murud-janjira HIN

alles beginnt damit, dass ein mann (den ich nur als hellblaues hemd ohne kopf wahrnehme) mir an die brust fässt. noch ehe ich, in der rikshaw sitzend, begreife was passiert, schnellt der arm des zwischen den autos und rikshaw Laufendenden an meine brust, grabscht nur 1 sekunde und ist schon verschwunden.
ich bin schockiert und es tut weh (innen und außen), der angriff war brutal…  nach so vielen momenten und monaten fühle ich mich sicher hier oder wähne mich zumindest in sicherheit.
(bemerkung am rande: ich trage eine eher konservative kurta heute und da der angreifer mein gesicht nicht sehen kann, gehe ich davon aus, das diese attacke nicht dem „weisse-frau-klischee“ anheim fällt)
ich versuche, den „vorfall“ so schnell wie möglich zu vergessen (was bleibt anderes übrig?) und kaufe drei schöne glasarmreifen im zug (rotgrüngelb). noch aggressiv geladen quetsche ich die drei etwas zu engen dinger über meinen linken arm und beginne mich besser zu fühlen
(erst später wird mir klar. wie schwierig und schmerzhaft das ablegen derselben enden wird-autsch)
ich bin spät dran-nix neues hier.
husch husch, renn renn….endlich: die fähre nach alibaug legt vom gateway ab. inklusive mir!
das erwünschte urlaubsgefühl setzt bereits nach wenigen minuten ein: schuhe aus, keks in den mund, seewind um die ohren – volle fahrt voraus! 🙂

eine knappe stunde, dann anlegen am vielversprechenden strand von alibaug. leider nicht meine endhaltestelle.
ein bus steht bereit, der ungefähr die hälft der mitfahrenden die noch weiter reisen müssen/wollen zu eigentlichen busstation bringt. das dauert ca 30 minuten.
ich komme mir ein bisschen vor wie melman in „madagaskar“: nature!! it’s all around me (all over me?)!!!
ich-nunmehr ausgeschriebene städtlerin und an urbane zusammenhänge gewöhnt – bin ein bisschen überfordert bei soviel etwas trockener, aber doch schöner natur um mich herum….ich bin also ein paar minuten geängstigt: hilfe, wo bin ich hier?
und dann wirds schön: indien. achja!! indien!! ich mag indien…
von mir aus könnte der bus eeewig so weitertuckeln.
tut er aber nicht.
er hält an.
und wir müssen den bus nach murud suchen. man merkt, dass diese kleinstadt touristen nur bedingt gewöhnt ist. nur zwei geschäftstüchtige versuchen, uns ein gefährt anzudrehen. kitne admi??
doch wir sind gewieft und fragen uns zum busdepot durch…der bus nach murud? – der fährt da gerade los!…aufspringen und los!

anderthalb stunden busfahrt entlang der meeresküste liegen vor mir: vorbei an tempeln, kleinen geschäften, kühen wanderern und immer wieder natur (so nenne ich das gemisch aus palmen, büschen, sümpfen und hütten).
neben mir ein junger inder mit absurd schlechten „my heart will go on“-remix auf dem handy. vor mir eine muslimische familie mit baby (die frau komplett in schwarz bei der bullenhitze!).
ein klamottenverkäufer auf der durchreise steigt ein mit seiner riesentüte. ich denke: „ein schöner mann“. er hebt mein taschentuch auf, was mir runter gefallen ist. „hach, nett ist er auch noch“…

aussteigen. fast geschafft. jetzt noch mit der rikshaw das sand piper resort finden. die leidige diskussion ums geld. ich hab ja keine ahnung, wie der tarif hier ist, aber im urlaub will man ja nicht geizig sein (zumindest nicht wegen 50cent). also zahlen wir die verlangten 60 rupies und hoffen, dass er mehr als 5 meter fährt…
das tut er.
den berg hinauf.
und da ist es, das momentane paradis auf erden… 😀

unser veranda nachbar fragt uns auf deutsch woher wir kommen-paradox. wo hat er sein deutsch gelernt? – klaro: MMB! 😉
hat 5 jahre in frankfurt am main gewohnt. jetzt hier auf der terasse in murud neben uns…hah!

anya

(ein schöner murud-janjira beitrag bei dani. hat mich inspiriert! 😉 )
meine fotos bei flickr

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2 Kommentare on “murud-janjira HIN”

  1. oh je, der Brustgrabscher-Teil klingt ja schrecklich, ich glaube ich könnte dann Indien für eine Weile nicht mehr genießen, weil ich alles nur ganz doof finden würde… 😮 (und mir wünschen, daß ich die Selbstverteidung der israelischen Armee gelernt hätte und ihm mit einem gekonnten Schwung gleich die Hand hätte brechen können)ansonsten Seife oder Creme auf die Hände um die Bangles zu entfernen und Daumen, Zeige- und kleinen Finger in die Hand falten, das ergibt die kleinsten Knochenweite für die Reifen und keine Sorge wenn sich die Handknochen etwas bewegen, da passiert nichts und mit einiger Übung werden deine Hände sogar beweglicher 🙂 Meine Angst bei Glasreifen war eher immer, dass ich sie zerbrechen könnte… und ja, genieß deinen Urlaub, das hast du dir verdient 🙂

  2. paralleluniversumanja sagt:

    danke dorothea für den fachmännischen armreifenrat…hab mich seit dem nicht wieder getraut, sie anzulegen… :S dabei finde ich den klang doch so schön… 🙂
    ich brauche eigentlich keine neuen selbstverteidigungstechniken, ich bin sicher, wenn ich ein paar sekunden mehr gehabt hätte, hätte ich ihm sicher eine verpasst! aber es ging alles so schnell…gottseidank, muss man ja auch sagen.
    ich weiss, sowas kann einem eine ganze woche versaun. zum glück war ich auf dem weg in den urlaub, das hat geholfen. und: ich glaube, ich habe in mumbai inzwischen eine schnellere „verarbeitungsspanne“ als in dtl und denke nicht mehr allzulange über sowas nach…klappt nicht immer, aber immer öfter! 😉


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