von oben herab

seit letzter woche befinde ich mich offiziell im panik-gefrier-zustand! nach einem wochenende mit vielen vielen deutschen um mich herum (ach, man kann sich die erleichterung kaum vorstellen…endlisch noarmaaale leude!) erschrecke ich mich beim blick auf den kalender: tatsächlich! in weniger als einem monat hab ich nur noch deutsche um mich! dann bin ich hier tatsächlich weg. vielleicht für länger (nicht für immer, das steht wohl fest).

die aktuelle wetterlage zusammen mit der post, die ich in deutschland von meinen beiden hass-ämtern erhalten habe (na wer wohl: gehirnamputuiertenzentrale und arge) sprechen nicht gerade zum besten. Auch was ich an möchtegerndiskussionen aus der zeitung entnehme, lässt mich mehr als oft den kopf schütteln; entweder aus gründen der banalität  a la „habt ihr keine WIRKLICHEN probleme“ oder aus unverständnis, warum es in einem land, dass doch alle möglichkeiten hat, soweit kommen kann. wie gruselig ist denn z.b. die panikmache und hetze bezüglich der „geplanten anschläge“!!?? hilfe, die hottentotten kommen!
alles zusammen kein gutes bild, was sich da gerade in meinem kopf zusammenbraut.
ich merke, dass ich aus der entfernung immer öfter denke: wie dumm sie doch sind, die deutschen. es geht ihnen eindeutig zu gut.
und: ich will da nicht hin und frieren!

und dann werde ich schon in die erweiterte familienweihnachtsplanung aufgenommen und nörgle wie eine 16jährige ob der offensichtlichen nichtigkeit der anfrage…och nöööö. lasst mich blooooß in ruhe!

kann mich mal jemand daran erinnern, warum das so schön ist dort? gute luft und mettbrötchen zählen an dieser stelle nicht. die fehlen mir, wiegen aber nicht so schwer.
und umso näher ich dem abflugdatum komme, desto weniger will ich da hin, ganz ehrlich. in das land der dichter und denker (wo auch immer das geblieben ist). das land der verkopften endlosnonsenedebatten und anmaßenden behördengänge, des schlechten wetters und steigenden aggressinspotentials, der einsamkeit und der massenphänomene. da komm ich her, muss ich da hin?

und hier zum schluss, einfach aus prinzip….der klassiker „achmed, the dead terrorist“, den ich sonst nicht uneingeschränkt weiterempfehle, aber manchmal muss man einfach auch mal gegendrücken.

ps: mami, ich hab dich trotzdem lieb! (und komme auf jeden fall! )

Advertisements

you know what you’ve got

man sagt, man würde das eigene glück nur dann erkennen, wenn es nicht mehr da wäre oder wenn es in reichweite, aber eben unerreichbar wäre (the grass is always greener…)
es gibt aber noch eine dritte option: die rar gesäten momente, in denen ich mich selbst von außen beoabchten kann und (noch seltener!) denke: mmmh, eigentlich gar nicht so schlecht!

woran liegt das also?

gerade im letzten beitrag habe ich wieder von dem hin und her berichtet, dem ich hier täglich ausgesetzt bin und das (machen wir uns nichts vor) in den letzten wochen auch sehr stark zum „her“ tendierte….
die kontraste stehen hier aber immer direkt nebeneinander, so eng wie im local train borivli-churchgate gegen 8uhr morgens.

ich habe also seit einigen tagen das unzweifelhafte vergnügen, beide optionen (ein leben in dtl und eines in indien) direkt und wahrhaftig vor augen zu haben. ich meine, als tatsächlich optionen. und wirklich: für einen moment hat mich die idee, mumbai verlassen zu müssen auch erschreckt.
doch spätestens als ich am selben abend auf dem heimweg wiedereinmal in dieser unerklärbar vulgären art schräg von der seite angequatscht wurde, OBWOHL ich neben einem mann ging (ich bin nicht in der lage zu beschreiben, wie unglaublich wütend mich das immernoch macht, der ohnmacht und emanzipierten erziehung geschuldet)… stand außer zweifel, dass auch dtl im januar seine vorzüge hat…

aber, wie um meine these des ständigen „regen-traufe-gefühls“ zu bestätigen, traf ich im zug auf zwei deutsche, die nun ein unglaublich überflüssiges gespräch anfingen, der höflichkeit wegen…
„und, wie gefällt dir Mumbai so?“
nnnnnäähhääännn—
sehr unnötig, sehr uninteressant.
und, ja, jeder hat das recht, dieses land und besonders diese stadt auf seine weise erleben zu können (von denen es hier unzählige gibt). ich beanspruche das ja auch für mich.
aber wenn die erholungs-goa-thematik anbricht hört bei mir die geduld auf. wirklich!
dann bin ich genervt von der oberflächkeit der europäer und davon, wie wichtig der exotische luxus im vergleich zu wirklicher auseinandersetzung mit einer neuen, fremden kultur ist. argh. nerv!

also pendle ich von ärger nach freude, von sehnsucht nach badewanne und eigenständigem ich nach masala dosa und gebräunter fussfreiheit.

ach, wär ich doch schon alt und weise.

anya