ich will ins kino und ich bin kein terrorist!

ein kurzer ausflug ins land der großen leinwand sieht so aus:
(ich schreibe mit absicht nicht „bollywoodkino“, den karan johar macht eigentlich ja keine klassischen hindi-schinken mehr…)

zu den total absurden ausschreitungen kann man bei dani oder kerstin lesen…bei mir wieder nur „detailsuche“. 🙂

ich meide auch in deutschland die großen, die fetten kino-malls. es ist mir immer zu kalt da. man muss in einer schlange stehen, wie im supermarkt. piep, klick. und ich versinke in den sesselartigen sitzmöglichkeiten.
jaja, ich weiss, von seiten meiner familie wird mir oft vorgeworfen, ich würde kunst nur geniessen, wenn sie anstrengend wäre (hier gilt das stichwort einar schleefs: theater muss wegtun!) das stimmt nicht…naja, ein bisschen…
nichtsdestotrotz wagte (?) ich mich in eine ebensolche, um den inzwischen schon nicht mehr zum tagesgespräch gehörenden film „my name is khan“ zu bestaunen.

erster lacher direkt an der kasse, meine begleitung darf sich mit den kassenfuzzis rumärgern:
aber sir, das ist ein hindi film! er dreht sich mit fragendem blick zu mir um, ich nicke! – ja, klar!! – there are no subtitles… – jahaaaa…(idiot!)
dann gleich bevor wir überhaupt ins hauptgebäude hineindürfen schon die erste taschenkontrolle. allerdings sehr lapidar. (und da frag ich mich wieder gleich: wozu eigentlich?)
innerhalb des gläsernen kastens finden sich nun unzählige überteuerte einkaufsmöglichkeiten (madaam, vielleicht eine dolce&gabbana sonnenbrille?) und restaurants. aber obacht! die leckereien sollten gleich stehenden fußes verzehrt werden, denn danach gehts in etage2, wo sich das eigenliche kino befindet und nun gehts zur sache!
alle taschen werden genauestens untersucht. aha!! kekse!!! und äpfel!!! das könnten ja GRANATäpfel sein!!! (für andrea: na, was können sie da machen? na, da können sie doch JEDERZEIT ihren garten sprengen!)
bemerkung am rande: für mein brot interessiert sich niemand…
ich muss die zwei dinge also dort lassen. trage mich in einer liste ein, bekomme eine nummer (ein bisschen wie in der schule) und darf es hinterher (nach dem unterricht) wieder abholen (ACHTUNG; da gibts später noch ne stolperfalle!). jetzt noch schnell den nacktscan und ab an den fressalienstand…cappucino olé und fix in kino nummer vier gehüpft…
doch halt! es läuft gerade die nationalhymne (das kenne ich ja eigentlich schon, mit aufstehen und so)…da dürfen wir nicht einfach reinlatschen, wir dummen europäer, nein nein, da wird fleißig am rand gewartet während ich eigentlich darauf warte, dass sich der serviceinder an das herz greift…kann mir ein kleines grinsen nicht verkneifen. (ich als anti-nationalist, aber ja, ich akzeptiere das, bin ja kein störenfried…shanti!)

also endlich filmgucken! 😀

ich bin am lautesten im kino (so kommts mir vor)
dann alles toll: lachen, weinen, schunkeln etc.
(falls jetzt alle auf eine filmkritik warten… )

stolperfalle: film ist „zuende“. ich hasse das aufspringen sobald ein ende in sicht ist …schlechte böse böse schlechte angewohnheiten überall auf dieser erde!
es werden also die türen geöffnet. man soll natürlich gleich hinten rausgehen…da wo „exit“ steht…zum glück fallen mir kurz vorm rausgehen noch meine explosiven äpfel ein!  wäre ich da raus gegangen hätten die gierigen sicherheitsbeamten sich aber gefreut, was? bätsch! nix is, alles meins! ich muss auch unterschreiben, dass ich alles ordnungsgemäß erhalten habe…oje…bürokratie bürokratie…

auf dem späten heimweg einen blick von einer sehr kleinen, sehr dünnen, sehr dunkeln inderin im quietschegeleben sari… 🙂

gelungener abend!

anya

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bo-c f 12

ich erreiche den bahnsteig 8:45. bin früh dran, hatte einen guten rikshaw-fahrer. einen von den „weiss“ gekleideten, die ihr gefährt auch besitzen und es nicht nur gemietet haben. jene, die mich auf meinem heimweg gegen 21:00 immer ignorieren an der station, wenn ich schon 10minuten inmitten von üblem smog und ohrenbetäubendem lärm stehe und einfach nur nach hause will! „i.c.colony…?“ reaktion: ignorieren oder abwehrendes kopfschütteln.
ich propbiere also heute mal einen neuen zug aus (fahre sonst eher von gleis7), wohl wissend, dass es voll werden wird, seehr voll!
ich beobachte also noch den vorherigen zug beim abfahren…gleich danach sammeln sich die ersten frauen vorn an der bahnsteigkante. normalerweise gehöre ich nicht zu den first-row-tanten. aber heute beschließe ich, mich gleich dahinter zustellen (also mehr 3.reihe) und in den verstreichenden 5 minuten bis zum eintreffen des zuges werden sich hinter mir noch 2 weitere reihen bilden…der bahnsteig ist nun wieder voll.
ich hoffe, ich stehe richtig, denn korrekturen werden jetzt unmöglich und gleizeitig ist es immer etwas schwierig auszumachen, wo genau der zug mit den zwei einstiegsmöglichkeiten für die erste klasse/damen halten wird.
der zug rollt langsam ein.
im vorbeifahren sehe ich, dass er bereits halbvoll ist… naa toll! wieder sind ein, zwei stationen zuvor schon ein paar clevere damen auf die idee gekommen, sich einen sitzplatz zu sichern. (der zug „endet“ und „startet“ eigentlich borivali) als das damenabteil in sichtweite kommt, beginnt sich die menge an eben noch lose zusammenstehenden frauen zu verändern. sie drängen sich dicht zusammen und die eigendynamik dieser gruppe ist unbestreitbar leicht aggressiv. in jeder dieser gruppen, von vielleicht 20-30 frauen gibt es immer 1-2 extrem zickige tanten, die nun anfangen aggressiv zu schupsen und zu keifen. der zug ist noch nicht zum stilstand gekommen, erste frauen springen bereits auf.
und das ist der grund, warum ich nicht in der ersten reihe stehe, denn wenn man nicht aufspringt, wird man gegen den zug geschupst… mehr als einmal konnte ich beobachten, wie vorn jemand stürzte. gottseidank gibt es auch immer wieder hilfsbereite mitleidende…sorry..reisende, die diesen frauen aufhelfen.
dann beginnt der teil, an dem man eigentlich nur die tür im blick behalten muss und mehr oder weniger der maße folgen, sich folgen, lassen muss. nur nicht abdriften. ruhig bleiben. ellenbogen im magen ignorieren. vorwärts. vorwärst. und schwups hinein. puh, erste hürde genommen.
da ich bis zur endhaltestelle fahre, versuche ich also möglichst weit ins innere des waggons vorzudringen. ich würde auch lieber an der tür stehen, den wind im gesicht und ein paar absurde bilder vor den augen während die landschaft an mir vorüberzieht, aber das käme einem harakiri (wie auch immer man das schreibt) gleich. neinein, das wollen wir heute nicht, einfach nur zur arbeit reicht schon. 😉
also zwischen die sitzbänke drängeln, tasche oben ablegen, versuchen, die füße irgendwo hinzustellen, eine halbwegs bequeme stehposition zu finden. und schiiiiieeeben. ich hab glück, um mich herum sind alle frauen ruhig und versuchen einfach nur, dass hinter sich zu bringen, wie ich.
„sandwich“-position wird es genannt, wenn man von zwei seiten eingeklemmt wird, richtig? wie heisst das das eingeklemmtsein von vier seiten? so verbringe ich die ersten vier stationen…kandivali, malad, goregaon, andheri…ca 20minuten. danach beginnt erneutes gedränge, die masse schiebt sich um. frauen steigen aus (5-10) und weiter ein (7-10). eine ältere dame (kategorie cholerikerin) ruft immer wieder von hinten was…sie will durch! nur wie? und vor allem: wohin? ich schalte ab, stöbsle musik ein und schlafe ein bisschen im stehen. wenn man die wachsenden rückenschmerzen und die eingeschlafenen füße ignorieren kann, gehts ganz gut.
die nächsten stationen heisst es, nach möglicherweise freiwerdenden sitzplätzen ausschau halten. bandra, dadar, mumbai central steigen viele aus. aber man will ja auch recht bald mal sitzen…es verstreichen also weiter 20 minuten bis ich endlich sitze. war wieder nicht aggressiv genug, aber eine liebe mitleidende hat mir ihren platz angeboten, als es langsam leerer wird. danke schön! hinsetzen, uff…nochmal 15 minuten dösen…dann churchgate!

aussteigen.

ist es absurd, wenn ich dem ganzen auch was abgewinnen kann?
vielleicht noch abgewinnen kann?

lg anya


widrigkeiten

die schnellen local trains, von denen ich zur zeit jeden tag einen nehme, sind inzwischen fast alle „neueren“ datums…ich erinnere mich noch gut an den hype, als die ersten neuen ende 2007 eingeweiht wurden. die erste wochen war der run auf diese besonders schicken züge wirklich extrem und man (also ich) wartete doch lieber auf einen alten…

außen:

innen:

das sieht ein bisschen wie hochsicherheitstrackt aus…ich weiss…aber dieser vergleich hinkt, wenn man mal in den alten zügen gesessen hat…glaubt mir… 😉

wie auch immer. ich nehme mir jetzt jeden morgen vor, das geschehen dort irgendwie festzuhalten…für mich scheint es geradezu die quintessenz dessen zu sein, was mein aktuelles dasein in mumbai bestimmt.
leider bin ich so schlecht im schätzen…es lässt sich schwer sagen, WIEVIELE frauen genau, sich da heute morgen also in ein solches abteil gequetscht haben (man muss sich die türen rechts und links immer offen vorstellen).

heute morgen, wie gewohnt, wieder folgendes bild…es ist schon voll…die frauen sitzen und stehen dicht gedrängt….und trotzdem quetschen sich an der nächsten haltestelle noch weitere zehn hinein…ich blicke auf quäkende gesichter, hilflos lächelnde frauen, abgestumpfte routine und einer unmenge an geschmückten unterarmen/hände. wenn man einen guten stehplatz hat, lässt sich ausführlich (ich fahre damit eine stunde) analyse betreiben…
da ich erste klasse fahre sind die frauen nicht mit billigem modeschmuck behängt, sondern mit echtem! jede menge silber, gold und steine, von denen ich die namen nicht kenne, glitzern und funkeln da in das stumpfe abteil. nagelläcke aller colour und schicke uhren (oft ebenfalls mit edelsteinen besetzt und wirklich ALLE mit verschiedenen uhrzeiten!!) recken sich empor, um wenigsten irgendwo halt zu finden. (freilich, sobald man einmal drin ist, braucht man weniger griffe, die menge hält einen zusammen).
ich beobachte also heute wieder eine kleine gruppe frauen dabei, die nicht wie ich das glück haben gleich am anfang einzusteigen…wie sie versuchen, sich hineinzudrängen…ohne erfolg, denn da ist einfach kein platz mehr! trotzdem drücken…gequäke von der anderen seite…der zug fährt bereits wieder an. eine frau hängt eigentlich nur mit einem arm an einem der äußersten festhaltehaken, in der anderen hand hält sie eine business zeitung. dieser reicht sie jetzt einer anderen frau weiter drin, damit sie wenigstens die zweite hand frei hat…und ganz romantisch wehen ihre frisch gewaschenen haare im wind. ..eigentlich ein schönes bild, wenn die schöne fremde sich nicht zu 70% außerhalb des zuges befinden würde….

ich schau mir das an und frage mich, warum ich inzwischen wieder rockmusik im zug bevorzuge…

mmhh—

anya


fragenfragenfragen (kkr1-2010)

– warum kaufe ich babynahrung in der apotheke?
(ich verkneife mir eine bissige bemerkung über den möglichen zusammenhang von kindern und krankheit  )

-warum stehen an der churchgate station zehn/zwölf dieser sicherheitspiepsdinger…die nicht verwendet werden, so dass die leute durchströmen (eh unmöglich in der rushhour alle zu überprüfen) und es durchgehend piiiiiiieeepst!!??
ein kurzer lachanfall überfiel mich als ich den soldaten hinter seiner barikade sah, der direkt daneben hockte. mit sturmhelm!! total wichtig, aber kurz vorm einschlafen!

-wo kommen auf einmal die ganzen „weißen“ im local train her?? ich bange um meinen promi-status…

-warum gibts immer EINE zimtzicke im zug, die den eh schon nervig verstopften vorgang des zur-arbeit-fahrens noch verschlimmert?

-und wo kommen die netten damen dann auf einmal her, die der halb ohnmächtigen leidensgenossin ihren sitzplatz (DAS heiligtum) anbieten…

-wie kann das indische essen nur so lecker sein???

winkewinke und tata

anya


typisch deutsch!

ich bin wirklich kein frühaufsteher…das ist ja auch keine neuigkeit…bedeutet aber, dass ich meinen „morgen“ strikt koordiniere und auf effizenz überprüfe. jede minute schlaf ist kostbar!
meistens brauche ich dann in einer neuen umgebung nur einige tage, bis sich ein optimaler rythmus eingestellt hat und ich früh alles im halbschlaf erledigen kann, um dann pünktlich „woauchimmer“ zu sein… normalerweise!
aber jetzt bin ich ja in mumbai, wo das prinzip „erstes kommt es anders und zweitens als man denkt“ für alle lebensbereiche gültig ist. gestern erlebte ich also den idealfall und meine im vornherein ausgeklügelte durchdachte zeitberechnung funktionierte 1A! 🙂 (ja, wer hat der kann!)
aber HEUTE ging dafür alles „schief“, also im hiesigen sinne „normal“:
attacke1: bad besetzt… keine panik, keine panik, umdisponieren…erst kaffe kochen und tisch denken, dann duschen…verlust-1-2minuten
attacke2: keine verdammte rikshaw will für mich anhalten!! ich bin also wieder unsicher, ob ich schon loslaufen soll oder an der ecke stehen bleiben (ja, das ist wichtig…nicht überhalten halten die leeren rikshaws)… 🙄 verlust ENTSCHEIDENDE 5-7 minuten
attacke3: ein kollateralschaden! der fast-train ist weg…jetzt muss ich warten und mit der langsamen und volleren version fahren…ochneee….

TOTAL: 30minuten später auf arbeit, durchgeschüttelt und verschwitzt (nagut, letzteres wäre ohnehin der fall gewesen)

aber ich gebe nicht auf! ich werde einen plan entwickeln und effizient aufstehen! basta! möge die macht mit mir sein!

hab mich im zug beruhigt mit folgendem lied:

liebe grüße!

anya