugierg und beobachte solche situation gern und kann in der stunde fahrt auch einige unterschiede feststellen.
so sind die beiden bubis mir gegenüber schon auch ein wenig angetrunken, unterhalten sich aber tatsächlich über das spiel, werten aus und versäumen es nicht, sich über die gruppe total-kloppis hinter mir aus sachsen-ä lustig zu machen.
die sachsen-echt, warum findet sich dieses klischee eigentlich immer wieder?
jedenfalls werde ich als nicht so leicht einschätzbar eingestuft und in ruhe gelassen.
es befinden sich tatsächlich ach ganz normale menschen im zug (die armen) und die sind offensichtlich etwas eingeschüchtert. ich nicht. ich bin gefährlich…huu.
naja, zumindest bis da kurz vor ende der fahrt so ein sehr junger mann einsteigt. er ist geschätzte 16, ca 1.65m groß (vielleicht auch kleiner, ich saß ja), sehr dünn und das erste, was mir aufällt, ist ein tattoo am hals! ich mein, keins von den bushido dingern oder eines der esotherischen sorte…es hatte eher knastmentalität, obwohl, es wahrscheinlich ein fisch sein sollte, der gerade abtaucht…oder so. er guckt kurz herum und checkt den raum und sieht mich durchdringend an. ich denke sofort, der tickt nicht ganz richtig. vor DEM muss man sich in acht nehmen. er lehnt sich mit seinem arm an eine brüstung und ich sehe ein anderes, sehr frisches tattoo am unterarm: joel 2.12.2010. sein sohn? wie alt ist der typ? und was für ein krasses leben ist das denn?
kurz vorm aussteigen, der klopper: am anderen arm befindet sich ein älteres tattoo (auch nicht besser von der qualität, aber mit farbe!!), auf dem findet sich ein weiter, hübsch umkränzter name: ANJA
ich will diese zug SOFORT verlassen!!

tu ich dann auch ein paar minuten später. in der realität. ohne straßenbahn, natürlich. mit aussicht auf einen erneuten besuch beim amt ohne wahl, natürlich. urgh.

ich wollte noch ein bisschen was zur zwischenlage schreiben, aber das mach ich dann vielleicht lieber morgen…

lg a.

 

ps: ich suche übrigens einen neuen blog-look. find aber nix schönes. kann jemand was empfehlen? nicht zuviel schnickschnack…das davor war mir aber auch ein wenig zu minimalistisch.

pps:

krass, was es alles so für musik in deutschland gibt. es lebe die vielfalt!