resüme2010

2010.
das bisher beste und zugleich schlimmste jahr in meinem leben wahrscheinlich.
ich bin in den vorangegangenen 3 jahrzehnten zusammengenommen nicht soviel beschimpft, belästigt, beleidigt, gedemütigt und verletzt worden.
aber auch nie so viel geliebt, vermisst, geschätzt und gebraucht.
wie wiegt man das eine nun gegen das andere auf? –  am besten wohl gar nicht.
let it be.
schnell gelebte zeit und vor allem intensiv gelebte. also gute, oder?
ich fühle mich (auch) voll. voll mit eindrücken, gefühlen, gedanken und ideen, die festzuhalten einer enzyklopädie oder gesamtausgabe der goethe werke gleichen würde.
so viel zeit hab ich nun wirklich nicht! 😉
und wer liest das schon…
2011 wartet schließlich darauf gelebt zu werden!

anya

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winteralternativen

es ist also winter in mumbai. was bedeutet das?
das bedeutet, dass, wenn ich mein fenster früh öffne, tatsächlich kühle luft hineinströmt! 🙂 das bedeutet, dass ich (wenn ich will) schuhe mit strümpfen tragen kann, aber nicht muss (und ich will meistens nicht).

das geöffnete fenster trägt zum frühstück sogar einen schnulzigen hindisong zu mir herein, er knarzt und krächzt aus dem handy eines unbekannten, bis die bauerabeiter gegenüber wieder ordentlich loslegen und es nur noch lärmt…
ich verlasse das haus und freue mich über die sonne und die perfekten temperaturen (jeder hat doch seine perfekte temperatur, meine liegt zwischen 25 und 28 grad)! aach, mumbai winter-i like it!
fast scheint es, als würde ich heute KAUM angequatscht auf dem weg zur station und ich bilde mir ein, dass sich auch die überdosierten dreibeiner meines kiez (zwischen 15 und 45) daran gewöhnt hätten, dass hier eine weiße wohnt…
ich stoße an der übernächsten ecke an die hauptstraße, die ein stück direkt am highway entlang führt und an dem sich riesige werbetafeln türmen. (wer braucht eine fernsehzeitung, wenn es billboards gibt?) das riesige metallgestänge einer dieser tafeln muss heute früh wohl repariert werden und zwei gelangweilte arbeiter blockieren unten die straße mit zwei bambusstangen während oben zwei weitere irgendwas festschweißen. die funken sprühen, so dass ich kurz abgelenkt bin. auch fällt mir beim ersten hinsehen gar nicht auf, dass die da oben natürlich ganz ohne sicherung rumwerkeln…

als ich weiter laufe, den blick auf den boden geheftet, trifft der meinige immer wieder auf kleine braune knopfaugen, die traurig und desorientiert oder einfach lethargisch und nur selten fröhlich zurück blicken für eine sekunde. dringend muss ich noch diese hunde im viertel fotografieren , die inzwischen fast alle einen namen von mir bekommen haben.

dann schnell über die staubige riesenkreuzung (am schlimmsten ist immer das warten an der ampel zwischen den ganzen mir bist zu brust reichenden dreibeiner). ich bin inzwischen ganz gut und kenne den kürzesten weg, schräg drüber und auch wie man ihn geht ohne von bussen, riskhaw oder anderes verkehrsteilnehmer überfahren zu werden.

skywalk. puh.
da hat doch schon wieder einer/eine mitten auf den skywalk kekackt???!!! ich frage mich, ob das ein protest ist, ein spontaner anfall von kacknot oder die jeweiligen einfach zu doof sind, auf die unten liegenden grünen kackwiesen auszuweichen.
dort wird morgens nämlich ausführlich geschäft betrieben. das hält die wiese im übrigen schön grün!
man erkennt einheimische daran, dass sie den gestank nicht mehr wahrnehmen…
dann rechts, links, nochmal links…bin ich auf dem letzten abschnitt zum bahngleis. alle bettler auf dieser station sind mir mittlerweise bekannt und lösen keinen grusel mehr aus: weder die komische schmutzige alte mit den blindengläsern, noch der schmutzige blinde mit der tiefen rauhen stimme (alle drei sekunden: aaaallah!), noch der junge ebenfalls schmutzige mann ohne arme und mit zu kurzen beinen…alle muslime. die morgensschicht. am abend sitzen dort komplett verschleierte frauen mit halbnackten SCHMUTZIGEN oft verkrüppelten kindern.
manchmal ist da auch ein sehr sehr alter mann mit so ner trommel, die er nicht spielen kann. er tut es trotzdem als ginge es um leben und tod. tut es für ihn wahrscheinlich auch.
an der stelle fange ich immer an zu drängeln, denn (das erscheint mir fast lächerlich es aufzuschreiben), dass ist kein ort zum verweilen, aber WIE SCHON OFT ERWÄHNT, inder neigen an den seltsamsten orten zum bummeln. also schubse ich schonmal ein bisschen und werfe gelegentlich ein „move!“ hinterher.
(oft versucht mich ein entgegenkommender dreibeiner „zufällig“ zu berühren)
treppe runter. bahngleis 2, warten auf den zug. irgendwo unspefizisch vor mich hinstarren, denn so bald man irgendwo spezifisch hinstarrt, wird sich jemand an gesprochen fühlen…
sobald ich im zug sitze, wieder entspannung. ein schluck aus der wasserflasche und ohrstöpsel rein. ich freue mich an dieser stelle erneut über die temperaturen, denn das ist sonst der punkt an dem ich mir endlich den schweiß von diversen körperteilen wischen kann und endlich im schatten sitze.

30 min augen zu, musik, wind und die feststellung, dass diese stadt so sehr zum romantisieren geeignet ist. auf jeden fall im vorbei fahren.
ab matunga road muss ich die musik etwas lauter drehen, da steigt immer eine dreiergruppe extrem geschwätziger inderinnen ein… aber ich bin schon abgestumpft genug, um nicht mehr die ganze zeit zu denken: PPSSSSSCCHHHHTT! ich mache einfach meine musik lauter, fertig.

aussteigen churchgate und in der menge mittreiben lassen.

auch auf den letzten 10min zu fuß zur arbeite freue ich mich wieder über das wetter. alles so schön grün und frisch! universitätsgebäude links und oval maiden rechts. da wird jetzt immer fleißig kricket gespielt am morgen. das licht ist perfekt. und auch hier liegen ein paar hunde herum, die ich im vorbei gehen grüße (heimlich).

wäre ich eine fröhliche natur würde ich allein wegen dem wetter das tun:

das ist alles in allem ein schöner weg zur arbeit und ich bemerke fast gar nicht mehr, wieviel lärm, schmutz und sexuelle belästigungen er beinhaltet.
das ist gut.

ich genieße diesen zustand noch einige tage und dann gehts 35 grad tiefer…

bis dann!

anya


(da kann man auch mal wieder sehen, wie dumm und faul tauben sind: lassen sich n stück papier an den schnabel kleben und fahren dann auch noch taxi!
und: man darf bei diesem lied zwischendurch einnicken, aber auf keinen fall den großen showdown verpassen)