you know what you’ve got

man sagt, man würde das eigene glück nur dann erkennen, wenn es nicht mehr da wäre oder wenn es in reichweite, aber eben unerreichbar wäre (the grass is always greener…)
es gibt aber noch eine dritte option: die rar gesäten momente, in denen ich mich selbst von außen beoabchten kann und (noch seltener!) denke: mmmh, eigentlich gar nicht so schlecht!

woran liegt das also?

gerade im letzten beitrag habe ich wieder von dem hin und her berichtet, dem ich hier täglich ausgesetzt bin und das (machen wir uns nichts vor) in den letzten wochen auch sehr stark zum „her“ tendierte….
die kontraste stehen hier aber immer direkt nebeneinander, so eng wie im local train borivli-churchgate gegen 8uhr morgens.

ich habe also seit einigen tagen das unzweifelhafte vergnügen, beide optionen (ein leben in dtl und eines in indien) direkt und wahrhaftig vor augen zu haben. ich meine, als tatsächlich optionen. und wirklich: für einen moment hat mich die idee, mumbai verlassen zu müssen auch erschreckt.
doch spätestens als ich am selben abend auf dem heimweg wiedereinmal in dieser unerklärbar vulgären art schräg von der seite angequatscht wurde, OBWOHL ich neben einem mann ging (ich bin nicht in der lage zu beschreiben, wie unglaublich wütend mich das immernoch macht, der ohnmacht und emanzipierten erziehung geschuldet)… stand außer zweifel, dass auch dtl im januar seine vorzüge hat…

aber, wie um meine these des ständigen „regen-traufe-gefühls“ zu bestätigen, traf ich im zug auf zwei deutsche, die nun ein unglaublich überflüssiges gespräch anfingen, der höflichkeit wegen…
„und, wie gefällt dir Mumbai so?“
nnnnnäähhääännn—
sehr unnötig, sehr uninteressant.
und, ja, jeder hat das recht, dieses land und besonders diese stadt auf seine weise erleben zu können (von denen es hier unzählige gibt). ich beanspruche das ja auch für mich.
aber wenn die erholungs-goa-thematik anbricht hört bei mir die geduld auf. wirklich!
dann bin ich genervt von der oberflächkeit der europäer und davon, wie wichtig der exotische luxus im vergleich zu wirklicher auseinandersetzung mit einer neuen, fremden kultur ist. argh. nerv!

also pendle ich von ärger nach freude, von sehnsucht nach badewanne und eigenständigem ich nach masala dosa und gebräunter fussfreiheit.

ach, wär ich doch schon alt und weise.

anya


4 Kommentare on “you know what you’ve got”

  1. mandy sagt:

    hallo liebes, auch die alten sind nicht weise. vielleicht ist das nur so eine art von kleinen kinder, die hinaufschauen auf den großvater und ihn für seine unzählige gedult bewundern und sein großes liebendes herz. ihn aber für den gestank seiner zigarren, bös beschimpfen….hab ich gemacht ;). im gefühl, sind meine großeltern für mich alt und weise. aber sie hatten auch nicht diese unendlichen möglichkeiten, die sich uns da bieten. du hast nichts zu verlieren. ich umarmt dich

  2. Kerstin sagt:

    Wenn Du alt und weise bist, wirst Du froh sein, diese Erfahrungen hier gemacht zu haben, glaub mir. Nichts ist langweiliger im Leben, als sagen zu muessen, haette ich doch damals…..

    Und erweitert das Leben hier nicht auch den Horizont? Sieht man hier das Leben nicht von einer ganz anderen Seite? Waren wir nicht auch mal oberflaechliche Touris, die sich eigentlich nur fuer Sonne und Meer interessierten?

    Sorry, habe gerade meine „Indien-ist-gut“-Phase, aber vielleicht kann ich Dir ja ein bisschen davon abgeben.

    LG
    Kerstin

  3. Daniela sagt:

    Alter schützt vor Torheit nicht. 🙂

  4. paralleluniversumanja sagt:

    ich meinte das mit dem alt-und-weise eigentlich auch eher ironisch…
    ich sehe das eher wie dani, das macht ja auch hoffnung irgendwie. der gedanke, im alter noch dummheiten begehen zu können.
    alt und weise stell ich mir auch ein bisschen öde vor! 😉
    alle entscheidungen müssen getroffen werden und alle sind gut so wie sie sind. hau!


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