bo-c f 12

ich erreiche den bahnsteig 8:45. bin früh dran, hatte einen guten rikshaw-fahrer. einen von den „weiss“ gekleideten, die ihr gefährt auch besitzen und es nicht nur gemietet haben. jene, die mich auf meinem heimweg gegen 21:00 immer ignorieren an der station, wenn ich schon 10minuten inmitten von üblem smog und ohrenbetäubendem lärm stehe und einfach nur nach hause will! „i.c.colony…?“ reaktion: ignorieren oder abwehrendes kopfschütteln.
ich propbiere also heute mal einen neuen zug aus (fahre sonst eher von gleis7), wohl wissend, dass es voll werden wird, seehr voll!
ich beobachte also noch den vorherigen zug beim abfahren…gleich danach sammeln sich die ersten frauen vorn an der bahnsteigkante. normalerweise gehöre ich nicht zu den first-row-tanten. aber heute beschließe ich, mich gleich dahinter zustellen (also mehr 3.reihe) und in den verstreichenden 5 minuten bis zum eintreffen des zuges werden sich hinter mir noch 2 weitere reihen bilden…der bahnsteig ist nun wieder voll.
ich hoffe, ich stehe richtig, denn korrekturen werden jetzt unmöglich und gleizeitig ist es immer etwas schwierig auszumachen, wo genau der zug mit den zwei einstiegsmöglichkeiten für die erste klasse/damen halten wird.
der zug rollt langsam ein.
im vorbeifahren sehe ich, dass er bereits halbvoll ist… naa toll! wieder sind ein, zwei stationen zuvor schon ein paar clevere damen auf die idee gekommen, sich einen sitzplatz zu sichern. (der zug „endet“ und „startet“ eigentlich borivali) als das damenabteil in sichtweite kommt, beginnt sich die menge an eben noch lose zusammenstehenden frauen zu verändern. sie drängen sich dicht zusammen und die eigendynamik dieser gruppe ist unbestreitbar leicht aggressiv. in jeder dieser gruppen, von vielleicht 20-30 frauen gibt es immer 1-2 extrem zickige tanten, die nun anfangen aggressiv zu schupsen und zu keifen. der zug ist noch nicht zum stilstand gekommen, erste frauen springen bereits auf.
und das ist der grund, warum ich nicht in der ersten reihe stehe, denn wenn man nicht aufspringt, wird man gegen den zug geschupst… mehr als einmal konnte ich beobachten, wie vorn jemand stürzte. gottseidank gibt es auch immer wieder hilfsbereite mitleidende…sorry..reisende, die diesen frauen aufhelfen.
dann beginnt der teil, an dem man eigentlich nur die tür im blick behalten muss und mehr oder weniger der maße folgen, sich folgen, lassen muss. nur nicht abdriften. ruhig bleiben. ellenbogen im magen ignorieren. vorwärts. vorwärst. und schwups hinein. puh, erste hürde genommen.
da ich bis zur endhaltestelle fahre, versuche ich also möglichst weit ins innere des waggons vorzudringen. ich würde auch lieber an der tür stehen, den wind im gesicht und ein paar absurde bilder vor den augen während die landschaft an mir vorüberzieht, aber das käme einem harakiri (wie auch immer man das schreibt) gleich. neinein, das wollen wir heute nicht, einfach nur zur arbeit reicht schon. 😉
also zwischen die sitzbänke drängeln, tasche oben ablegen, versuchen, die füße irgendwo hinzustellen, eine halbwegs bequeme stehposition zu finden. und schiiiiieeeben. ich hab glück, um mich herum sind alle frauen ruhig und versuchen einfach nur, dass hinter sich zu bringen, wie ich.
„sandwich“-position wird es genannt, wenn man von zwei seiten eingeklemmt wird, richtig? wie heisst das das eingeklemmtsein von vier seiten? so verbringe ich die ersten vier stationen…kandivali, malad, goregaon, andheri…ca 20minuten. danach beginnt erneutes gedränge, die masse schiebt sich um. frauen steigen aus (5-10) und weiter ein (7-10). eine ältere dame (kategorie cholerikerin) ruft immer wieder von hinten was…sie will durch! nur wie? und vor allem: wohin? ich schalte ab, stöbsle musik ein und schlafe ein bisschen im stehen. wenn man die wachsenden rückenschmerzen und die eingeschlafenen füße ignorieren kann, gehts ganz gut.
die nächsten stationen heisst es, nach möglicherweise freiwerdenden sitzplätzen ausschau halten. bandra, dadar, mumbai central steigen viele aus. aber man will ja auch recht bald mal sitzen…es verstreichen also weiter 20 minuten bis ich endlich sitze. war wieder nicht aggressiv genug, aber eine liebe mitleidende hat mir ihren platz angeboten, als es langsam leerer wird. danke schön! hinsetzen, uff…nochmal 15 minuten dösen…dann churchgate!

aussteigen.

ist es absurd, wenn ich dem ganzen auch was abgewinnen kann?
vielleicht noch abgewinnen kann?

lg anya

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5 Kommentare on “bo-c f 12”

  1. tami sagt:

    Hm, ja Zugfahren ist immer ein Erlebnis.

    Aber musst du da jetzt jeden Tag ne Stunde im Zug verbringen um zur Arbeit zu kommen?

    Das find ich wiederum besonders….grausam 😦

    lg
    tam

    • paralleluniversumanja sagt:

      ja, muss ich. aaach, sooo grausam ists auch wieder nicht. ich würde eher sagen, sehr…menschlich. (ja, auch positives denken lernt man hier) 😉

  2. andrea sagt:

    ich lese gern deine anekdoten zum zugfahren. du klingst mittlerweile der ganzen situation gegenüber auch entspannter.
    benutzt dein Powerhouse im stehen gegen die Rückenschmerzen! An die Position des Beckens denken udn nicht im Holhkreuz vergammeln! auch wenn sich das einfach anfühlen mag, dein Rücken wirds dir danken!

    grüße, von der turnlehrerin.

    • paralleluniversumanja sagt:

      du wirst lachen, aber das ist genau das, was ich letzte woche oft gedacht und auch getan habe…allerdings ist das nicht immer, aufgrund der enge, möglich…aber ich übe, wo ich kann! 🙂


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