defending india

ende letzter woche wurden im rahmen eines abendessens bei der institutsleitung zwei mitglieder verabschiedet. mr. gopal war 35 jahre als fahrer angestellt, mr. gawdhe kann sogar 37 jahre als haustechniker vorweisen. beide waren viel mehr.
fast das gesamte team war anwesend: vom koch über die wachmänner, verwaltung, sprachabteilung und natürlich die wichtigsten personen überhaupt: die kolleginnen der programmabteilung! 😀
zuerst haben zwei mitglieder eine art abschiedsong gesungen, der sich allerdings aufgrund offensichtlicher emotionaler komplikationen auf eine strophe beschränkte.

dann wurden jede menge reden geschwungen, die ich sonst immer öde und überflüssig finde. aber wenn jemand nach so langer zeit als von allen geschätzter kollege das terrain verlässt, ist das schon eine große sache…
spätestens als gopal (der nie einen deutschkurs besucht hat) seinen zettel aus der hemdtasche kramte, um ein paar worte auf deutsch zu sagen, hatte ich ernsthaft mit knoten im hals zu kämpfen. ich alte schmalznudel!

das war einer dieser rar gesäten momente, in denem einem klar wird, wieviel glück man hat. in solch einem team zu arbeiten! respektiert zu werden (nagut, die jungen burschen vom reinigungspersonal glotzen!), sogar gefördert (also nicht das glotzen), mit den kolleginnen auch befreundet zu sein, sich eine packung bananenchips zu teilen, von den hausgemachte süßigkeiten der ehefrau des technikers  mal ganz abgesehen … UND von dieser arbeit auch noch leben zu können!

ja, auch das ist das land in dem ich lebe.

anya

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ein zoo voll tiere

ja, wir kennen es alle, das klischeebild von indien und egal, in welchem frauenmagazin, reiseführer oder indienblog, es darf nicht fehlen…das bild mit der kuh!
meines entstand im feburar 2008

für alle, die es noch nicht ins land des pfeffers geschafft haben, sollte ich vielleicht hinzufügen, dass es durchaus NICHT üblich ist, am laufenden band kühen in indischen großstädten zu begegnen…nein, ich will jetzt auch kein „oooh“ hören! wirklich wahr.
okok, manchmal passiert es schon. heute früh zum beispiel konnte ich aus den augenwinkeln und im vorbeihuschen aus dem zug eine kuh am straßenrand sehen…
und, ja: vor wenigen wochen erst lief eine kuh-mama mit babykalb am hintern gemütlich watscheln durch die ic colony in borivali!!
da blieb auch ich einen moment stehen und sah dem wackeln ihres prächtigen hinterteils zu, wie es gemütlich von rechts nach links schwänkte…
an der nächsten kreuzung blieb sie kurz stehen, schaute nach rechts….links…und entschied sich für rechts. (ich musste leider nach links)
ja, das passiert, wenn auch seltener.
aber vielleicht ist das ja in anderen indischen städten auch anders….ganz bestimmt!

nun bin ich also schon länger hier, habe also der statistik nach noch mehr tolle indische tiere gesehen…? obwohl ich gestehen muss, dass tiere hier nicht wie tiere in europa sind, möchte ich folgenden kommentaren vorbeugen und gleich mal klarstellen: das wird kein kakerlaken beitrag! die viecher gehören genau wie moskitos, küchenschaben und ähnliches gekrabbel nicht in meinen romantisch idealisierten tierkosmos. bäh! pfui! ich schmeiße sie alle aus dem fenster. mit der altbewährten glas-papier-methode (die schon 2008 erfolgreich zum einsatz kam). ich bin ja nett.

also: tiere! in mumbai! 2010!!
gestern hab ich mich in einen hund verliebt … ihn LIMPI getauft. denn er fiel mir auf dem weg zu station auf, weil er neben mir humpelte. er hatte irgendeine art spastik in der hinteren linken pfote. was ihn aber nicht daran hinderte, mit uns quer über die straße zu hüpfen. er wollte anscheinend den gleichen weg nehmen, dachte ich. dann blieb er kurz stehen, drehte sich zu mir um und da wars um mich geschehen…ich bin auch nur ne frau…seufz..ich sprach ihm also mut zu: na, nur weiter LIMPI, wir kommen schon… mpf. (ich glaub, meine wegbegleiter haben mich wieder für verrückt gehalten, aber das war mir gleich-limpi und ich würden bis ans ende der welt humpeln) er drehte sich also wieder um und lief weiter. ach, das war schön!
(natürlich ist irgendwann einfach davon gehumpelt, aber trotzdem…)
erwähnenswert ist diese geschichte schon deshalb, weil ich hunde in dieser stadt sonst nur so kenne:

für katzen gilt ähnliches. auch da habe ich einen liebling im viertel, wo ich arbeite. einen ziemlich hässlichen kater, der immer vor dem lampenladen sitzt. er wird dort gefüttert, glaube ich.

dann: die bandra station! sie gleicht am morgen einem dieser streichelzoogehege, die ich als kind besuchen durfte. es gibt hühner und auch ein hahn kräht manchmal. am besten sind aber die ziegen, die mitten (und ich meiner hier MITTEN) auf dem zubringer zu den einzelnen bahnsteigen stehn, sitzen, kacken. eine ganze familie haust dort. mal weiter vorn, mal weiter hinten. und ich frage mich, ob die nicht vielleicht der dort sässhaften slumgemeinde (wie auch immer) gehören, die „zu hause“ nunmal keinen platz übrig hat und die haus-und nutztiere dort parkt. ja, why not eigentlich.
wen kümmerst, ob zwischen unmengen an sich drängenden menschen und einem guten dutzend bettler (dieser abschnitt ist UND DAS JETZT BITTE WÖRTLICH UND NICHT ABSCHÄTZEND VERSTEHEN muslimischen krüppeln vorbehalten. wir haben das kleine mädchen ohne beine, den jungen mann ohne arme, den alten mann ohne augen und diverse frauen mit dreckigem schleier-also ohne gesicht und mindestens einem baby) auch noch fünf ziegen rumrennen. who cares anyway!?

was haben wir sonst noch im angebot?
dass ich mit den krähen vor meinem fenster rede, ist auch keine neuigkeit mehr (achtung! vor kontaktaufnahme aus dem fenster spähen, ob evtl ein nachbar guckt!!)…fledermäuse und ratten hinterlassen nur ein pppfffff.
elefanten hab ich noch keine gesehen, es geht aber die legende, es würden auch welche durch die stadt laufen:
achja, heute früh hab ich ne ente neben nem scheißhaus gesehen, aber das war auch nicht besonders spektakulär.
was hier so im wasser schwimmt kann ich leider aufrgund dichter mülldecke nicht erkennen, aber ich bin sicher, dass ein oder andere nessy-tier findet sich auch hier.

in diesem sinne: augen immer schön offen halten! 😉

anya