clean (meister proper)

erstaunlich, dass besonders der englische begriff für „sauber“ bei mir im kopf eigentlich mehr im zusammenhang mit drogen steht als mit der eigentlich hygienischen bezeichnung.

sauber. die bezeichnung eines zustandes deren dehnbarkeit mir vor antritt meiner ersten indienreise nicht bewusst war. sauber. ein wort, was mir seit meiner vorübergehenden rückkehr nach deutschland vor einigen wochen eigentlich fast täglich durch den kopf schießt.

man, ist das hier sauber!!

fast schon fühle ich mich wie ein dreckiger fremdkörper im deutschen badezimmer. der moment als ich meinen koffer öffne: ein schock! der typische mumbai-mief schlägt mir mit schwüler faust entgegen! oje, dabei hatte ich doch alle stücke „gewaschen“…hüstel…
sorry, was hier so stinkt: DAS BIN DANN WOHL ICH! Naja, man muss es mögen. 😉
was hilft da? genau. duschen, baden, waschmaschine anschmeißen.
juchu! (ja, wirklich!)

überall sauber! sauber klo. sauber fussboden. sauber wäsche. alles duftet (kann bitte endlich ENDLICH jemand auf die idee kommen meister proper nach indien zu exportieren!!?), alles glänzt.
meine schwester (die mich dreckspatz zeitweise aufgenommen hat ) muss mich daran erinnern, dass es doch zeit zum putzen wäre…öh, wo wie. ich seh nix. oje, die verrohung meines wertesystems hat schon begonnen oder ist vielleicht weiter vorangeschritten als erahnt.

die tatsache, dass die ersten tage nach ankunft in deutschland überall frischer weisser saubrer schnee liegt verstärkt den effekt enorm. der glitzert sogar! 🙂
da laufe ich also, aufgrund meiner kleidung mehr als nur geringfügig an das michelinmännchen erinnernd, durch den deutschen winter und komm mir vor wie alice im wunder-sauberland. staun!

ich frage mich, ob ich vorher eigentlich wirklich gewusst habe, was sauber ist. und noch viel wichtiger: was schmutzig bedeutet.

schon sehr oft habe ich meine „saubere“ herkunft verflucht. sogar schon vor indien. bitte, kann mir jemand ein einziges völkchen auf dieser erde nennen, die noch penibler in dingen der sauberkeit sind als die deutschen? mh? ich brauche dringend jemanden zum auslachen…
(natürlich gibt es auch eigenschaften, derer man sich in mumbai rühmen darf. aber darum gehts ja hier nicht! 😉 )
schon wenn man sich auch nur in eines unserer wirklich schönen nachbarländer begibt, fällt einem urlauber als erstes auf: wie siehts denn hier aus? „schatz, hast du den meister proper eingesteckt? ich muss erstmal ran im bad, das geht ja so gar nicht! ihgitt!!“
man potenziere diesen eindruck nun mal hundert und stelle sich vor: meister proper vergessen!!!! ja, in diesem zustand lebe ich (überlebe ich?)

allerdings, und das wird nun die pädagogisch wertvolle und optimistisch formulierte message an alle putzi’s da draußen: ich lernte auch, was unnötig ist. ja, sehen wir der tatsache ins gesicht: wir deutschen übertreiben es auch ein wenig. gab es nicht einst auch den satz: dreck reinigt den magen? nicht, dass ich modder auf meinem tisch besonders wertschätze, aber ich weiß inzwischen auch, dass zum überleben kein spiegelglatter fussboden von nöten ist!

manchen gewohnheiten entkommt man allerdings trotzdem nicht. meine tägliche dusche zum beispiel…
eine dusche dient dem zwecke, sich zu säubern, richtig?
in mumbai wird dieser zweck mehr als nur erfüllt. komme ich aus der stadt nach hause und wasche hände, füße, gesicht etc ist das wasser schmutzig! macht sinn, oder?
in deutschland allerdings habe ich mich schon nach wenigen tagen gefragt, ob ich hier nur der wasserverschwendung fröhne, um das wunderbare warme nass zu geniessen und die ganzen wunderbaren waschprodukte zu benutzen (ah, diese düfte!). also wirklich sauber machen muss ich mich hier nicht. ich schwitze nicht, ich arbeite auch nicht auf dem bau und manche tage verlasse ich nicht mal das haus!!! und trotzdem: ich dusche täglich!!
weil man das so anerzogen bekommen hat!
(wer mir jetzt mit der blöden waschlappen sparmaschinerie kommt, wird sofort vom blitz getroffen!! hast du ne ahnung, wie KALT  das ist!!!)
die böse schlinge die sich nun um meinen hals legt heisst: austrocknung!! ich habe keine ahnung, wie das mit der luftfeuchtigkeit hier ist, aber mir kommt alles furztrocken vor! ich verwelke wörtlich!! das ist nicht romantisch verklärt gemeint!!! schrecklich trocken alles: beine, hände, lippen….argh! meine cremes und ich stehen praktisch in einer sehr sehr engen beziehung zueinander. ohne sie wäre ich schon längst zu staub zerfallen!

man kann eben nicht alles haben, nicht wahr? wo wir schon bei der nächsten deutschen tugend wären: mäkeln! aber dazu mehr ein anderes mal… 😉

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5 Kommentare on “clean (meister proper)”

  1. teodoraa26 sagt:

    Feuchtigkeitscreme im Haus, Niveau draußen… abwechselnd. So ist das nun mal im Winter :)Ansonsten… unsere Nachbarn aus der Schweiz und weiter weg: Japan böten sich zum Lachen über deren Sauberkeitsfimmel an… (hat zumindest bei der Schweiz sogar schon Ephraim Kishon gemacht)

  2. teodoraa26 sagt:

    oops ich meinte natürlich Nivea..

  3. Kerstin sagt:

    Hallo liebe Anja,

    welcome back im Sauberland. Genau wie Dir geht es mir bei meinen jaehrlichen Heimaturlauben, selbst die Klo’s am Frankfurter Flughafen sind sauberer als manch indische zu Hause…..(damit meine ich natuerlich nicht meins, bin ja schliesslich ne Urdeutsche;)).
    Ja, man koennte Buecher schreiben ueber die Sauberkeit und unsere deutschen diesbezueglichen Fimmel. Selbstverstaendlich wird uebertrieben, was das Zeug haelt, wahrscheinlich wohnen die meisten Allergiker in Deutschland, wen wundert’s. Aber schoen ist es trotzdem, ich geniesse es immer in vollen Zuegen, denn dies sagt mir nunmal mehr zu als der tagtaegliche Dreck in Indien.

    Wuensche Dir uebrigens ein gesundes und schoenes Neues Jahr, was wirst Du denn nun anstellen in good old Germany?

    LG
    Kerstin

    • paralleluniversumanja sagt:

      danke kerstin!
      ich mache das, was man so macht im urlaub. schlafen, essen, freunde besuchen (visum beantragen, arzt termine, ämterlauf) 😉
      lg

  4. Daniela sagt:

    Singapur!

    Gegen das Staubproblem der Haut half nur eins: Weleda Cold Cream. 🙂

    Genieß den Duft.
    Als ich heute das Fenster aufmachte, muchtete es nach Verwesung. Wer weiß, in welchem Gulli sich da was zersetzte. 😉


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