unendliche shoppingwelten (begrenzt)

indische einkaufszentren (hier ganz amerikanisch als „malls“ bekannt) sind eine welt für sich. ich kam schon mehrmals in den genuss in der unglaublich gigantischen inorbit mall mit angeschlossenem schlemmerparadis (kaufhalle) namens „hypercity“… 🙄
name scheint hier programm zu sein, also ging ich am letzten wochenende mit großen hoffnungen in eine weitere dieser konsumtempel namens „infinity mall“.

ganz wie es sein muss, wird man schon beim anhalten vor der tür begrüßt von…na?…genau: bettelnden kindern! wo, wenn nicht hier, nicht wahr?
ich, die ich nach meinem spendendebakel und dem ÄUSSERST erhellenden film „traffic signal“ eher anti-geben eingestellt bin, wimmelte die bälger mit einem harschen „no“ ab und wurde prombt beschimpft…whatever! (ich reg mich schon nicht mehr auf)
nach typisch lapidarer taschenkontrolle und röntgentante in der kabine….endlich im klimatisierten himmel! 🙂

das erste und lange heiss ersehnte ziel ist der bisher einzige in mumbai und wirklich große buchladen namens „landmark“. Gute Musik! – ist mein erster Gedanke…
nun, wie beschreibt man einen indischen Buchladen…mmhh…
ja, es gibt eine ordnung, im sinne von kategorien: so reiht sich „erotica“ zum beispiel an „pregnancy“ gefolgt von „parenthood“… aber ansonsten…liegt eigentlich alles kreuz und quer. was schön zum stöbern ist, aber ein gezieltes suchen unmöglich macht (eigentlich ein sehr passendes indienbild überhaupt). rund um die vielen regale sitzen junge inder und inderinnen auf dem boden und lesen! 🙂 wirklich viele! ein schönes bild!
in der reihe, in der ich nach einem geschichtsbuch suche, sitzen zwei männer (um sie herum liegen schon einige bücher) und diskutieren etwas heftig.
eine verkäuferin muss mir suchen helfen, denn laut pc gibt es noch zwei ausgaben des von mir gesuchten buches…doch wo? wir scheitern beide, aber das ist nicht so schlimm, die athmosphäre des ladens stimmt und ich bin guter laune…
kaufe dann eine bollywoodklatschzeitung und einen alten hindi-filmschinken! bätsch!

achja, eines noch: in diesem buchladen gab es eine riiiiieeesige abteilung, die sich von indischer philosophie über östliche philosophie hinzu lebenshilfe und spiritualität erstreckte. fast kam ich mir vor wie in einer therapiesitzung, wurde bei jedem zweiten buch an meine schwächen erinnert und doch gleichzeitig an mögliche auswege…sehr strange, aber auch heilsam! (selbst das schlendern)

weiter gehts.
aber vorher eine kleine stärkung.

es gibt hierfür eine halbe extra etage (wir erinnern uns: inder essen gern!). ich entscheide mich für einen hot dog (lebanese style). das verrückte daran ist nicht der hummus im hot dog-nein nein-sondern die tatsache, dass es nur in indien denkbar ist, an einem hot dog stand einen extra „veg“ schalter einzurichten…
anyway, ich nehm die wurst, die mich, als sie das arme ding aus der gefriertruhe kramt, eher an ein pupertäres würstchen erinnert…aber lassen wir das, wir wollen ja was essen!

ich durchstöbere also noch das eine oder andere geschäft (werde von unendlich faulen und quatschenden putzinderinnen am hände waschen gehindert) und lande letztlich im ersten supermarkt indiens- big bazaar.
naja, kann ich da nur sagen. man merkt, dass das klientel ein vollkommen anderes ist als in der durch und durch verwestlichten „hypercity“. die gänge sind ein wenig eng, die auswahl an europäischen produkten eher mau (ich will meinen käse!) und es ist laut!! alte damen im sari drängeln wie bekloppt und mäkern rum…naaa toll!
das beste allerdings erwartet mich gleich am eingang: ich gebe meine tüte mit den bisher schon gekauften sachen meiner begleitung, da ich schon weiß, dass extra tüten nicht erlaubt sind (eine ganze berufsgruppe von kaufhausgarderobiers erhält sich so). will mit meiner handtasche in den markt und werde prombt gestoppt. ich denke: ja, gut, dann check halt NOCHMAL meine tasche!! aber nix da, sie wird mir weggenommen… und vor meinen augen in eine weitere plastiktüte gestopft…wtf….!! dann schließt die nette dame diese tüte mit einem plastikbändchen…schwups fertig…noch ehe ich „protest“ rufen kann.
und nu?
wat soll das?
ich werde darüber aufgeklärt, dass ich das ding jetzt mit reinnehmen darf.
und wie soll ich bezahlen bitte (und wenn jetzt jemand anruft!!??)?
ja, madam, das schneiden die an der kasse wieder auf…
schon klar!
(später werde ich darüber aufgeklärt, dass es wohl viele taschendiebe im markt gäbe…ich denke: ja, und genau DAS ist die lösung dafür -wir schweissen alle taschen ein)

nichtsdesto trotz zählt auch meine letzte supermarkt anekdote zu einer typisch indischen: ich versuche mit meinem stück käse ein kasse zu finden, was sich deshalb als schwierig erweist, weil die olle omma vor mir plus dicke schwiegertochter sich im wahrsten sinne nicht auskäsen kann und immerwieder zwischen zwei kassen hin und herwechselt, bis ich sie anbrabbel: ja, was denn nu?!
ein netter herr neben mir weist mich darauf hin, dass es eine kasse für leute mit wenigen produkten gibt (wie heisst das doch gleich?)…ich bedanke mich höflich und wechsle dorthin. 🙂

alles in allem – ein gelungener Nachmittag!

aber das nächste mal dann doch wieder west-deluxe…inorbit ich komme! (hier fehlt ein riskhaw-smiley)

lg anya

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3 Kommentare on “unendliche shoppingwelten (begrenzt)”

  1. Netter Artikel und sehr anschaulich beschrieben… Alltagsleben in Mumbai… und hmpf, ich weiß, dass ich einmal in der Infinity Mall war, aber außer daß es ziemlich klein war und der Foodcourt nicht sehr abwechslungreich, kann ich mich nicht wirklich mehr daran erinnern. Das war am Anfang meines Indien Besuches und daß wir um zur Mall zu gelangen und zurück zum Auto, zweimal die 4-spurige Straße überqueren mussten, blieb irgendwie stärker im Gedächtnis als das Einkaufserlebnis… Und ja, ich bevorzuge auf jeden Fall auch Hypercity, da findet man fast schon alles… Aber wir kamen von der anderen Seite noch hinter Thane und da ist es schon ein Tagesausflug bis InOrbit und zurück. Deswegen habe ich europäische Produkte eher in den Markthallen beim VT gekauft und wir waren häufig in den Shopping Malls in Mulund… wie z.B. Nirmal Life Style. Da wurden beim Bau der Malls einige Bäume stehen gelassen, so daß alles ein bißchen grüner und parkartiger aussah. Ich mochte auch so gerne Leute im Supermarkt beobachten… 🙂 mein Schwager würde den Markt betreten und den Menschen an der Tür sagen, daß er das Produkt zu kaufen wünsche. Dann würde ihm ein Einkaufsberater zur Seite gestellt, der mit ihm zum entsprechenden Regal geht und es in den Korb packt. Auf die Idee, daß so ein Markt dazu da ist, daß man selber sucht, käme er erst gar nicht… 😀

  2. paralleluniversumanja sagt:

    danke! 🙂

    ich reise western railway…mulund und thane kommen mir vor wie china…weeeeit weg!
    das mit den bäumen klingt aber sehr gut.
    ein einkaufsberater würde mich allerdings in den wahnsinn treiben. das machte ich, ganz selbstbestimmt und emanzipiert wie ich bin, doch lieber allein!
    lg anja

  3. Ich glaube wenn man es gewohnt ist in einem Laden zur Theke zu gehen und zu sagen was man will, dann ist es ziemlich schwierig auf einmal alleine suchen zu müssen… zu mal man sich auch mit niemanden unterhalten kann und vielleicht entgehen einem sogar all die Angebote z.B. wenn man drei Packungen einer Kekssorte kauft, gibt es ein Deodorant umsonst dazu oder irgend etwas anderes ähnlich naheliegendes… Ich dagegen bin westlich gestört und dementsprechend so paranoid, daß ich einen Laden schon verlasse, wenn ich nur von der Seite gefragt werde… „Suchen Sie etwas?“ „Nein!“und raus.


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